Bangkirai

3. September 2019

Auch vor 35 Jahren gab es schon umweltbewusste, lokalpolitische Entscheidungen. Dazu zählte in Lingen der Beschluss des Rates, bei Baumaßnahme in unserer Stadt künftig keine Tropenhölzer mehr zu verwenden. Im letzten Moment wurde damals dieser Beschluss aufgeweicht. Denn es wurde die Ausnahme hinein formuliert, „es sei denn, mit Zertifikat“, dass die verwendeten Tropenhölzer aus kontrolliertem, nachhaltigem Anbau stammten. Tropische Hölzer gelten nämlich als sehr strapazierfähig und witterungsbeständig und werden daher gern im Außenbereich eingesetzt. Damals hat kaum jemand daran gedacht, dass ein Zertifikat auch schlicht falsch sein kann.

Ich weiß nicht, ob es hierzulande heute überhaupt Tropenhölzer gibt, die kein Zertifikat haben. Jedenfalls gibt es, informiert der gemeinnützige Verein „Rettet den Regenwald“ „inzwischen mehr als 100 verschiedene „Holz- und Waldsiegel“. Selbst Fachleute können kaum den Überblick behalten, geschweige denn die Zertifikate überprüfen. Die meisten Siegel sind von der Industrie frei erfunden und reiner Etikettenschwindel. Aber auch die wenigen international gültigen Zertifikate wie FSC und PEFC können keine ökologisch verantwortliche und sozial verträgliche Waldbewirtschaftung gewährleisten. Die Standards wurden zu sehr den Interessen der Industrie angepasst:

Das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council ist dabei noch das zuverlässigste Zertifikat für Holz. Es bescheinigt, dass das Tropenholz nicht aus einem illegalen Raubbau stammt, und, dass Tiere, Menschen und der Wald nicht durch den Holzabbau gefährdet werden. Stattdessen kommt das zertifizierte Holz ausschließlich aus einem kontrollierten, ökologisch nachhaltigen Gebiet. Doch auch das FSC-Siegel wird immer wieder von diversen Ländern und Umweltschutzorganisationen kritisiert.

Für das FSC-Siegel sind nämlich auch zulässig der industrielle Holzeinschlag in unberührten Urwaldgebieten (Primärwald), der Kahlschlag großer Waldflächen (z.B. in Schweden und Russland), die Anlage von Millionen Hektar Monokulturen mit standortfremden Baumarten wie Akazien, Eukalyptus und Kiefern, das Versprühen von Pestiziden und Herbiziden usw..Dabei brauchen die Mit bis zu 70 Metern Höhe gehören die Shorea-Bäume zu den gewaltigsten Urwaldriesen Südostasiens. Je nach Art liefern sie Rotes oder Weißes Meranti, „Red Balau“ oder eben das robuste Bangkirai („Yellow Balau“).  

Das wertvolle Bangkirai endet meist auf Holzterrassen, aber auch in Brücken, Kaianlagen, Ställen und als Gartenmöbel. Oder als Sitzpodest. In Lingens Burgstraße entstehen gerade drei davon. An ihnen wird seit fast vier Monaten gewerkelt. Ratsgremien wurden nicht beteiligt, und es wird Bangkirai-Tropenholz verbaut.

Das stammt aus den Torfwäldern Malaysia und Indonesien, also  -wie  Greenpeace schon vor mehr als 10 Jahren schieb- den Brennpunkten der Urwaldzerstörung. Die Folgen: Es werden enorme Mengen CO2 frei; beinahe 150 Shorea-Arten stehen heute trotz aller Zertifikate auf der Roten Liste – großenteils in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Die Alternative für die Bangkirai-Verwendung im Außenbereich: heimisches „Thermoholz“ wie Eiche, Kiefer oder Fichte, wobei letztere auch aus Sibirien stammen kann, wo es ebenfalls rücksichtsloses Abholzen gibt. Auf diese heimischen  Alternativen hat die Stadtverwaltung nicht gesetzt. Das zertifiziere ich als gleichermaßen kurzsichtig wie ärgerlich.