Nebenan

16. November 2021

Nachtragen muss ich auch dies noch, dass nebenan die Niederlande auf die enorm gestiegenen Corona-Infektionszahlen reagieren. Erneut hat die Regierung Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen, die am Wochenende in Kraft getreten sind.

Vor sieben Wochen hatten Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA) und Premierminister Mark Rutte (VVD) eine „neue Phase in der Pandemiebekämpfung angekündigt.“ Lockere Maßnahmen und die Verabschiedung der Anderthalb-Meter-Gesellschaft wurden eingeführt. Nun zieht die Regierung die Zügel wiederum an. Letzten Samstag teilten De Jonge und Rutte neue Einschränkungen im öffentlichen Leben mit. Mithilfe eines „Mini-Lockdowns“ will das Kabinett in den kommenden drei Wochen die Coronazahlen wieder in den Griff kriegen.

Premierminister Rutte zufolge ist die Einführung der neuen Maßnahmen ein „unglaublicher Rückschlag“. Er hatte nicht mit dem massiven Anstieg der Coronazahlen der letzten Wochen gerechnet, und schon gar nicht „mit dem riesigen Druck auf die Krankenhäuser“. Mit den verkündigten Maßnahmen kehrt die Regierung zur alten Strategie zurück. Ziel der Maßnahmen ist, den Zahl der Kontakte – im Büro, in der Kneipe, zuhause – zurückzubringen, um die Infektionen zu verringern und das Pflegesystem zu entlasten.

In der Pressekonferenz erkannten De Jonge und Rutte die Niederlage an. In September war die Botschaft noch, dass es keinen Lockdown mehr geben wird. Aber laut De Jonge genügt der niederländische Impfquote von 85 Prozent nicht, um die Deltavariante abzuwehren. Deswegen seien neuen Maßnahmen erforderlich.

Die neuen Maßnahmen, die unten zu lesen sind, gelten für die kommenden drei Wochen und sollte einen „schweren Schlag“ für das Virus sein. Danach muss das Virus mithilfe von „neueren, klügeren Maßnahmen“ verdrängt werden. De Jonge und Rutte denken daran, den Corona-Ausweis in mehreren Orten, wie den Arbeitsplatz, zu verpflichten. Außerdem wird darüber gesprochen, ob der Zugang zur Gastronomie und Veranstaltungen von 3G (geimpft, genesen oder getestet) auf 2G (geimpft oder genesen) eingeschränkt werden muss.

Die neuen Maßnahmen im Überblick

– Die Anderthalb-Meter-Regel gilt für Orte, an denen der 3G-Corona-Ausweis nicht erforderlich ist. Hier gilt auch einen Mund- und Nasenschutzpflicht.
– Geschäfte und Dienstleistungen die nicht lebensnotwendig sind, wie Kleidungläden oder Friseure, schließen spätestens um 18:00 Uhr.
– Die Gastronomie, Supermärkte und Drogerien schließen spätestens um 20:00 Uhr.
– In der Gastronomie ist einen 3G-Corona-Ausweis verpflichtet.
– Veranstaltungen können täglich bis 18:00 stattfinden – Besucher:innen müssen aber einen 3G-Corona-Ausweis zeigen und einen festen Sitzplatz bekommen. Pro Saal sind maximal 1.250 Personen zugelassen.
– Zuschauer sind beim Sport – professionell oder Amateur – nicht zugelassen.
– Der Ratschlag, vom Homeoffice heraus zu arbeiten, wird verschärft: „Arbeiten Sie sofern möglich zuhause“.- Pro Tag darf man zuhause bis zu 4 Gäste empfangen.
– Wenn ein:e Mitbewohner:in mit Corona infiziert ist, gilt die Quarantänepflicht nicht nur für die infizierte Person, sondern auch für alle anderen Mitbewohner:innen, egal ob geimpft oder ungeimpft.

Ausschreitungen in Den Haag

Nach dem Bekanntwerden der neuerlichen Maßnahmen herrschte in den Straßen von Den Haag Chaos. Noch während der Pressekonferenz begannen erste Krawalle. Demonstranten warfen Ziegelsteine und Flaschen auf die Polizei und umliegende Geschäfte. Vielfach explodierten Feuerwerkskörper. Die niederländische Polizei reagierte mit Wasserwerfern und Polizeihunden, mithilfe dessen die chaotischen Umstände rund zwei Stunden später aufgelöst wurden.

(Quelle: NiederlandeNet)