Ab jetzt: Rudi-Gels-Platz

1. April 2020

Endlich. Mit Zustimmung des Pfarrers der Bonifatius-Kirche und bei Stimmenthaltung mehrerer Mitglieder des Kirchenvorstandes der zentralen katholischen Lingener Gemeinde hat unsere Stadt Lingen (Ems) eines der originellsten Lingener der letzten 60 Jahre gedacht. Zwar muss der Stadtrat die Ehrung noch förmlich beschließen. Doch weil er aus bekannten Gründen zurzeit nicht tagt, sind die neuen Namensschilder bereits seit gestern angebracht; Hauseigner Robert Blanke persönlich schraubte sie an seine Burgstraßen-Ostwand: Das Areal vor der Bonifatiuskirche zwischen Haupteingang und Burgstraße trägt künftig den Namen von Rudi Gels. Es wirkt wie der Namensgeber durch bodenständige, heimatbezogene Eleganz und heißt ab jetzt Rudi-Gels-Platz.

Das nötige Zusatzschild fehlt noch, auch deshalb hier in meinem kleinen Blog meine Hommage an diesen Recken: Rudi Gels war nämlich tatsächlich einer jener unverwechselbaren Lingener -ja, ich sage-  Typen, die in den Jahren wuchsen, in denen Laxten und Darme noch bar ihres nivellierenden Einflusses waren. Auch ihm gelang nicht immer alles, auch nicht immer alles völlig gesetzestreu, weshalb er bisweilen in den Baulichkeiten Kaiserstraße 5 unterkommen  musste. Dort war er dann einer der wenigen, denen ein Ausflug auf das Dach von Haus 3 gelang, wo er seinen um die Einrichtung staunend versammelten -ich schätze 150- Fans zuwinkte, die ihm ein langgezogenes „Ruuuudiiii “ zuriefen – viele Jahre übrigens, bevor dies wegen eines anderen Rudi ein Schlachtruf in deutschen Fußballarenen wurde. Das waren genauso einzigartig-ungezogene Rudi-Gels-Momente wie seine konfrontativ-entschlossenen  Begegnungen mit den bundgekleidet-beamteten Ordnungshütern dieser Stadt in seinem Stammlokal VAT69. Wer erinnert sich nicht?! Und man mochte diesen Schlawiner irgendwie, selbst wenn man selbst versehentlich in seine forsch gestreckte Faust lief.

Im Früchtehaus Corbach bewegte er im morgendlichen Krafttraining manche Pflaumen- und Birnenkiste und respektierte meist deren stabile Konstruktion. Dabei war Rudi Gels im Grunde seines Herzens aber zutiefst antiautoritär;  wirkliche Autoritäten. hingegen respektierte der jetzt Ausgezeichnete. Nicht selten besuchte er beispielsweise montags in aller Frühe im Amtsgericht den langjährigen Schöffenrichter Josef Haakmann, ein Unvergessener der Lingener Richterszene, um ihn entschlossen-zaudernd mit dem Satz „Herr Haakmann, ich habe Scheiße gebaut“ schon im doppelten Sinne wirklich früh über neue berufliche Herausfordrungen in der Haakmann’schen Gerichtsabteilung in Kenntnis zu setzen.

„Ach, Rudi“, entgegnete Josef Haakmann ihm dann mit ruhigem Augenaufschlag und setzte hinzu „Es wird schon nicht so schlimm. Mal sehen, was überhaupt wird.“ Die beiden verstanden sich über Jahrzehnte; ihre Beziehung war tief und geradezu symbiotisch.

Wen Rudi ins Herz geschlossen hatte, belohnte er mit Einzigartigkeiten: Vor allem manche  Frauen seiner Heimatstadt wussten das zu schätzen, die er seinen buschigen Fuchsschwanz berühren und streicheln ließ, mit dem er seine Mofa-25 so überaus heimelig gestaltet hatte. Dann fuhr er mit ihnen auf dem Choppersitz seines motorisierten Mofa-Gefährts am Campingplatz in Schepsdorf in die untergehende Sonne.

Rudi, Du warst, jedenfalls in seinen spöten Jahren, ein toller Hecht, und es ist schön, dass deine Heimatstadt Deiner jetzt rund 10 Jahre nach Deinem Ableben gedenkt – gerade auf diese weise und hier, zwischen Amtsgericht und Bonifatiuskirche; so wird auch daran erinnert, dass und wie Du mit Deiner Mofa durch das Kirchenschiff fuhrst.

Lingen(Ems) ehrt den lieben Rudi Gels! Dass ich das noch erleben darf.


Nachtrag: Hat bitte jemand aus Lingen ein gutes Bild von Rudi – mit oder ohne Mofa? Das würde ich mir etwas kosten lassen. Bitte also ggf. eine persönliche E-Mail…

(Foto: RobertsBlog)

10 Antworten to “Ab jetzt: Rudi-Gels-Platz”

  1. Hans Brinck said

    Wer war Rudi Gels? Dieser „tolle Hecht“ ist mir völlig unbekannt. Und er soll mit dieser Ehrung ein Vorbild sein? Aber er dient hier wohl als misslungener Aprilscherz.
    Abgesehen davon enthält das abgebildete Schild zwei Fehler: zwischen Rudi und Gels fehlt ein Bindestrich und beim Namen Gels ist statt eines „weichen s „ein „scharfes s“ verwendet worden.
    (siehe bei google unter „sütterlinschrift weiches Schluss-s“).
    Dieses Schild sollte wegen dieser Fehler sofort wieder entfernt werden!

  2. Mega Saray said

    Genial Robert 1 mit Sternchen!!!!

  3. Günther Möller said

    Es kann sich hier doch nur um einen Aprilscherz handeln.
    Anderenfalls verstehe ich die Lingener immer weniger!!

  4. Elke said

    Super Blog heute , das passt 🤣😂

  5. Peter said

    5 Sterne für dich Robert, voll getroffen😀
    Peter

  6. F said

    Hervorragender April Scherz. Alle Eckdaten aufgeführt. Wie sagt man: „Nagel auf den Kopf getroffen!“ Friedhelm

  7. Friedhelm Schnabel said

    Hervorragender April Scherz. Alle Eckdaten aufgeführt. Wie sagt man: „Nagel auf den Kopf getroffen!“ Friedhelm

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