Deutsche Rechte

22. Oktober 2021

Krise in den niederländischen Aufnahmezentren: Es stehen nicht genug Betten zur Verfügung, um allen Flüchtlingen einen Platz anbieten zu können. Die Aufnahmezentren sind voll, aber eine Aussicht auf eine schnelle Lösung gibt es nicht.

Das Aufnahmezentrum in Ter Apel (Foto), eines der größten in den Niederlanden, erlebt seit dem Wochenende einen dringenden Mangel an Aufnahmeplätzen.  Ter Apel liegt direkt an der emsländischen Grenze. In der Nachtunterkunft des Zentrums halten sich diese Woche mehr als 700 Asylsuchende auf, während dort nur Platz für 275 ist. Schon seit einigen Wochen wohnen hunderte Flüchtlinge mehr als Vorgesehen in dem Aufnahmezentrum.

Das hat damit zu tun, dass der Zustrom von Asylanten seit dem Sommerende erheblich höher ist als zuvor: Von wöchentlich 800 im August, ist der Zustrom zu wöchentlich 1200 gestiegen. Dieses relativ geringe Wachstum sorgt trotzdem für Probleme.

Die Situation in Ter Apel ist besonders brenzlig, da es als Eintrittszentrum funktioniert. Aber nicht nur Ter Apel leidet unter diesem Problem. Laut dem Justizminister Ferdinand Grapperhaus (CDA), verantwortlich für die Aufnahme von Geflüchteten, mangelt es niederlandeweit an ungefähr 2000 Plätzen. Zudem forderte er Bürgermeister von Gemeinden in der Nähe von Aufnahmezentren auf, dringend für achthundert zusätzliche Plätze zu sorgen. Die extra Plätze wurden Dienstagmorgen versprochen, aber abends waren sie natürlich noch nicht da. Das bedeutet, dass in den Aufnahmezentren Asylanten auf dem Boden oder auf Stühlen schlafen.

Auch die Situation hinsichtlich der Hygiene ist schlecht. Eine Untersuchung des lokalen Gesundheitsamtes GGD(gemeentelijke gezondheidsdienst) zufolge spielen Kinder mit oder im Abfall, es gibt einen Mangel an sanitären Einrichtungen und es ist nicht genug Desinfektionsmittel verfügbar. Außerdem gibt es ein Risiko auf Corona-Ausbrüche, weil es keine Quarantäneräume gibt. „Getestete und nicht-getestete Personen halten sich eng zusammen auf“.

Die Zentralbehörde zur Unterbringung von Asylsuchenden COA (centraal orgaan opvang asielzoekers) erkennt an, dass die Situation nicht haltbar ist. „Dies ist keine verantwortungsvolle Aufnahme. Sobald andere Lokationen verfügbar sind, können wir diese schnellstmöglich fertig machen. Dann können Menschen aus dem Zentrum in Ter Apel umziehen, um die Lage dort zu entlasten.“

In einem Interview mit der Tageszeitung NRC Handelsblad läutet der Bürgermeister von Ter Apel, Jaap Velema, die Alarmglocken. „Der Anzahl Menschen, die sich in den Notunterkünften aufhält, wächst weiter. Die COA hat die Situation nicht mehr unter Kontrolle. Es muss sofort einen Krisenunterkunft realisiert werden.“ Der Gemeinderat fühlt sich inzwischen von dem Justizministerium und der COA im Stich gelassen. Die öffentliche Akzeptanz und Unterstützung für das Zentrum ist laut einigen lokalen Politiker:innen gefährdet.

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Quelle: NiederlandeNet