Sophie Scholl

9. Mai 2021

Heute vor 100 Jahren wurde Sophie Scholl geboren. Zum einhundertsten Geburtstag von Sophie Scholl  erscheint eine 20-Euro-Sammlermünze aus Silber. Erstaunlich, was das Finanz­ministerium im Bild eines pummeligen Mädchens im Kleid mit Rüschenkragen und herabhängenden Haarsträhnen erblickt: „Die Bildseite zeigt ein Porträt von Sophie Scholl, das ihre besondere Persönlichkeit sichtbar macht. Die junge Frau signalisiert schon durch ihre äußere Erscheinung geistige Unabhängigkeit, Klarheit und Weisheit und die Kraft, zu ihren humanitären Prinzipien auch in höchster Lebensgefahr zu stehen.“

Nur wer bereits von der Außergewöhnlichkeit der Porträtierten überzeugt ist, kann das auf der Münze erkennen. Dabei entspricht die charakterliche Beschreibung Sophie Scholls durchaus ihrem Öffentlichkeitsbild. Man verehrt sie wie eine Heilige. Doch wie wurde aus der Studentin, Gottsucherin und Freiheitskämpferin eine Ikone, ein Kultbild?

Sophie Scholl gehörte mit ihrem Bruder Hans zu einer sechsköpfigen Widerstandsgruppe, die 1942/43 in München und anderen Großstädten mit sechs Flugblättern gegen Hitler kämpfte. Sie riefen im Namen der Freiheit zu Widerstand, Sabotage und Umsturz auf und beriefen sich dabei auf ein humanistisches und christliches Weltbild.

Die 21-jährige Studentin war die Jüngste und einzige Frau neben vier Studenten und einem Professor. Sie wurden im Laufe des Jahres 1943 hingerichtet. Nach dem Krieg nannte man die Freiheitskämpfer „Weiße Rose“, weil die ersten vier Flugblätter so überschrieben waren. Im Westen Deutschlands sah man in der Gruppe zunächst nai­ve Idealisten, im Osten sozia­listische Antifaschisten.

1946 veröffentlichte die Schriftstellerin Ricarda Huch in der Hessischen Zeitung einen Aufruf. Unter dem Titel „Für die Märtyrer der Freiheit“ bat sie, ihr Briefe und Erinnerungen an den Widerstand im Dritten Reich zur Verfügung zu stellen, denn sie wolle ein „Gedenkbuch“ zu Ehren dieser „Heldenmütigen“ verfassen. Inge Scholl, die Älteste der Scholl-Kinder, antwortete der Dichterin und kündigte einen Beitrag über ihre Geschwister an.

Sie hoffte, Huchs Werk werde „ein starkes Gegengewicht bedeuten gegenüber all dem Unrat, der schon über die Lieben publiziert wurde“. Inge Scholl hatte schon früh den Kampf um die Deutungshoheit der Weißen Rose aufgenommen. Sie war zeitlebens fest davon überzeugt, alleine zu wissen, wie die Dinge „wirklich“ waren und dass ausschließlich ihre familiäre Interpretation der beteiligten Personen und ihrer Taten richtig sei.

Im März 1947 sandte Scholl die „Biographischen Notizen“ an Huch. Es ist die erste ausführliche Zusammenfassung und Interpretation des Lebens von Hans und Sophie aus der Sicht der Schwester. Sie will…

weiter bei der taz

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(Foto: Sophie Scholl 1939 Foto: Stadtarchiv Crailsheim/Slg. Hartnagel via taz)

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