Heute: Lingener Theo

20. September 2020

Der Kleinkunstpreis Lingener Theo wurde in Lingen (Ems) von 2007 bis 2011 verliehen. Dann gab es eine Haushaltssperre und man stellte ihn kurzerhand  „aus Kostengründen“ ein. Doch jetzt, ausgerechnet in Corona-Zeiten, kommt er wieder. Schon etwas seltsam wirkt es, dass der fast 10 Jahre vergessene lokale Kulturpreis dabei ausgerechnet Grundlage für einen verkaufsoffenen Sonntag in Lingen (Ems) ist – und damit offenbar selbst die Gewerkschaft ver.di überzeugt hat; denn sie ist, anders als früher, nicht gerichtlich gegen diesen Verkaufsoffenen vorgegangen.

Heute jedenfalls findet „anlässlich der Kleinkunstpreisverleihung“ in der Lingener Innenstadt der erste verkaufsoffene Sonntag des Jahres statt. „Von 13 bis 18 Uhr sind die Geschäfte geöffnet, wie auch an Wochentagen gelten auch am verkaufsoffenen Sonntag die üblichen Hygieneregeln in den Lingener Geschäften“, informiert der LWT.

Der verkaufsoffene Sonntag soll damit auch im Zeichen der bundesweiten Aktion „Heimat shoppen“ stehen, was an der Webite von „Heimat shoppen“ allerdings vorbeigegangen ist. Die bundesweiten Aktionstage sollen „Kunden dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, lokale und regionale Produkte zu kaufen“, erklärt dazu LWT-Geschäftsführer Jan Koormann. „Durch das regionale Einkaufsverhalten und den Besuch in der Stadt kann der Kunde die Strukturen vor Ort aktiv selbst mitgestalten. Dies trägt zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und zur Belebung der Innenstädte bei.“ Das ist auch bitter nötig; denn die Lingener Innenstadt hat in den letzten Corona-Monaten gleich mehrere kleinere Fachgeschäfte verloren und inzwischen stehen zahlreiche Geschäftslokale leer. Die Verantwortlichen im Rathaus erklären derweil wider besseres Wissen und unkritisch promotet durch die Lokalzeitung das glatte Gegenteil.

Der Kleinkunstpreis Lingener Theo, dessen Name natürilch durch Schauspieler Theo Lingen inspiriert ist, will an diesem Sonntag über die Innenstadt verteilt Akrobatik, Clown-Kunst und Shows bieten. An fünf Standorten im Stadtzentrum treten die Künstler zwischen 12 Uhr und 18 Uhr in je 30-minütigen Vorstellungen auf und zwar im Hinterhof (!?) des Neuen Rathauses, im Amtsgerichtshof, auf dem Pferdemarkt, dem Universitätsplatz und vor dem Neuen Rathaus. Über 90 internationale Künstler und Gruppen hatten sich für eine Teilnahme am Kleinkunstwettbewerb beworben. Fünf Künstler und Gruppen machten schließlich nach einer, allerdings wenig transparenten, Vorauswahl das Rennen. Die Rahmenbedingungen sind Corona-bedingt anders als sonst bei Straßentheater und Kleinkunst üblich. Die festen Spielorte sind bestuhlt und auf eine limitierte Anzahl von Besuchern beschränkt. Übrigens konnte erst nach Schwierigkeiten auch der Landkreis Emsland das Hygienekonzept akzeptieren.

Nach neunjähriger Pause wird jetzt der Lingener Theo also wieder vergeben – zum sechsten Mal insgesamt. Darüber freue ich mich sehr, weil ich in den städtischen Gremien vielfach (und vielfach vergeblich) die Wiedereinführung gefordert hatte. Eigentlich sollte der Lingener Theo, wie seit 20 Monaten geplant, übrigens ein Höhepunkt des Altstadtfestes sein. Dies wurde wegen der  Corona-Pandemie abgesagt; der Kleinkunstpreis kann aber trotzdem stattfinden, nachdem er Angelpunkt für den verkaufsoffenen Sonntag geworden ist.

