Der Junge Deutsche Jazzpreis Osnabrück kann trotz der Corona-Krise auch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Für die Gewinner winkt ein Preisgeld von 3.000 Euro für Ensembles und 1.000 Euro für den besten Solisten.

Mit dem Wettbewerb des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück (IfM) werden vielversprechende Jazz-Studierende auf ihrem Weg in die Professionalität unterstützt. Er richtet sich an junge Ensembles, die aus drei bis sieben Mitgliedern bestehen und von denen mindestens die Hälfte an einer deutschen Musikhochschule studiert. Die Ausschreibung wendet sich ausdrücklich an Studierende aller Nationen, die Altersgrenze liegt jedoch bei 30 Jahren.

Der Wettbewerb um den Jungen Deutschen Jazzpreis wurde von Lehrenden der Studienrichtung Jazz des IfM initiiert und geht mittlerweile in die siebte Runde. Realisiert werden kann er dank der finanziellen Unterstützung der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung. Nach Sichtung der Wettbewerbsunterlagen durch eine hochkarätig besetzte Jury werden drei Ensembles zur Finalrunde nach Osnabrück eingeladen, die am 2. Dezember 2020 stattfindet.

Im renommierten Jazzclub BlueNote präsentieren sich die Bands vor Publikum und Jury mit einem jeweils vierzigminütigen Konzert. Die Preisverleihung findet am selben Abend statt. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro für den Ensemblepreis und 1.000 Euro für den besten Solisten. Um den kreativen Austausch mit jungen Akteuren der Jazz-Szene am Wettbewerbsstandort Osnabrück über das Finale hinaus zu stärken, verpflichten sich die Gewinner des Ensemblepreises zu einem eintägigen offenen Jazz-Workshop am IfM. Dabei vermitteln sie ihr Know-How interessierten jungen Musikern. Der Tag endet mit einer gemeinsamen Konzert-Session aller Beteiligten. Mehr Informationen zum Jungen Deutschen Jazzpreis Osnabrück finden sich hier.

ps Dem Auftritt der Preisträger in Osnabrück könnte doch auch ein weiterer am Campus Lingen folgen, oder?

„Summertime“

29. Juni 2020

Kleiner Lingener Sommer
„Summertime“
Konzertabend mit Peter Alexander Herwig, Linda Moeken und Uta Preckwinkel
Lingen (Ems) – Amtsgericht, Burgstraße 28
Freitag, 3. Juli – 19, 20 und 21 Uhr
Eintritt: frei

Nach dem blues-rockigen Auftakt des „Kleinen Lingener Sommer“ mit Piano Pete Budden und Susan Albers steht am kommenden Freitag moderne Klassik im Mittelpunkt. Bariton Peter Alexander Herwig, Pianistin Linda Moeken und Violinistin Uta Preckwinkel bieten unter dem Titel „Summertime“ sommerliche Leichtigkeit und ein Programm mit Liedern von George Gershwin bis zur Klezmermusik.

Zu den Darbietenden: Der in München geborene Bariton Peter Alexander Herwig studierte Schulmusik und Gesangspädagogik an der Musikhochschule Heidelberg-Mannheim. Er lebt seit 2015 im Emsland und arbeitet als Sänger, Klavier- und Gesangspädagoge sowie Chorleiter. Linda Moeken hat an der Hochschule in Enschede (NL) bei Pierre Ruhlmann ihr Klavierstudium mit den Diplomen ‚Docerend Musicus‘ (Diplom-Musikpädagogin) und ‚Uitvoerend Musicus‘ (künstlerische Reifeprüfung) abgeschlossen. Sie unterrichtet am Jugend Musik Kolleg Lingen e. V. und an der Musikschule der Stadt Nordhorn. Uta Preckwinkel studierte Violine bei Prof. Maria Egelhof, Prof. Yfrah Neaman und Jaap van Zweden. Sie unterrichtet Violine an der Musikschule der Stadt Nordhorn.

Wie bereits beim ersten Konzert der Lingener-Sommer-Reihe stehen die drei Künstler an diesem Abend dreimal, um 19, 20 und 21 Uhr, für circa 30 Minuten auf der kleinen Bühne im Innenhof des Amtsgerichts.


