Pop-up-Galerie Tulpenmüller

22. März 2021

Zwar liegt sie inzwischen schon drei Wochen und ein paar Tage zurück. Doch die Aktion vom 27. Februar, über die zu berichten ist, ist bemerkenswert. Ein Kollektiv von Studierenden der Hochschule hat sich des Themas angenommen, das die LingenerInnen seit Jahren umtreibt. Die Rosemeyer-Saga. Der aus Lingen stammende Bernd Rosemeyer trat 1933 (nach eigener Bekundung gar schon im Jahr zuvor)  als einziger der deutschen Spitzenrennfahrer und ohne Zwang der SS bei. Trotzdem plant der rennsportbegeisterte Kaufmann Heinrich Liesen trotzig in der Burgstraße ein Museum, das an diesen NS-Parteigänger (und an die Pilotin Elly Beinhorn, Rosemeyers Ehefrau) erinnern soll. Das stößt zu recht auf viel Empörung und Widerstand vieler Zeitgenossen vom Forum Juden-Christen bis zum aufgeklärten Flügel der lokalen CDU, weil Rosemeyer als SS-Offizier schamlos die braune NS-Propaganda beförderte

Heinrich Liesen hat übrigens seit dem vergangenen Sommer Profis angeheuert. Das Münsteraner Architekturbüro Schwertfeger & Vogt will das Museum für den SS-Offizier eventorientiert daherkommen lassen. Für Geld machen bestimmte Personen eben viel…

Eifrige wie gelegentliche LeserInnen dieses Blogs wissen von alldem. Am 27. Februar jedenfalls entstand Lingens erste Pop-Up-Galerie. Wegen Rosemeyer, oder besser, wegen des Rosemeyer-Museumsplan. Erst jetzt gab es dazu ein Statement der Initiatoren, das ich gern wiedergebe:

„Bernd Rosemeyer war ein gefeierter Held im NS-Deutschland! Das ist ein Fakt, der nicht zuletzt durch die Beileidsbekundung hinreichend verdeutlicht wurde, die Adolf Hitler für ihn verfasste. Wenn nun ein Museum für genau diesen Menschen geplant wird, sehen wir als Kunstschaffende es als unsere Pflicht an das Bild des Bernd Rosemeyers zu vervollständigen, die Legenden um „den jungen, naiven Menschen, der doch nur seiner Karriere nacheiferte“ zu brechen und damit einen Diskurs voranzubringen, den momentan viele Menschen auf der Welt bewegt.

Bewegungen wie „Black Live Matters“ zeigen auf, wie in unserer Zeit immer noch Menschen mit Denkmälern glorifiziert werden, die zu ihrer Zeit höchst verachtenswertende Ideologien unterstützt haben. Gleichzeitig zeigen Fälle wie die gescheiterte Umbenennung der „Hindenburgstraße“ in Northeim zu „Sophie-Scholl-Straße“, dass die Menschen, die diesen Umstand stoppen könnten, immer noch nicht dazu bereit sind.

Mit unserer Aktion vom 27.02.2021 wollten wir diesen Diskurs aufnehmen und die Art und Weise wie die Geschichte Rosemeyers im Rahmen des Museums aufgearbeitet werden soll zu kritisieren. Als „Pop-Up Galerie Tulpenmüller“ haben wir also unseren Vorschlag für die Aufarbeitung der Geschichte im Vorraum der Baustelle des Museums erschaffen. Die Reaktion der Museumsplaner zeigte erneut, wie mit den unliebsamen Details der Vergangenheit umgegangen wird. Nach nicht einmal sechs Stunden waren alle eindeutigen Symbole unserer Arbeit verschwunden.

Zurück blieben die Schrankvitrine, die weißen Spitzendeckchen und die Spielzeugautos. Vor Ort wurde noch beobachtet wie die Tulpen entfernt wurden, die „zu Schade zum Wegwerfen“ seien und daher „der Ehefrau zu Hause mitgebracht“ würden.“

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