Roels rijwielenmuseum

2. Juli 2020

Roel Bomers aus Winterswijk liebt alte Fahrräder, besonders die der Marke Gazelle. Deshalb hat er inzwischen eine einzigartige Sammlung, in der 60 Fahrräder aus den letzten rund 150 Jahren stehen: Roels Rijwielenmuseum (Roels Fahrradmuseum), ein ganz spezielles Museum in der Kleinstadt 40km südwestlich von Gronau. Der 31jährige rettet liebevoll Fahrräder vor der Zerstörung: ,,Schau, das ist der heilige Gral unter den Fahrrädern: ein Gazelle Grinder. Die Firma hat sie nur ganze zwei Jahre gebaut, 1912 und 1913. Und von diesem besonderen Exemplar aus 1926 gibt es überhaupt nur ein einziges, das ich in Gent gekauft habe. Das Zahnrad mit dem eingefrästen Namen Gazelle ist reine Kunst. Das Rad hat eine zusätzliche Stange zur Verstärkung und ist so ein Mittelding zwischen einem Transport- und einem normalen Fahrrad.“

Roel Bomers spricht gleichermaßen leidenschaftlich wie liebevoll über die antike Fahrräder, von denen sich sechzig in der Scheune neben seinem Haus befinden. Alle sind  mit Originalteilen komplett restauriert oder nur als Rahmen, in den Roel noch „die Zähne“ stecken kann. „Aber ich lackiere sie nicht noch einmal, ich möchte sie in ihrem ursprünglichen Zustand halten.“

Für Roel rostet die alte Gazelle-Liebe nicht: „Ich mag die Technik und sie ist bei meiner Lieblingsmarke Gazelle sicherlich so raffiniert. Alte Fahrräder erzählen auch viel darüber, wie die Menschen vor hundert Jahren lebten. Schauen Sie zum Beispiel dieses Polizeifahrrad von 1928 aus Den Haag, mit einem Säbel in einem Säbelhalter am Lenker. Das sagt etwas darüber aus, wie die Polizei damals agierte. “

Roel Bomers Liebe zu den alten Fahrrädern begann schon in seiner Schulzeit, als er gern an Fahrrädern und Mopeds bastelte. „2014 habe ich mein erstes 20-jähriges Oma-Fahrrad von einem Sammler gekauft und dann sind die Dinge etwas außer Kontrolle geraten. Zum Glück habe ich einen großen Schuppen neben dem Haus, der früher eine Tischlerei war. Ich bin jetzt in meiner knappen Freizeit dort zu finden “, sagt der Mann, der mit seiner Familie eine Fabrik für Badmöbel betreibt.

Roel sammelt in erster Linie die alten niederländische Fahrradmarken, vor allem Gazelle („Ich habe die größte Gazelle-Sammlung in den Niederlanden“), aber auch Fongers und Simplex wecken sein Interesse. Darüber hinaus ist seine  Museumswerkstatt eine Fundgrube voller alter Lampen, Pedale, Speichen, Emaille-Werbetafeln, Broschüren und antiker Fahrradwerkzeuge.

„Letztes Jahr habe ich eine ganze Sammlung aus der Fahrradwerkstatt Nijweide in der Waliënsestraat bekommen. Das war nur zehn Häuser von meinem Geburtsort entfernt, aber  ich wusste nie, dass es sie dort gab“.

Das älteste Fahrrad der Sammlung ist ein Velocipede von Burgers Deventer, der ältesten Fahrradfabrik der Niederlande . Das Fahrrad mit Vorderradpedalen ist aus 1870, noch vor der Ära des „High Bi“, mit dem berühmten großen Vorderrad und dem kleineren Hinterrad. „Ich kaufe auch ganz spezielle Exemplare, wie ein Herrenfahrrad von 1914 mit „Schnurrbartlenker“ oder ein Damenfahrrad mit einer kleinen eleganten Fahrradklingel; allein die Klingel ist ihr Geld wert.“

Was er am meisten sucht, sind Fahrräder aus den frühen Jahren des Herstellers aus Dieren, also von 1902 bis 1910. „Aber mit gezielter Suche werden Sie nichts finden. Manchmal stößt man auf etwas oder findet etwas, wenn man etwas anderes sucht.“ Der Radenthusiast erhält
aber regelmäßig Angebote von Leuten, die ihren „alten Pröttel“ loswerden wollen. „Kürzlich habe ich ein 20 Jahre altes Fahrrad mit Beiwagen bekommen. Was für die meisten Menschen ein Hindernis ist, für mich ist es ein Juwel.“

Roels Fahrradmuseum ist inzwischen ziemlich voll und der Besitzer baut derzeit ein Gerüst, um seine Fahrräder übereinander präsentieren zu können. Er möchte auch eine Toilettenanlage bauen. „Allerdings können Leute nur nach Vereinbarung die Sammlung besichtigen, weil ich natürlich nur tagsüber arbeiten muss“. Vielleicht hilft ein Radsportbegeisterteter, sinniert er; denn dann kann ich länger öffnen, aber bestimmt nicht ganzjährig, weil ich sonst den Raum auch heizen müsste.“ Roel Blomers möchte auch nicht, dass die Leute ungebeten zur Tür kommen. Daher erwähnt er seine Adresse nirgendwo.

Roel kam auch mit einem ehemaligen Mitarbeiter von Gazelle in Kontakt, der ihn einlud, in die Firmenzentrale nach Dieren zu kommen, um das Unternehmensarchiv aufzuarbeiten; denn Gazelle möchte ein Erlebniszentrum einrichten. „Das ging jetzt wegen Corona nicht; doch ich bin sehr gespannt darauf.“

Obwohl die Sammlung den größten Teil seiner Freizeit in Anspruch nimmt, fährt Roel Blomers natürlich selbst leidenschaftlich gern Fahrrad. „Jeden Tag zehn Kilometer hin und zurück, um in der Werkstatt an einer Gazelle zuarbeiten, einer brandneuen oder einer von 1929.“

Wer einen Blick auf Roels Sammlung werfen will, kann über www.rijwielmuseum.nl einen Termin vereinbaren.


Quelle: Tubantia; mehr: De 50+ Krant (in niederländischer Sprache)