Eintrittskarten für dieses Konzert sind bei der Tourist-Info der LWT erhältlich, telefonisch unter 0591/ 9144-144 und hier online.

Der Eintritt ist kostenlos. Ein Versand der online erworbenen Eintrittskarten ist aus technischen Gründen nicht möglich. Wenn Ihnen Ihre Tickets per Post zugestellt werden sollen, können Sie eine Reservierung bei LWT (Tel. 0591/ 9144-144) vornehmen.

Gemäß Corona-Verordnung ist die Veranstalterin verpflichtet, von jedem Besucher den Vor- und Zunamen, die vollständige Anschrift, eine Telefonnummer, Datum und Uhrzeit der Veranstaltung zu dokumentieren. Ohne diese Angaben kann ein Zutritt zum Veranstaltungsbereich nicht ermöglicht werden.

Da die Besucheranzahl auf maximal 100 Personen je Konzert limitiert ist, kann jeder Besucher nur bis zu 2 kostenlose Tickets erhalten. Vor dem Einlass müssen aufgrund der Corona-Verordnung die Daten jedes Besuchers überprüft werden.

Montag-Vorschläge

29. Juni 2020

An diesem Montag Beiträge zur Stadtentwicklung in Lingen (Ems). Hier paradigmatische Vorschläge der lokalen Stadtverwaltung.

[Ja, ich weiß, ’s ist bitterböse. Muss aber sein. Aus Gruenden..]

Sonne

28. Juni 2020

Im Juni 2020 beobachtet das Solar Dynamics Observatory (SDO) der National Aeronautics and Space Administration (NASA) die Sonne seit über einem Jahrzehnt ohne Unterbrechung. SDO hat aus seiner Umlaufbahn im Weltraum um die Erde 425 Millionen hochauflösende Bilder der Sonne gesammelt.

SDO macht alle 0,75 Sekunden ein Bild der Sonne. Sein AIA-Instrument (Atmospheric Imaging Assembly) nimmt alle 12 Sekunden Bilder bei 10 verschiedenen Lichtwellenlängen auf. Dieser, jetzt von der NASA veröffentlichte 10-jährige Zeitraffer zeigt Aufnahmen der Sonne, die mit einer Wellenlänge von 17,1 Nanometern aufgenommen wurden. Dies ist eine extreme ultraviolette Wellenlänge, die die äußerste atmosphärische Schicht der Sonne – die Korona – zeigt. Der Zeitrafferfilm setzt sich aus stündlichen Fotos zusammen und verdichtet so ein Jahrzehnt der Sonne auf ganze 61 Minuten.

Er zeigt dabei Anstieg und Abfall der Aktivität, der im Rahmen des 11-jährigen Sonnenzyklus der Sonne auftritt, sowie bemerkenswerte Ereignisse wie den Durchgang von Planeten und Eruptionen. Die benutzerdefinierte Musik mit dem Titel „Solar Observer“ wurde vom Musiker Lars Leonhard komponiert, der seit sieben Jahren wissenschaftliche Videos mit seinen Kompositionen unterlegt.

Schönen Sonntag!
(mehr zum Sonnen-Zeitraffer hier in engl. Sprache)

Maßnahmenpaket

28. Juni 2020

Zu meinen aktuellen Erfahrungen in der Lingener Kommunalpolitik zählt, das in den kommunalen Gremien gemeinsam Konzepte erarbeitet werde, auch wenn in Manchem der kleinste gemeinsame Nenner ruhig etwas nachhaltig-größer sein dürfte… . Vor Corona gab es das jedenfalls nicht. Aktuell zählt der „Lingener Einkaufssommer“ an allen Samstagen im Juli und August dazu  Er will mit einer großen Rabattaktion, freiem Busfahren und kostenlosem Parken Menschen in die Innenstadt locken..

Die Website der Stadt wirbt: „Urlaub macht in diesem Jahr auch zuhause Spaß: Dafür sorgt der „Lingener Einkaufssommer“. Mit besonderen Aktionen und Rabattierungen wollen die Stadt, die Kaufmannschaft, die Gastronomie und Lingen Wirtschaft + Tourismus ein Einkaufserlebnis der besonderen Art schaffen. „Mit einem einstimmigen politischen Beschluss im Stadtrat wurde ein einzigartiges, lokales Konjunkturpaket für den Lingener Einzelhandel und die Gastronomie auf den Weg gebracht“, erklärt Oberbürgermeister Dieter Krone. Alleine mit Hilfe der Sommeredition unserer Gutscheine sorgen wir dafür, dass zusätzlich eine Million Euro Umsatz in Lingen generiert wird“, erklärt Oberbürgermeister Dieter Krone. Start sei bereits am 1. Juli. Bis Ende August dürfen sich die Lingener und Gäste der Stadt auf ein tolles Programm und attraktive Angebote freuen.

