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31. Juli 2020

50 bis 100 Prozent

31. Juli 2020

Überraschendes aus den wohlorganisiserten Niederlanden: Die Zahl der an den Folgen des Covid-19-Virus‘ verstorbenen Personen könnte laut Angaben des Zentralen Statistikamtes der Niederlande (CBS) fünfzig bis hundert Prozent höher liegen, als es die offiziellen Angaben der Behörde für Gesundheit und Umweltschutz (RIVM) vermuten lassen.

Den offiziellen Zahlen des RIVM zufolge sind bis zum 28. Juli um 10:00 Uhr in den Niederlanden 6.145 Personen am neuartigen Coronavirus gestorben. Das CBS hat nun mit einer abweichenden Methode andere Zahlen berechnet und diese veröffentlicht. Laut seinen Berechnungen sind allein in der Zeit vom 9. März bis zum 24. Mai 10.164 Personen verstorben. Diese Zahlen sind laut eigenen Angaben des CBS jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie Abweichungen beinhalten können. Die genaue Zahl liege irgendwo zwischen 8.593 und 11.691 Verstorbenen. Das bedeutet, dass es neben den offiziell gemeldeten Coronatoten möglicherweise fast genau so viele nicht-registrierte Personen gibt, die am Covid-19-Virus starben. Vom RIVM wurden bei seiner Berechnung nur jene Personen mit in die Statistik aufgenommen, die positiv auf eine Erkrankung getestet wurden.

Da die Fallzahlen in den Niederlanden genau wie in Deutschland derzeit wieder deutlich ansteigen, wird es noch zu weiteren Coronatoten kommen. In der vorletzten Woche hat sich die Zahl der Infizierten sogar beinahe verdoppelt. Das RIVM zählt 96 Brandherde im ganzen Land, bei denen mindestens drei Infektionen miteinander im Zusammenhang stehen (NiederlandeNet berichtete). Besonders die Provinzen Zeeland, Noord– und Zuid-Holland sind betroffen. Hier liegen unter anderem die bevölkerungsreichen Städte Amsterdam und Rotterdam.

In den Niederlanden gibt es im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern keine allgemeine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Lediglich in öffentlichen Verkehrsmitteln muss dieser getragen werden. Nach derzeitigem Stand wird es auch zu keiner landesweiten Pflicht kommen, es wird den Bürgermeistern vermutlich aber freigestellt werden, eine Mundschutzpflicht auf Gemeindeebene einzuführen.

(Quelle: Niederlande.net)

den falschen

30. Juli 2020

Da hat ein Kollege (m/w/d) daneben geschossen. Das Landgericht Osnabrück hat nämlich die Klage eines Lingeners wegen eines falschen Fahndungsfotos der Polizei zurückgewiesen. Der Mann hatte von seiner Bank deswegen Schmerzensgeld und weiteren Schadenersatz in Höhe von 500.000 Euro verlangt. Das Gericht lehnte dies ab – der Mann habe für ein Schmerzensgeld schlicht den Falschen verklagt, sagte ein Gerichtssprecher. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, meldet der NDR.

Der Vorfall hatte sich im Sommer vor drei Jahren ereignet: Damals hatte der Mann die Filiale seiner Bank aufgesucht. Am selben Tag kam es dort zu einer Straftat. Die Bank händigte der Polizei Aufnahmen der Videoüberwachung aus. Aus ungeklärten Gründen kam die Polizei zu dem Schluss, der Kläger komme als Täter infrage und fahndete mit Lichtbild in der örtlichen Tageszeitung nach dem Mann. Nachdem sich der Irrtum aufgeklärt hatte, wurde der Fahndungsaufruf zurückgezogen.

Schön finde ich besonders di Formulierung, der (grobe) Fehler sei „aus ungeklärten Gründen“ geschehen. Das sind so diese phänotypischen Sätze, mit denen sich die öffentliche Hand immer aus ihrer Verantwortung zu ziehen sucht.

Und dann noch meine Frage, wer denn wohl hätte verklagt werden müssen? Hat jemand einen Vorschlag?


(Foto: Landgericht Osnabrück, CC wie am 15.06.2013/Archiv)

 

Masken

30. Juli 2020

Schotter & Lübke

29. Juli 2020

Jennifer Schotter und Jakob J. Lübke
Konzertabend
Lingen (Ems) – Amtsgerichtshof
Freitag, 31. August ’20 – 19, 20 und 21 Uhr

Eintritt frei, Zugangstickets hier

Am Freitag folgt ein weiterer Abend mit drei Konzerten von je rund 30 Minuten um 19, 20 und 21 Uhr im Amtsgerichtshof mit Jennifer Schotter und Jakob J. Lübke. Die beiden sind mehr von kleinen Events bekannt, oft in eher familiären Rahmen – wenn man sich nicht nur mit „dem DJ“ zufrieden gibt, sondern ehrliche, handgemachte Musik will.  Beide nennen sich kokett Hochzeitssänger/in. Freitag wird es also wohl tatsächlich ein lauschiger Abend fürs Gemüt.

