#UnhateWomen

29. Februar 2020

Am nächsten Wochenende feiern wir den Internationalen Frauentag. Das ist ein mehr als aktueller Grund für diese „Terre des Femmes“-Kampagne, bei der frauenverachtende Sprache im Mittelpunkt steht. Und zwar jene, die hierzulande in den Musikcharts weit vorne ist und so besonders viele Menschen erreicht. #UnhateWomen heißt der Auftritt, dessen Herzstück ein 75-sekündiger Film ist, in dem mehrere Frauen gewaltverherrlichende und frauenverachtende Textzeilen aus erfolgreichen, millionenfach gehörten Songs deutscher Rapper vortragen.

Ohne den Gesamtkontext der jeweiligen Songs und ohne die musikalische Untermalung mit fetten Beats wird klar, was die Passagen tatsächlich sind: verbale Gewalt gegen Frauen. Am Ende des Clips steht die Botschaft „Es ist Zeit, etwas zu ändern“ und der Verweis auf die Webseite Unhate-Women.com.

Großer Tag des Klaviers

29. Februar 2020

Großer Tag des Klaviers
Kindermusiktheater für die ganze Familie
Lingen (Ems) – Theater an der Wilhelmshöhe,

Willy-Brandt-Ring 44
Sonntag, 1. März – 15 Uhr

Erwachsene 8 €; Kinder, Schüler, Studenten 6 €

Jeder, der schon immer einmal wissen wollte, wie ein Klavier von innen aussieht und wie es funktioniert, ist am Sonntag, 1. März 2020 im Theater an der Wilhelmshöhe genau richtig. Denn an jenem Nachmittag findet in Kooperation mit der Musikschule des Emslandes ein „Großer Tag des Klaviers“ statt.

Der Nachmittag beginnt um 15 Uhr mit dem musikalischen Theaterstück für Kinder „Wolferls Reisen… oder Pipsi, Miss Pimpes und das Lautleise“, mit der Pianistin Sheila Arnold und der Schauspielerin Uta Jakobi. Das Stück ist eine aufregende musikalische Zeitreise in die Welt von Wolfgang Amadeus Mozart (liebevoll „Wolferl“ genannt) der Jahre 1763 – 1766. Was in dieser Zeit alles geschah, welche Instrumente es damals gab, wie man reiste und vieles mehr, erfährt man aus vielen Briefen, die Mozarts Vater Leopold in diesen Jahren nach Hause schrieb.

Bei dieser Reise begegnen die Zuschauer auch der musikalischen Hundedame Miss Pimpes, gespielt von Uta Jakobi. Die Reise dauerte vier Jahre und führte an die europäischen Fürstenhöfe. Besonders England hatte es dem kleinen Wolferl aus einem ganz bestimmten Grund angetan Einige mitgebrachte Instrumente aus dieser Zeit werden in diesem kurzweiligen Bühnenstück von der Pianistin Sheila Arnold vorgestellt und lassen die damalige Zeit hautnah erleben.

Im Anschluss an das Theaterstück geht es ab ca. 16 Uhr im Foyer weiter mit einer Ausstellung rund ums Thema Klavier. Die Lehrer und Schüler der Musikschule zeigen, was man auf einem Klavier so alles machen kann. Es gibt eine begehbare Tastatur und eine Notenausstellung der Lingener Stadtbücherei. Es gibt einen Ausstellungsstand des Musikforums Demond aus Witten, und das Klavierhaus Dausin zeigt verschiedene Instrumente. Wer möchte, kann sich von den Lehrern der Musikschule über Klavierunterricht beraten lassen.

Wer also immer schon einmal wissen wollte, wie ein Klavier wirklich funktioniert, was man damit alles machen kann und ob man das auch lernen möchte, sollte am 1. März 2020 ab 15 Uhr ins Theater an der Wilhelmshöhe kommen. Der Eintritt für das Theaterstück kostet 8 € (für Kinder, Schüler und Studenten ermäßigt 6 €). Die anschließende Veranstaltung zum „Tag des Klaviers“ im Foyer des Theaters ist kostenlos.


