vergammelte

18. November 2020

Radfahrer sind in unserer Stadt nur akzeptiert, wenn sie sich mit dem bescheiden, was ihnen die Protagonisten des Autoverkehrs gönnen. Bei jedem kleinen und kleinsten Schritt zur Verbesserung des Radverkehrs muss daher gegen die Autofahrerlobby im Stadtrat angetreten werden. Die findet ihren Platz in der CDU-Ratsmehrheit ebenso wie in den Kreisen der SPD – von der Stadtverwaltung ganz zu schweigen. So zeigt sich schnell, wie wahr doch der Satz ist von dem Fortschritt, der eine Schnecke ist.

Gleichzeitig geschieht nicht viel, um die bestehenden Radwege zu erhalten. Es gibt dafür ein neues aktuelles Beispiel: Die  Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die von der Straße Kokenmühle hinüber zum hist. Wasserturm und zur Schwedenschanze führt bzw.  zur Rheiner Straße abzweigt. Abgesehen davon, dass sie die Radfahrer sowohl auf der Schwedenschanze wie der Rheiner Straße auf die für sie falsche, linke Straßenseite führt, ist sie -zurückhaltend formuliert, in einem schlechten Zustand; deutlicher gesagt, ist ihr Zustand jämmerlich.

Dies Erkenntnis habe ich jetzt zum Anlass genommen, die Brücke genau zu inspizieren und dabei auf dieser Brücke die Kaputtleuchten zu zählen, die den städtischen Verantwortlichen seit Monaten nicht aufgefallen sind. Ergebnis: Insgesamt sind auf der kurzen Brücke aktuell 17 (!) kaputte Leuchten, die zuletzt vor 40 Jahren gestrichen wurden. Ich habe sie einzeln mit Paketband (gibt’s günstig bei Obi) kenntlich gemacht, um so für die  Reparatur etwas behilflich zu sein und zwar so: Ein Paketband eine kaputte Leuchte, zwei Paketbänder zwei kaputte Leuchten

Den schmierigen Dreck und die kaputte Fahrbahn habe ich nicht markiert, weil ich annehme, dass die Verantwortlichen das auch ohne Paketband sehen (können).

Jetzt bin ich gespannt, wie schnell es mit der Reparatur geht und wie lange es braucht, damit die Dinge auch sonst wieder in Ordnung gebracht werden. Zum Beispiel wäre es doch mehr als notwendig, wenn die vielfachst ausgebesserte Brückenfahrbahn wieder neu asphaltiert wird. Und wenn die Stadt schon dabei ist, sollte man die Abfahrten von der Brücke bitte so gestalten, dass man nicht links in der Schwedenschanze und links auf der Rheiner Straße landet.

Während übrigens jeden Tag hunderte Radfahrer- und Fußgänger diese vergammelnde Brücke im Stadtzentrum benutzen, entsteht gerade für Hunderttausende Euro eine Beleuchtung der alten B 70 zwischen der Altenlingener Kanalbrücke und dem Ortsteil Holthausen/Biene, damit die dort nicht sehr zahlreichen Radfahrer in StVO-widrig kurzer Distanz  zu den vorbeirasenden Kfz Licht von oben haben. Diese Beleuchtung kann man natürlich bauen, sie liegt aber angesichts des schlechten Zustandes der sonstigen Radwege in unserer Stadt so etwa an 300. Stelle der Prioritätenliste.

Dass die Schwedenschanze-Brücke vergammelt und stattdessen die Alte-B-70-Beleuchtung entsteht, liegt daran, dass sich die Ortsbürgermeister dieser Stadt auf die Alte-B-70-Beleuchtung geeinigt haben und dabei weder das Stadtzentrum noch die Stroot angehört wurden. Beide Stadtteile haben nämlich keinen solchen Ortsbürgermeister (m/w/d), der vielleicht auf die Schwedenschanze-Brücke hätte hinweisen können, die es viel nötiger hat. OrtsbürgermeisterInnen im alten Stadtgebiet durch neue Ortsräte zu ermöglichen, lehnt die CDU-Mehrheit nämlich ab; das ist einfach so, weil sie nicht riskieren möchte, einmal einen Ortsbürgermeister (m/w/d)  ohne CDU-Parteibuch zu bekommen. Übrigens, der sich  parteilos gebende, tatsächlich aber mehr als CDU-nahe Oberbürgermeister unserer Stadt will das auch nicht.

Also wird es wohl auch noch länger dauern, bis sich auf der Fußgänger- und Radfahrerbrücke Schwedenschanze wirklich etwas Substantielles tut oder auch beispielsweise 100m weiter an der Schwedenschanze, wo der rechte Radweg nach einer Mehrfamilienhaus-Baustelle kaputt fahren ist und bei Regenwetter nasse Füße garantiert.

(Fotos: privat)