Jennifer Schotter, vielen aus dem Lingener ugend-Musik-Kolleg bekannt, ist Sängerin der Big Band Headless aus Lathen und Frontsängerin von MIX aus Lingen; außerdem ist sie  ls Solosängerin bei Events und Familienfeiern wie Hochzeiten, Taufen, Trauerfeiern unterwegs.

Jakob J. Lübke ist Berufsmusiker aus Osnabrück. Er tritt sowohl mit seiner Band „Five on the Floor“, die viele avn den Absolventenfeier der Hochschule in Lingen kennen, aber auch leidenschaftlicher Solmusiker auf. Neben dem Gesang spielt er Gitarre, Bass und Klavier. Er arbeitet mit diversen Chören zusammen und spielt an vielen Theatern.

 

(Quelle: PM Lingen/LWT)

Wegducken

28. Juli 2020

Acht Erntehelfer in Haselünne erkrankt

Die Emsland-Regionalausgaben der Neuen Osnabrück Zeitung melden heute, dass ein Bauernhof in der Stadt Haselünne neuer Corona-Cluster ist. Gestern war bekannt geworden, dass acht weitere Personen in der Stadt Haselünne infiziert sind

Der Landrat des Kreises Ermsland weigert sich, die Quelle zu benennen; denn es handele sich „um ein regional begrenztes Ausbruchsgeschehen“. Die NOZ-Ausgaben haben herausgefunden, nach Informationen der Redaktion handele es sich bei den acht Personen „um Helfer eines landwirtschaftlichen Betriebes“.

Das Wegducken des Landkreises erinnert mich an meine Geschwindigkeitsübertretung in Elbergen vor einigen Jahren. Ihr kennt den stationären Blitzer dort. Im letzten Moment erinnerte ich mich und schloss reflexhaft nur noch ganz fest die Augen. So ist das auch bei Corona im Emsland: Nicht drüber reden, nichts sagen, schweigen. Donald T. hat bekanntlich eine ähnliche Idee: Nicht testen, dann gibt es auch keine neuen Fälle.

Wenn man aber nichts sagt, gefährdet man die Menschen, die nichts wissen und in Kontakt mit Infizierten kommen – zum Beispiel, wenn die sich nicht an die Quarantänevorgaben halten.

Hausnummer

27. Juli 2020

Die Meldung aus der schönen Sauerlandmetropole Winterberg ist zwar schon zwei Wochen alt, zeigt allerdings Handlungsmöglichkeiten „vor Ort“ auf, die eher selten praktiziert werden. Als ich sie jetzt las, habe ich mir überlegt,  wo man sie als Vorbild für Lingen einsetzen könnte. Vorschläge aus der Leserschaft? … und einen schönen Montag:

Seit mindestens zwei Jahren gefährdeten die seitlichen Auswüchse der Hecke entlang der Nuhnetalstraße – B 236 – (Höhe Hausnummer 77) die Fußgänger.

Im letzten Jahr blockierte der seitliche Austrieb den halben Gehweg. In diesem Jahr war der Gehweg an dieser Stelle völlig zugewachsen. Für Behinderte, ältere Menschen und Mütter mit Kinderwagen usw. war kein Durchkommen in diesem Bereich mehr möglich.

Seit über sechs Wochen bemühte sich Stadtratsmitglied Richard Gamm um die Beseitigung der seitlichen Austriebe. In dieser Zeit führte er drei Gespräche mit der Stadtverwaltung Winterberg.

Da die Gefahrenstelle immer noch nicht beseitigt wurde, hat Richard Gamm dann selbst Hand angelegt, und die Hecke zurück geschnitten.

Jetzt ist der Gehweg wieder gefahrlos von allen Bürgern zu nutzen.
(Quelle: Pressemitteilung SPD Winterberg)

 

Osnabrücker

26. Juli 2020

Kopfschütteliges bei den Nachbarn. Da ist am Freitag ein Osnabrücker mit seinem SUV in das weltgrößte Fahrradparkhaus gefahren. Das ist in Utrecht, fahrradfreundliche Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Frage aus den Niederlanden: „Duitser begrijpt fietssymbool niet. Is het symbool voor een Nederlandse fiets in Duitsland anders?

