Sitzen lassen

18. August 2020

In unserer eigentlich doch aufgeklärten Stadt wollen am Samstagnachmittag die Corona-Schwurbler demonstrieren. Die Thesen: „Das Emsland steht auf. Für Frieden und Freiheit.Für die Zukunft unserer Kinder“. Ja, geht’s noch?

Angemeldet hat die Demonstration Melanie Kura, Erzieherin, pardon: Entwicklungsbegleiterin im Verein Kinderladen, den ich übrigens für seine alternative Arbeit sehr schätze.

Nun: Zu demonstrieren ist ihr Recht. Dass wir da nicht mitmachen, weil die angebliche Querdenkerei  keine Denkerei sondern bloß vorurteilsbeladen und total bekloppt ist, ist unser Recht. Wir erkennen dieselben  dumpfen, dummen Gefühle und die Unfähigkeit die Bedrohung durch das Virus zu begreifen. Sie agieren wie die Menschen vor 600 Jahren, die die Pest nicht verstanden und deshalb andere -vorzugsweise die Juden- dafür verantwortlich machten. Deshalb argumentieren sie antisemitisch, unwissenschaftlich, behaupten rechtlichen Quatsch, handeln Hand in Hand mit Nazis und Faschisten, sind gegen die überlegt agierende Merkel und die angeblichen Staatsmedien. Also: Sie sind bloß anmaßend-egoistisch und vor allem unsolidarisch.

Prof. Dr. Gerhard Roth, 77, der an der Bremer Universität das Institut für Hirnforschung lehrte, ist vor einigen Tagen in einem sehr lesenswerten Interview des Evangelischen Pressedienstes epd  zum Umgang mit den Corona-Schwurblerndiese Frage gestellt worden:

Helfen moralische Aufrufe?

Er antwortete so klar, wie Kirsten es von mir erwartet hat:

Aufrufe im Sinne von Immanuel Kants Appell, dass du das Sittengesetz als eine für den vernunftbegabten Menschen einsichtige und verpflichtende Ordnung beachten sollst, die wirken nicht. Moralische Appelle funktionieren nur, wenn sie mit der Drohung der Ausgrenzung verbunden sind. Denn diese gehören zu den wirksamsten Drohungen, die es gibt. Wenn Menschen sagen, so ein Verhalten ist unerwünscht, und wenn ihr das tut, gehört ihr nicht mehr dazu, dann schadet ihr der Gesellschaft und insbesondere euren Eltern und Großeltern und letztlich euch selbst – das fürchten die allermeisten Leute. Das wirkt. Jedenfalls mehr als die Erklärung, aus medizinischen Gründen müsst ihr Abstand halten.“

Ja, das wirkt!

Also meine Bitte: Beachtet die Schwurbler nicht, auch wenn 50 von ihnen am Samstag auf dem Marktplatz sind. Bitte kein „Man-muss-doch-mit-ihnen-sprechen“ – man erreicht sie in ihrer Verquastheit sowieso nicht. Lasst sie auf dem Marktplatz sitzen oder stehen, bis sie sich irgendwann für ihre Schwurbelei bloß noch schämen.

Kurzum: Grenzt sie aus, weil sie der Gesellschaft, also uns allen, und insbesondere ihren Eltern und Großeltern und letztlich sich selbst schaden. Punkt.