gegen Werbe-Tracking

2. Februar 2020

Ich, schreibt Johnny Haeusler im Spreeblick-Blog, tippe diese Zeilen als Google-Futter, in der Hoffnung, dass die ein oder andere Person darauf aufmerksam wird, etwas dazulernt und sich etwas besser gegen Werbe-Tracking schützen kann.

Die „So einfach wie möglich“-Version

Wenn ihr ein Smartphone besitzt und eine App startet, melden das manche Apps an Facebook und andere größere Werbenetzwerke wie z.B. Google – und zwar nicht nur Apps, in denen ihr euch mit einem Facebook-Konto angemeldet habt (wie es z.B. bei einigen Games üblich ist).

Dabei werden zwar keine weiteren Daten oder gar euer Name übertragen, sondern nur die „Werbeidentifikationsnummer“ eures Smartphones. Je mehr Apps das aber tun, desto mehr wissen Facebook und andere Werbenetzwerke über euch, denn die Identifikationsnummer ist normalerweise immer die gleiche. Wenn Facebook also weiß, dass ihr App 1 und App 2 (und App 3, 4, 5) nutzt, lernt der Konzern eine Menge über euch, euer Konsum-, Kommunikations- oder Spielverhalten, über eure Interessen. Und selbst, wenn ihr bspw. die Facebook-Apps Instagram oder WhatsApp nicht direkt mit eurem Facebook-Konto verknüpft habt, findet Facebook schnell heraus, dass ein*e Nutzer*in der Apps ein und dieselbe Person ist. Denn euer Gerät liefert die gleiche Identifikationsnummer aus.

Welche Apps sich bei Facebook melden, könnt ihr in eurem Facebook-Account hier sehen.

Stoppen, einschränken und unterbinden könnt ihr die Übertragung so:

iOS

Einstellungen -> Datenschutz -> Werbung (ganz unten) ->
„Ad-Tracking beschränken“ anschalten, auf „Ad-ID zurücksetzen“ klicken (das löscht die bisherige Identifikationsnummer).

Android

Einstellungen -> Datenschutz -> Erweitert -> Werbung (ganz unten) ->
„Personalisierte Werbung deaktivieren“ anschalten und „Werbe-ID zurücksetzen“.

Dadurch habt ihr also zunächst eine ganz frische Identifikationsnummer, die aber auch gar nicht mehr für Werbetracking eingesetzt werden sollte. Macht das Zurücksetzen einfach alle paar Wochen mal, kann nicht schaden.

Die „bisschen genauere“-Version

Was ich oben „Werbeidentifikationsnummer“ nenne, ist genauer gesprochen bei iOS der „IDFA“ (Identifier for advertisers), bei Android die „Google-Werbe-ID„. Diese wird nicht etwa durch einen Login in einer App übertragen, sondern immer dann, wenn Apps Teil des Facebook- oder eines anderen Werbenetzwerks sind. In dem Moment nämlich, in dem ein Hersteller bspw. beschließt, seine App auf Facebook zu bewerben, muss er gezwungenermaßen das FacebookSDK (Software Development Kit) in die App integrieren. Dieses SDK meldet bei jedem Start der App den IDFA oder die Google-Werbe-ID an Facebook oder andere Werbenetzwerke. Im Grunde sind die IDs also Cookies, die das Gerät und damit seine*n Inhaber*in eindeutig identifizieren können. Und deren Übertragung sich wie oben beschrieben abschalten lässt.

Die Nutzung unserer Smartphones sagt unter Umständen mehr über uns aus als unser Browserverlauf. Die Verknüpfung von Facebook-eigenen Apps wie Whatsapp, Instagram und FB selbst ist dadurch leicht, auch, wenn ich meinen Facebook-Account nicht bei Instagram angegeben habe. Und obwohl es immer nur um die Nutzung der Apps geht (also nicht um direkt personenbezogene Daten oder gar Inhalte), sind Erkenntnisse über Personen, die bestimmte Games, Fitness-Apps, Messenger, Tracker, Wecker und Dating-Apps nutzen, sicher für Werbetreibende Gold wert. Und machen uns wieder ein wenig transparenter für Unternehmen, die unser Leben genau gar nichts angeht.

Nachtrag: Martin hat mich auf eine iOS-App hingewiesen, die viele Tracking- und Sicherheitseinstellungen vereinfacht und Jumbo heißt.

Weiterer Nachtrag: Ole ergänzt, dass die ID unter iOS auf 00000000-0000-0000-0000-000000000000 gesetzt wird, wenn man „Personalisierte Werbung deaktivieren“ einschaltet. Ein regelmäßiges zurücksetzen der ID ist dann also nicht nötig, sie bleibt auf diesem Wert.“

Ich, Robert Koop, ergänze das gern mit Lokalem. Wir alle erleben es nämlich hier im Nordwesten  im Zwei-Wochen-Rhythmus, dass Redakteure der Neuen Osnabrücker Zeitung und ihrer Lokalausgaben das hohe Klagelied anstimmen, wenn Klagen über die Paywall der Zeitung laut werden: Sie wollen (zu recht !) für ihre Arbeit bezahlt werden und schimpfen daher immer wieder  über jede und jeden, die/der sich die Paywall im örtlichen Internetangebot des NOZ-Medien-Verlags kritisieren. Dabei zahlen wir längst mit unseren, von der NOZ freundlich abgeschöpften Daten.

Zum Beispiel eben, wenn wir bei Facebook unterwegs sind. Ich bin jedenfalls den Infos von Johnny Haeusler gefolgt und habe das bestätigt gefunden. NOZ-Medien hat von mir zuletzt „118 Interaktionen erhalten“ und ausgewertet…


Ein Spreeblick-Beitrag von Johnny Haeusler, (CC BY-NC-ND 2.0 DE)

Eine Antwort to “gegen Werbe-Tracking”

  1. Werbe-Tracking sind schon eine große Seuche, aber viel schlimmer ist dies:

    Was der amerikanische Geheimdienst sich mit dem Internet leistet, eine weltweite Aufzeichnung über jede Person die einen Rechner oder Smartphone einschaltet, ALLES wird gesammelt.

    Einmal das Buch von Edward Snowden „Meine Geschichte“ lesen, dann kommt ein anderes Denken.

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