Web-Antwort aus Osnabrück: „Man muss dafür Verständnis haben. So gute Infrastruktur gibt es in Osnabrück nur fürs Auto. Da kann man in der benachbarten Fahrradnation schon mal durcheinander kommen…“

„Das Ende selber macht mir keine Angst. Da spielt wohl auch eine gewisse Rolle, ob man mit sich einigermaßen im Reinen ist.“

Heute ist im Alter von 94 Jahren der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel gestorben. Ich durfte den ehemaligen Oberbürgermeister von München, später Berlin, Bundesminister, SPD-Fraktionsvorsitzender, Parteichef und Kanzlerkandidaten bei seinen Besuchen in Lingen kennenlernen und erinnere mich auch gern an Erzählungen von Gerhard Schröder über die Sitzungen des SPD-Parteivorstandes mit den berühmten Vogel’schen Klarsichthüllen, in dem er zu jedem Thema als Notwendige dabei hatte.

Viel später hat die Frankfurter Rundschau den Verstorbenen und seine Ehefrau dann interviewt. Das Gespräch mit dem Menschen Hans-Jochen Vogel gefällt mir. Lest bitte nach, es lohnt sich.


(Foto: Hans-Jochen Vogel auf dem SPD-Parteitag in Münster, 1988; Bundesarchiv, B 145 Bild-F079283-0010 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0)

WWW

26. Juli 2020

Wim Wenders, dessen sich Hamburg so gerne rühmt, wird 75. Aus diesem Anlass ist bis Mitte September eine Werkschau des großen deutschen  Filmemachers in der ARD-Mediathek  zu sehen, also WWW sozusagen. Nicht nur in  Hamburg schmückt man sich übrigens gerne mit Wim Wenders als einem der Künstler, der zur Stadt gehört. Dort war er zwischen 2002 und 2017 Professor an der Hochschule für Bildende Künste, und mit „Der amerikanische Freund“ drehte Wim Wenders 1977 einen seiner schönsten Filme in und um Hamburg herum: Da läuft dann Bruno Ganz durch den alten Elbtunnel, zum Finale fährt er mit seinen Schlangenlinien aber schon wieder recht weit weg: an einen Nordseedeich.

Ganz’ Volkswagen war dabei kein Zufall: VWs waren lange Zeit die Maskottchen in Wenders’ Filmen, und in den späten 80er-Jahren diskutierten Filmkritiker am Stammtisch schon mal, ob man die Filme des Regisseurs nicht anhand der Fahrzeuge einteilen könne: Die guten sind die mit einem VW darin, die schlechten jene ohne.

Zu Beginn von Im Lauf der Zeit“ (1976) etwa fährt Hanns Zischler seinen Volkswagen mit Karacho in die Elbe (!) und wird von da an nur noch „Kamikaze“ genannt. Sogar in „Paris, Texas“ (1984) findet sich in Nastassja Kinskis Garage ein alter Käfer – und darüber, ob dies nun ein Beleg für oder gegen die steile Stammtischthese ist, wurde einst leidenschaftlich gestritten.

Denn an Wenders schieden sich überhaupt die Geister. Schon weil er, im Vergleich zu Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder, ein sehr deutscher Romantiker ist – und die waren vor noch nicht allzu langer Zeit, zum Ende des 20. Jahrhunderts, noch vielen unheimlich.

Was dran ist, an der VW-These und der von der Romantik, lässt sich derzeit bequem von zu Hause aus überprüfen: Aus Anlass von Wenders’ 75. Geburtstag am 14. August hat die ARD eine Werkschau in ihre Mediathek gestellt. Der älteste von insgesamt 23 Filmen – ganz genau: 22 Filme und die Standbildmontage „Same Player Shoots Again“ (1968) – ist der Kurzfilm „Silver City Revisited“, ebenfalls aus dem Jahr 1968; der jüngste Beitrag ist Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“ (2011), abgesehen noch von einem 2020 entstandenen Kurzfilm für den RBB.

Einige von Wenders’ frühen Arbeiten waren aufgrund von Materialverschleiß kaum noch ansehbar und wurden von 2014 an digital restauriert. So sehen Alice in den Städten“ (1973) oder „Falsche Bewegung“ (1975) nun besser aus als damals im Kino. Neben Hits wie Der Himmel über Berlin“ (1987) und „Buena Vista Social Club“ (1999) stehen auch weniger bekannte Perlen online: die Hommage an den japanischen Regisseur Ozu, „Tokyo-Ga“ (1985), oder der Film-im-Film Der Stand der Dinge“ (1982) sind hier zu entdecken.

Vollständig ist das Programm nicht: Es fehlen einige Filme, für die Wenders nicht selbst die Rechte besitzt: sein interessant gescheiterter Hollywoodausflug „Hammett“ (1982) und die Musikdokumentation „The Soul of a Man“, die Wenders 2003 für das Blues-Projekt von Martin Scorsese drehte.


Am 14. August, Wenders‘ Geburtstag, zeigt Das Erste um 23.50 Uhr die neue Dokumentation „Wim Wenders, Desperado“ von Eric Friedler und Andreas „Campino“ Frege

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Quelle: taz. Foto: Wim Wenders Foto von Nouvel Écran CC Attribution-Share Alike 4.0 International