komplexes Thema

21. November 2020

Wir müssen noch einmal über die lokale Sicherheitskultur sprechen, die seit einigen Wochen in Form eines Polizeicontainers auf dem Marktplatz demonstriert wird.

Eigentlich sollte dieser Polizei-Container gar nicht unbedingt auf Lingens beschaulichen Marktplatz. Die Polizei soll, sagt meine Quelle, mit diesem zentralen Ort für ihren Container gar nicht geliebäugelt haben. Sie wollte -angesichts der Corona-Maßnahmen und der lokalen Feier-Szene- nur im Zentrum präsent sein. Den Container-Standort mitten auf dem Markt habe dann OB Dieter Krone aber selbst festgelegt – übrigens ohne irgendein Ratsgremium zu beteiligen. Wie immer öfter, hat er wohl nur die CDU-Spitzen von seiner Entscheidung informiert. Unter keinem (!) seiner Vorgänger hätte es so einen Alleingang gegeben.

In der abgelaufenen Woche versuchte die lokale CDU dann schon wieder, die sachliche Kritik an dem Bild, das unsere Stadt jetzt ihren Besuchern vermittelt, als unbegründet darzustellen und Krone natürlich auch. Die CDU nutzte dazu eine Sitzung des stets nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses der Stadt -bekanntlich nach dem Rat das höchste Beschlussgremium unserer Kommune. Die Container-Kritik deutete sie bewusst fälschlich zu einer Kritik an der Polizei um und behauptete außerdem, „alle Bürger“, mit denen sie gesprochen habe, hätten sich positiv geäußert. Man kümmere sich eben „auch um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger“;  OB Krone stimmte dem zu.

Ich habe der Einschätzung widersprochen und darauf hingewiesen, dass es ohne jeden sachlichen Grund nicht richtig sei, unbegründete, subjektive Gefühle zum Maßstab einer solchen kommunalen Entscheidung zu machen und im konkreten Fall damit gar den gegenteiligen Effekt zu erzielen. Noch vor einem Monat habe die Polizei im Stadtrat bei der Vorstellung der Lingener Kriminalitätsstatistik objektiv eine sichere Stadt Lingen nachgewiesen. Dem laufe das jetzt erzeugte Bild völlig zuwider; es erzeuge bei den Menschen erst das, was es zu bekämpfen vorgebe: ein Unsicherheitsgefühl. Wer wolle sich schon in einem solchen, offenbar gefährlichen Stadtzentrum aufhalten oder unterwegs sein, wo man sogar einen Container aufstellt, damit die Polizei sofort eingreifen kann? Daher sei der Container für das Stadtzentrum einfach nur schädlich.

Eine höhere Polizeipräsenz und nicht einmal schwer bewaffnete Einsatzkräfte führen in der Tat gar nicht dazu, dass sich BürgerInnen sicherer fühlen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Besuchern des Weihnachtsmarkts am Berliner Breitscheidplatz Ende 2019, wie Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik ganz aktuell dem Tagesspiegel in einem Interview erklärte.

Entscheidend für das Sicherheitsempfinden sei vielmehr, ob der letzte Kontakt der Bürger mit der Polizei positiv oder negativ empfunden werde. Hatten Bürger also bei einer Polizei-Kontrolle oder auf einer Demonstration einen Kontakt mit Beamten, an sie sich im positiven erinnern, steigt auch ihr Sicherheitsgefühl, mit dem sie sich durch die Stadt bewegen.

„Man kann also nicht nur an der Stellschraube drehen, mit mehr Polizisten fühlen sich alle auf der Straße sicherer“, sagte Slowik zu der in Berlin erscheinenden Zeitung. „Das funktioniert so nicht.“ Auch die technische Ausstattung der Polizei spielt laut Berlins Polizeipräsidentin eine Rolle. Wenn Polizisten eine Maschinenpistole tragen, sinke die gefühlte Sicherheit. Die Menschen hätten dann den Eindruck, dass die Lage unsicher sei.