Text und Foto: © Stadt Lingen (Ems)

Statt des im Grundgesetz verbrieften Rechtes auf Familie gibt es für Flüchtlinge mit subsidiärem Status seit August 2018 ein Gnadenkontingent von 1.000 Visa im Monat. Und nicht einmal das wird vollends ausgeschöpft.  Die Visaerteilungen für Familienangehörige von subsidiär Schutzberechtigten schleppen sich über Jahre hin. Nach 18 Monaten Gnadenkontingent ist klar: Die Bundesregierung kommt nicht einmal dem veranschlagten Minimalkonsens nach. Tausende geflüchtete Familien leben seit Jahren getrennt und warten weiter auf ein Visum.

Eineinhalb Jahre nach der de facto Abschaffung des Rechtsanspruchs und der Einführung eines Gnadenrechts bei der Familienzusammenführung zu subsidiär Schutzberechtigten (sog. »Familiennachzugsneuregelungsgesetz«) wird deutlich: Die Bundesregierung hält nicht einmal den politisch getroffenen Minimalkonsens ein. Die Große Koalition hatte sich nach einem langen Streit in einem Kompromiss auf ein monatliches Gnadenkontingentnach Ermessen von 1.000 Visa für Angehörige dieser Personengruppe geeinigt.

Ein Fünftel des Kontingents nicht erfüllt

18 Monate nach Inkrafttreten der Regelung zeigt sich: Genau 20 Prozent, also ein Fünftel des versprochenen Visakontingents wurden bisher nicht ausgeschöpft.

Nach 18 Monaten haben die deutschen Auslandsvertretungen von den politisch versprochenen 18.000 möglichen Visa bis Ende Januar 2020 erst 14.404 Visa erteilt (2018: 2.612, 2019: 11.133 laut Plenarprotokoll 15. Januar 2020, Januar 2020: 659 laut Auskunft des Auswärtigen Amtes).

Schutzbedürftige bleiben außen vor  

Im gleichen Zeitraum wurden aber selbst besonders schutzbedürftige Gruppen auf hartherzige Art und Weise vom Visumverfahren ausgeschlossen:

→ minderjährige Geschwister von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, denen die gemeinsame Einreise mit ihren Eltern nach Deutschland verwehrt wird.

→ Kinder, die während der 2,5 jährigen vollständigen Aussetzung der Familienzusammenführung zu subsidiär Schutzberechtigten vom Frühjahr 2016 bis Sommer 2018 die Volljährigkeit erreicht haben.

Leid der Familien setzt sich fort

Das durch die langen Familientrennungen erzeugte Leid der bisher ausgeschlossenen Familien ist unermesslich. Die Bundesregierung versucht den Eindruck zu vermitteln, sie habe die Probleme beim Familiennachzug gelöst. Das ist aber falsch: Es gibt in Deutschland Familien, die seit Jahren darauf warten, wieder zusammenleben zu können. Diese Situation ist für die Betroffenen unerträglich.

Visa-Zahlen gehen nach unten

Schon seit Sommer 2019 kann auf Basis der Zahlen des Auswärtigen Amtes festgestellt werden, dass die monatlich erteilten Visa signifikant unter den versprochenen 1.000 liegen. Zuletzt hat das Auswärtige Amt im Januar 2020 sogar nur 659 Visa erteilt (siehe Grafik).

Image
In den letzten Monaten seit August 2019 blieb die Zahl der erteilten Visa regelmäßig deutlich unter den möglichen 1.000 pro Monat (ABH=Ausländerbehörde, BVA=Bundesverwaltungsamt, Visa=Vergabe durch Auswärtiges Amt).

Bürokratie und Bremsklötze

Das bewusst als bürokratischer Dschungel gestaltete Verfahren wird weiterhin nicht entschlackt.  Beteiligt sind Auslandsvertretungen, teilweise unterstützt durch die Internationale Organisation für Migration (IOM), kommunale Ausländerbehörden und Bundesverwaltungsamt.