Das „Maßnahmenpaket“ (Stadt Lingen) umfasst folgende Punkte:

  • 16 Prozent Bonus auf jeden Lingener Einkaufsgutschein
  • an den Samstagen im Juli und August kostenfreies Parken und kostenloses Busfahren
  • ein buntes Programm für die ganze Familie an den Samstagen im Juli und August mit Walking Acts und Livemusik in der Innenstadt sowie
  • Rabatte bei der Wir-bringen-die-Einkäufe-zu-euch-nach-Hause- Aktion „Lingen liefert“

Im Mittelpunkt steht ab dem 1. Juli der  Verkaufsstart „für die Sommeredition des Lingener Einkaufsgutscheins“. „Wir schenken unseren Kunden die Mehrwertsteuer“, erklärt Jan Koormann als Geschäftsführer der Lingen Wirtschaft + Tourismus GmbH (LWT). Das heißt, wer beispielsweise einen Gutschein über 100 Euro kauft, erhält 16 Euro geschenkt und entsprechend einen Gutschein über 116 Euro. Jeder Kunde kann pro Einkauf maximal einen Gutschein über 200 Euro (Stückelung in 10, 20 und 50 Euro-Werten möglich) erwerben.

Doch Obacht: Der 16%-Bonus ist kein Weihnachtsgeschenk; denn er muss im Aktionszeitraum vom 1. Juli bis 31. August eingelöst werden.

Bislang beteiligen sich rund 140 lokale Händler und Gastronomen an dem Gutscheinsystem. Weitere Interessenten können sich noch „gerne an die LWT wenden“ (Jan Koormann). Die Gutscheine sind jeweils zu den Öffnungszeiten in der Tourist-Info (Mo bis Do 9-17 Uhr, Fr 9-16 Uhr und Sa 10-16 Uhr) sowie mittwochs und samstags am Info-Mobil des LWT auf dem Wochenmarkt (8-13 Uhr) erhältlich. Also nicht online.

An allen Samstagen im Juli und August sind für die Lingenerinnen und Lingener auch die Fahrten mit dem LiLi-Bus kostenfrei, so dass die Besucher aus der ganzen Stadt bequem und umsonst in die Stadt kommen können (und wieder zurück).

Daneben kann kostenfrei auf allen öffentlichen Parkplätzen und in allen Parkhäusern geparkt werden. Bei der Einfahrt in die Parkhäuser müssen  zwar Parktickets gezogen werden. Diese werden nämlich benötigt, um die Schranken beim Ausfahren zu öffnen. Die Tickets müssen jedoch nicht am Automaten entwertet werden.

Die Stadt hat zusammen mit dem Theaterpädagogischen Zentrum und vielen anderen Musikern, Künstlern und Akteuren der regionalen Kulturszene ein „buntes Programm für die ganze Familie“ entworfen. An den Juli- und August-Samstagen wird es verschiedene Walking-Acts wie Stelzenläufer, Luftballonkünstler „und weitere Aktionen“ geben.

CSD/Karl Gorath

28. Juni 2020

Der Christopher Street Day (CSD) erinnert an den ersten Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit trans- und homosexuellem Zielpublikum. Besonders betroffen von Misshandlungen und Willkür waren Afroamerikaner und solche mit lateinamerikanischer Herkunft. Als sich an diesem Abend insbesondere Dragqueens und transsexuelle Latinas und Schwarze gegen die wiederkehrenden Kontrollen wehrten, war dies der Ausschlag für tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seitdem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten.

Das letzte Juni-Wochenende ist aber auch weltweit traditionell der Höhepunkt der queeren Pride-Paraden – schließlich wird dann immer des legendären Stonewall-Aufstandes gedacht, bei dem in der Nacht zum 28. Juni 1969 die queere Emanzipationsbewegung ihren Ausgang nahm. Trotz der Coronapandemie wirddies auch in diesem Jahr so sein.

