Deutsch ist Mangelware an niederländischen Schulen. Die Zahl an Deutschklassen nimmt stetig ab. Durch eine Reform der Lehrpläne in den Niederlanden könnte die Zukunft des Schulfachs Deutsch auf dem Spiel stehen, meldet das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA). Das Amsterdamer Wissenschaftszentrum für deutsche Sprache und Kultur ruft Lehrerinnen, Lehrer und Eltern dazu auf, sich bei der betreffenden Kommission zu beschweren. Sollten weiterführende Schulen nicht mehr dazu verpflichtet sein, neben Englisch eine zweite Fremdsprache verpflichtend anzubieten, könnte Deutsch aus dem Unterricht verschwinden, so die Warnung des DIA.

Sprachkenntnisse sind unerlässlich für internationale Zusammenarbeit. Diese Binse scheint jedoch in den Niederlanden in Vergessenheit zu geraten. Obwohl die deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen europaweit seines Gleichen suchen, nimmt die Anzahl an Schulen, bei denen Deutsch auf dem Stundenplan steht, seit Jahren ab. Initiativen wie das Mach mit-Mobil! des Goethe-Instituts oder Nachbarsprache Buurcultuur der Radboud Univeristät Nimwegen versuchen, den Trend zu stoppen und Schülern wie Studierenden das Deutschlernen schmackhaft zu machen. Doch nun könnte der Deutschunterricht an zahlreichen Schulen vor dem Aus stehen. Davor warnt zumindest das DIA.

Grund zur Sorge ist eine Lehrplanreform in den Niederlanden. Weiterführende Schulen wären dann von der Pflicht entbunden, neben Englisch eine zweite moderne Fremdsprache anzubieten. Wenn diese Reform in Kraft tritt, würde sich der Deutschlehrermangel in den Niederlanden mit voller Wucht bemerkbar machen, fürchtet das DIA. „Die Schulen können dann sagen: Wir finden keine Deutschlehrer, also unterrichten wir Spanisch. Das ist ein Skandal“, meint Synke Hotje, Mitarbeiterin des DIA, im Interview mit dem Algemeen Dagblad. Neben Deutsch sei auch Französisch von der Lehrplanreform betroffen. Beide Sprachen würden aber für den internationalen Arbeitsmarkt und Handel mit den Nachbarländern Belgien und Deutschland gebraucht. Das stärkste Argument des DIA: 2018 spülte der Handel mit der Bundesrepublik 190 Milliarden Euro in die Niederlande. Der Umsatz wäre hinüber, wenn sich Deutsche und Niederländer nicht mehr verständigen könnten.

Schon jetzt machen sich die mangelnden Deutschkenntnisse im Nachbarland bemerkbar. Die deutsch-niederländische Handelskammer schreibt, eine Unternehmerbefragung aus dem Jahr 2018 habe ergeben, dass Firmen nur wenig Personal mit ausreichenden Sprachkenntnissen finden könnten. Dies wirke sich negativ auf den Handel aus und führe zu starken Verlusten in den Unternehmen. Der Grund für die schlechten Deutschkenntnisse: Zwischen 1995 und 2015 ist die Anzahl an Deutschlernen an weiterführenden Schulen in den Niederlanden um etwa ein Drittel eingebrochen. Der statistische Sturzflug wirkt sich letztlich auch an den Universitäten aus, an denen sich immer weniger Studierende im Fach Germanistik einschreiben. 2016 haben gerade einmal 47 Niederländer ihr Germanistikstudium abgeschlossen.

Nach der Lehrplanreform könnten die weiterführenden Schulen in den Niederlanden Deutsch einfach abschaffen. Die Situation würde sich also nur noch verschlimmern. Dieser Gefahr ist sich das DIA voll und ganz bewusst. „Das Problem ist, dass der Deutschunterricht leider oft unattraktiv für die Schüler gestaltet wird“, erklärt Eline Hakvoort, Mitarbeiterin der Bildungsabteilung des DIA, gegenüber NiederlandeNet. Die Schüler müssten vor allem die deutsche Grammatik pauken, wodurch die Landeskunde auf der Strecke bliebe. „Wir stellen deshalb Lehrmaterial bereit, mit dem die Schüler die deutsche Kultur kennenlernen“, hebt Hakvoort hervor. Das Material eigne sich somit nicht nur für den Deutschunterricht, sondern auch für Fächer wie Geschichte und Erdkunde.