Die jüngsten Zahlen des Auswärtigen Amtes zeigen, dass der Bremsklotz bei der Antragsbearbeitung derzeit deutlich bei den beteiligten kommunalen Ausländerbehörden in den Bundesländern liegt. Während in den ersten achtzehn Monaten der Neuregelung bereits 20.645 Visaanträge von den deutschen Auslandsvertretungen an die kommunalen Ausländerbehörden weitergeleitet wurden, bearbeiteten diese im gleichen Zeitraum nur 14.708 Anträge und leiteten diese zum Bundesverwaltungsamt zur abschließenden Prüfung weiter.

Tausende Familien weiter getrennt

Weiterhin warten allerdings 22.000 Familienangehörige auf einen Termin. Den deutschen Auslandsvertretungen liegen nach Angaben des Auswärtigen Amtes so viele unbearbeitete Terminanfragen vor (vgl. Antwort der Bundesregierung auf Anfrage, Sitzung des Deutschen Bundestages, 15. Januar 2020)

Mehr Personal – und Recht auf Familie wiederherstellen

Es wäre dringend erforderlich, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Innenministerien der Bundesländer ernsthaft auf eine Beschleunigung der Verfahren hinwirkt. Gleichzeitig muss die Bundesregierung das Auswärtige Amt so ausstatten, dass mindestens doppelt so viele Antragsverfahren monatlich aufgenommen werden können als bisher. Letztendlich hilft aber nur die vollständige Wiederherstellung des Rechts auf Familienleben auch für subsidiär Geschützte.

Wir erinnern uns: Die Abschaffung des Rechtsanspruchs basierte auch auf weit verbreiteten abwegigen Prognosen der Bundesregierung über die Zahl der nachziehenden Angehörigen, die sich allerdings faktisch als deutlich geringer herausstellte.

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Ein Beitrag von Karim Alwasiti/akr auf der Internetseite des Nieders. Flüchtlingsrat

Schutz

28. Februar 2020

Das Bistum Osnabrück hat sich im Februar 2019 ein „Konzept gegen sexualisierte Gewalt“ verordnet – und seit dem Leitungsposten mit Frauen besetzt. Die taz berichtet:

„Schutz“ –  Ein Bischof, der ein solches Wort ausspricht, – in der Missbrauchsdebatte der katholischen Kirche, die uns seit Jahren in Abgründe von Gewalt und Vertuschung blicken lässt – braucht Mut. Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, hat diesen Mut am Mittwoch aufgebracht, als er Zwischenbilanz zog für sein Ende Februar 2019 initiiertes „Konzept gegen sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch“. „Schutzprozess“, sagt er heute dazu, um zu zeigen, „dass wir damit noch längst nicht fertig sind“, sagt Bistumssprecher Hermann Haarmann, „dass es da noch viel zu tun gibt“.

Bode, ein Reformer unter den katholischen Bischöfen Deutschlands, zielt auf Prävention und Intervention, auf die Begleitung Betroffener, die Professionalisierung des Umgangs mit Beschuldigten, auf die Sanktionierung von Tätern, auf die Klärung „systemischer Grundsatzfragen“, von der kirchlichen Sexualmoral bis zum Umgang mit Macht und Hierarchie.

Arbeitsgruppen wurden dazu gebildet, 60 Köpfe stark. Kirchenexterne wurden einbezogen, wie Thomas Veen, Präsident des Landgerichts Osnabrück. Auch „Menschen, denen Unrecht widerfahren ist“, so Haarmann, beteiligen sich. Und es wurde nicht nur geredet. Es wurde gehandelt. Tiefgreifend.

Einige Gemeinden des Bistums werden heute nicht mehr von Pfarrern geleitet, sondern von Laien – Gesmold und Wellingholzhausen etwa, Bad Iburg und Glane. Auch Frauen leiten jetzt im Bistum Gemeinden, Priestern übergeordnet – ein Novum, deutschlandweit. „Da geht es darum, Macht abzugeben, Macht zu teilen“, sagt Haarmann….