Mehr als tausend CSD-Veranstalterinnen und -Veranstalter weltweit haben sich zu einem „Global Pride“ zusammengetan, der an diesem Samstag und Sonntag online übertragen wird. Es soll die „größte LGBTI+-Feier aller Zeiten werden“, heißt es auf globalpride2020.org, wo 24 Stunden lang Veranstaltungen aus aller Welt gestreamt werden sollen.

Hier ein Twitter-Thread aus den USA, den man nicht weiter zu kommentieren braucht.

(Quelle: Wikipedia, US Holocaust Museum)

Unionsliste

27. Juni 2020

Wer jetzt im Sommer an den Ufern der Hase, der Dinkel oder anderer Gewässer im Emsland und der Grafschaft entlang geht, kann sich schon einmal in die Sümpfe Floridas versetzt fühlen: Denn es kann tatsächlich sein, dass man eine Schildkröte sieht, die auf angeschwemmtem Holz oder Steinen die Sonne genießt. In der Regel handelt es sich dabei um Amerikanische Schmuckschildkröten. Diese Tiere stammen meist aus Aquarienhaltung, wurden als winzige Tiere angeschafft und den Besitzern irgendwann zu groß oder zu alt. Sie wurden dann einfach ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Viele Winter überleben die Tiere in der freien Natur meistens nicht, allerdings könnte sich das durch den Klimawandel ändern. „Mildere Winter verringern die Mortalität, höhere Temperaturen verlängern die Aktivitätsperiode und fördern den Reproduktionserfolg“ sagt Jutta Over, Biologin beim NABU.

Schmuckschildkröten verbringen die meiste Zeit des Tages damit, sich zu sonnen. Zwischendurch halten sie Ausschau nach Fressbarem, das sind vor allem Larven von Fröschen, Kröten, Molche oder Fische. Manchmal stehen auch Wasserpflanzen auf dem Speiseplan.

Da die aus Amerika stammenden Schmuckschildkröten andere Tierarten verdrängen könnten, wurden sie auf die sogenannte Unionsliste gesetzt, das ist eine Liste der EU, auf der invasive gebietsfremde Arten aufgeführt sind, die europaweit Probleme in den Ökosystemen bereiten und daher zurückgedrängt werden sollen. Zucht und Handel mit diesen Tieren sind verboten, private Haltungen sind genehmigungspflichtig. Dies gilt für die Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Foto unten) und die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte. Weitere Arten stehen auf der Beobachtungsliste, wie etwa die Schnappschildkröte, die Badenden gefährliche Bisswunden zufügen kann.

Vor allem unsere heimische Schildkrötenart, die Europäische Sumpfschildkröte (Foto ben), ist durch die Konkurrenz aus Amerika bedroht. Sie gehört zu den am stärksten gefährdeten Tierarten Deutschlands und galt bis vor kurzem in Niedersachsen als ausgestorben. Zwischen 2013 und 2016 wurden am Steinhuder Meer wieder Tiere angesiedelt. Das Niedersächsische Umweltministerium und der NABU führten dieses Wiederansiedlungsprojekt durch, nachdem dort umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen wie die Anlage von Kleingewässern und Feuchtgebieten, erfolgt waren.

Übrigens: Der NABU interessiert sich für Beobachtungen von Schildkröten in freier Wildbahn. Diese können an nabu@nabu-emsland.de  gemeldet werden.


Text: NABU, Foto: oben Europäische Sumpfschildkröte von onkelramirez1-1490122 auf Pixabay, unten: Gelbwagen-Schmuckschildkröte am Necka © Christoph Caina / Wikimedia Commons „Christoph Caina CC BY 3.0)

 

Niederlande lockern

26. Juni 2020

Die niederländischen Nachbarn lockern die Corona-Beschränkungen schneller als erwartet. Das niederländische Kabinett hat am Mittwoch dieser Woche erneut Beschränkungen weitreichend aufgegeben. Anders als ursprünglich geplant, sind ab dem 1. Juli auch wieder große Veranstaltungen erlaubt, wenn der Mindestabstand gewahrt bleibt. Auch die Nutzung von Verkehrsmitteln, die Sportausübung oder die Verhaltensvorschriften für Minderjährige sind von den Lockerungen betroffen.