Jede/r Künstler/in tritt übrigens drei Mal auf. So sollen Besucher/innen alle Acts anschauen können.

Das Theo-Programm:

 

Hinterhof Neues Rathaus (13, 15 und 17 Uhr):

Zeitgenössischen Zirkus bietet die Kompanie CircO aus Hannover. Sie präsentiert die Show „gemEinsam“ – eine artistische Theatercollage, die sich mit „Wollen“ oder „Nichtkönnen“ und „Verbinden“ mit „Distanzieren“ beschäftigt. Das alles mit einem 5 Meter hohen Tetraeder aus Traversen.

Bei der in Lingen präsentierten Outdoor-Version verschmelzen Humor, Akrobatik, Schauspiel, Tanz und Musik zu einem Gesamtkunstwerk.

Vor dem Neuen Rathaus
(12.30, 14.30 und 16.30 Uhr):

tonneCtion aus Bremen besteht aus zwei Künstlerinnen, die eine lebendige und dynamische Show mit skurrilen Bildern, Witz und einer bewegenden Geschichte zeigen. Mittelpunkt dieser Show sind eine große blaue Tonne und zwei Wesen auf der Suche nach einem Schlafplatz.

Charaktere und Choreographien, die tollpatschig und anmutig zugleich sind, die zum Lachen und zum Nachdenken anregen machen die Show extrem unterhaltsam für Jung und Alt. Mit ihrer „KörperKnotenKunst“ nimmt tonneCtion das Publikum mit auf eine Reise durch ihre Welt voller Komik, Akrobatik und Poesie.

Amtsgerichtshof (12, 14 und 16 Uhr):

Steve Stergiadis ist ein allzeit zu Späßen aufgelegter Clown aus Kanada, der in Freiburg lebt. Seine mitreißende und das Publikum miteinbeziehende Show besticht durch viele Ebenen und Elemente – vom Künstlerrad über das Jonglieren mit Hüten bis hin zum vollen Einsatz von Mimik, Körpersprache und Improvisation. Vieles davon kann erlebt an sonst nur im Zirkus. Steve zelebriert klassisches Straßentheater – so wie man es sich vorstellt – ein großer Spaß.

Pferdemarkt (13, 14.30 und 17 Uhr):

Mit Charme und Witz präsentieren Marie & Joschi aus Berlin ihre einzigartige Bewegungskunst. Jung und frech begeistern sie das Publikum mit atemberaubendem Schwungtrapez, kraftvollen Handständen, physical Theater, clownesker Partnerakrobatik und Tanz. „The Great Dinner“ ist eine leidenschaftliche und zugleich verrückte Zweierkiste.

Humorvoll und ausdrucksstark ist diese Performance ohne Worte, die nur vermeintlich in der Welt der High Society spielt. Eine Kellnerin, ihr Ober und warum doch alles anders kommt als geplant. Mit leisen Tönen und feinem Witz wird der holprige Weg zur Selbstverwirklichung beschrieben.

Universitätsplatz (13.30, 15.30 und 17.30 Uhr):

Zu sehen ist die Ein-Mann-Show des gebürtigen Argentiniers Juan Manuel Gomez, in der alles schiefgeht, was schiefgehen köann. Die Show funktioniert als eine gescheiterte Zusammenstellung von Comedy-Sketches, die in einem anarchischen „was auch immer“-Modus ausgeführt werden.

Gomez verwandelt auch gewöhnliche Situationen in unglaublich lustige Komödien. Mit Musical-Loops (einer digitalen Oberfläche berühmter Melodien aus Kino und Fernsehen) drückt er die Knöpfe unseres assoziativen Denkens und lässt das Publikum ratlos, aber lachend zurück.

Die Preisverleihung findet um 18 Uhr auf dem Universitätsplatz statt.

Kostenlose Tickets sind online noch auf http://www.lingen.de verfügbar.  

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(Fotos: oben: Erster Lingener Theo 2007; darunter: Theo Lingen trägt sich 1968 ins Goldene Buch der Stadt ein; Quelle und alle Fotos (c): Stadt Lingen(Ems); LWT)

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