[weiter bei der taz]


Foto: Bischof Bode, Foto von Stepel, GNU Free Documentation License,

Nanu

28. Februar 2020

Anfang der 1970er Jahre war die „Lingener Tagespost“ aus dem hinteren Büro im Schreibwaren-Geschäft Nottbeck in die Große Straße 9 umgezogen. Das vermutlich im 18. Jahrhundert entstandene Haus war vorher modernisiert worden. Dabei wurde es durch eine Fenstervergrößerung regelrecht entstellt. In Wahrheit handelt es sich um ein giebelständiges Fachwerkhaus. Vielleicht bestand im hinteren Teil auch einmal eine breite Diele wie im „Feiling“-Haus Große Straße 22. Als eines der wenigen Häuser in der Großen Straße wurde es aber nie aufgestockt. Hinter den entstellenden Schaufenstern konnte man dann bis in die 1980er Jahre die dort ausgehängte tägliche Ausgabe der Lingener Tagespost lesen.

Damals hatte sich in unserer Stadt die sog. „Jugendinitiative“ gebildet. 30-40 junge Leute, die kreativ für ein unabhängiges Jugendzentrum kämpften. Nach drei, vier Jahren war ihr Einsatz erfolgreich und der Alte Schlachthof entstand, wenn auch die Protagonisten der Jugendinitiative durch einen formalen Hausordnungstrick ausgeschlossen wurden, den CDU und Stadtverwaltung ersonnen hatten. Die allermeisten von ihnen wurden per Hausordnung für „zu alt“ erklärt, um im JZ mitzumachen. An diese Lingener Geschichte musste ich heute denken und an Alois Dickopp, den damaligen „Chefredakteur“ der Lingener Tagespost. Dickopp saß im Hinterzimmer des Hauses Große Straße 9 und setzte von dort alles daran, die aktiven Jugendlichen zu diskreditieren, indem er sie in die kommunistische Ecke drückte, wo sie allerdings -man ahnt es- nicht hingehörten.

Nach einer neuerlichen, besonders üblen Verleumdung durch Dickopps LT klebten 1973/74 nächtens die Initiativler mit (wasserlöslichem) Kleister die beiden großen, „entstellenden Fenster“ fein säuberlich von oben bis unten mit Flugblättern voll, die eine Gegendarstellung enthielten. Dickopp kam aus seinem Büro, wo er noch werkelte, gelaufen und entfernte die Anschläge. Keine Stunde später wurden sie dann wieder neu geklebt, dann kam die Polizei, jagte und stoppte nur einen von drei Plakattrupps, die sich besser als die Polizei in Lingens Stadtzentrum auskannten, und stellte deren Kleister und Flugblätter sicher, die dann im Schrank des Ordnungsamtsleiters des Lingener Rathauses landeten. Es war eine wirklich muntere Schnitzeljagd in dieser Nacht bis in den ganz frühen Morgen hinein. Die Fenster waren jedenfalls beklebt…

In den 1980er Jahren zog dann die Lokalzeitung in die Schlachterstraße 6-8 um und das Textilgeschäft „Nanu“ übernahm die Räume im Haus Große Straße 9. Zuletzt war dort ein Internetshop.

Und jetzt will der neue Eigentümer aus dem Osten der Stadt dort, wie ich höre, anders bauen als er darf. Da hat er wohl gemeint, er müsse am besten mit der NoAfD „auf die Kacke hauen„. Ich übernehme hier meine entsprechende (wenn auch nicht wirklich gesicherte) Information.

