Sylt

27. Mai 2020

Den Ausschnitt unten hab ich tatsächlich übersehen bzw. gerade erst in den Tiefen meiner E-Mail-Sammelstelle entdeckt und mich an die Zeit der Allgemeinverfügugen erinnert, derer sich auch der Landkreis Emsland bediente und kurzerhand die Benutzung von Zweitwohnungen verbot. Wie Sylt. Ich erinnere mich an diese Verwaltungsorgie unseres Landkreises, als ob sie weit zurückläge. Dabei ist sie erst rund sieben Wochen her, führte zu manch entschlossenem Kopfschütteln und zu dieser trefflichen taz-Analyse:

rasches Lecken

26. Mai 2020

Verfassungsklage i.V.

25. Mai 2020

FDP und Grüne in Niedersachsen bereiten vor dem Staatsgerichtshof eine Klage gegen die Landesregierung vor. Eine Verfassungsklage i.V. sozusagen. Die taz schreibt:  Die beiden Oppositionsparteien beklagen, dass das Parlament über die quasi wöchentlich erlassenen neuen Corona-Verordnungen immer erst über die Medien informiert worden sei.

„Das widerspricht Artikel 25 der Niedersächsischen Verfassung, wonach die Landesregierung verpflichtet ist, den Landtag frühzeitig und vollständig über geplante Rechtsverordnungen mit wesentlichem Inhalt zu unterrichten“, sagte der Vorsitzende der FDP-Fraktion Stefan Birkner am Dienstag in Hannover.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julia Willie Hamburg, erklärte: „Die Regierung von Stephan Weil hat aus mehreren Niederlagen vor Gericht in der Coronakrise rein gar nichts gelernt. Anders lässt sich die Arroganz kaum erklären, mit der unsere wiederholten Hinweise auf die grundlegenden Informationspflichten der Regierung gegenüber dem Parlament abgetan werden.“ Die beiden Oppositionsfaktionen bereiten nun eine Klage mit Eilantrag vor dem Staatsgerichtshof in Bückeburg vor.

CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer, der sich als Erstes zu den Vorwürfen der Opposition äußerte, sagte, man blicke dem Eilverfahren gelassen entgegen. Die SPD gab keine Stellungnahme ab. Die AFD kündigte eine eigene Klage vor dem Staatsgerichtshof an.
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Ein Beitrag aus der taz, die noch etwas mehr zum Thema geschrieben hat. 

5-24-2020

24. Mai 2020

„Am letzten Maiwochenende fängt in den USA der Sommer an: die Colleges sind mit ihren Kursen durch, die Schulen schließen bald, die (erhofften) Blockbuster kommen ins Kino, die Ferien beginnen. Der Feiertag am darauffolgenden Montag verlängert das Wochenende, denn es ist Memorial Day, der Tag, an dem das patriotische Amerika seiner Gefallenen aus den Kriegen gedenkt. Zuerst war es nur der Bürgerkrieg, dann kamen die Toten aus den Weltkriegen dazu, Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak. Es ist der Tag der auf Halbmast gesenkten Fahnen, der flachen Hand auf der Brust, der pathetischen Reden über das Opfer, das all die tapferen Männer und Frauen und so weiter.

Die New York Times beging den Fest- und Trauertag diesmal anders, nämlich mit den klassischen Mitteln einer Zeitung: Zum ersten Mal seit Menschengedenken erschien sie mit einer Titelseite ohne Fotos oder Grafiken und füllte sie stattdessen mit Hunderten von zivilen Opfern. Digital weist eine erschreckende Grafik auf die täglich anwachsende Todesbilanz hin. Am 13. März waren es fünfzig, voraussichtlich kommende Woche wird die offizielle Zahl von einhunderttausend Corona-Toten in den USA erreicht sein, also weit mehr als, wie auch die Times immer wieder betont, Amerikaner in Vietnam gestorben sind.“ (SZ)

Wochentag

24. Mai 2020

Zwar nicht heimlich still aber allemal leise und während gerade die Mitarbeiter der fünf emsländischen  Schlachthöfe auf Corona-Infektionen getestet werden, hat sich der Landkreis Emsland aus der täglichen Bekanntgab derCorona-Infektionen zurückgezogen. Auf der Website der Behörde lese ich:

„Bitte beachten Sie, dass diese Statistik bis auf Weiteres nur noch an Wochentagen aktualisiert wird.“

Man liest „an Wochentagen“, stutzt, liest nochmal und fragt dann „bis auf Weiteres“: „Welche Wochentage eigentlich?“

Mein Vorschlag: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag. Denn als Wochentag, weiß Wikipedia, bezeichnet man einen Tag der Woche, der in wiederkehrender Benennung und gleichbleibender Reihenfolge das gesamte Jahr des bürgerlichen Kalenders über vorkommt.

