Klazienaveen

2. März 2021

Gut eineinviertel Stunden dauerte der Aufstand von Klazienaveen – direkt hinter der Grenze zwischen Emsland und der Provinz Twente. Um neun Uhr morgens öffneten heute viele Geschäfte, darunter der Modeladen Niezing Heijes ihre Türen. Um kurz nach zehn kam in Beamter vom Ordnungsamt Emmen vorbei: Verwarnung – und eine Viertelstunde Frist, um wieder zu schließen.

„Er informierte mich als Vorsitzenden unseres Vereins darüber, dass wir offiziell vor einer Eröffnung gewarnt wurden. Ich habe sofort über Gruppen-App geschrieben, so schnell wie möglich zu schließen, um eine Geldstrafe von 4000 Euro zu vermeiden. Das war schon enttäuschend“, sagte Einzelhändler Harrie van der Velde am Dienstag der F.A.Z. „Gegen 10.20 Uhr waren alle unsere Türen wieder geschlossen.“ Das Widerstandsnest im niederländischen Nordosten gab seinen Protest gegen die niederländischen Corona-Regeln auf – nach dem wohl kürzesten Aufstand in der Geschichte der Niederlande.

Van der Velde spricht für einen Verein, in dem sich Dutzende Einzekhändler organisiert haben. Sie hatten angekündigt, Anfang März ihre Türen zu öffnen – Verbot hin oder her. Bürgerlicher Ungehorsam sei eigentlich nicht ihre Sache, sagten sie, und immerhin drohten 4000 Euro Buße für jeden. Aber den Geschäftsleuten steht das Wasser nach eigenem Bekunden bis zum Hals – oder, im Niederländischen, sogar bis zu den Lippen.

Alle rund 70 teilnehmenden Geschäfte hätten auf die WhatsApp-Nachricht sofort reagiert, sagte van der Velde. „Einige letzte Kunden wurden bedient und dann wurde alles wieder zugesperrt.“ Der Vorsitzende findet es schwierig, dass die Sache so ausging, „aber wir konnten unseren Standpunkt deutlich machen“, ergänzte er und:  „Wir verstehen, dass der Bürgermeister keine Wahl hatte. Er hätte uns nur fünf Minuten geben können. Jetzt haben wir mindestens anderthalb Stunden geöffnet.“

Die Gemeinde Emmen, zu der auch Klazienaveen gehört, hatte im Vorfeld bereits angekündigt, den Lockdown  durchzusetzen. Die lockdownmüden Ladenbesitzer hatten vor heute Morgen bereits signalisisert, sie würden,  wenn eine behördliche Anordnung eintreffe, ihre Läden sofort schließen: „Wir können uns die Geldbußen nicht leisten“, sagten sie einem Reporter.

Der Emmener Bürgermeister Eric van Oosterhout sagte, er könne nicht anders handeln. „Ich kann den Ladenbesitzern in Klazienaveen nicht mehr erlauben als Unternehmern an anderen Teilen der Kommune. Wenn sie gegen die nationalen Coronaregeln verstoßen, muss ich eingreifen. Die Unternehmer wurden von uns angesprochen und alle haben gegen zehn Uhr ihre Türen geschlossen. Ich stimme der Aktion nicht zu, aber verstehe die Botschaft, die sie damit vermitteln wollen. „

Das letzte Mal übrigens, dass Klazienaveen in den Niederlanden landesweite Schlagzeilen machte, war vor knapp 60 Jahren: Da kam es zu einem legendären  Apfelsinenkrieg zwischen dem Supermarkt Boerland und dem traditionellen Früchtehandel Knegt….

(Quellen: rtlnieuws,nl, twitter, FAZ)

UnitedAgainstHate

2. März 2021

Mit einer gemeinsamen Aktion haben zahlreiche Fußballprofis um Nationalspieler Toni Kroos auf Cybermobbing und Hass im Internet aufmerksam gemacht. In einem am Donnerstag veröffentlichten Video lesen unter anderen Real-Madrid-Star Kroos, Leipzigs Dayot Upamecano, Bayern-Verteidiger Niklas Süle oder die Kölner Timo Horn und Ron-Robert Zieler Kommentare und Hass-Nachrichten vor, die sie – teilweise anonym – empfangen haben.

„Cybermobbing ist ein Problem, das unsere gesamte Gesellschaft betrifft. Was sich einige Menschen hinter anonymen Profilen erlauben, ist weit unter der Gürtellinie, manchmal sogar im strafrechtlichen Bereich“, sagt Kroos.

Insgesamt 14 Profis machen in dem Video, das die Agentur Sports360 initiierte, einige Kommentare öffentlich. Sie lesen Hasskommentare, die sie bei Twitter, Instagram oder Facebook erhalten haben, in verschiedenen Sprachen vor. Beiträge wie „Ich hoffe, du stirbst in der Hölle“ (an Kroos) oder „Ich stech dich ab“ (an Horn) zählen noch zu den harmloseren Nachrichten.

„Hass ist keine Meinung. Hate Speech und Cybermobbing sind zu einem gravierenden Problem unserer heutigen Gesellschaft geworden. Und es kann jeden treffen, ob jung oder alt“, heißt es von Sports360, deren Gründer der Spielerberater Volker Struth ist. Auch die von der Agentur betreuten Spieler wie Kroos würden „ständig mit diesem Hass im Netz konfrontiert. Sie werden beleidigt und bedroht.“

Dass in „sozialen“ Netzwerken bisweilen ein rauer Umgangston herrscht, ist bekannt. Die Frage ist nur: Wie abgestumpft ist die Netzgemeinde inzwischen? Ist angesichts von Hate Speech für Moral und Anstand kein Platz mehr? Oder gibt es noch Schutzmechanismen, die den Pöblern Einhalt gebieten? LeFloid wollte es genau wissen – und hat die Probe aufs Exempel gemacht.Unter #UniteAgainstHate fordern die Beteiligten: „Hate Speech und Cybermobbing sind ein Verbrechen, das viel zu oft ohne Konsequenzen bleibt. Wir zusammen gegen Hass!“