Der Eigentümer hängte jedenfalls gestern dümmliche AfD-Plakate in die beiden Schaufenster. Keine Frage: Durch die modernisierte. Fenster und die braunen Plakate in blau war jetzt das Gebäude gleich doppelt entstellt. Doch auch dieses Mal reagierten die „Wir-haben-das-mal-vorerst-geregelt-Aufmüpfigen“ in unserer Stadt sofort und überklebten kurzerhand die plakatierte braune Gesinnung. Freuen wir uns also gemeinsam über eine schöne nachhaltige Tradition der entstellenden Fenster im Hause Große Straße 9. Sie werden einfach von außen beklebt, wenn auf der Innenseite mit Druckwerk verleumdet und gehetzt wird.

Der Naturschutzbund (NABU) und mit ihm weitere Verbände und Vereine wollen in Niedersachsen das Volksbegehren Artenvielfalt zum Erfolg führen. Vorbild ist die erfolgreiche Initiative „Rettet die Bienen“ in Bayern. Das Volksbegehren im Süden konnte im Februar letzten Jahres in kürzester Zeit über 1,7 Millionen Unterschriften sammeln. „Das, was die Bayern konnten“, heißt es jetzt beim NABU selbstbewusst, „können wir in Niedersachsen schon lange“.
Der NABU: „Die Bewahrung und die Förderung der Artenvielfalt ist die wichtigste Aufgabe, wenn wir Menschen auf diesem Planeten eine Zukunft haben möchten.Der dramatische Rückgang von Bienen, Schmetterlingen, Amphibien, Reptilien, Fischen, Vögeln und Wildkräutern ist auch in Niedersachsen alarmierend. Deshalb sagen wir: Artenschutz ist keine Frage freiwilliger Absichtserklärungen – sondern für das Gesetzesblatt. Gemeinsam mit weiteren Trägern und vielen Unterstützern starten wir daher ein Volksbegehren zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen.“

Zentrale Punkte des Volksbegehrens lauten:

  • Ausbau des Biotopverbundes in Niedersachsen
  • Verbesserter Gewässerschutz wegen zu hoher Nitrat-Werte im Wasser
  • Erhalt von Dauergrünland
  • Verbesserung des Moorschutzes für den Arten- und Klimaschutz
  • Ausbau des Ökolandbaus
Etwa 610.000 Bürger*innen aus Niedersachsen müssten das Volksbegehren für mehr Artenschutz unterschreiben, damit es ein Erfolg wird. Das Volksbegehren kommt nämlich zustande, wenn es von mindestens 10 % der Stimmberechtigten unterstützt wird. Als Zahl der Stimmberechtigten gilt dabei die Zahl der Wahlberechtigten der letzten Landtagswahl; das waren 6.098.379 Männer und Frauen in unserem Bundesland, davo übrigens 41.680 Stimmberechtigte in Lingen (Ems). In unserer Stadt müssten also beispielsweise etwa 4.200 Stimmen gesammelt werden. Das wird viel ehrenamtliche Arbeit, aber eine, die Erfolg verspricht!
Skepsis gibt es dabei von etablierten Organisationen der traditionellen Landwirtschaft und ihnen nahestehenden Wissenschaftlern. Auch CDU und SPD halten sich bislang eher zurück. Vor einem Jahr Bayern spielte das übrigens für das Ergebnis des erfolgreichen bayerischen Volksbegehrens aber überhaupt keine Rolle.
An diesem Mittwochabend hat sich für das südliche Emsland im Ludwig-Windthorst-Haus im Ortsteil Holthausen/Biene eine lokale Organisationsgruppe gegründet. Sie will ab Ende März/Anfang April doe notwendigen Unterschriften sammeln. Bislang sind hier bei uns folgende Partner dabei: Bündnis`90 – Die Grünen, der NABU Emsland Süd e. V., der Weltladen, der Tauchclub Hydra Lingen e. V., das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH), die Kirchengemeinden Lingens und die Klimagruppe Emsland. Die Initiatoren sagen voraus, dass weitere Unterstützer und Unterstützerinnen dazu kommen „ob nun aktiv für Unterschriftensammlungen, Organisation oder Teilnahme von oder an Aktionen, oder passiv, indem ein Poster aufgehängt, Flyer ausgelegt werden… ganz wie es beliebt! Es ist auch möglich „still“ zu unterstützen“ – zum Beispiel mit einer Spende.
Spätestens mit Beginn der Unterschriftensammlung soll auch in der Region die Öffentlichkeitsarbeit in Presse, Medien, Internet mit Postern, Flyern, Videos und kreativen Aktionen starten.
Das nächste Organisationstreffen für das südliche Emsland findet am 11.03.2020 um 19:00 Uhr in der Karolinenstraße 3 statt. Anmeldung erbeten (s. Kommentar von Debora Rusche-Marmouq).
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Foto: Volksbegehren Artenvielfalt Niederdachsen ©NABU Niedersachsen

