Insektenzählen

1. August 2020

Seit gestern: Bitte noch bis zum 9. August Insekten zählen, nicht nur über die bedrohten Tiere reden:

 

Heute beginnen die Salzburger Festspiele. Es gibt sie seit 100 Jahren und das sollte groß gefeiert werden.

Doch fast alles in diesem Jahr ist anders, natürlich wegen der  Corona-Pandemie.

So stehen natürlich sehr viel weniger Eintrittskarten zur Verfügung. Doch es gibt Abhilfe: Der deutsch-französische Kulturkanal Arte wird einige Veranstaltungen übertragen; darüberhinaus wird der Internet-Kanal Arte Concert jeden Abend um 20.30 Uhr auf arte.tv/salzburg Konzerte, Theateraufführungen und Opern ausstrahlen.

Den Auftakt macht heute am Samstag, 1. August 2020 die zeitversetzte Live-Übertragung von Richard Strauss‘ Oper „Elektra“ in einer Inszenierung von Krzysztof Warlikowski und unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst. Die Titelrolle singt Aurine Stundyte.

Ein weiterer Höhepunkt wird heute ab 21.15 Uhr im Netz auch der Salzburg-Klassiker „Jedermann“ von Festival-Mitbegründer Hugo von Hoffmansthal sein, 2020 unter der Regie von Michael Sturminger und mit Tobias Morreti in der Titelrolle.

Morgen am Sonntag, 2. August zeigt der europäische TV-Kanal dann bereits um 16 Uhr die Dokumentation „Das große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele“, welche die 100-jährige Geschichte des Festivals beleuchtet. Um 17 Uhr wird dann Christof Loys Inszenierung von Mozarts „Così fan tutte“ unter der Leitung von Joana Mallwitz und mit Elsa Dreisig, Marianne Crebassa und Andrè Schuen live von den Festspielen übertragen.

Im Fernsehen zeigt Arte am Sonntag, 23. August zunächst Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra, bevor Igor Levit einen Teil seines Beethoven-Zyklus vom diesjährigen Festival präsentiert. Anschließend wiederholt Arte Verdis Oper „Aida“, mit Anna Netrebko in der Hauptrolle. Darüberhinaus sind am Sonntag, 30. August die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons im TV zu hören und zu sehen.


Die Salzburger Festspiele gelten als das weltweit bedeutendste Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst. Seit 1920 finden sie jeden Sommer im Juli und August im österreichischen  Salzburg statt. Markenzeichen der Festspiele sind der Jedermann auf dem Domplatz, exemplarische Mozart– und Strauss-Aufführungen, sowie ein vielfältiges und hochkarätiges Schauspiel-, Opern- und Konzert-Programm. Alljährlich mehr als 200 Veranstaltungen werden in den sechs Festspielwochen von mehr als 250.000 Gästen besucht. Eigentlich. 2020 ist alles anders.

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Foto: Tobias Moretti, Edith Clever, Jedermann, Salzburger Festspiele 2020; © SF / Matthias Horn

 

Köttbullar, Plantbullar

1. August 2020

Ein IKEA-Besuch ohne Köttbullar ist für Viele undenkbar. Die kleinen Hackfleischbällchen -(Aussprache im Schwedischen: [ˈɕœtˌbɵlːar])- sind das beliebteste Gericht in den IKEA Restaurants. Jedes Jahr werden weltweit über eine Milliarde des Klassikers verkauft. Aber ab heute serviert IKEA jetzt mit dem Plantbullar aber eine komplett pflanzenbasierte Variante der Produkt-Ikone. Köttbullar vegan sozusagen, doch vorerst in Deutschland nur in fünf Restaurants – die anderen sind nämlich noch geschlossen.

„Inspiriert durch die Vision, einen besseren Alltag für die vielen Menschen zu schaffen“ (Pressetext), möchte IKEA weltweit bis zum Jahr 2030 eine Milliarde Menschen zu einem nachhaltigeren Leben motivieren. Eine der Maßnahmen auf dem Weg dahin ist die Erweiterung des Food-Angebots um den neuen Plantbullar, der mit seiner Klimabilanz punktet: Diese liegt bei nur vier Prozent gegenüber dem herkömmlichen Fleischbällchen.

