Überleben

7. März 2020

„Das umstrittene  Theaterstück ,Überleben, ist eine außerordentlich kluge Aufarbeitung der Patient*innenmorde in Delmenhorst und Oldenburg. […] Aufregend ist das – und wohl mehr, als politisches Theater auch nur hoffen darf. Dass der fast zweistündige Balanceakt bei enormer Fallhöhe nicht ein einziges Mal auch nur ins Straucheln kommt, ist eine Sensation“ heißt es in der Kritik der taz zum Stück „Überleben“ im Oldenburger Staatstheater. Die taz schreibt:“

Theater ist ein Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Das mag über die „Ahs“ und „Ohs“ opulenter Inszenierungen irgendwelcher Klassiker mitunter in Vergessenheit geraten.

Dermaßen handgreiflich wie am vergangenen Wochenende in Oldenburg geraten solche Interventionen allerdings nur höchst selten. Gestritten hatte man in der Stadt schon lange vor dieser Premiere, eigentlich schon seit die Göttinger Werkgruppe2 auch nur angekündigt hatte, mit „Überleben“ ein Stück über die massenhaften Patient*innenmorde an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg auf die Bühne des Staatstheaters zu bringen. Pie­tätlosigkeit hatte man ihnen vorgeworfen, Ausverkauf und unangemessene Eile: so kurz, bevor der große Prozess gegen den Serienmörder und ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel im vorvergangenen Herbst begonnen hatte.

Entsprechend hoch ist die Anspannung am Premierenabend vor und auf der Bühne. Immer wieder wird geschluchzt, an Stellen mitunter, die gar nicht sonderlich drastisch scheinen, sondern eher auf persönliche Erfahrungen schließen lassen. Noch beim zweiten Gong diskutieren manche, ob sie nicht doch wieder gehen sollten – vereinzelt tun sie’s.

Was auf der Bühne geschieht, ist leicht zu beschreiben, in seiner Wirkung aber nur schwer zu erfassen. Julia Roesler inszeniert wortwörtliche Gespräche mit größtenteils anonymisierten Zeug*innen: Angehörige, Mitarbeiter*innen der Krankenhäuser, eine der Überlebenden. Die war nach einem Unfall von „ihm“, wie der Täter hier meist nur genannt wird, in Lebensgefahr versetzt und mit Erfolg wiederbelebt worden.

Und das ist für die Frage, um die es den Theatermacher*innen hier geht, ein zentraler Fall. Weil…“

[Sie lesen die Kritik hier weiter bei der taz]


THEATERSTÜCK „ÜBERLEBEN“
nächste Aufführungen: am 13. und 21. 3., 4.4. jeweils 20 Uhr, Karten
Foto © Stephan Walzl, Staatstheater Oldenburg