Blacky

17. November 2021

Wenn Sie in unserem Lingen an der Ems leben, grundsätzlich konservativ-emsländisch denken aber doch bei den Kommunalwahlen im Spätsommer dieses Jahres meinten, nach knapp 75 Jahren sei es jetzt vielleicht genug mit der absoluten CDU-Mehrheit im Lingener Stadtrat. Deshalb hielten Sie nach einer Alternative Ausschau. Die SPD war Ihnen zu kleinkariert, die Grünen zu dogmatisch und die Bürgernahen zu oft dagegen. Als politischer Mensch haben Sie dann entschieden, die FDP zu wählen, zumal sie dieses Mal mit vielen Jüngeren an- und auch sonst sehr aufgeschlossen auftrat. Das war für Sie die Wahlmöglichkeit, dachten Sie.

Wie, frage ich Sie, würden Sie sich dann eigentlich fühlen, wenn Sie folgendes erführen: An einem Mittwoch im November, der früher Buß und Betttag war, tagte nach der Neuwahl des Kommunalparlaments der Verwaltungsausschuss (VA) unserer Stadt. Nach dem Rat das wichtigste Gremium der kommunalen Selbstverwaltung. Selbstverständlich war dort lange Jahre die FDP vertreten, debattierte mit und brachte manches Mal Kluges zu Gehör.

Heute also tagte erstmals nach der Kommunalwahl der neugebildete VA. Bei dieser ersten Sitzung fehlte nun die FDP. Nicht weil eine Erkrankung oder etwas Organisatorisches im Weg stand sondern ganz grundsätzlich oder wie es heißt aus „strukturellen Gründen“.

Die FDP hat nämlich mit der abgestraften CDU eine gemeinsame Gruppe gebildet, sich also mit der CDU zusammengeschlossen. Das brachte der CDU die absolute Mehrheit zurück. Vereinbart wurde bei der Gruppenbildung auch, dass die FDP im Verwaltungsausschuss durch den eloquenten Jens Beeck vertreten wird. Beeck aber ist Bundestagsabgeordneter seiner Partei und daher in den vielleicht 40 Sitzungswochen eines Jahres in Berlin unabkömmlich.

Also ist Beeck dann  im so wichtigen, pro Jahr  knapp zwei Dutzend Mal tagenden  „VA“ zu vertreten. Doch der Vertreter für FDP-Beeck ist nicht etwa der FDP-Fraktionsvorsitzende  Dirk Meyer, was eigentlich zu erwarten wäre. in der Gruppenvereinbarung ausgehandelter Vertreter ist das Mitglied der CDU-Ratsfraktion Karl-Heinz Schwarz, Spitzname Blacky. Und Blacky saß natürlich auch heute anstelle von FDP-Mann Beeck im VA. Beeck nämlich hat -Sie ahnen es- Sitzungswoche und ist in Berlin.

Also lieber Wähler: Sie wählen nicht mehr die CDU, weil Sie sie nicht mehr wollen. Jetzt aber sitzt mit Ihrer FDP-Stimme ein CDU-Mann im wichtigsten städtischen Ausschuss und stimmt für die CDU.

Wir finden Sie das als neuliberaler Wähler? Sie sind doch bestimmt begeistert, was mit Ihrer Stimme für die FDP geschehen ist…?!

Schönen Tag noch.


Foto: Blacky Wahlwerbung auf Facebook

immergrün

17. November 2021

In Lingen ist der Höhepunkt fußgänger“freundlichen“ Tuns seit kurzer Zeit die Dunkelampel. Die Steigerung ist dann die Doppeldunkelampel (auch Schlafampel genannt), bei der auch das Fußgängerlicht abgeschaltet ist. Auf Anforderung (drücken) wird Fußgängerrot aktiviert und dann mit gelb und rot der Straßenverkehr gestoppt, bevor Fußgängergrün geschaltet wird. Danach wird wieder alles dunkel. Vorteil: man kann als Fußgänger:in ohne Drücken queren, ohne einen Rotlichtverstoß zu begehen. Meistens wird in unserer Stadt für Zufußgehende damit nur eine allenfalls 3m breite Kfz-Abbiegespur bestückt. Sie ist in Wahrheit also eine Einrichtung, die den Kfz-Verkehr nicht allzu sehr belasten will.

In Karlsruhe haben sie jetzt zwei völlig neue Bedarfsampeln. Dort, wo Fußgänger:innen bisher immer warten mussten, bis die Ampeln für sie auf Grün umgeschaltet haben, sind diese Ampeln so umgestellt, dass sie jetzt für den Fußgängerverkehr immer grün zeigen, was sich erst dann ändert, wenn sich ein Auto der Ampel nähert. Ganz geile Sache, die sich nach der Testphase in Karlsruhe hoffentlich durchsetzen kann und auf andere Städte übertragen wird. Erste Versuchsergebnisse soll es noch in diesem Jahr geben. Hier die offizielle PM der Kommune lautet:

Die Stadt Karlsruhe hat das Pilotprojekt „Grünes Licht“ angestoßen, es wird von der Hochschule Karlsruhe wissenschaftlich begleitet. An zwei Standorten wurde eine permanent grüne Ampel für die schwächeren Verkehrsteilnehmer eingerichtet. Für die Projektphase wurden die Fußgängerampeln an Abzweigungen an der Kaiserallee und an der Knielinger Allee im Karlsruher Westen für den Fuß- beziehungsweise Radverkehr auf Dauergrün geschaltet.