„Pack die Badehose ein“ – Noch Ende der 1960er-Jahre galt die Ems als „der sauberste Fluss Deutschlands“. Baden in der Ems war ein unbeschwertes Vergnügen und an vielen Stellen gab es wie in Schepsdorf (Foto unten) sogenannte Flussbadeanstalten, in denen man ganz offiziell und unter Aufsicht eines Bademeisters in das kühle Nass steigen konnte. Doch auch an vielen anderen Stellen nutzten Badelustige die Ems als Gelegenheit zu einer Erfrischung an heißen Tagen.

Besonders beliebt waren die aufgestauten Flussabschnitte vor den großen Wehren in Hanekenfähr und Listrup. Hier boten die großen Wasserflächen auch die Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen und ganz mutige wagten einen Sprung von den Wehrpfeilern in die Fluten.

Ein ganz spezielles Thema war die Badekleidung – soweit sie denn gewünscht wurde. Ärmellange Badeanzüge bildeten im 19. Jahrhunderts noch das züchtiges Schwimmsuit für Damen und Herren. Nach der Jahrhundertwende wurde es sportlicher, aber für die Damen war der Badeanzug nach wie vor Pflicht und bauchfrei ein Unding. Bikinis sah man am Emsstrand erst in den 1950er-Jahren.

Selbst die Klosterschüler zog es an heißen Tagen in oder zumindest an das kühle Nass. Für die Pater und Seminaristen galten besondere Baderegeln – auch hinsichtlich der Badekleidung.

Die vielen Sandbänke in den Flussschleifen der Ems bildeten ideale Badestrände. Sie waren allerdings zu schwer zu erreichen und als Umkleidekabine musste hier das Ufergebüsch herhalten. Dabei galt es vorsichtig zu sein, denn in den Emswiesen weideten früher überall die Kühe und manchmal auch ausgewachsene Bullen. Sie wollten ihre Trinkstellen am Fluss nur ungern mit den unbekannten Besuchern teilen und vertrieben manchen Badegast. Auch die vielen kleinen Bootsstege bildeten eine beliebte Einstiegsmöglichkeit in den Fluss.

Eine besondere Attraktion zwischen Gleesen und Hanekenfähr, wo die Ems auf einem kurzen Abschnitt mit dem Dortmund-Ems-Kanal zusammenläuft, war das sogenannte „Schiffschwimmen“. Geübte Schwimmer kletterten vom Fluss aus unbemerkt auf einen der Lastkähne und fuhren dort ein Stück mit, um dann mit einem kühnen Sprung wieder über Bord zu gehen. Ein spektakuläres, aber auch gefährliches Badevergnügen.

Emsbadeanstalt in Schepsdorf in den 1950er Jahren

Die vielen Kölke und Untiefen in den engen Flussbiegungen waren für die Badenden nicht ungefährlich. Immer wieder wurden Ungeübte und vor allem Kinder von den Strudeln in die Tiefe gezogen und konnten sich aus eigener Kraft nicht wieder befreien.

Doch nicht diese Gefahr bereitete in den 1970er-Jahren dem Baden in der Ems ein Ende. Es war vor allem die sich stetig verschlechternde Wasserqualität, die einen sicheren Betrieb in den Flussbadeanstalten nicht mehr zuließ. An vielen inoffiziellen Badestellen besonders am Oberlauf der Ems wurde und wird natürlich weiter gebadet und wenn dort behördliche Aufsicht erscheint, dann sind es in der Regel die Naturschützer.

Heute gibt es im Emsland ein dichtes Netz von Freibädern, Schwimmhallen und Freizeitbädern. Dennoch hat ein spontaner Sprung in den Fluss seinen besonderen Reiz – einen Hauch von Naturnähe, Unbeschwertheit und Freiheit.


Ein Beitrag des Emslandmuseum-Blogs. Danke für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

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