„Marke überschritten“

4. Oktober 2020

Nachdem in Sögel inzwischen schon 81 Beschäftigte des Schlachthofes Weidemark mit Corona infiziert sind, hat der Landkreis Emsland neue, strikte Regeln für die Samtgemeinde Sögel angeordnet.

„In Abstimmung mit den Landesbehörden folgen wir hier der bundesweiten Strategie, bei erhöhten Fallzahlen bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens wieder einzuschränken“, teilte Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) in einer Pressemitteilung am Sonntag mit. Danach sind Zusammenkünfte im öffentlichen und im privaten Raum ab sofort nur mit maximal sechs Personen erlaubt. Diese Grenze gelte auch für Gaststättenbetriebe pro Tisch. Die Corona-Kontaktbeschränkung beziehe sich aber nicht auf enge Familienangehörige oder ein Treffen von maximal zwei Hausständen. Enge Familienangehörige sind dabei nicht Cousins und Cousinen, wie der Bezug auf § 11 StGB festlegt. Ausnahmen seien außerdem Anlässe wie Hochzeits- oder Erstkommunionfeiern, Taufen oder Beerdigungen.

Angeordnet sind die Maßnahmen im Rahmen einer sog. Allgemeinverfügung (Text: hier), die „erst einmal bis einschließlich 19. Oktober 2020 gültig“ ist (Burgdorf). Schüler und Lehrer der allgemeinbildenden Schulen des Sekundarbereichs I und II müssen nach dieser 13. Allgemeinverfügung in Zeiten der Pandemie bis zu den Herbstferien -also innerhalb der kommenden Woche- auch während des Unterrichts in den Klassenräumen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Untersagt sind außerdem der Trainings- und Wettkampfbetrieb in Mannschafts- oder Kontaktsportarten sowie der Schulsport.

Während private Zusammenkünfte stark reguliert sind, begrenzt die Allgemeinverfügung für Veranstaltungen in der Samtgemeinde Sögel die maximale Teilnehmerzahl großzügig auf 100 Personen. Es gilt aber ein Verbot des Ausschanks von Spirituosen ab 18 Uhr und von sonstigen alkoholischen Getränken ab 22 Uhr.

Landrat Burgdorf schaute über Sögel hinaus, als er erklärte: „Im gesamten Gebiet des Landkreises beobachten wir ein dynamisches Infektionsgeschehen, so dass wir bei derzeit 137 Fällen [innerhalb von sieben Tagen] die kritische Marke von 35 Corona-Neufällen pro 100.000 Einwohner überschritten haben“ .

Alle Infizierten in Quarantäne

In Quarantäne befinden sich laut Landkreis inzwischen alle im Weidemark-Schlachthof beschäftigten Corona-Infizierten und ihre Kontaktpersonen, die zu einem Großteil in der Samtgemeinde Sögel wohnen. Die ersten Infektionsfälle in dem zum Tönnies-Konzern zählenden Schlachthof hatten sich bei Tests durch den Betriebsarzt bestätigt. Die rund 2.000 Mitarbeiter des Schlachthofes werden „regelmäßig“ auf das Virus getestet.

Sonntagstipps

4. Oktober 2020

Ganz kurz zwei Tipps an diesem schlappen, mistwetterigem Sonntag:

Wer „Rechts.Deutsch.Radikal“, die beeindruckende TV-Dokumentation von Thilo Mischke am vergangenen Montagabend auf ProSieben verpasst hat, kann sie in der Mediathek „nach“-sehen (bitte Zeit einplanen, ca. 2 Stunden). Hier der Link.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/pro7-doku-rechts-deutsch-radikal-exotisierung-des.1013.de.html?dram:article_id=484888

Sehenswert ist auch eine ARD-Dokumentation heute, Sonntag, 4. Oktober von 13.15 – 13.00 Uhr,  über die Jüdische Gemeinde Oldenburg:

https://programm.ard.de/TV/daserste/fluechten-oder-standhalten/eid_281063554060686

„Apropos Arte“, schreibt gerade Hal Faber in seiner Kolumne WWWW bei heise.de, und informiert: „Mit das einzig noch wirklich Ansehbare unter den seriellen TV-Sendern. Und gleichzeitig mit einer ausgezeichneten Mediathek für das nicht serielle Gucken gesegnet, ganz zu schweigen vom Bereich „Arte Concert„. Arte wurde am Freitag 30 Jahre alt – ist also einen Tag älter als das wiedervereinigte Deutschland. Dass die Arte-Verträge von Deutschland und Frankreich ausgerechnet am 2. Oktober 1990 unterzeichnet wurden, soll kein Zufall gewesen sein: Man hätte nach der vollzogenen Wiedervereinigung sonst das komplette Vertragswerk neu verhandeln müssen. Was auch angesichts der aus den Verträgen resultierenden byzantinischen Organisations- und Verwaltungsstruktur von Arte niemand wollen konnte. Freuen wir uns also, dass es geklappt hat und immer noch vorzüglich klappt: Auch eine Art gelungener Wiedervereinigung, zumindest kultureller Art.Schon gewusst? Ich nicht.