Benno Vocks ist tot

26. Februar 2020

Lingen muss um Benno Vocks trauern. Der pensionierte Lingener Lehrer starb nach kurzer schwerer Krankheit am vergangenen Freitag in der Universitätsklinik in Münster. Benno Vocks wurde 75 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Margret, zwei Kinder und zwei Enkelkind

Unsere Stadt hat mit ihm einen bemerkenswert engagierten, feinfühligen Mann verloren. Bis zu seiner Pensionierung 2009 war Benno Vocks insgesamt 39 Jahre (!) Konrektor an der Marienschule.  Er war seinen Schülern und Kollegen das, was wir alle uns von einem Lehrer wünschen: Ein Vorbild, ein wirklicher Pädagoge, der seine Schülerinnen und Schüler mit Dingen vertraut machte, die sie nicht kannten. In Erinnerung ist, wie er in den 90er Jahren eine Schulklasse im Selbstverlag ein Buch über Straßennamen in Lingen verfassen, wie er überhaupt mit seinen Schülerinnen und Schüler an der Marienschule gern Projekte über die Lingener Lokalgeschichte erarbeitete, zum Beispiel die Suche nach Erinnerungen zur NS-Zeit in der eigenen Familie.

Schreiben über das, was war, war ihm immer besonders wichtig. Vor einigen Jahren durfte ich ihn zusammen mit Frank Krümmer vom Anno-Verlag Ahlen (Westf) überzeugen, die Idee mit den Straßennamen wiederaufzugreifen: In den Monaten danach entstand aus seiner Feder das Buch „Lingen wegweisend“, in dem Benno Vocks in Kurzbiografien, Fotos und Illustrationen 99 Straßennamen seiner Heimatstadt erklärte –  ein Lieblingsprojekt des Pädagogen. Bei der Präsentation im Herbst 2015 meinte er, das Schreiben dieses Buches sei so gewesen wie „Kreuzberger Nächte – Erst fang’se ganz langsam an, aber dann, aber dann!“ Und er gab den Tipp: „Das Buch ist nicht wie ein Roman zu lesen. Lesen, amüsieren, weglegen – aber nicht zu weit.“

Beim TuS Lingen war der Fußballfan Benno Vocks jahrelang hinter den Kulissen tätig. Er war für die kleine, feine Stadionzeitung  verantwortlich, erstellte 2010 die große Festschrift zur 100-Jahrfeier des traditionsreichen Lingener Fußballvereins, und nebenbei arbeitete er auch als Hallensprecher bei Fußballturnieren.

Zeitlebens aber berührte ihn die Geschichte und das Schicksal der Lingener Juden. Engagiert arbeitete er deshalb im Vorstand des Forum Juden Christen mit, organisierte so manche Reisen zu Stätten des Judentums in den Niederlanden und war bei Gedenkfeiern und der Verlegung von Stolpersteinen aktiv. Noch Ende vergangenen Jahres zeichnete er maßgeblich für die Neuauflage der Broschüre „Stolpersteine. Ein Wegweiser für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Lingen (Ems) – Ein Stadtrundgang“ mitverantwortlich.

Benno Vocks  begründete auch die Kooperation zwischen dem Forum Juden Christen und dem Heimatverein Lingen (Ems), in dem er sich engagierte. Vor drei Jahren mobilisierte er seinen Freund Georg Henrichs und mich, mit ihm nach Osten zu fahren, um dort einen -wie er sagte- „Ost-West-Krimi zwischen Lingen und Pritzwalk“ nachzuzeichnen, der 1960 für Aufsehen gesorgt hatte. Vereinbart hatte der Heimathistoriker dies mit einem Pädagogenkollegen aus Pritzwalk, den er aus Anlass eines lokalgeschichtlichen Wettbewerbs des Bundespräsidenten vor 20 Jahren in Hamburg getroffen hatte.  Er war ein begeisterter Geschichtsforscher. Googeln Sie ihn einfach, wenn Sie ihn nicht kannten.

Benno Vocks war sportlich wie nicht viele in seinem Alter. Wandern und Radfahren waren seine bevorzugten Freizeitaktivitäten, und immer gab es ein freundliches Wort für die vielen Lingenerinnen und Lingener, die er unterwegs traf.  Jetzt gibt es Benno Vocks immer noch in seinen Zeilen, in Interviews mit dem lokalen Radio und vor allem in unseren Erinnerungen. Er wird unserer Stadt und ihren Menschen sehr fehlen.


Update: Die Trauerfeier für Benno Vocks hat am Freitag, 6. März, stattgefunden. Im Mittelpunkt stand die Trauerrede des kath. Geistlichen Christoph Höckelmann (Thuine), die mich sehr bewegt hat. Hier der Text.

Foto: Benno Vocks © Johannes Franke, Lingener Tagespost

4 Antworten zu “Benno Vocks ist tot”

  1. Silja Vocks said

    Ganz vielen Dank für den tollen Artikel über unseren Vater.

  2. Wolfgang Becker said

    Danke für diesen Nachruf.

  3. Thomas Hermes said

    Mein herzliches Beileid an die Angehörigen! Auch als Lehrer hat er viele Schüler geprägt und Ihnen eine Perspektive gegeben! Ich war froh das er eine Zeit lang mein Klassenlehrer war! Er möge Ruhen in Frieden!!

  4. Mechthild Hafer said

    Frühjahr 2013 im Apenin, Tauwetter. Ein Bach hat den geplanten
    Franziskusweg unpassierbar gemacht. Während die einen noch debattieren, ob die Gruppe umkehren soll oder einen anderen Weg nehmen, hat Benno schon drei große Steine in den Bach gewuppt. So überqueren alle das Hindernis, die Wanderung wird fortgesetzt.
    Lieber Benno, auf drei schönen Wanderungen durch Italien warst du ein humorvoller und verlässlicher Begleiter, im nächsten Herbst wirst du uns fehlen!
    Mechthild&Guido

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.