Benno Vocks ist tot

26. Februar 2020

Lingen muss um Benno Vocks trauern. Der pensionierte Lingener Lehrer starb nach kurzer schwerer Krankheit am vergangenen Freitag in der Universitätsklinik in Münster. Benno Vocks wurde 75 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Margret, zwei Kinder und zwei Enkelkind

Unsere Stadt hat mit ihm einen bemerkenswert engagierten, feinfühligen Mann verloren. Bis zu seiner Pensionierung 2009 war Benno Vocks insgesamt 39 Jahre (!) Konrektor an der Marienschule.  Er war seinen Schülern und Kollegen das, was wir alle uns von einem Lehrer wünschen: Ein Vorbild, ein wirklicher Pädagoge, der seine Schülerinnen und Schüler mit Dingen vertraut machte, die sie nicht kannten. In Erinnerung ist, wie er in den 90er Jahren eine Schulklasse im Selbstverlag ein Buch über Straßennamen in Lingen verfassen, wie er überhaupt mit seinen Schülerinnen und Schüler an der Marienschule gern Projekte über die Lingener Lokalgeschichte erarbeitete, zum Beispiel die Suche nach Erinnerungen zur NS-Zeit in der eigenen Familie.

Schreiben über das, was war, war ihm immer besonders wichtig. Vor einigen Jahren durfte ich ihn zusammen mit Frank Krümmer vom Anno-Verlag Ahlen (Westf) überzeugen, die Idee mit den Straßennamen wiederaufzugreifen: In den Monaten danach entstand aus seiner Feder das Buch „Lingen wegweisend“, in dem Benno Vocks in Kurzbiografien, Fotos und Illustrationen 99 Straßennamen seiner Heimatstadt erklärte –  ein Lieblingsprojekt des Pädagogen. Bei der Präsentation im Herbst 2015 meinte er, das Schreiben dieses Buches sei so gewesen wie „Kreuzberger Nächte – Erst fang’se ganz langsam an, aber dann, aber dann!“ Und er gab den Tipp: „Das Buch ist nicht wie ein Roman zu lesen. Lesen, amüsieren, weglegen – aber nicht zu weit.“

Beim TuS Lingen war der Fußballfan Benno Vocks jahrelang hinter den Kulissen tätig. Er war für die kleine, feine Stadionzeitung  verantwortlich, erstellte 2010 die große Festschrift zur 100-Jahrfeier des traditionsreichen Lingener Fußballvereins, und nebenbei arbeitete er auch als Hallensprecher bei Fußballturnieren.

Zeitlebens aber berührte ihn die Geschichte und das Schicksal der Lingener Juden. Engagiert arbeitete er deshalb im Vorstand des Forum Juden Christen mit, organisierte so manche Reisen zu Stätten des Judentums in den Niederlanden und war bei Gedenkfeiern und der Verlegung von Stolpersteinen aktiv. Noch Ende vergangenen Jahres zeichnete er maßgeblich für die Neuauflage der Broschüre „Stolpersteine. Ein Wegweiser für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Lingen (Ems) – Ein Stadtrundgang“ mitverantwortlich.

