5-24-2020

24. Mai 2020

„Am letzten Maiwochenende fängt in den USA der Sommer an: die Colleges sind mit ihren Kursen durch, die Schulen schließen bald, die (erhofften) Blockbuster kommen ins Kino, die Ferien beginnen. Der Feiertag am darauffolgenden Montag verlängert das Wochenende, denn es ist Memorial Day, der Tag, an dem das patriotische Amerika seiner Gefallenen aus den Kriegen gedenkt. Zuerst war es nur der Bürgerkrieg, dann kamen die Toten aus den Weltkriegen dazu, Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak. Es ist der Tag der auf Halbmast gesenkten Fahnen, der flachen Hand auf der Brust, der pathetischen Reden über das Opfer, das all die tapferen Männer und Frauen und so weiter.

Die New York Times beging den Fest- und Trauertag diesmal anders, nämlich mit den klassischen Mitteln einer Zeitung: Zum ersten Mal seit Menschengedenken erschien sie mit einer Titelseite ohne Fotos oder Grafiken und füllte sie stattdessen mit Hunderten von zivilen Opfern. Digital weist eine erschreckende Grafik auf die täglich anwachsende Todesbilanz hin. Am 13. März waren es fünfzig, voraussichtlich kommende Woche wird die offizielle Zahl von einhunderttausend Corona-Toten in den USA erreicht sein, also weit mehr als, wie auch die Times immer wieder betont, Amerikaner in Vietnam gestorben sind.“ (SZ)

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