Bellevue-Dialog

31. August 2019

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte gestern rund 4.000 ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger zu Beginn des Bürgerfests im Park von Schloss Bellevue: „Gerade wenn die Fliehkräfte an unserer Gesellschaft zerren, dann müssen wir zusammenkommen aus Ost und West und Nord und Süd. Gerade wenn wir zu verzagen drohen, dann kommt’s auf die Beherzten an. Dafür stehen Sie alle in diesem Park, dafür stehen die Engagierten in diesem Land, dafür steht dieses Bürgerfest.“ [mehr…]

Unter den geladenen Gästen war auch der 78-jährige Vorsitzende des Arbeitskreis Juden-Christen im Altkreis Lingen eV Dr. Heribert Lange mit seiner Frau Dr. Doris Lange. Der Schepsdorfer -seit mehr als einem Jahrzehnt- in Lingen und Umland für die Erinnerungskultur und die Aussöhnung aktiv, sprach während des Festes mit Bundespräsident Steinmeier (Foto). Dabei kam es zu diesem kurzen Dialog:

Dr. Heribert Lange: „Wir wollen Ihnen einfach nur danken! Danken dafür, dass Sie nicht müde werden, auf die Verrohung der Sprache, auf Hass, Fremdenhass und Antisemitismus und die drohende Spaltung der Gesellschaft hinzuweisen und zur Zivilcourage in der Gesellschaftsfebatte aufzufordern. Ohne diesen Ansporn ohne Ihre Unterstützung wären wir ärmer”.

Bundespräsident Steinmeier: “Da bin ich immer weiter bei Ihnen, und zu Ihnen sage ich: Weiter so!”

Dr. Lange überreichte dem Bundespräsidenten bei dem Zusammentreffen das jüngst erschienene Buch von Heinrich Detering „Was heißt hier „wir“?. Der Göttinger Literaturwissenschaftler (Foto rechts unten ) hatte am 23. November 2018 in einer Aufsehen erregenden Rede über die Rhetorik der neuen parlamentarischen Rechten gesprochen. Mit wissenschaftlicher Präzision zeigte er dabei und  in seiner anschließenden Arbeit, wie der Anspruch, im Namen „des Volkes“ zu sprechen, in totalitäre Ermächtigungsvorstellungen führt.

Detering: „Auf meine Rede habe ich Antworten erhalten, die in einer bizarren Weise bestätigen, was ich kritisiert habe. Auf den Vorwurf, sich der Sprache von Gangstern zu bedienen, antworten mir diejenigen, die sich angegriffen fühlen, mit der Androhung von Gewalt; auf den Vorwurf der Vulgarisierung und Verrohung antworten sie roh und vulgär; auf den Vorwurf eines Missbrauchs der deutschen Sprache antworten sie in einem Deutsch, das vom Gebrauch dieser Sprache nichts weiß.“


Foto: Heinrich Detering / wikipedia Foto: Krisztolina CC-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

zu speziell

30. August 2019

Wirklich interessant wurde es in der gestrigen Sitzung des Lingener Stadtrats erst, als die Öffentlichkeit den Ratssaal verlassen und Ratsvorsitzender Werner Hartke die „nicht-öffentliche Sitzung“ eröffnet hatte. Einmal wurde über ein Grundstücksgeschäft entschieden, das zu einem massiven Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet Emstal führen soll. Eine mehrere Hektar große Fläche am Ostufer der Ems soll abgegraben werden, damit weiter flussab ein „neues Baugebiet“ für gut zwei Dutzend Einfamilienhäuser entsteht – mitten im Landschaftsschutzgebiet und im festgesetzten Überschwemmungsgebiet (Kartenausschnitt) der Ems. Neben einer kurzen Debatte über den bevor stehenden umwelt- und klimapolitischen Sündenfall aber kam es dann anschließend zu einer -sagen wir- noch aufschlussreicheren Gegenüberstellung.

Zunächst sprach unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ mein Ratskollege Marc Riße noch einmal den jüngst bekannt gewordenen Plan an, den Rosenmontagsumzug in unserer Stadt um acht Tage vorzuverlegen. Es soll ein Familientag werden, so der Plan.  Riße sprach sich dagegen aus, weil man die Feste feiern solle, wie sie fallen, und Rosenmontag sei eben am Rosenmontag. Es entwickelte sich in der Folge eine muntere Diskussion über mehr als 20 Minuten, die am Ende wohl mehrheitlich für den neuen Umzugstermin ausfiel, im nächsten Jahr also am Sonntag, den 16. Februar. (Sie sollten sich das notieren.)