Berlins Polizeipräsidentin hatte in einem Interview mit „Zeit Online“ Ende 2018 erklärt, dass sie sich auch für die gefühlte Sicherheit der Bürger verantwortlich fühle. Sie sagte dem Tagesspiegel nun, dass die Polizei inzwischen untersuche, inwiefern Polizeipräsenz das Sicherheitsgefühl verändert. „Das ist ein sehr komplexes Thema.“

Und da sind wir neben dem vermittelten Unsicherheitsbild dann beispielsweise auch wieder bei diesen polizeilichen Abkassier-Fahrradkontrollen, bei denen beispielsweise auf völlig leeren sonntäglichen Straßen Radfahrer anhalten und wegen einer Ordnungswidrigkeit abkassieren, hinter ihnen herbrüllen, um sie zu stoppen, und ähnliches praktizieren, was Menschen bloß aus unserem Stadtzentrum vertreibt. Dies alles in seine undemokratischen „Ich-bin-OB-Entscheidungen“ einzubinden, ist aber wohl zu komplex für diesen ausgebildeten Musiklehrer…

 

ps Die Lingener Container-Wochen sind übrigens bis Weihnachten verlängert…

 

5 Antworten zu “komplexes Thema”

  1. Matthis said

    Der Container auf dem Marktplatz ist unansehnlich. Sicherheit und Polizeipräsenz ist Ok, aber Kritik gegen diesen „Kasten“ im Zentrum Lingens sollte differenziert erlaubt sein, ohne gleich als Polizeigegner tituliert zu werden. Der „Kasten“ bleibt bestimmt auch über Neujahr. Die Anmietung einer leerstehenden Gewerbeimmobilie wäre doch auch möglich gewesen.
    Und gegen Überfalle auf nicht zentrale Supermärkte/Tankstellen und Kioske nützt der „Kasten“ auf dem Marktplatz auch nichts. Und der Marktplatz ist bei 8° Grad Nieselregen und Gaststättenschließung abends eh leer.
    Aber die Flaschen und der Abfall in den Parks und Spielplätzen müssen wir als Eltern dann wegräumen, weil u.a. die „Szene“ (verständlicherweise) Ausweichplätze sucht.
    PS starkes Gepose auf dem Konrad Adenauer Ring wird auch nicht ahndet… (Un)Sicherheitsgefühl ist mehr als ein Leuchtturmprojekt……

  2. Günther Möller said

    Sie prangern schon wieder die Aufstellung des Containers an, der nach Ansicht der Polizei im Zentrum seinen Platz haben sollte. Steht er auf dem Marktplatz nicht im Zentrum?
    Ich denke, der OB müsste soviel Befugnis haben, um das zu entscheiden und nicht noch etliche Sitzungen dafür anberaumen muss.
    Die Sicherheitslage Lingens mit Berlin zu vergleichen, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
    Sie scheinen ein ganz unzufriedener Mensch zu sein. Können Sie die OB-Wahlniederlage immer noch nicht verschmerzen?
    Mit Ihrer Art spalten Sie mehr die Gesellschaft als sie zu vereinen. Ich erinnere nochmal an das Thema Rosemeyer.
    Was soll der Satz: ….ist aber wohl zu komplex für diesen ausgebildeten Musiklehrer.!..?

    • Matthis said

      Ich persönlich denke, dass das Rosemeyer Museum als Naziwallfahrtsort die Gesellschaft spaltet und diesbezüglich in guter Gesellschaft zur AFD steht. Der Satz über Komplexität und Musiklehrer ist in der Tat provokant. Aber als Blog-Inhaber kann er letztendlich schreiben und sagen was er meinst. Der Container ist doch keine Dauerlösung. Das würde ja bedeuten, dass jede problematische Ecke in Lingen einen Container benötigt.

  3. Kib said

    Darf man hier auch erwähnen, dass der Kirmes-Tannenbaum einfach nur hässlich ist? Vor dem Rockefeller-Center in NY meinetwegen erlaubt. Bitte in Lingen auf dem Marktplatz nie wieder! Das Teil ist scheusslich!

  4. Kib said

    By the way: Sicherheit: Ich kann mir vorstellen, dass der Baum inklusive Holz – Unterbau ein Magnet für Vandalen ist. Hoffentlich irre ich mich. Wie ist die Stadt versichert ( nur malso, falls ich mich irre)?

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