Rüdiger van Acken ist tot. Zu ihm hatte ich lange zeit ein  -sagen wir- eher schwieriges Verhältnis. Mir war er zu konservativ-katholisch (und ich ihm wohl das Gegenteil). Erst in den letzten Jahren entkrampfte sich zwischen uns manches. Jetzt ist der Buchhändler und Verleger im Alter von 84 Jahren gestorben, und ich schaue mit Respekt und Anerkennung auf die Stationen seines Lebens:

Von 1968 bis 1976 hatte der Verstorbene Sitz und Stimme im Lingener Stadtrat, auch mehrere Jahre als Vorsitzender des kommunalen Kulturausschusses. Sein größter kommunalpolitischer Erfolg war wohl der erfolgreiche Einsatz für den Neubau des Theaters an der Wilhelmshöhe  In den acht Jahren fanden übrigens alle zwei Jahre wegen der Eingemeindung verschiedener Gemeinden Kommunalwahlen statt. Vier Mal wurde er also als CDU-Kandidat (wieder)gewählt; das ist keine Selbstverständlichkeit. Als er dann 1976 auf eigenen Wunsch nicht mehr kandidierte und aus dem Rat unserer Stadt ausschied, sagte er etwas Bemerkenswertes – nämlich, dass im Falle seines Todes kein Nachruf seiner Vaterstadt veröffentlicht werden solle, denn „er (habe) im Rat gearbeitet und den Bürgern gedient… und (sei) mithin einer unter vielen (gewesen).“ Diesen früh geäußerten Wunsch hat die Stadt Lingen (Ems) nich vergessen und daher auf einen notwendigen öffentlichen Nachruf verzichtet; manchen Lingener/innen wird dies aufgefallen (und hiermit erklärt) sein.

Keine Frage: Rüdiger van Acken war eine Lingener Institution.

Er war nicht nur viele Jahrzehnte , schreibt Museumsleiter Andreas Eiynck im Emslandmuseum-Blog, „ein lieber Nachbar in der Burgstraße, sondern auch ein großer Freund und Gönner des Museums.“

Viele alte Fotos, Gemälde und Grafiken aus der umfangreichen heimatkundlichen Sammlung der Familie van Acken hat der Verstorbene schon vor vielen Jahren dem Museum übertragen. Vor ein paar Jahren konnte das Emslandmuseum die heimatkundliche Bibliothek aus den teilweise uralten Lagerbeständen der Buchhandlung und der früheren Druckerei van Acken noch einmal wesentlich ergänzen.

In seiner, auch mit einem theologischen Schwerpunkt ausgerichteten Buchhandlung führte Rüdiger van Acken mit viel Engagement und Hingabe auch eine Abteilung zur Stadt- und Regionalgeschichte sowie zu regionaler Literatur. In den Zeiten vor Internet und Google ermöglichte er damit vielen Hobbyforschern den fachkundigen Einstieg in die Literaturrecherche. Mit seiner Buchhandlung trugt der Verstorbene aber auch wesentlich zum Absatz heimatkundlicher Bücher bei, auch wenn kaufmännischer Aufwand und buchhalterischer Gewinn dabei häufig in keinem Verhältnis standen.

1963 war Rüdiger van Acken nach seiner Ausbildung zum Buchhändler in Münster und einer vierjährigen Tätigkeit in der Verlags- und Export-Buchhandlung Otto Harrassowitz in Wiesbaden in die elterlichen Betrieb zurückgekehrt, zu dem zu dieser Zeit noch eine Druckerei und ein Schreibwarenladen gehörten. In der angeschlossenen Druckerei wurden unter anderem die Tageszeitung „Lingener Volksbote“, Telefonbücher und Anzeigenblätter gedruckt. 1970 wurden die Unternehmensteile getrennt und die Buchhandlung mit Rüdiger van Acken als Inhaber neu gegründet. Nur wenige Jahre später gründete er auch den Burgtor-Verlag, in dem hauptsächlich Lingener Heimatliteratur und Kochbücher erschienen.

1979 gehörte der Theaterfreund Rüdiger van Acken zu den Gründungsmitgliedern der Spielbühne Lingen um Norbert Rademacher und Walter Edelmann. Lange Jahre stand er in kleinen Rollen auf der Bühne – vor allem in Kindertheaterstücken.

Ende der 1970er Jahre entschloss sich Rüdiger van Acken, das alte Gebäude der Buchhandlung in der Burgstraße 30  durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser Neubau versank dann geradezu im Treibsand des ehemaligen Lingener Stadtgrabens. Monatelang mussten die Fundamente des Neubaus mühsam gesichert werden. Dies setzte ihm ökonomisch sehr zu. Als es Zeit für einen Nachfolger war,  fand der Verstorbene für seine fast 150 Jahre alte Buchhandlung van Acken keinen Geegneten und schloss daher Ende 2007 sein traditionsreiches Geschäft. Damit verlor nicht nur die Burgstraße ein wichtiges Einzelhandelsgeschäft sonder auch die Stadt Lingen einen seit Jahrzehnten etablierten kulturellen Treffpunkt.

Rüdiger van Acken verstarb am 31. Mai in seiner Heimatstadt. Seine Hinterbliebenen, darunter fünf Kinder und fünf Enkelkinder, bitten im Sinne des Verstorbenen um eine Spende für den Lingener Heimatverein (IBAN DE72 2665 0001 0000 0795 09).


Quellen (und Dank an): Emslandmuseum Lingen, Lingener Tagespost/Carsten van Bevern;
Foto: ganz oben: Rüdiger van Acken © privat; unten © Emslandmuseum Lingen.