„Mit der Entwicklung einer pflanzenbasierten Alternative zum klassischen Fleischbällchen unterstreichen wir einmal mehr unsere Bemühungen, auch als Anbieter von Lebensmitteln nachhaltiger zu werden. Gleichzeitig bieten wir unseren Kunden mit dem neuen pflanzlichen Bällchen ein Produkt, das geschmacklich selbst überzeugte Fleischesser ansprechen wird“, so Dennis Balslev, Geschäftsführer von IKEA Deutschland.

Das erklärte Ziel von IKEA ist es, durch die Einführung des pflanzlichen Bällchens die Menge der verkauften Köttbullar in Zukunft zu reduzieren.“Gleichzeitig muss dabei niemand auf das „Fleischbällchen-Erlebnis“ verzichten, das viele unserer Kunden kennen und mögen“, wird Dennis Balslev zitiert.

Das pflanzliche Bällchen bietet sich als leckere, nachhaltigere Alternative für Fleischesser an, eignet sich aber ebenfalls für Vegetarier oder Veganer – denn es kommt komplett ohne tierische Inhaltsstoffe aus und setzt stattdessen auf eine Kombination aus Erbsenprotein, Hafer, Äpfeln sowie Kartoffeln.

„In der Entwicklungsphase war unser Ziel, den fleischigen Geschmack und die Konsistenz des Originals nachzubilden, jedoch komplett auf pflanzlicher Basis. Wir haben verschiedene Inhaltsstoffe getestet und es schließlich geschafft, eine Variante für Fleischbällchenfans zu entwickeln, bei der wir keine Kompromisse in Sachen Geschmack und Konsistenz eingehen“, erläutert Alexander Magnusson, Koch und Projektleiter bei IKEA Food die Entwicklung des Produkts.

Das neue Plantbullar-Gericht ist ab heute, 1. August  im sog. Schwedenshop aller IKEA Einrichtungshäuser zum Mitnehmen für die Zubereitung zu Hause erhältlich. Und in fünf IKEA-Filialen deutschlandweit, nämlich in Augsburg, Berlin-Tempelhof, Kamen, Rostock sowie Wallau „mit eingeschränkten Öffnungszeiten im Testbetrieb“ (PM). Sobald auch andere IKEA Restaurants geöffnet haben, werden die pflanzlichen Bällchen dort mit Kartoffelpüree, Erbsen, Preiselbeeren und Rahmsoße angeboten, genau wie das traditionelle Köttbullar-Gericht – allerdings zu einem niedrigeren Preis als die Variante mit Fleisch.


Foto: Plantbullar © Inter IKEA Systems B.V/IKEA Deutschland GmbH & Co. KG/

Der niedersächsische Landkreis Gifhorn zwingt eine alleinerziehende Mutter und ihre sieben Kinder zum Umzug aus eigener Wohnung in eine Sammelunterkunft. Flüchtlingsrat Niedersachsen fordert:
Lasst die Familie weiter in ihrer Wohnung leben!

Der Landkreis Gifhorn zwingt die Familie in eine Sammelunterkunft  – weil die Familie ihre Wohnung – auf eigene Kosten -, allerdings „ohne Erlaubnis“ renoviert hat. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisiert dies als „absurd“ und „rechtswidrig“ und fordert den Landkreis Gifhorn auf, die moldauische Familie N. „schlicht weiter in ihrer Wohnung leben zu lassen.“

Familie N.. wandte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolglos an den Landkreis Gifhorn und bat darum, ihre Wohnung in Osloß, die sie seit mehr als zwei Jahren bewohnt, renovieren zu dürfen. Dabei war der alleinerziehenden Frau N., die an schwergradigem Asthma leidet, vor allem daran gelegen, den bereits durch die Vormieter genutzten, stark verschmutzen und verstaubten Teppich, der sich trotz intensiver Bemühungen nicht mehr reinigen ließ, zu entfernen. Der Landkreis verweigerte dies, obwohl Frau N. diesem – wie verlangt – sogar ein ärztliches Attest vorlegte, wonach die Beschaffenheit des Teppichs ihre Atemwegsbeschwerden verstärke, weshalb es aus medizinischer Sicht geboten sei, ihn zu entfernen.