Gemeint ist etwas völlig anderes als das, was da geschrieben steht: Wochentage. Gemeint ist Arbeitstage. Da kann ich nur hoffen, dass angesichts dieses Faux-Pas  die Qualität der Corona-Arbeit des Landkreises besser ist als das, was sie auf der Bekanntgabeseite ihrer Corona-Fallzahlen dokumentiert…

Damit es der Corona-Absage des 31. Lingener Citylaufs weitergeht, präsentieren die Veranstalter des VfL Lingen den „1. Citylauf Lingen @home“:

Das Ziel: Jede/r läuft für sich allein, dabei aber für den guten Zweck. Zusammen mit unseren Sponsoren unterstützt Ihr das „project:help“ des gleichnamigen Lingener Vereins zugunsten Not leidender Kinder in Südafrika.

Auch die Sponsoren des Lingener Citylaufs unterstützen diesen Spendenlauf:  Je mehr Teilnehmer mitmachen, umso höher fällt am Ende diese Sponsorensumme aus. Für alle Läufer*innen  ist der Lauf kostenlos.

Gelaufen werden können 2,5 km (ab einem Alter von 10 Jahren), 5 km (ab einem Alter von 14 Jahren) und 10 Kilometer (ab einem Alter von 16 Jahren). Für jede konditionelle Fitness ist also etwas dabei.

Alles was ihr tun müsst, ist Euch auf www.citylauf-lingen.de anzumelden und an diesem Himmelfahrtswochenende -also vom Donnerstag, 21.05., bis Sonntag, 24.05.2020 – die Laufschuhe schnüren und eine der angebotenen Strecken absolvieren. Eure gelaufenen Zeiten gebt ihr im Anschluss selbst auf unserem Ergebnisportal ein.

Gerne dürft ihr auch selbst für diesen Spendenlauf auf folgendes Konto spenden:

Kontoinhaber: VfL Lingen e.V.
IBAN: DE64 2665 0001 0006 0001 45
BIC: NOLADE21EMS
Stichwort: „Spende Citylauf Lingen athome“

Bitte; Haltet bei diesem Lauf die geltenden Abstandsregeln von mindestens 2 Metern ein und absolviert den Lauf allein bzw. maximal zu zweit.

Die VfL-Macher: „Wir wünschen Euch einen schönen Lauf und hoffen auf zahlreiche Teilnehmer*innen zugunsten des project:help.“

In einem Wald bei Haselünne-Lotten hat die Reptilien- und Amphibien-Gruppe des NABU Emsland/Grafschaft Bentheim eine ganz besondere Entdeckung gemacht – ein Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) wurde dort festgestellt! Auf die Spur dieses im Emsland sehr seltenen Lurches kamen die NABU-Experten aufgrund des Hinweises eines Anwohners. Bergmolche sind eigentlich typische Bewohner der Mittelgebirge. Doch auch im Flachland finden sich einzelne verstreute Populationen. Im Emsland gibt es Nachweise im Eleonoren Wald bei Vrees und auch bei Salzbergen. Der jetzige Fund ist nun der erste im mittleren Emsland.

Molche gehören zu den Amphibien und haben wie Frösche und Kröten eine weiche Haut, die während der Überwinterung aber etwas fester und rauher ist. Im zeitigen Frühjahr nach der Wanderung zum Laichgewässer wird die Haut dann erneuert, es bildet sich eine weichere Wasserhaut, die stets feucht gehalten werden muss. Das Laichgewässer kann ein Weiher sein, aber auch ein wassergefüllter Wurzeltrichter, eine Pfütze oder ein ruhiger Bachrand. Auch Gartenteiche besuchen Bergmolche gern, allerdings sollte es dort Versteckmöglichkeiten geben und Unterwasserpflanzen, an die die Tiere Ihren Laich heften können.

Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Wochen die Larven und entwickeln sich innerhalb von drei Monaten zum fertigen Molch. Die kleinen Larven haben für das Leben unter Wasser büschelförmige Kiemen. Später bilden sich erst die winzigen Vorderbeinchen, danach die Hinterbeinchen aus. Wenn die Kiemen dann zurückgeblidet werden und die Tierchen an Land gehen, sehen sie wie winzige, weiche und fast durchsichtige Eidechsen aus.

