Lidl verkauft keine

6. Oktober 2021

Lidl verkauft ab sofort keine Rauchwaren mehr – in seinen niederländischen Filialen. Damit löst der Discounter ein Versprechen aus 2018 ein.

Bei Lidl können Kunden keinen Zigaretten mehr kaufen: Ab sofort liegen Tabakprodukten nicht mehr in den Regalen des deutschen Supermarktes. Früher als andere Supermärkte beabsichtigt Lidl, die eigenen Läden rauchfrei zu machen. So rief der Betrieb vor einigen Jahren die Bewegung „Auf dem Weg zu einer rauchfreien Generation“ ins Leben. Diese Initiative von Gesundheits- und Krebsbekämpfungsorganisationen will der neuen Generation eine Chance geben, rauchfrei aufzuwachsen.

2018 teilte Lidl mit, mit dem Verkauf von Zigaretten aufzuhören. Damals sagte der Discounter, Zigaretten und andere Rauchwaren sollen spätestens im Jahr 2022 nicht mehr in den Regalen zu finden sein. Diese Deadline konnte den Betrieb sogar ein Jahr früher einhalten. Ein Sprecher des Supermarktes erläutert, seit 2018 sei Lidl damit beschäftigt, den Tabakverkauf schrittweise zu verringern. Alle Filialen, die seitdem eröffnet wurden, verkauften bereits keinen Tabakswaren mehr.

Ein Sprecher des niederländischen Longfonds (Lungenfonds) reagierte positiv auf die Entscheidung des Konzerns: „Lidl unternimmt heute einen riesigen Schritt auf dem Weg zu einer rauchfreien Generation und ist so ein Leitbild für die gesamte Branche. Wir sind davon überzeugt, dass anderen Supermärkte das nicht ignorieren können.“

Mit der Entscheidung, keine Zigaretten mehr zu verkaufen, greift Lidl auch einem allgemeinen Zigarettenverkaufsverbot im Nachbarland vor. Das niederländische Kabinett hatte im letzten Jahr beschlossen, spätestens 2024 dürfen Supermärkte keine Rauchwaren mehr verkaufen. Außerdem wird 2023 der Verkauf über das Internet illegal. Ab 2024 darf es nur noch an Tankstellen und in Spezialitätsgeschäften sowie Kiosken verkauft werden.

Diese Verbote sind Teil des nationalen Präventionsabkommens (nld.: nationaal preventieakkoord). Diese Agenda, die 2018 vom Staatssekretär für die Gesundheit Paul Blokhuis (ChristenUnie) präsentiert wurde, umfasst ein Paket von Forderungen für einen gesünderen Lebensstil für die Niederländer. Nicht nur Rauchen wird mithilfe dieses Programms bekämpft: Es beinhaltet auch Maßnahmen, um übermäßigen Alkoholkonsum oder Übergewicht entgegenzutreten. Das preventieakkoord wurde von mehr als 70 Parteien, die im Bereich Tabak, Alkohol oder Ernährung tätig sind, unterzeichnet.

Dass Lidl ausgerechnet jetzt mit dem Beschluss kommt, ist kein Zufall: der 1. Oktober ist auch der Startschuss für „Stoptober“. Jedes Jahr steht der Monat Oktober für vielen Raucher im Zeichen von Raucherentwöhnung. Sie versuchen, im Oktober nicht zu rauchen und das auch anschließend durchzuhalten.

(Quelle: Niederlande.net)

Ein Lehrstück der deutschen Bürokratie:

Der 26jährige Ammar Riad Abduljabbar 
wurde im Irak geboren und kam mit 15 Jahren nach Deutschland. Er begann in Hamburg zu boxen, derzeit trainiert er beim SV Polizei Hamburg. 2018 wurde er Deutscher Meister im Schwergewicht. Dieses Jahr kam er als letzter deutscher Boxer des Turniers in das Viertelfinale der Olympischen Sommerspiele in Tokio, wo er gegen den amtierenden Weltmeister ausschied. Seit vergangenem Jahr ist seine Mutter bedroht, in den Irak abgeschoben zu werden. Jetzt soll sie ausreisen.

Die taz interviewte den Sportler.

taz: Ammar, als Sie erfahren haben, dass Ihre Mutter abgeschoben werden soll: Wie haben Sie reagiert?

Ammar Riad Abduljabbar: Ich bin ausgerastet. Ich dachte mir: Warum? Wie kann das sein? Wen soll ich um Hilfe bitten? Wir haben den Brief bekommen, in dem stand, dass meine Mutter am 5. Oktober das Land verlassen muss. Es war ein schreckliches Gefühl. Wir haben so lange dafür gearbeitet, dass wir alle zusammen sein können. Und jetzt soll sie gehen.

Der erste…

[weiter bei der taz]


Foto: ammarriad1 via Instagram / Riad Abduljabbar