„Wir gehen mit mehr Freiheit in den Sommer als gedacht“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte auf der letzten Pressekonferenz vor den Sommerferien. Maßnahmen, die eigentlich erst für die abschließende Phase der im Mai angekündigten Lockerungen vorgesehen waren, treten nun jetzt schon ein. Dafür machte Rutte die gute Lageentwicklung der Covid-19-Pandemie verantwortlich, die er mit einer Achterbahnfahrt verglich: „Heute stehen wir an einem Punkt, an dem wir die schlimmsten Loopings und schärfsten Kurven hinter uns haben.“

Zwar bleibe das Abstandhalten weiterhin „entscheidend“ und auch die Hygieneregeln und Verhaltensweisen bei Symptomen predigte der Ministerpräsident erneut ausführlich, doch präsentierte er im gleichen Atemzug eine Handvoll bedeutende Ausnahmen. Die wohl umfassendste Sonderung ist die Abstandsaufhebung zwischen allen unter 18-Jährigen. Jugendliche ab 12 Jahren dürfen sich gleichwohl keinen Erwachsenen unter 1,5 Meter nähern, für alle Jüngeren gelten keine Einschränkungen. „Für Minderjährige sind die Risikos viel kleiner“, meint Rutte. Die weiteren Lockerungen bedingen jedoch auch, dass der Mindestabstand bei anderen Aktivitäten, wie bei Kontaktberufen, im Sport oder im Verkehr, nicht gewahrt werden kann.

Wie bereits berichtet, sind ab Juli Veranstaltungen mit einer unbegrenzten Personenanzahl, unter bestimmten Auflagen und insbesondere der Wahrung des gegenseitigen Abstands, wieder erlaubt. Dies gilt für Jahrmärkte ebenso wie für Hochzeiten, Kirchenbesuche, kulturelle Einrichtungen aller Art oder Fußballspiele. Besonders erwähnenswert bei Stadionbesuchen: Das Singen und Rufen von Sprechchören bleibt untersagt, um das Infektionsrisiko zu vermindern – in Kirchen und bei Gesangsgruppen soll es hingegen wieder möglich werden. Aufgrund lang andauernder Genehmigungsverfahren ist mit großen Events trotzdem erst Mitte August zu rechnen.

Der öffentliche Verkehr wird auch für nicht notwendige Reisen wieder geöffnet und die Kapazität von 40 auf 100 Prozent erhöht. Daneben können Taxi- und Reisebusbetriebe ihre Arbeit vollständig wiederaufnehmen. Die Mundschutzpflicht bleibt für diese Verkehrsmittel allerdings uneingeschränkt bestehen. Deutsche Urlauber dürfte vor allem die Regelung für Autoinsassen interessieren. Hier ist es ab Juli zugestanden, jemand aus einem anderen Haushalt mitzunehmen. Eine Begrenzung für Mitfahrer fällt weg.

Sportarten können, ob innen oder außen, ohne Rücksicht auf Beschränkungen ausgeübt werden. Dazu zählt auch jeglicher Kontaktsport. Außerdem ist die Wiedereröffnung von Sportschulen ermöglicht. Apropos Schulen: Nach den Sommerferien werden alle Grund- und weiterführenden Schulen den Lehrbetrieb in gewohnter Form durchführen.

Auf der Strecke bleiben nach wie vor Nachtclubs und Diskotheken. Obwohl selbst Saunen und Casinos ihre Pforten öffnen und Sexarbeiter ihr Geschäft erneut vollständig hochfahren, wird über ihre Zukunft erst Anfang September wieder beraten.

Auch wenn sich die Situation nun dem alten Normalzustand allmählich annähert, ist sie mit Verantwortung jedes Einzelnen gepaart. Rutte: „Was uns in der nächsten Zeit beschäftigen wird, ist dafür zu sorgen, dass keine zweite Welle kommt.“ Dabei solle laut Gesundheitsminister de Jonge auch endlich die Corona-App dienen, über die er im Juli einen Beschluss fassen will.