Im Emsland kommen außerdem noch der Teichmolch und der Kammmolch vor. Berg- und Kammmolch sind vom Aussterben bedroht und daher „besonders geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung. Besonders geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Die Zerstörung oder Beeinträchtigung von Kleingewässern durch Zuschüttung oder Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften gefährden die Bestände aller Molche. Insbesondere während ihrer Wanderungen, etwa vom Winterquartier zum Laichgewässer, werden sie wie alle anderen Amphibien häufig im Straßenverkehr überfahren…

(Foto: Bergmolch OhWeh CC Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

 

Vor 75 Jahren wurde aus dem emsländischen Haren das polnische Maczków. Am Pfingstsonntag 1945 mussten die Harener*innen auf Befehl der britischen Militärregierung ihre Stadt räumen. Am 21. Mai war die Räumung Harens abgeschlossen. Die ersten polnischen Familien trafen ein: Soldaten der polnischen Exil-Armee, aber auch Vertriebene und Befreite aus den Emslandlagern. Insgesamt lebten nach Ende des 2. Weltkrieges schließlich mehr als 4.000 Polinnen und Polen in Haren. Weil viele Polen aus dem heute in der westlichen Ukraine gelegenen, damals ostpolnischen Lemberg stammten, bekam Haren zunächst den Namen Lwów (=Lemberg)

Während eines Truppenbesuches am 24. Juni 1945 gab dann der polnische Oberbefehlshaber General Graf Tadeusz Bór-Komorowski der Stadt in einer Feierstunde ihren neuen Namen: Maczków. Dieser Name war eine Ehrenbezeugung gegenüber dem scheidenden Kommandeur der 1. Panzerdivision: Stanislaw Maczek. (mehr auf polnisch). Maczek hatte an der Universität Lemberg Philosophie und Polonistik studiert, bevor er im ersten Weltkrieg Soldat wurde.

Mazcków wurde das Zentrum des neu geschaffenen polnischen Besatzungsgebiets im Emsland und den angrenzenden Gebieten Ostfrieslands und Oldenburgs, in dem rund 50.000 Soldaten und Vertriebene („DP“ = Displaced Persons) lebten. Eine Besonderheit der emsländischen Geschichte, über das damals die britische Daily Mail berichtet:

Haren ist die Hauptstadt von einem kleinen Polen, um ein schwieriges Problem zu lösen. Das Problem von polnischen Zwangsarbeitern, die befreit wurden, und die entweder nicht nach Hause können oder nicht nach Hause wollen. Die Polen haben bereits ihre eigene Verwaltung gewählt. Sie pflegen die Pflanzungen der Deutschen und beginnen bereits mit der ersten Ernte. Daily Mail, 1945

Die Polen bauten in Maczków schnell ein funktionierendes Gemeinwesen auf: mit Bürgermeister, Stadtrat, Schulen und einem Krankenhaus. Im Sommer 1946 gab es dort Schuster, Schneider, Uhrmacher, Fleischer und Bäcker, die auch die umliegenden polnischen Lager belieferten. Sogar eine Spielzeugwarenfabrik schuf man. Es  gab zwei Theater, Kabarett und ein Kino. Der große Geiger Yehudi Menuhin gab hier im Sommer 1945 ein Konzert und nannte Mazcków eine fröhliche, „scheinbar unbeschwert lebende Stadt“.   Junge Polen wie der Künstler Joseph Scheiner hatten jahrelang in Konzentrationslagern gelitten. In einem Brief schreibt er, berichtet der NDR, über diese Zeit rückblickend: „Zum ersten Mal nach sechs Jahren wohnte ich in einem normalen Zimmer mit Küche und WC. Wir lebten sehr bescheiden. In Maczków liebten sich die Menschen, gründeten Familien.“

Nach zwei Jahren übergaben im September 1947 die Briten die Stadt zurück an die Deutschen und die mehr als 500 beschlagnahmten Häuser wurden sukzessive zurückgegeben. Großbritannien hatte nach dem Regierungswechsel und der Ablösung von Premierminister Winston Churchill der russischen Forderung nachgegeben die polnische Exilarmee und die polnische Besatzungszone im deutschen Nordwesten aufzulösen. Im August 1948 schließlich verließ die letzte polnische Familie Miasto Maczków – und die Stadt wurde am 10. September 1948 mit einer Feierstunde wieder zu Haren.

