Vor 75 Jahren wurde aus dem emsländischen Haren das polnische Maczków. Am Pfingstsonntag 1945 mussten die Harener*innen auf Befehl der britischen Militärregierung ihre Stadt räumen. Am 21. Mai war die Räumung Harens abgeschlossen. Die ersten polnischen Familien trafen ein: Soldaten der polnischen Exil-Armee, aber auch Vertriebene und Befreite aus den Emslandlagern. Insgesamt lebten nach Ende des 2. Weltkrieges schließlich mehr als 4.000 Polinnen und Polen in Haren. Weil viele Polen aus dem heute in der westlichen Ukraine gelegenen, damals ostpolnischen Lemberg stammten, bekam Haren zunächst den Namen Lwów (=Lemberg)

Während eines Truppenbesuches am 24. Juni 1945 gab dann der polnische Oberbefehlshaber General Graf Tadeusz Bór-Komorowski der Stadt in einer Feierstunde ihren neuen Namen: Maczków. Dieser Name war eine Ehrenbezeugung gegenüber dem scheidenden Kommandeur der 1. Panzerdivision: Stanislaw Maczek. (mehr auf polnisch). Maczek hatte an der Universität Lemberg Philosophie und Polonistik studiert, bevor er im ersten Weltkrieg Soldat wurde.

Mazcków wurde das Zentrum des neu geschaffenen polnischen Besatzungsgebiets im Emsland und den angrenzenden Gebieten Ostfrieslands und Oldenburgs, in dem rund 50.000 Soldaten und Vertriebene („DP“ = Displaced Persons) lebten. Eine Besonderheit der emsländischen Geschichte, über das damals die britische Daily Mail berichtet:

Haren ist die Hauptstadt von einem kleinen Polen, um ein schwieriges Problem zu lösen. Das Problem von polnischen Zwangsarbeitern, die befreit wurden, und die entweder nicht nach Hause können oder nicht nach Hause wollen. Die Polen haben bereits ihre eigene Verwaltung gewählt. Sie pflegen die Pflanzungen der Deutschen und beginnen bereits mit der ersten Ernte. Daily Mail, 1945

Die Polen bauten in Maczków schnell ein funktionierendes Gemeinwesen auf: mit Bürgermeister, Stadtrat, Schulen und einem Krankenhaus. Im Sommer 1946 gab es dort Schuster, Schneider, Uhrmacher, Fleischer und Bäcker, die auch die umliegenden polnischen Lager belieferten. Sogar eine Spielzeugwarenfabrik schuf man. Es  gab zwei Theater, Kabarett und ein Kino. Der große Geiger Yehudi Menuhin gab hier im Sommer 1945 ein Konzert und nannte Mazcków eine fröhliche, „scheinbar unbeschwert lebende Stadt“.   Junge Polen wie der Künstler Joseph Scheiner hatten jahrelang in Konzentrationslagern gelitten. In einem Brief schreibt er, berichtet der NDR, über diese Zeit rückblickend: „Zum ersten Mal nach sechs Jahren wohnte ich in einem normalen Zimmer mit Küche und WC. Wir lebten sehr bescheiden. In Maczków liebten sich die Menschen, gründeten Familien.“

Nach zwei Jahren übergaben im September 1947 die Briten die Stadt zurück an die Deutschen und die mehr als 500 beschlagnahmten Häuser wurden sukzessive zurückgegeben. Großbritannien hatte nach dem Regierungswechsel und der Ablösung von Premierminister Winston Churchill der russischen Forderung nachgegeben die polnische Exilarmee und die polnische Besatzungszone im deutschen Nordwesten aufzulösen. Im August 1948 schließlich verließ die letzte polnische Familie Miasto Maczków – und die Stadt wurde am 10. September 1948 mit einer Feierstunde wieder zu Haren.

Mehr in der WELT, in diesem kurzen NDR-Beitrag, auf den Seiten von Porta Polonica (viele Fotos und Dokumente!) und der Stadt Haren. 

Pippi ’75!

21. Mai 2020

Vor 75 Jahren erschien das erste Pippi-Langstrumpf-Buch. Das feiert der deutsche Pippi-Langstrumpf-Verlag Oetinger Verlag (Hamburg), unter anderem mit einem Geburtstagsbuch für Erwachsene. Die taz berichtet:

Pippi Langstrumpf, Lina langs­okkur, Pippi Uzunçorap – sie hat viele Namen, die übermenschlich starke Göre mit den abstehenden roten Zöpfen. Als diese ungewöhnliche Kinderfigur vor 75 Jahren die Bühne der Weltliteratur betrat, sorgte sie für große Begeisterung, bei manchen Erwachsenen auch für Verstörung. Mittlerweile sind Pippis Abenteuer in 77 Sprachen übersetzt worden, darunter Grönländisch, Seychellenkreol und Amharisch; und es kommen immer noch neue hinzu. Pippi Langstrumpf ist eine kulturelle Universalie.

Das hätte sicher noch niemand so gesehen, als die erste schwedische Ausgabe von „Pippi Långstrump“ erschien. Den Namen hatte Astrid Lindgrens Tochter Karin sich ausgedacht, als sie einmal krank im Bett lag und von der Mutter eine Geschichte einforderte. Drei Jahre später bekam Karin das erste Pippi-Manuskript als Geschenk zu ihrem zehnten Geburtstag. Wieder ein halbes Jahr später, im November 1945, erschien das erste Pippi-Langstrumpf-Buch im Verlag Rabén & Sjögren.

Die Verantwortlichen im marktführenden Bonnier Verlag, dem die Autorin das Manuskript zuerst angeboten hatte, müssen sich seitdem oft schwarz geärgert haben. Sie hatten es zwar sehr freundlich und sehr bedauernd abgelehnt, aber das half nun auch nichts mehr.

Die erste deutsche Pippi kam 1949 heraus. Der junge Hamburger Verleger Friedrich Oetinger hatte sie von einer Schwedenreise mitgebracht, auf der er auch Astrid Lindgren traf. Als er die Autorin fragte, ob er ihr Büchlein in Deutschland verlegen dürfe, sagte sie spontan „Von mir aus gern“ – obwohl sie aus der „recht dürftigen“ Kleidung des Besuchers aus Nachkriegsdeutschland schon geschlossen hatte, dass dieser wohl als Verleger nicht sehr erfolgreich sei. Das stimmte vielleicht, sollte sich aber…

[mehr und weiter bei der taz]

Das Buch:
Astrid Lindgren et al.: „Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin“. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2020, 224 Seiten, 30 Euro. ISBN: 978-3789113451

Bestellen kann man das Pippi-Jubiläumsbuch hier bei meinem lokalen Buchhaändler, der in unserem Städtchen mit „Lingen liefert“ unterwegs ist. Man kann das Buch aber auch in der Clubstraße abholen und schauen, ob es och vielleicht ein andere interessante Lektüre gibt