fast unsichtbar

30. Januar 2020

Mit einer, nach meinem Eindruck fast unsichtbaren Veranstaltung in der Bonifatius-Kirche hat unsere Stadt am vergangenen Montag den Nationalen Gedenkenktag an die Opfer des Nationalsozialismus und den zeitgleichen Internationalen Holocaustgedenktag begangen. Es gab wenige Plakate für das gemeinsam vom Forum Juden Christen im Altkreis Lingen, dem LWH und der Stadt Lingen (Ems) veranstaltete „Numi-Numi“-Konzert der Berliner Künstler Esther Lorenz und Peter Kuhz; aber in der „Lingener Tagespost“ fand sich kein Wort der Vorschau (übrigens bislang auch keines der Nachschau…): Auch der Veranstaltungskalender auf der Internetseite der Stadt Lingen (Ems) erwähnte kein Wort zum abendlichen Gedenken, aber den Übungsabend eines -daran natürlich unschuldigen- lokalen Skatclubs. Das ist beides unverzeihlich.

Trotzdem waren etwa 170 Lingener*innen in die Bonifatius-Kirche gekommen, wie ich gezählt habe. Darunter war meine Fraktionsvorsitzenden-Kollegin Edeltraut Graeßner (SPD). Doch Mitglieder der anderen Ratsfraktionen waren nicht da (jedenfalls habe ich niemanden gesehen), es fehlten auch alle Dezernenten der Verwaltung ebenso wie sonstige führende Mitarbeiter aus dem Rathaus, es fehlten beide ehrenamtlichen Bürgermeister, alle Ortsbürgermeister, und es fehlte Oberbürgermeister Krone. Ich finde, das war an diesem Datum unverzeihlich.

Alle versäumten einen in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Abend, zu der der scheidende Vorsitzende des Forums Heribert Lange begrüßte und an dem -soweit ich weiß- erstmals bei einer derartigen Veranstaltung auch Texte der Täter vorgetragen wurden. Es war rihtig, sie zu verlesen; denn die Dummheit, Kälte und Menschenverachtung der verlesenen Auszüge von Hitler und Himmler ließen erstarren. Sie standen in fundamentalem Gegensatz zu den sanft gesungenen Liedern von Mezzosopranistin Esther Lorenz wie dem klaren und feinen, klassischen Gitarrenspiel von Peter Kuhz. Beide ließen 90 Minuten jüdische Lieder erklingen -unterbrochen durch weitere Gedenk-Texte, darunter von Hannah Arendt. Am Schluss dann das alte hebräische Wiegenlied „Numi, Numi„, das dem Abend den Titel gegeben hatte.

In der Zugabe erklang, von nicht wenigen Zuhörern und Zuhörerinnen summend aufgenommen, das traditionelle Schabattlied Hine Ma Tov Umanaim – mit all seiner friedlich-liebevollen, wärmenden Zuversicht. Es war ein würdiger Gedenk-Abend, der mehr Publikum nötig hatte.

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