türkische Gefängnisse

3. Januar 2020

Die erste Fidelio-Inszenierung des Kalenderjahres 2020 wird gerade durch ihr Erscheinen in der Geburtsstadt des Komponisten Ludwig van Beethoven mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Die Arbeitsweise des Regisseurs Volker Lösch, der stets mit Ortsansässigen seine Projekte entwickelt und vorhandene Stücke vorantreibt, wird diesem Fidelio auch in die Stadt Bonn hinein ein besonderes Maß an bürgerschaftlicher Mitwirkung sichern. Dabei ist nicht lediglich der singuläre Moment des einzelnen Premierenabends, sondern jede einzelne Vorstellung als Teil eines solchen Projektgedankens zu definieren. Der Regisseur Volker Lösch hat sein Credo folgendermaßen formuliert: „Kunst ohne Anbindung an das Draußen, an die Zeit, in der ich lebe, finde ich sinnlos.“

Damit löst sich ein Werk wie Fidelio mit seinem großen humanistischen Anspruch aus der vermeintlichen Historizität und wird Bestandteil der Gegenwart des Jahres 2020. Wie in seinen Schauspielproduktionen – etwa am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg oder am Sächsischen Staatsschauspiel in Dresden – wird Lösch mit der Einbeziehung von Bürgerchören die Gegenwart in das vermeintlich historische Geschehen integrieren. Der Bonner Fidelio 2020 wird zu einem singulären Ereignis von beträchtlicher Leuchtkraft bereits zu Beginn des Jahres!

Ursula Hartlapp-Lindemeyer ist von der Inszenierung beeindruckt. Sie schreibt auf ruhrbarone: „Die Inszenierung der einzigen Oper Beethovens von Volker Lösch in Bonn stellt sich bewusst dem Anspruch, die Wirklichkeit abzubilden und mit Mitteln des Theaters in Kombination mit Video-Technik das Publikum aufzurütteln und zum Handeln zu motivieren.

Dirk Kaftan und das Beethoven-Orchester, der Chor und die Solisten bringen die gesamte Musik der Oper Fidelio zum Erklingen, aber die Dialoge sind durch Interviews mit echten Zeitzeugen ersetzt, die von eigenen Erlebnissen als politische Gefangene in türkischen Gefängnissen berichten und sich für die Freilassung von in der Türkei inhaftierten Angehörigen einsetzen.

Diese Inszenierung polarisiert. Einige Besucher wollen sich auf die Problematik der politischen Gefangenen nicht einlassen und protestieren. Die anderen aber sind begeistert und feiern nicht nur die hervorragenden Sängerinnen und Sänger, den Chor und das Beethoven-Orchester, sondern auch die Zeitzeugen, die ihr Anliegen vortragen…“

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Quellen: PM Oper Bonn und von Ursula Hartlapp-Lindemeyer auf ruhrbarone; Foto: Theater Bonn

Küstengefühl

3. Januar 2020

Eine frische Brise Nordsee liegt in der Luft. In Groningen stellt sich schnell das besondere Küstengefühl ein, das viele haben, wenn sie die Region besuchen und wonach viele sich sehnen, wenn sie schon mal dort gewesen sind. Wege, um nach Groningen zu gelangen, gibt es viele; zum Beispiel die Reise mit dem Fernbus von Oldenburg über Ostfrieslan.

Das norddeutsche Verhältnis zu den Niederlanden ist vielleicht auch wegen der räumlichen Nähe oft verklärt, weswegen jede Fahrt dorthin, und sei sie noch so unspektakulär, mit Cannabis assoziiert wird. Da werden eigentlich ganz normale Fernbusse plötzlich zu Drogenbussen uminterpretiert. Damit holen die Student:innen der einen deutschen Universitätsstadt angeblich ihren Stoff von der Universitätsstadt jenseits der Grenze. „Aus Holland“ ist für Marihuana ein Gütesiegel, weiß jede:r Kiffer:in.

Und doch zieht es nicht viele Oldenburger:innen an diesem Wochenende vor den Feiertagen in den Fernreisebus. Es ist nur eine kleine Gruppe junger Frauen, die einsteigt und wohl eher auf einer Einkaufstour als auf der Suche nach dem besten Gras ist. Spannender ist die Option des straffreien Kiffens wohl für die vielen deutschen Studierenden, die sich länger dort aufhalten wollen: Die Niederlande sind auf dem zweiten Platz hinter Österreich, wenn es um die Beliebtheit von Auslandssemestern für Studierende aus deutschen Universitäten geht.

Im Bus, der aus Berlin kommt und über Oldenburg, Westerstede und Leer in Ostfriesland nach Groningen fährt, sitzt im vorderen Teil eine Gruppe niederländischer Männer, die wohl…“

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