Frauentag

8. März 2021

Erstmals fand der Frauentag 1911 statt und dann ab 1921 in jedem Jahr. Das genaue Datum wählten die Vereinten Nationen (UN) im Internationalen Jahr der Frau 1975 zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ und richteten erstmals dazu am 8. März eine Feier aus.

1921 machte Berta Gelshorn la erste Frau in Lingen (Ems) ihr Abitur. Das war vor 100 Jahren – genau heute am Frauentag. Ihren verschlungenen, schwierigen Weg zu diesem Meilenstein der Gleichberechtigung zeichnete jetzt der Lingener Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus nach:

„1909 gründete die Stadt eine Höhere Mädchenschule für Schülerinnen aller Konfessionen. Eine der ersten Schülerinnen war Berta Gelshorn. Sie wurde 1901 als Tochter des Lingener Malermeisters Gelshorn geboren und hatte bereits drei Jahre lang die Bürgerschule besucht.

Jedoch konnte man an der Höheren Mädchenschule keinen Abschluss erwerben und sich danach höchstens noch zur Handarbeits-, Turn- oder Hauswirtschaftslehrerin ausbilden lassen. Die Schulleiterin Clara Eylert drängte jedoch auf einen Unterricht nach dem Lehrplan der Höheren Schulen.

So konnte Berta Gelshorn nach der vorletzten Klasse eine Prüfung ablegen und in die Abschlussklasse des Lyzeums in Rheine wechseln. Nach einem Jahr bestand sie dort die Prüfungen zur Mittleren Reife. Damit war die nunmehr 17-jährige Berta zum Besuch eines Oberlyzeums berechtigt.

Noch waren das nichts anderes als höhere Lehrerinnenseminare. Das nächste Oberlyzeum befand sich in Münster, doch Berta ging stattdessen auf die städtische Studienanstalt Hannover. Erstmals stand Latein auf ihrem Stundenplan, die Sprache musste sie sich privat aneignen: Auf dem Abschlusszeugnis der ansonsten guten Schülerin reichte es zu einem „genügend“.

Die Weimarer Republik eröffnete Frauen neue Möglichkeiten. Ihnen wurde das Wahlrecht zugestanden, und auch das Georgianum stand nun regulär Schülerinnen offen. So kehrte Berta Gelshorn nach Lingen zurück und wechselte Ostern 1919 in die Unterprima des Gymnasiums.

Zwar war sie dort zunächst nur als Hospitantin zugelassen, doch wurde ihr die Gastschulzeit später angerechnet. Erstmals hatte sie nun auch Griechischunterricht – wieder musste sie den Unterrichtsstoff privat nachholen.

1921 wurden sie und zölf Mitschüler zu den Abiturprüfungen zugelassen. Ende Januar wurden die Klausuren geschrieben: Berta bestand alle Prüfungen mit einem „gut“, Mathematik sogar mit „sehr gut“. Von ihren Mitabiturienten erhielt sonst nur einer Bestnoten: Franz Demann, der spätere Bischof von Osnabrück, in Mathematik und Deutsch. Beide gehörten damit zu den fünf Schülern, deren Leistungen so gut waren, dass sie zur mündlichen Prüfung nicht mehr antreten mussten. Ein Kandidat fiel durch.

Für alle anderen galten alle Prüfungen am 8. März als bestanden, und so war Berta Gelshorn vor genau hundert Jahren die erste Schülerin, die in Lingen das Abitur machte.“

Foto: Berta Gelshorn im Kreise ihrer 12 Mitabiturienten. Ein Foto aus dem Stadtarchiv Lingen.

Text: Mirko Crabus

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