Ein Beispiel für das Unterrichtsmaterial des DIA ist das sogenannte Frühstücksei. Auf der Website des DIA können Lehrer ein wöchentlich neu serviertes Frühstücksei downloaden, das mit schülergerechten Informationen über Deutschland gefüllt ist. Ob das Rezo-Video, die Zulassung der E-Roller oder die deutsche Kirmestradition: Die Frühstückseier sollen als Vorspeise den Wissenshunger der Schüler zu Beginn der Deutschstunde anregen. Doch nicht nur das Erstellen von Unterrichtsmaterial gehört zu den Aufgaben des DIA. Daneben ist das Amsterdamer Deutsch-Institut bei grenzüberschreitenden Schulaktivitäten eingespannt und bietet Fortbildungen sowie Studienreisen für niederländische Deutschlehrer an.

Mit den Angeboten will das DIA das Image des Deutschunterrichts in den Niederlanden aufpolieren. Eline Hakvoort kann als gebürtige Niederländerin darüber aus eigener Erfahrung berichten: Sie studierte zunächst Germanistik in Utrecht, später Niederlande-Deutschland-Studien in Nimwegen und Münster. „Ich habe auf einer Party mal jemanden kennengelernt, der mich fragte, was ich studiere“, erzählt Hakvoort. „Als ich meinte, dass ich Germanistik studiere, antwortete er nur: ach du meine Güte!“ Diese Reaktion sei durchaus typisch, denn Deutsch würde von Niederländern häufig unterschätzt, fährt die heutige DIA-Mitarbeiterin fort: „Die meisten Niederländer denken sich: Deutsch, das kann doch jeder. Wozu muss ich die Sprache auch noch in der Schule lernen?“ Dahinter verberge ich aber ein ganz anderes Problem: „Oft sind die Leute falsch informiert. Sie wissen häufig nicht, wie eng die Beziehungen der Niederlande zu Deutschland sind“, erläutert Hakvoort.

Kein Wunder, dass sich das DIA von den Plänen, eine verpflichtende zweite Fremdsprache in den Niederlanden abzuschaffen, wenig begeistert zeigt. Die derzeitige Regelung, dass die Schulen Deutsch und/oder Französisch unterrichten müssen, sollte nach Auffassung des DIA unbedingt beibehalten werden. Neben Englisch sollten alle Schüler in den Niederlanden eine zweite moderne Fremdsprache lernen, ganz gleich welche Schulform sie besuchen, fordert das DIA. Das Institut regt Lehrer und Eltern dazu an, sich über die Lehrplanreform beschweren. Dies können die Betroffenen über das Feedbackformular auf der Website Curriculum.nu.

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Dies ist ein Beitrag auf der Internetseite NiederlandeNet. Mehr zum Thema erfahren Sie im NN-Dossier über Deutsch in den Niederlanden.

Seit dem 1. August gelten für die Berufsausbildungsförderung (BaföG) neue Regeln. Insbesondere sind die Bedarfssätze sowie die Einkommensfreibeträge in drei Stufen angehoben. Neu sind auch die Vermögensfreibeträge für Studierende sowie der Wohnzuschlag, die ebenfalls angehoben wird. Die Rückzahlung soll zudem “sozial gerechter” gestaltet sein. Bedeutsam sind im Rahmen der BAföG-Novelle vor allem die Regeln beim vollständigen Erlass der Darlehensschuld. Hier ein Überblick von gegen-hartz.de:

Erhöhung des Wohnzuschlages

Der Wohnzuschlag für Bafög-Bezieher, die noch bei ihren Eltern leben, wird im ersten Schritt der Novelle 2019 deutlich angehoben. Demnach steigt der Satz von 250 auf 325 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 30 Prozent. Grund hierfür sind die gestiegenen Wohnkosten, die sich vor allem in größeren Städten bemerkbar machen.

Vollständiger Schuldenerlass beim Bafög – auch für Altfälle

Zum ersten Mal wird im Gesetz ein vollständiger Erlass der Darlehensschuld geregelt (§ 18 Abs. 12 n.F. BAföG). Schuldner, die aufgrund ihres geringen Einkommens, die Bafög-Schuldenraten nicht leisten können, werden die Bafög-Schulden nach 20 Jahren von Seiten der Behörde erlassen. Das gilt aber nur, wenn sie in der Zeit davor ihre Zahlungs- und Mitwirkungspflichten erfüllt haben. Der Gesetzgeber will hierdurch verhindern, dass Studenten bei der Entscheidung ein Hochschulstudium sich nicht scheuen, Bafög zu beantragen, weil sie Angst vorm Verschulden haben. Bei leichter Verletzung der Pflichten kann die Darlehensschuld zur Vermeidung einer „unbilligen Härte“ auf Antrag erlassen werden.

