Volkstrauertag

15. November 2020

Heute ist Volkstrauertag. Diesen stillen Gedenktag gibt es etwa 100 Jahre; ursprünglich gedachte man der getöteten deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Heutzutage hat sich das geändert: Am Volkstrauertag wird an die Toten beider Weltkriege sowie die Menschen erinnert, die unter Gewaltherrschaft Opfer ihrer Überzeugung oder ihres Glauben, ihrer Herkunft waren oder einem anderen Volk angehörten. 2020 prägt das  deutsch-britisches Gedenken den Tag. Prinz Charles spricht daher auf der Zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Bundestages, die ab 13.30 Uhr  vom ZDF direkt übertragen wird.

Die kleine Gedenkveranstaltung in unserer Stadt beginnt bereits um 11.30 Uhr am Ehrenmal am Alten Friedhof – ohne deutsch-britische Bezüge und pandemiebedingt in kleinem Rahmen. Die Ansprache hält Pfarrer Thomas Burke (St. Bonifatius Gemeinde). Die musikalische Untermalung erfolgt durch Andreas Lögering (Trompete).

Der Gedenktag und seine Veranstaltungen sind übigens nicht, wie man meinen könnte, aus der Zeit gefallen. Das belegt diese Reportage, die die taz schon vor fünf Jahren veröffentlichte:

 

„Das letzte Laub glänzt an den Rebstöcken, der Himmel ist blau, hinten liegt das Dorf. „Wie Frühling“, sagt Walter Hoffmann, blinzelt in den Himmel und weist auf seinen Wein. „Hoffmann’s Tropfen“ steht auf dem Etikett. Der ehemalige Bürgermeister führt durch die Weinberge, seine und die der anderen aus Niederhorbach im Landkreis Südliche Weinstraße. Im Osten glitzert der Rhein, im Westen liegt der Pfälzer Wald. Zwischen sanfte Hügel schmiegt sich, wie in einem goldenen Bett, Niederhorbach, 800 Jahre alt, 500 Einwohner, kleine Höfe, viel Fachwerk. Ein lieblicher Ort. Angela Merkel wird trotzdem nicht kommen mit der Sammelbüchse in der Hand. Auch nicht Ursula von der Leyen oder Frank Walter Steinmeier. Und Joachim Gauck hat im vorigen Jahr bereits eine Absage geschickt.

„Ich habe mir über Jahre die Hacken abgelaufen“, erzählt Hoffmann und stampft über die Hauptstraße. Man kann sich gut vorstellen, wie der 67-Jährige, so wie jetzt, leicht nach vorn gebeugt, von Hof zu Hof gezogen ist, um für die Kriegsgräberfürsorge zu sammeln. Hoffmann stammt von hier. Er hat sich hochgearbeitet, vom Kleinbauernjungen zum Dozenten bei Siemens in Karlsruhe. Im Jahr 2010 wurde der Ruheständler zum Bürgermeister gewählt. Du hast doch jetzt Zeit, haben die Leute gesagt. Wenn Hoffmann in der Tür stand, haben sie das Portemonnaie aufgemacht.

Damit ist Schluss. [2014] hat dies der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Und er hat eine Resolution verabschiedet. Sollen die Leute wissen, warum die Büchse nicht mehr rasselt. Nein, es geht nicht gegen den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge, stellen die Volksvertreter klar. Die Arbeit gegen das Vergessen sei richtig und wichtig. Deswegen rufen sie die Einwohner auf, das Geld zu überweisen. Aber wenn „etliche Vertreter unserer großen Politik“ meinen, Deutschland müsse „mit Mann und Material an internationalen Brandherden mitzündeln“, dann sollen sie in Zukunft selbst die Häuser abklappern, stellten die Gemeinderäte klar.

Mehr noch: „Wenn im Militärhaushalt Geld ist, um in fremde Kriege zu ziehen, dann ist erst recht Geld da, vorhandene und zwangsläufig hinzukommende Gräber gefallener Soldaten zu pflegen.“ Und sie schließen: „Krieg geht von deutschem Boden aus, wenn deutsche Soldaten in die Kriege der Welt getrieben werden, und wenn die deutsche Rüstungsindustrie erfolgreich ihrem Bombengeschäft nachgeht.“ Die Resolution haben sie dann…“

[weiter bei der taz]