Äpp

16. Juni 2020

unerwartet

16. Juni 2020

Um 15.24 traf gestern die E-Mail-Nachricht von OB Krone bei mir ein:

“ Leider habe ich eine schlechte Nachricht mitzuteilen:

Heute Vormittag hat mich Dr. Andreas Scheck, Geschäftsführer von Neptune Energy in Deutschland, darüber informiert, dass sich das Unternehmen neu ausrichtet und der Betriebsstandort Lingen komplett stillgelegt wird. Diese Entscheidung wird Jim House, CEO der Neptune-Gruppe in London, heute Nachmittag um 15.30 Uhr in einer Pressemitteilung verkünden. Die Lingener Mitarbeiter werden derzeit in einer Betriebsversammlung informiert.

Das Unternehmen begründet die Schließung des Standorts mit einem konzernweiten Restrukturierungsprogramm aufgrund des stark gesunkenen Rohstoffpreises. Die Aufgabe des Traditionsunternehmens mit seiner über 130-jährigen Geschichte trifft die gesamte Stadt Lingen, aber natürlich besonders die 165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr hart und kommt für uns unerwartet. Damit endet ein langjähriges Kapitel unserer Stadtgeschichte. Mit dem Betriebsrat sollen zeitnah Verhandlungen über einen Sozialplan erfolgen.

Soweit vorab zur Kenntnis.“

Die auch von Neptune genannte Zahl von 165 Stellen ist natürlich falsch, weil sie nur die Vollzeitstellen nennt, nicht aber die zahlreichen Teilzeitbeschäftigten. Alle verlieren ihre Arbeitsplätze in dem Unternehmen an der Waldstraße. Zwar mag sein, dass die Vorgängerfirmen mehr Steuern in der Stadt ließen. Aber es sind durchweg, hoch- und höchstqualifizierte Jobs, die aus Lingen abgezogen werden. Dieser Aderlass ist mehr als bedauerlich.

In der vergangenen Woche hatte sich Neptune Energy bereits von Gro Haatvedt getrennt, die erst 2018 Vizepräsidentin für Exploration und Entwicklung geworden war. Sie hatte Neptune-Explorationen in Großbritannien, Norwegen und Schwegenheim in Deutschland zu verantworten. Eine/n Nachfolger/in für sie gibt es formell erst im Oktober. Schon dieser vor vier Tagen bekannt gewordene Managementwechsel bedeutet, dass sich das Team „auf Perspektiven konzentriert, die kurzfristig am kostengünstigsten und langfristig am wertschöpfendsten sind“.  Exploration passt da nicht, denn sie kostet.

Neptune will angesichts des von Covid-19 und der Klimakrise verursachten Abschwungs Geld sparen. Nur darum geht es. Die Arbeitnehmer/innen und ihre Familien -ingesamt knapp 800 dürften betroffen sein- sind der Konzernzentrale egal.