Nach 20 Jahren werden die offenen Schulden zukünftig komplett erlassen. Das gilt nur, wenn man zuvor gezahlt hat oder sich korrekt befreien lassen konnte. Von dieser Regelung können aber auch Alt-Schuldner profitieren. Sie müssen jedoch einen Erlass-Antrag bis Ende Februar 2020 stellen! Schuldner und Schuldnerinnen können danach innerhalb einer Frist von 6 Monaten nach dem ersten September 2019 schriftlich gegenüber dem Bundesverwaltungsamt erklären, dass für die Rückzahlung des gesamten Darlehens die Erlassregelung anzuwenden ist. Auch die neuen Freistellungsregelungen (§18a n.F. BAföG) sind auf Altfälle auf diesem Weg übertragbar.

Höherer Bafög-Förderungshöchstsatz

Der Förderungshöchstsatz steigt um mehr als 17 Prozent von derzeit 735 Euro auf künftig insgesamt 861 Euro monatlich im Jahr 2020. Die Bedarfssätze werden insgesamt um 7 Prozent angehoben, nämlich um 5 Prozent im ersten Schritt 2019 und nochmals um 2 Prozent in 2020. Damit steigen die individuellen Förderungsbeträge deutlich.

Höhere Einkommensfreibeträge

Die Einkommensfreibeträge werden ab August um insgesamt über 16 Prozent angehoben: Um 7 Prozent im ersten Schritt 2019, um 3 Prozent in 2020 und nochmals um 6 Prozent in 2021. Durch diesen Schritt werden mehr Schüler und Studenten anspruchsberechtigt.

Höhere Rücklagen möglich

Auch Bafög-Bezieher können Rücklagen bilden, ohne dass diese angerechnet werden. Der Freibetrag für das anzurechnende Vermögen von Auszubildenden wird im Jahr 2020 von derzeit 7.500 Euro auf zukünftig 8.200 Euro angehoben. Die zusätzlichen Vermögensfreibeträge für Auszubildende mit Unterhaltspflichten gegenüber eigenen Ehegatten, Lebenspartnern und Kindern werden zugleich von derzeit jeweils 2.100 Euro auf 2.300 Euro erhöht.

Kinderbetreuungszuschlag für eigene Kinder wird angehoben

Wer eigene Kinder hat, bekommt einen Kinderbetreuungszuschlag. Dieser wird von 130 auf 150 Euro im Monat angehoben.

Zudem wird die Altersgrenze von 10 auf 14 Jahre erhöht. Bis zu diesem Alter werden zugleich künftig auch Verzögerungen in der Ausbildung ihrer Eltern berücksichtigt, die sich aus der Doppelbelastung durch Erziehungs- und Betreuungsverantwortung während der Ausbildung ergeben. Zusätzlich bleiben die Eltern auch dann noch für die eigene Ausbildung förderungsberechtigt, wenn sie wegen der Erziehung ihrer Kinder bis künftig 14 Jahren zunächst solange hinausgeschoben haben, dass sie die für sie selbst geltende Altersgrenze von 30 Jahren (bzw. 35 Jahren bei Aufnahme eines Masterstudiums) bei Beginn dieser Ausbildung bereits überschritten haben.

Pflege von Angehörigen während des Studiums

Müssen Schüler oder Studenten während der Zeit des Studiums Eltern oder nahe Angehörige pflegen (ab Pflegestufe 3) und kommen dadurch in einen Rückstand bei der Ausbildung, bleiben sie nun in einer angemessenen Dauer auch noch über das Ende der Förderungshöchstdauer förderungsberechtigt.

BAföG-Zuschlag zur Krankenversicherung

Wenn Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben, sind auch Studierende davon betroffen. Der Bafög-Zuschlag wird nunmehr von 71 auf 84 Euro angehoben. Der Pflegeversicherungszuschlag von 15 auf 25 Euro. Ab dem 30. Lebensjahr können Studenten nicht mehr den vergünstigten Krankenkassensatz erhalten. Dadurch haben die Betroffenen höhere Krankenversicherungsbeiträge. Auch hier wird es erstmals einen deutlich höehren Zuschlag geben. Dieser berücksichtigt auch den Zusatzbeitrag der Krankenkassen, der allerdings nachgewiesen per Antrag werden muss. Dieser beträgt 155 Euro, der Pflegeversicherungszuschlag 34 Euro.


Bild: dtv-Taschenbuch BAföG (letzte und inzwischen überholte Auflage)