Mehr in der WELT, in diesem kurzen NDR-Beitrag, auf den Seiten von Porta Polonica (viele Fotos und Dokumente!) und der Stadt Haren. 

Pippi ’75!

21. Mai 2020

Vor 75 Jahren erschien das erste Pippi-Langstrumpf-Buch. Das feiert der deutsche Pippi-Langstrumpf-Verlag Oetinger Verlag (Hamburg), unter anderem mit einem Geburtstagsbuch für Erwachsene. Die taz berichtet:

Pippi Langstrumpf, Lina langs­okkur, Pippi Uzunçorap – sie hat viele Namen, die übermenschlich starke Göre mit den abstehenden roten Zöpfen. Als diese ungewöhnliche Kinderfigur vor 75 Jahren die Bühne der Weltliteratur betrat, sorgte sie für große Begeisterung, bei manchen Erwachsenen auch für Verstörung. Mittlerweile sind Pippis Abenteuer in 77 Sprachen übersetzt worden, darunter Grönländisch, Seychellenkreol und Amharisch; und es kommen immer noch neue hinzu. Pippi Langstrumpf ist eine kulturelle Universalie.

Das hätte sicher noch niemand so gesehen, als die erste schwedische Ausgabe von „Pippi Långstrump“ erschien. Den Namen hatte Astrid Lindgrens Tochter Karin sich ausgedacht, als sie einmal krank im Bett lag und von der Mutter eine Geschichte einforderte. Drei Jahre später bekam Karin das erste Pippi-Manuskript als Geschenk zu ihrem zehnten Geburtstag. Wieder ein halbes Jahr später, im November 1945, erschien das erste Pippi-Langstrumpf-Buch im Verlag Rabén & Sjögren.

Die Verantwortlichen im marktführenden Bonnier Verlag, dem die Autorin das Manuskript zuerst angeboten hatte, müssen sich seitdem oft schwarz geärgert haben. Sie hatten es zwar sehr freundlich und sehr bedauernd abgelehnt, aber das half nun auch nichts mehr.

Die erste deutsche Pippi kam 1949 heraus. Der junge Hamburger Verleger Friedrich Oetinger hatte sie von einer Schwedenreise mitgebracht, auf der er auch Astrid Lindgren traf. Als er die Autorin fragte, ob er ihr Büchlein in Deutschland verlegen dürfe, sagte sie spontan „Von mir aus gern“ – obwohl sie aus der „recht dürftigen“ Kleidung des Besuchers aus Nachkriegsdeutschland schon geschlossen hatte, dass dieser wohl als Verleger nicht sehr erfolgreich sei. Das stimmte vielleicht, sollte sich aber…

[mehr und weiter bei der taz]

Das Buch:
Astrid Lindgren et al.: „Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin“. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2020, 224 Seiten, 30 Euro. ISBN: 978-3789113451

Bestellen kann man das Pippi-Jubiläumsbuch hier bei meinem lokalen Buchhaändler, der in unserem Städtchen mit „Lingen liefert“ unterwegs ist. Man kann das Buch aber auch in der Clubstraße abholen und schauen, ob es och vielleicht ein andere interessante Lektüre gibt

#PassTheMic

20. Mai 2020

Neuer Social-Media-Trend in der Corona-Krise: Angesichts COViD-19 übergeben US-Stars wie Julia Roberts, Sarah Jessica Parker und Hugh Jackman ihre Social-Media-Profile zeitweise an Wissenschaftler und Krankenhaus-Mitarbeiter.

Mit der Kampagne „PassTheMic“ sollen die Experten ab heute so drei Wochen lang eine größere Reichweite erzielen können, wie die Organisatoren der Wohltätigkeitsorganisation One Campaign am Mittwoch mitteilten.

Als erstes werde Hollywod-Star Julia Roberts ihre Social-Media-Kanäle zeitweise an den US-Virologen Anthony Fauci übergeben, der die US-Regierung im Umgang mit der Pandemie berät. Danach sind Stars wie Connie Britton, Shailene Woodley, Penelope Cruz, Millie Bobby Brown Rita Wilson und Robin Wright dran. Neben Wissenschaftlern sollen so unter anderem Wirtschafts-Experten, Krankenhaus-Mitarbeiter und andere Menschen in systemrelevanten Berufen zu Wort kommen.