Raffaelo 500

23. August 2020

Berichten wir über Raffaelo. Den einzigartigen Maler der Renaissance, den jede/r kennt. Sie auch – jedenfalls diese beiden, die längst Alltagskunst sind.

In Italien und weit darüber hinaus sollte der Renaissancekünstler Raffaelo aus Anlass seines  500. Todestages mit großer Begeisterung gefeiert werden. 2020 sollte das Raffaello-Jahr sein. Fünfhundert Jahre nach seinem Tod im Alter von 37 Jahren sollte der Renaissance-Meister die allerhöchsten Weihen erhalten, die künstlerischen Superstars vorbehalten sind: Blockbuster-Ausstellungen in Rom und London; Konferenzen und Vorträge an Universitäten und Kulturzentren auf der ganzen Welt; Fahnenschwingen und Kranzniederlegungen in seiner italienischen Geburtsstadt Urbino.

Es gab sogar öffentliche Kontroversen, als der Beirat der Uffizien in Florenz massenhaft zurücktrat, um so gegen die Ausleihe eines kostbaren Porträts in die große Ausstellung in der Scuderie del Quirinale in Rom zu protestieren.

Doch dann kam über Nacht das Coronavirus und Raffaelos Annus Mirabilis wurde zum weltweiten Annus Horribilis.

Als am 6. April 1520 in Rom die Nachricht vom Tod des gutaussehenden, jugendlichen Künstlers bekannt wurde, weinte Papst Leo X. und in der ganzen Stadt läuteten Kirchenglocken. Exakt ein halbes Jahrtausend später befand sich Rom zur selben Jahreszeit zusammen mit dem Rest Italiens im Lockdown und die Todesfälle durch das Virus stiegen…

Nach nur drei Tagen musste daher die römische Ausstellung, eine einzigartige Präsentation von mehr als 200 Werken aus aller Welt (120 von Raffaello selbst), igeschlossen werden, obwohl man rekordverdächtige 70.000 Tickets verkauft hatte. Raffaellos Grab im Pantheon sollte jeden Tag im Jahr 2020 mit einer roten Rose geschmückt werden, um an seinen Tod zu erinnern – doch auch der alte Pantheon wurde wegen des Virus geschlossen. Vorträge und Konferenzen wurden abgesagt, verschoben oder online gestellt.

Armer Raffaelo. Im vergangenen Jahr verlief der 500. Todestag von Leonardo da Vinci ohne jedes Problem. Raffaellos Anhänger hofften, dass die diesjährigen Feierlichkeiten den Glanz des Künstlers wiederherstellen würden, der in den letzten Jahrhunderten etwas nachgelassen hatte.  Doch als die Welt im vergangenen Winter krank wurde, war Raffaello  eines der Opfer.

Aber tatsächlich ist nicht alles verloren. Die Quirinals-Ausstellung wurde am 2. Juni wiedereröffnet und bleibt bis Ende August geöffnet. Der Direktor des Museums, Mario de Simoni, hatte  bis zu 500.000 Besucher erwartet, muss aber jetzt einräumen, dass es wahrscheinlich nicht einmal ein Drittel werden.

Für diejenigen, die nicht persönlich teilnehmen können, haben die Ausstellungsmacher aber eine englischsprachige Version ihres hervorragenden Videos veröffentlicht, in der die Höhepunkte der Ausstellung Raum für Raum zusammengefasst werden. Sie werden die Pause-Taste drücken…

(weiter in der New York Times – in englischer Sprache mit zahlreichen weiteren Links)….


Mehr…
– ein Film in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln:
Una passeggiata per la mostra Raffaello 1520-1483. Un susseguirsi, sala dopo sala, di volti, sguardi e gesti di straordinaria bellezza.


Etwas trösten kann auch, schrieb die ZEIT bereits im April, der reich bebilderte Band des Kunsthistorikers Ulrich Pfisterer: Mit einem unbestechlichen Röntgenblick durchdringe er in Raffael. Glaube – Liebe – Ruhm Leben und Werk des Malers, kein Detail dieser sagenhaften Karriere bleibe ihm verborgen (C. H. Beck; 384 S., 58,– €, ISBN: 3406741363).

Bestellen kann man das analoge Werk im lokalen Buchhandel, also hier oder (für die Buchhändlerin ihres Vertrauens wirtschaftlich deutlich besser!) hier .

Nachhaltigkeit

23. August 2020

Mit Kiel und Buxtehude werden in diesem Jahr zwei Städte in Norddeutschland mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2012 von der Deutschen Stiftung für Nachhaltigkeit vergeben und ist mit 30.000 Euro dotiert. Diese Summe erhalten die beiden Preisträger in den Kategorien Groß- und Mittelstädte, dafür dass sie überzeugend dargestellt haben, wie eine Kommunalpolitik aussehen könnte, die auch künftigen Generationen Raum zum Leben lässt.