Benno Vocks  begründete auch die Kooperation zwischen dem Forum Juden Christen und dem Heimatverein Lingen (Ems), in dem er sich engagierte. Vor drei Jahren mobilisierte er seinen Freund Georg Henrichs und mich, mit ihm nach Osten zu fahren, um dort einen -wie er sagte- „Ost-West-Krimi zwischen Lingen und Pritzwalk“ nachzuzeichnen, der 1960 für Aufsehen gesorgt hatte. Vereinbart hatte der Heimathistoriker dies mit einem Pädagogenkollegen aus Pritzwalk, den er aus Anlass eines lokalgeschichtlichen Wettbewerbs des Bundespräsidenten vor 20 Jahren in Hamburg getroffen hatte.  Er war ein begeisterter Geschichtsforscher. Googeln Sie ihn einfach, wenn Sie ihn nicht kannten.

Benno Vocks war sportlich wie nicht viele in seinem Alter. Wandern und Radfahren waren seine bevorzugten Freizeitaktivitäten, und immer gab es ein freundliches Wort für die vielen Lingenerinnen und Lingener, die er unterwegs traf.  Jetzt gibt es Benno Vocks immer noch in seinen Zeilen, in Interviews mit dem lokalen Radio und vor allem in unseren Erinnerungen. Er wird unserer Stadt und ihren Menschen sehr fehlen.


Update: Die Trauerfeier für Benno Vocks hat am Freitag, 6. März, stattgefunden. Im Mittelpunkt stand die Trauerrede des kath. Geistlichen Christoph Höckelmann (Thuine), die mich sehr bewegt hat. Hier der Text.

Foto: Benno Vocks © Johannes Franke, Lingener Tagespost

Damme

25. Februar 2020

Der Oldenburger Kunstverein liegt am Dammweg. Jetzt zeigt er eine Ausstellung mit dem Titel „Damme“. Wer sich im südlichen Niedersachsen auskennt wie die Fotografin Heidi Specker, um deren Ausstellung es sich handelt, der weiß, dass es sich bei Damme um eine bäuerliche Ortschaft handelt, mit nicht einmal 20.000 Einwohnern. Hier wurde Heidi Specker 1962 geboren und hier wuchs sie auch auf.

Weiß man dies aber nicht, ist man schnell versucht, das Geheimnis des Titels ergründen zu wollen. Schließlich geht es hier um Kunst. Handelt es sich um ein seltsames Wortspiel? Kommt Damme aus dem Französischen und wurde ein m hinzugefügt und ein Akzent amputiert? Oder geht der Titel vielleicht auf holländische Städtenamen zurück?
Es ist einigermaßen ernüchternd, stellt man dann fest, dass der Titel eben nur diese kleine Gemeinde bezeichnet und dass man ihn spricht, wie man ihn schreibt, mit Doppel-m und hinten einem e. Der Titel ist dann ganz einfach, er ist faktisch und operativ, ohne ästhetisch doppelten ­Boden. In ihrer Ausstellung…

[weiter bei der taz]


DIE AUSSTELLUNG
„Damme“ von Heidi Specker läuft noch bis 19. April im Oldenburger Kunstverein. Der Katalog, erschienen in der Buchandlung Walther König, kostet 24 Euro.

Geöffnet
Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen
Eintritt: 3 EUR/ ermäßigt 2 EUR/ Mitglieder frei/ AdKV-Mitglieder frei

