Tinner Dose

25. Oktober 2019

Mittlerweile ist es mehr als ein Jahr her, dass es in der Tinner Dose, einem mit ca. 3.200 ha großen Moorgebiet nordnordöstlich der Stadt Meppen,brannte. Mittlerweile wurde zwar der Schießbetrieb auf der Fläche eingeschränkt wieder aufgenommen, doch diverse vorgesehene Maßnahmen zur Vermeidung solcher Großbrände sind erst teilweise umgesetzt. Dazu gehören unter anderem die Schaffung weiterer Löschwasserentnahmestellen oder Tiefbohrbrunnen.

Bereits während der NABU-Landesvertreterversammlung (am 21. September 2019 in Rinteln) sprachen sich die Delegierten des NABU dafür aus, dass die Bundeswehr als Betreiberin des Schießplatzes und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) sich ihrer Verantwortung stellen und umgehend für einen Ausgleich der umfangreich zerstörten Biotope und der Kohlenstoffemissionen sorgen müssen.

Dabei geht es nicht nur um die unwiederbringlichen Schäden für dieses einmalige Ökosystem, das bisher letzte so großräumige und noch leidlich intakte Hochmoor in Deutschland. Es geht auch um geschätzte CO2-Freisetzungen von womöglich 500.000 Tonnen.

In Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens darf es nicht sein, dass sich der Bund hier womöglich aus der Verantwortung stiehlt. Denn es war unverantwortlich bei der letztjährigen Trockenheit die Schießübungen, die zum Brand des Gebietes geführt haben, überhaupt durchzuführen. Unverantwortlich war es auch, die für solche Fälle erforderlichen Löscheinrichtungen nicht einsatzbereit zu haben.

Um Umweltkatastrophen wie in der Tinner Dose zukünftig zu vermeiden, muss auf dem Gelände sofort mit umfangreichen Wiedervernässungsmaßnahmen begonnen werden, die durch Flächenarrondierungen am Rande des Schießplatzes optimiert werden. Darüber hinaus muss im Umfeld auf möglichst emsländischen Hochmoorböden entweder auf bisher intensiv landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen und/oder auf Torfabbauflächen, wo keine Klimakompensation für den abgebauten Torf vorgesehen ist, eine Hochmoorsanierung durchgeführt werden. Dazu müssen die Flächen vom Bund erworben und etwaige Torfabbaulizenzen abgekauft werden.

Vollständige Resolution zum Download: https://web.tresorit.com/l#LBJlPdSv4EDkpbVbTXDuBA


Text: PM NABU, Foto: Tinner Dose von Frank Vincentz GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Sicherer Hafen

25. Oktober 2019

Gestern stand es um 16.44 Uhr fest. Lingen ist sicherer Hafen. In namentlicher Abstimmung hatte der Lingener Stadtrat einstimmig dafür votiert. Eine einzelne Stimmenthaltung kam hinzu, die keine Gegenstimme darstellt. Zuvor hatte ich in der engagierten Debatte für die Fraktion „Die BürgerNahen“ dieses kurze Statement abgegeben:

„Die Fraktion „Die Bürgernahen“ begrüßt den vorliegenden Beschlussvorschlag und stimmt ihm zu. Kein Wunder: Er ist ja auch zu einem wesentlichen Teil von uns miterarbeitet.

Wir begrüßen es vor allem, dass sich viele Menschen aus der Bürgerschaft, besonders aus der Hochschule, aus den Kirchen und den Verbänden, nicht resigniert abgewandt haben, als  im September 2018 ein erster Versuch scheiterte, unsere Stadt Lingen (Ems) zu einem sicheren Hafen zu erklären. Ohne sie wäre der heutige Beschluss nicht denkbar. Danke dafür.

Vor einigen Monaten hat das einen Bündnis „Seebrücke“ einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschrieben, der drei Forderungen zur zivilen Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer enthielt:
– Einen europäischen Notfallplan für die Seenotrettung aufstellen, ,
– Städte und Kommunen die freiwillige, zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen ermöglichen und
– drittens keine Rückführungen von Migranten mehr nach Libyen.

Seitdem hat sich die Situation für Seenotretter jedoch verschlechtert: Mehrmals mussten Schiffe mit geretteten Menschen, wie die „Sea-Watch 3“ die Kapitänin Carola Rackete und andere, wochenlang auf dem Mittelmeer bleiben, weil der damalige italienische Innenminister die Häfen per Dekret sperrte und die Retter strafrechtlich verfolgen ließ.

Das muss bekanntlich nicht sein, wenn einzelne, deutsche Städte sie aufnehmen. Deshalb ist der heutige Beschluss keineswegs nur ein Symbol sondern auch ein Beschluss mit einem realen Hintergrund. Wir wollen wie viele andere deutsche Städte, wie Osnabrück, Oldenburg, Cloppemburg, Meppen und Nordhorn aus Seenot gerettete Menschen aufnehmen und ihnen die Chance für ein Leben geben, für ein Leben in Würde.

Wir bitten Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, um Ihr Ja zu dem Beschlussvorschlag und beantragen auch heute namentliche Abstimmung.“