 Mit dem Projekt „Buxtehude 2030“ erarbeite Buxtehude zurzeit eine Nachhaltigkeitsstrategie in Anlehnung an die globalen Entwicklungsziele, heißt es in der Begründung. „Besonderes Augenmerk liegt auf den Themen Klima- und Ressourcenschutz sowie sozialer Teilhabe.“  Beim Klimaschutz sei Buxtehude mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gut dabei, begründet es der Auslober.. Es nutze „seine geografische Lage, um Wind-, Solarenergie sowie Fernwärme weiter auszubauen“. Zum Ressourcensparen laden „Buxbüdel“, „Buxpott“ und „Meibox“ ein, allesamt Mehrweg-Projekte. Und „Ener:kita“ führt die Kleinsten an diese Themen heran. „Wir schauen, wie die Einrichtungen energetisch aufgestellt sind, aber führen auch Kinder spielerisch an das Thema heran – nachhaltig kochen, richtig heizen und lüften“, erklärt Thomas Bücher, Sprecher der niedersächsischen Stadt nordwestlich von Hamburg.

„Jährlich sensibilisiert zudem die nicht-kommerzielle Ökomesse ‚Vor Ort Fair-Ändern‘ auch die Verbraucher/innen für einen bewussten Lebensstil“, so die Jury weiter. Und der Buxtehuder Präventionsrat wird dafür gelobt, das städtische Engagement in den Bereichen Bildung, soziale Teilhabe und sogar Klimaschutz mitzugestalten.

Michael Lemke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, freut sich über den Preis. Er komme überraschend, aber nicht unberechtigt. „Aber ich hinterfrage ihn“, setzt er hinzu. Als Lemke mit seinen Parteikolleg*innen die Begründung der Jury gelesen hat, kam sie ihnen „sehr wolkig“ vor. „Dass vielerorts Tempo 30 eingeführt wurde, ist bereits 28 Jahre her“, so Lemke.

Auch ein erwähntes Fernwärmenetz für ein Neubaugebiet sei gar nicht so super, es sei schließlich ein klassisches mit Erdgas. Außerdem die durch die Jury gelobte Beteiligung der Bürger*innen bei Bauprojekten und mehr sei noch sehr sporadisch. „Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen solche guten Ansätze nicht nur einmal, sondern überall verfolgt werden“, sagt Lemke.

Überhaupt werde der Begriff der Nachhaltigkeit – trotz der Wichtigkeit der Debatte – „zu inflationär“ genutzt, findet Lemke. „Wir sollten mehr über die Definition von Nachhaltigkeit sprechen und die Inhalte davon im Leben und im Handeln der Menschen annehmen.“ Aufholen muss Buxtehude nach Ansicht des Grünen-Politikers im Bereich Klimaschutz und bezahlbarem Wohnen. Bei den Planungen einer neuen Sporthalle und Schule merke er nichts von den Ambitionen der Stadt. „Ich möchte Null-Energie-Häuser mit Holz oder anderen recycelten Stoffen bauen.“ Man sei nach wie vor sehr konservativ unterwegs.

Dass man noch nicht am Ziel ist, weiß auch Stadtsprecher Bücher. Bereits vor zwei Jahren wurde Buxtehude für den Preis nominiert. Seither habe sich viel getan, was die Jury nach Büchers Ansicht mit der Auszeichnung honoriert habe. „Als wir damals die Bewerbung ausgefüllt haben, haben wir gemerkt, uns fehlt neben den vielen Tätigkeit eine übergeordnete Strategie.“

Anfang des Jahres organisierte die Stadt daher Workshops mit Beschäftigten der Stadt und mit Politiker*innen. Folgen soll nun – durch die Coronapandemie verspätet – ein Treffen mit den lokalen Initiativen. „Wir wollen nach deren Ideen fragen“, sagt Bücher. Auch der Präventionsrat der Stadt beschäftige sich dieses Jahr mit der Zukunftsfähigkeit Buxtehudes. All die Ergebnisse wolle man zusammenfassen.

Auch im Haushalt wolle man einige der Nachhaltigkeitsziele der UN – die Sustainable Development Goals – als Schwerpunkte festhalten, sagt Bücher. Es solle ein Leitbild entstehen, mit dem Investitionen abzugleichen seien und Zielkonflikte austariert werden könnten.

Im Bereich Bildung sei Buxtehude jetzt schon vorn mit dabei, sagt Bücher. Seit Jahren sei man Fair-Trade-Stadt; auf dem Weihnachtsmarkt werde kein Plastikbesteck mehr ausgegeben, es gebe Ansiedlungskriterien für Gewerbeflächen – etwa die Zahl der Arbeitsplätze. „Der Preis ist ja nicht nur ein Ökopreis“, erinnert Bücher. Und die drei Säulen der Nachhaltigkeit seien nun mal Ökologie, Ökonomie und Soziales.
Passend dazu habe man ein Gewerbeforum mit Christian Felber organisiert, Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie. „Es hat sich einiges getan.“

Der Nachhaltigkeitspreis wird übrigens seit 13 Jahren in mehreren Kategorien verliehen. Ausgezeichnet werden dabei nicht nur Kommunen, sondern auch einzelne Unternehmen, gelungene Architekturentwürfe, innovative Forschungsansätze oder auch neuartige Verpackungslösungen.

Lingen (Ems) hat den Preis übrigens nicht bekommen: Unsere autoorientierte, flächenverbrauchende Kommune hat sich nämlich gar nicht erst beworben…