WWW

26. Juli 2020

Wim Wenders, dessen sich Hamburg so gerne rühmt, wird 75. Aus diesem Anlass ist bis Mitte September eine Werkschau des großen deutschen  Filmemachers in der ARD-Mediathek  zu sehen, also WWW sozusagen. Nicht nur in  Hamburg schmückt man sich übrigens gerne mit Wim Wenders als einem der Künstler, der zur Stadt gehört. Dort war er zwischen 2002 und 2017 Professor an der Hochschule für Bildende Künste, und mit „Der amerikanische Freund“ drehte Wim Wenders 1977 einen seiner schönsten Filme in und um Hamburg herum: Da läuft dann Bruno Ganz durch den alten Elbtunnel, zum Finale fährt er mit seinen Schlangenlinien aber schon wieder recht weit weg: an einen Nordseedeich.

Ganz’ Volkswagen war dabei kein Zufall: VWs waren lange Zeit die Maskottchen in Wenders’ Filmen, und in den späten 80er-Jahren diskutierten Filmkritiker am Stammtisch schon mal, ob man die Filme des Regisseurs nicht anhand der Fahrzeuge einteilen könne: Die guten sind die mit einem VW darin, die schlechten jene ohne.

Zu Beginn von Im Lauf der Zeit“ (1976) etwa fährt Hanns Zischler seinen Volkswagen mit Karacho in die Elbe (!) und wird von da an nur noch „Kamikaze“ genannt. Sogar in „Paris, Texas“ (1984) findet sich in Nastassja Kinskis Garage ein alter Käfer – und darüber, ob dies nun ein Beleg für oder gegen die steile Stammtischthese ist, wurde einst leidenschaftlich gestritten.

Denn an Wenders schieden sich überhaupt die Geister. Schon weil er, im Vergleich zu Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder, ein sehr deutscher Romantiker ist – und die waren vor noch nicht allzu langer Zeit, zum Ende des 20. Jahrhunderts, noch vielen unheimlich.

Was dran ist, an der VW-These und der von der Romantik, lässt sich derzeit bequem von zu Hause aus überprüfen: Aus Anlass von Wenders’ 75. Geburtstag am 14. August hat die ARD eine Werkschau in ihre Mediathek gestellt. Der älteste von insgesamt 23 Filmen – ganz genau: 22 Filme und die Standbildmontage „Same Player Shoots Again“ (1968) – ist der Kurzfilm „Silver City Revisited“, ebenfalls aus dem Jahr 1968; der jüngste Beitrag ist Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“ (2011), abgesehen noch von einem 2020 entstandenen Kurzfilm für den RBB.

Einige von Wenders’ frühen Arbeiten waren aufgrund von Materialverschleiß kaum noch ansehbar und wurden von 2014 an digital restauriert. So sehen Alice in den Städten“ (1973) oder „Falsche Bewegung“ (1975) nun besser aus als damals im Kino. Neben Hits wie Der Himmel über Berlin“ (1987) und „Buena Vista Social Club“ (1999) stehen auch weniger bekannte Perlen online: die Hommage an den japanischen Regisseur Ozu, „Tokyo-Ga“ (1985), oder der Film-im-Film Der Stand der Dinge“ (1982) sind hier zu entdecken.

Vollständig ist das Programm nicht: Es fehlen einige Filme, für die Wenders nicht selbst die Rechte besitzt: sein interessant gescheiterter Hollywoodausflug „Hammett“ (1982) und die Musikdokumentation „The Soul of a Man“, die Wenders 2003 für das Blues-Projekt von Martin Scorsese drehte.


Am 14. August, Wenders‘ Geburtstag, zeigt Das Erste um 23.50 Uhr die neue Dokumentation „Wim Wenders, Desperado“ von Eric Friedler und Andreas „Campino“ Frege

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Quelle: taz. Foto: Wim Wenders Foto von Nouvel Écran CC Attribution-Share Alike 4.0 International

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