Nachdem es Frau N. gesundheitlich zunehmend schlechter ging, weil es ihr immer schwerer fiel, in ihrem eigenen Hause zu atmen, ersetzte sie den Teppich dennoch – auf eigene Kosten – durch Laminat, um einer weiteren Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes vorzubeugen. Zudem tapezierte die Familie – ebenfalls auf eigene Kosten – sämtliche Wände, um ihr Zuhause wohnlicher zu gestalten. Nunmehr verlangt der Landkreis Gifhorn von Frau N. und ihren sieben Kindern im Alter zwischen zwei und 17 Jahren, die Wohnung spätestens bis zum 05. August 2020 zu räumen und in die Flüchtlingsunterkunft in Ehra-Lessien zu ziehen. Für den Fall, dass die Familie sich dem widersetzt, droht der Landkreis damit, die Wohnung gewaltsam räumen zu lassen.

Muzaffer Öztürkyilmaz, Referent des Flüchtlingsrats Niedersachsen:

„Das Vorgehen des Landkreises ist absurd. Der Landkreis hat die gesundheitlichen Beschwerden der Frau N. monatelang ignoriert und bestraft die Familie nun dafür, ihre Wohnsituation eigenständig verbessert zu haben. Er zwingt die Familie inmitten in der Corona-Pandemie, in eine Sammelunterkunft zu ziehen – und dies, obwohl es für Menschen angesichts der Enge in solchen Unterkünften bekanntermaßen unmöglich ist, die Corona-Schutzmaßnahmen und Abstandsregeln einzuhalten.“

Das Vorgehen das Landkreises gegenüber der Familie N. ist nicht nur faktisch absurd und gesundheitsgefährdend, sondern steht auch juristisch auf sehr tönernen Beinen.

Muzaffer Öztürkyilmaz:

„Das Ganze ist auch rechtswidrig. Es unverhältnismäßig die Familie zum Auszug zu zwingen, weil sie die Wohnung ohne Erlaubnis renoviert und damit im Ergebnis aufgewertet hat. Da Frau N. alleinerziehend ist und ihre Kinder minderjährig sind, dürfen sie nach der EU-Aufnahmerichtlinie im Übrigen nur dann verpflichtet werden, in einer Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen, sofern sie dort ausschließlich mit anderen Alleinerziehenden und ihren minderjährigen Kindern untergebracht werden. Solche eine spezifische Unterbringungsmöglichkeit existiert in Ehra-Lessien jedoch nicht.“

Ein Zwangsumzug von Osloß nach Ehra-Lessien würde für die Familie zugleich den Verlust ihres bisherigen Lebensumfeldes bedeuten und ihr den Alltag erschweren. Die Kinder haben sowohl in Osloß als auch im Kindergarten bzw. in der Schule schnell Anschluss gefunden, sich in Vereinen engagiert und Freundschaften geschlossen. All dies müssten sie hinter sich lassen. Die älteste Tochter würde bei einem Umzug täglich statt einer halben ca. 2 Stunden benötigen, um ihren Ausbildungsbetrieb in Wolfsburg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Muzaffer Öztürkyilmaz:

„Wir fordern den Landkreis Gifhorn auf, die Familie schlicht weiter in ihrer Wohnung leben zu lassen, anstatt sie durch absurde und rechtswidrige Maßnahmen zu schikanieren und ihre weitere Integration absichtlich zu erschweren.“

Für alles verantwortlich ist im Übrigen der Landrat Dr. Andreas Ebel. Ebel gehört der CDU an.