Fake-News-Schleudern

9. Dezember 2020

Seit Jahren verbreiten vermeintliche Nachrichtenportale aus Europa russische Propaganda. netzpolitik.org und WELT haben jetzt ein Netzwerk enttarnt, das Lügen in russischen Medien glaubwürdiger machen soll. Es gibt Verbindungen der Fake-News-Schleudern zum Geheimdienst.In Russland wird mit den Nachrichten des Desinformationsnetzwerkes der politische Kurs des Kreml flankiert.

In Russland wird mit den Nachrichten des Desinformationsnetzwerkes der politische Kurs des Kreml flankiert. – Alle Rechte vorbehalten netzpolitik.org, mit Bildmaterial des Kremls

Es passiert nicht oft, dass eine deutsche Nachrichtenseite eine Recherche veröffentlicht, die dann in Russland wie eine Bombe einschlägt. „Abendlich Hamburg“ ist das vor Kurzem gelungen, mit einem vermeintlichen Enthüllungsartikel über Alexej Nawalny. Der russische Oppositionspolitiker erholt sich nach einer Vergiftung mit dem Nervengift „Nowitschok“ derzeit noch in Deutschland. „Abendlich“-Autor Matthias Fritz will herausgefunden haben, dass der Westen statt auf Alexej Nawalny nun auf dessen Frau Julia setze. Nach der Rückkehr nach Russland wolle diese für die russische Staatsduma kandidieren. So heißt es in dem Artikel.

Dutzende namhafte russische Seiten, darunter die Online-Zeitung Gazeta.ru“ und das Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“, griffen die Geschichte aus dem November auf. Ein journalistischer Erfolg für „Abendlich Hamburg“, könnte man meinen. Stattdessen ist die Seite aus dem Netz verschwunden.

Inzwischen ist klar, dass an dem angeblich in Hamburg ansässigen Portal etwas faul ist: Die Sprache der Artikel klingt nach einer schlechten Übersetzung aus dem Russischen, die meisten Artikel sind Kopien russischer Propaganda-Kanäle. Die offiziellen Registrierungsdaten führen zu einer beliebigen Adresse in Gotha in Thüringen. Die Sache scheint klar: Etwas Seltenes ist passiert. Vor einem liegt ein Beispiel für russische Desinformation. Doch die Sache ist größer, umfassender. Das macht eine Recherche von netzpolitik.org und WELT jetzt deutlich.

Zusammen haben sie die Website analysiert, Hinweise auf Hinterleute entdeckt, wiederkehrende Muster ausgemacht – und dann: weitere solcher Internetseiten gefunden. So tritt ein ganzes Netzwerk vermeintlicher Nachrichtenportale zum Vorschein, die sich seriös klingende Namen geben, deren vermeintliche Journalist:innen aber gar nicht existieren. Sie alle sind in Wirklichkeit aufgeblasene Fake-News-Schleudern.

Auf diesen Plattformen platzieren die Hinterleute aus dem russischsprachigen Raum Desinformation. Die fingierten Auslandsmedien sollen die Glaubwürdigkeit…

[weiter bei netzpolitik.org]