Heidi Specker
DAMME
07.02.2020 – 19.04.2020

Die Ausstellung „Damme“ von Heidi Specker bietet vielschichtige Ansätze für Erkenntnisse: Bestandsaufnahme, Abgleich von Erinnerung und Gegenwart, allgemeine Lebenswirklichkeit, spezielles Lebensgefühl, und – je nach Erfahrungswelt des Betrachters – ein breit gefächertes Spektrum von Empfindungen. Zurück in Damme, wo sie aufgewachsen ist, entwickelt Heidi Specker, herausragende Fotografin der Gegenwart und Professorin für Fotografie in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, in 70 Fotografien ein eindrucksvolles Panorama von Ansichten und Einsichten in Situationen des Lebens. In der Tanzschule wird der Zeitgeist an den uniformen Beinkleidern sichtbar, aber auch zeitübergreifend Bewegung und das Aufeinandertreffen der Geschlechter in jungen Jahren. Ein Traktor belegt den großen Einfluss einer mittlerweile hoch technisierten Landwirtschaft in Südoldenburg. Wimpel und Masken verweisen auf eine noch heute in weiten Teilen der Republik sehr lebendige folkloristische Tradition, deren Symbolik keinesfalls auf das karnevaleske Damme beschränkt ist. Gleiches gilt für die Bilder von Mädchen in ihrem schulischen Umfeld, Portraits, von Verkehrssituationen, von Mauern, Gebäuden und aus der Natur. Unterstützt durch ein Band pflanzlicher Muster geht die ganze Bildserie über die Abbildung der Gegenstände hinaus und vermittelt das Erlebnis ihrer Wirkung. Die Verbindung von Erinnerung und Gegenwart eröffnet erweiterte Perspektiven aus der jeweiligen Situation auf die allgemeine Lebenserfahrung.
Die in dieser Ausstellung gezeigten Fotografien von Heidi Specker sind zeitgenössische Kunst in einem sehr wörtlichen, unmittelbaren Sinn.

Gefördert durch:
Kunstfonds Bonn, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Landessparkasse zu Oldenburg, Stadt Oldenburg, Oldenburgische Landschaft

Gemeinsamkeit

24. Februar 2020

Das war, so glaube ich, gestern Nachmittag eine sehr ordentliche Veranstaltung der Lingener Zivilgesellschaft. Die Idee von Meike Behm, aufgegriffen von Dr. Heribert Lange und von mir: Lingen: Gegen Hass, gegen Hetze, gegen Rassismus.

Das Ergebnis waren schließlich rund 1000 Menschen auf unserem Marktplatz und wichtige, hörenswert-mahnende Beiträge von Heribert Lange, Petra Tiesmeyer, Marie Beenken, Meike Behm und OB Dieter Krone – umarmt und umrahmt durch die Musik von Zain Landozz, Tobias Bako & Friends (Kai Liedtke, Frank Werge, Raimund Fock-Müter, Felix Hammer, Eike Kumbrink, Matthias Mertens, Theresa Ngyuyen, Martin Vest).

Mir hat die Gemeinsamkeit sehr gefallen, auch wenn ich mir ein wenig mehr junge Teilnehmer*innen gewünscht hätte. Aber im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen haben sichtlich mehr Migranten und Migrantinnen teilgenommen. Das hat mich sehr bestärkt.

Hier die Links (wird noch ergänzt):

Das Programm

Zum Livestream auf Facebook

Bericht der Lingener Tagespost

Begrüßungsrede Dr. Heribert Lange

Grußwort Marie Beenken


Foto: © @UnserLingen via twitter (Danke für die Zustimmung zur Nutzung!)

Mahnwache III

23. Februar 2020

Lingen: Gemeinsam
gegen Hass, gegen Hetze, gegen Rassismus!

Mahnwache zum Gedenken
an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau
.


 Zain Landozz & Friends
Biassi

Einführende Worte Dr. Heribert Lange
Forum Juden Christen im Altkreis Lingen

Grußwort Petra Tiesmeyer
DGB Emsland

Grußwort Marie Beenken
stellv. Schülersprecherin Gymnasium Georgianum

Tobias Bako & Friends
Rockin‘ in the Free World 

Meike Behm
Direktorin der Kunsthalle Lingen
liest aus Carolin Emcke  „Gegen den Hass“

Dieter Krone
Oberbürgermeister der Stadt Lingen (Ems)
Lingen: Gemeinsam
gegen Hass, gegen Hetze, gegen Rassismus!

Tobias Bako & Friends
Imagine
 

Lingen (Ems), 23. Februar 2020, 17 Uhr, Marktplatz.