Für den Moment wartete er noch mit einer erfreulichen Nachricht für Bewohner von Pflegeeinrichtungen auf: Sie dürfen wieder nach draußen und der uneingeschränkte Besuch ist bei Häusern ohne Corona-Erkrankten ab Juli erlaubt. Für den Fall einer weiteren Infektionswelle rüste man sich darüber hinaus weiterhin, so de Jonge. Pläne für die flexible Erhöhung von Kapazitäten bei Intensivbetten lägen bereit, während ein Vorrat an Schutzmasken und -mitteln aufgebaut werde.


Quelle: Niederlande.net

Tod eines Guineers

25. Juni 2020

Gefunden auf der Webseite des Nieders. Flüchtlingsrat:

Nach dem Tod eines 23-jährigen asylsuchenden Guineers nach einem Polizeieinsatz in Twist (Landkreis Emsland; Wappen lks) gilt unser Beileid seinen Angehörigen und Freund_innen. Dem Mann wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück im Rahmen eines Polizeieinsatzes in den Oberschenkel geschossen und er verstarb später im Krankenhaus. Erneut starb damit in Niedersachsen ein junger Schutzsuchender im Rahmen eines Polizeieinsatzes. Im August 2019 wurde der 19-jährige Afghane Aman Alizada bei einem Polizeieinsatz in seiner Unterkunft in Stade erschossen.

Nach dem Todesfall in Twist protestierten am vergangenen Samstag Schwarze Menschen in einer Demonstration vor dem Polizeikommissariat in Meppen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auf einem Plakat wurde die Version der Behörden in Zweifel gezogen, es habe sich um einen Oberschenkelschuss gehandelt. „Kein Oberschenkelschuss, sondern Bauchschuss“, hieß es darauf.

Laut Polizei sei die Versammlung sehr friedlich verlaufen, wurde aber in den sozialen Medien offenbar hart attackiert. Die Demonstration wurde nämlich zeitweise live über die sozialen Medien übertragen. Dabei sei es bei der Kommentierung im Internet zu teilweise deutlich rassistischen und volksverhetzenden Aussagen gekommen, sodass die Polizei sich entschieden hat, die Kommentarverläufe zu sichern und strafrechtlich zu prüfen.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen wird die weiteren Entwicklungen sehr aufmerksam verfolgen und erwartet eine umfassende Aufklärung des Polizeieinsatzes. Für Kontaktaufnahmen im Zusammenhang mit dem Todesfall stehen wir jederzeit zur Verfügung.

Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Osnabrück gemeinsam mit der Polizeiinspektion in Leer. Zunächst wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den beteiligten Polizeibeamten eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte.

Presseberichte

Polizei ermittelt gegen Facebook-Nutzer nach Demonstration in Meppen, in: Neue Osnabrücker Zeitung online vom 22. Juni 2020.
20 Schwarzafrikaner prangern in Meppen tödlichen Polizeischuss an, in: Neue Osnabrücker Zeitung online vom 20. Juni 2020.
Von Polizei in Twist angeschossen: 23-Jähriger tot, in: NDR vom 19. Juni 2020.
Mann stirbt nach Schussverletzung durch die Polizei, in: SPIEGEL vom 19. Juni 2020.

Es wird hohe Zeit, einigen inhumanen Technokraten der niedersächsischen Gefängnisverwaltung das Handwerk zu legen und sie mit anderen Aufgaben zu betrauen. Die Erhöhung der Deiche mittels Spaten und Schüppe an der Unterelbe könnte ein solches Aufgabengebiet sein.

Nach Monaten menschenunwürdiger Unterbringung von Straf- und Untersuchungsgefangenen ohne nennenswerte Kontakte zur Außenwelt in der Coronakrise hat sich nämlich die Mannschaft um die ausgesprochen regelungsorientierte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) etwas Neues einfallen lassen. Die taz berichtete gestern:

„Hinter Gittern“ ist ein Ausdruck für das Leben im Gefängnis, der in Niedersachsens Justizvollzugsanstalten (JVA) bald euphemistisch sein könnte: „Hinterm Lochblech“ muss es dort künftig heißen. Im Gefängnis in Hannover wird eine Vorschrift der niedersächsischen Justizbehörde von 2018 seit einigen Wochen mit einer großen Baumaßnahme umgesetzt – die Fensterfläche wird verkleinert.

Bisher gab es in jeder Zelle dort ein einzelnes Panoramafenster, 1,40 Meter mal 1,20 Meter groß, das sich komplett öffnen ließ. Nun wurden die Fenster zweigeteilt: Eine Hälfte ist jetzt verschlossen, Gefangene können noch hindurchsehen, es aber nicht mehr öffnen. Vor der anderen Hälfte sind keine normalen Gitter mehr montiert, sondern ein Blech mit zwei mal zwei Zentimeter großen Löchern darin. Nach und nach sollen im Zuge von Sanierungsarbeiten alle Gefängnisse in Niedersachsen damit ausgestattet werden.

Die neuen Lochbleche sollen verhindern, dass Gefangene „pendeln“, also etwa Drogen zwischen Zellenfenstern über ein Pendel austauschen. Laut dem Niedersächsischen Landesamt für Bau und Liegenschaften sorgen sie auch dafür, dass kein Essen mehr auf den Gefängnishof geschmissen wird. Und schließlich macht man sich in der Justizbehörde in Niedersachsen Gedanken über den Fortschritt der Technologie: Was, wenn eine Drohne Waffen ans Fenster der Gefangenen bringt? Gegen all diese Vergehen scheint ein Lochblech die Lösung sein.

„Reine Schikane“, meint dagegen der Inhaftierte „Avis“ (Name der Redaktion bekannt). Er und andere Gefangene machen sich große Sorgen, ob die um zwei Drittel verkleinerte Fensteröffnung in Zukunft noch ausreichend Frischluft in die Zellen lässt.

Mehr als ein Dutzend handgeschriebener Briefe von Inhaftierten an die taz und das Komitee für Grundrechte in Köln dokumentieren die Beschwerden: „Den Wechsel der Fenster mit der Feinvergitterung und nur noch ca. 35% Luftaustausch werte ich als Angriff gegen meine Gesundheit, physischer und psychischer Art“, heißt es in einem Schreiben.
„Die Sommermonate sind leider nicht mehr zu ertragen“, so ein zweiter Betroffener. „Durch die Lochgitter haben wir weniger Tageslicht“, betont ein anderer. Ein weiterer Inhaftierter klagt vor allem über die Hitze: „Die Zellen werden sehr warm durch die Stahlplatten, wenn die Sonne darauf scheint.“ Und die Gefangeneninitative Prison-Watch titelt: „JVA will Gefangene kochen.“ Bisher sind die Fenster in den zwei Blöcken A und B des Gefängnisses umgebaut, ein dritter Block soll folgen.

Dass die Luftzufuhr verringert wird, bestätigt Michael Schumacher, Professor für Architektur an der Uni Hannover auf Nachfrage. Auch die Vermutung, dass die Luftströmung durch das Gitter zusätzlich gestört werde, hält er für plausibel: „Das stimmt wahrscheinlich. Das Lochblech kann die Strömung brechen.“ Dass es zu einer Aufheizung durch das Metall vor dem Fenster kommen kann, sieht Schumacher ebenfalls. „In welchem Maße kann ich allerdings spontan nicht sagen.“ Mit einer Bewertung hält er sich deshalb zurück…

[weiter  bei der taz]

(Foto/Quelle: JVA Hannover)


In einer Leserzuschrift an die taz wird auf die Gesundheitsgefährdung infolge der Lochbleche hingewiesen:

„Die Lueftungsrate welche einmal als gesundheitlich unbedenklich galt (5.000 ppm CO2) laesst sich nicht mehr halten. Neuere Untersuchungen weisen bei bereits bei 1.000 ppm direkte Schaedigungen nach: Ein Artikel im englischen The Guardian  verweist auf diesen Beitrag auf nature.com.

Im Knast von Hannover stinkt es laengst erbaermlich, in den großen Treppenhaeusern wird gar nicht gelueftet. Die Zellentueren sind die fast einzigen ‚Frischluftquellen‘.

Sonnenlicht wirkt desinfizierend auf alle Luftkeime, ohne diese natuerliche taegliche Desinfektion wird die Situation extrem gefaehrlich. Viele Gefangene leiden unter Vorschaedigungen, der Stress der Nachtarbeit bei den Angestellten bedarf besonderer Vorsichtsmassnahmen. Eine Verschlechterung der Belueftung und der Tageslichtsituation ist meines Erachtens kriminell.“