Anschließend brachten die Grünen-Ratsmitglieder Thomas Kühle und Ibrahim Hassan existentielle Probleme von in unserer Stadt lebenden Flüchtlingen zur Sprache, die sie kannten. Ab September werden Asylbewerber in Deutschland deutlich geringere Sozialleistungen erhalten, sofern sie schon in einem anderen europäischen Staat Asyl beantragt haben. Im Asylbewerberleistungsgesetz werden nämlich die Leistungen ab dem 1. September 2019 neu berechnet, Alleinstehende in Gemeinschaftsunterkünften werden in einer niedrigeren Bedarfsstufe eingruppiert und bekommen deswegen nicht -wie andere- mehr Geld als bisher. Das ist so aufgrund des Zweites Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht, des sog.  Hau-ab-Gesetzes. Ihnen drohen auch andere Nachteile, wenn sie nicht nach den Regeln des umstrittenen Dublin-III-Abkommens in das Land zurückkehren, in dem sie erstmals den Fuß auf europäischen Boden gesetzt und Asyl beantragt haben. Wieviele in Lingen davon betroffen seien und ob sie gar obdachlos würden, fragte Thomas Kühle.

Der zuständige Verwaltungsdezernent zeigte sich bei Kühles Fragen eher wenig informiert, was sich auch nicht änderte, als ihn danach Ibrahim Hassan fragte, weshalb syrische und irakische Flüchtlinge trotz ausreichender anderer Personalurkunden zur Feststellung ihrer „Identität“ in Lingen zusätzlich noch einen Pass ihres Mutterlandes beschaffen müssten. Er nannte ihm bekannte Fälle, wonach Flüchtlinge so gar ihre bestehende Arbeitserlaubnis (und ihren Job!) verloren hätten, weil sie keinen Pass hätten vorlegen können. Die irakische Botschaft habe es sogar abgelehnt, auch nur eine Bescheinigung auszustellen, dass ein geflohener Iraker dort überhaupt wegen eines Passantrags vorgesprochen habe. Syrische Flüchtlingen müssten hohe 1.300 Euro für einen Pass an die Botschaft des diktatorischen Regimes zahlen, vor dem sie geflüchtet seien. Das sei unzumutbar.

Mein Zwischenruf an den, diese Passbeschaffung verteidigenden Ersten Stadtrat: „Sie verteidigen hier reine Bürokratie“ führte erwartungsgemäß zu keinem Innehalten, die anderen Ratskollegen schauten derweil zweifelnd, einige auch betreten, bis dann die große Stunde der Sozialdemokratie kam:

Deren Fraktionsvorsitzende, zuvor munter in der Karneval-Diskussion dabei („Nein, der Karneval muss nicht im Kulturausschuss diskutiert werden!“), meinte, das von Kühle und Hassan angesprochene Thema sei „zu speziell“, damit „können wir uns hier im Rat nicht befassen“; das müsse woanders diskutiert werden, und irgendwie erleichtert wurde daraufhin das Streitgespräch zwischen den Grünen und dem Verwaltungsmann abgebrochen.

Die Debatte über den ganz speziellen Lingener Karnevalstermin war für den Rat offenbar einfacher gewesen…

grad welche—

29. August 2019

Woher?

29. August 2019

Aus dem Archaeologik-Blog :

Die Deutsche Post AG bietet derzeit originale antike Münzen der Griechen, Römer, Karthager, Kelten und von der Seidenstrasse auf ihrer Website zum Kauf an.
Bei jedem Angebot werden ausführliche Informationen zu Motiven, Datierung, Münzart, Material, Gewicht, Größe und Erhaltungszustand gemacht. Hinweise auf die Herkunft der Stücke fehlen jedoch. Am 15.07.2019 hat die Post daher über das Kontaktformular an den Kundendienst (shop(at)deutschepost.de) Post erhalten, mit der Bitte Angaben über die Provenienz der Münzen zu machen:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie bieten auf Ihrer Homepage antike Münzen zum Verkauf an. Ich stellte dabei fest, dass hierbei keinerlei Herkunftsangaben der Stücke gemacht werden. Leider besteht bei Angeboten wie diesen immer die Gefahr, dass die Münzen aus dubiosen Quellen, sprich: aus illegalen Ausgrabungen in den Handel gelangt sind. Sie werden verstehen, dass ich als Archäologin das nicht gut heißen kann.

Wie sieht es also mit den Münzen aus, die Sie hier anbieten?

Mit freundlichen Grüßen,
Jutta Zerres„

Und die Antwort? Nichtssagend:

„Die Münzen, die wir in unseren Prospekten anbieten, stammen aus Ankäufen von namhaften Münzhändlern.“ (E-Mail v. 29.7.2019)

Auch auf nochmaliges Nachhaken („Wie stellen Sie sicher, dass die Münzen, die Ihnen die namhaften Händler verkaufen, nicht aus Raubgrabungen stammen?  Verlangen Sie Herkunftsnachweise von den Händlern, bevor Sie Ankäufe tätigen? Lehnen Sie gegebenenfalls den Ankauf von Stücken ohne „sauberen“ Herkunftsnachweis ab?“) konnte oder wollte die Post keine befriedigende Auskunft geben:

„Wir versichern Ihnen, dass alle Münzen aus absolut vertrauenswürdigen und absolut legalen Quellen stammen. Vertrauen sie auf unseren Namen und unsere Seriosität der Marke Deutsche Post.“ (e-Mail v. 2.8.2019)

Möglicherweise ist das Angebot formal legal, da das deutsche Kulturgüterschutzgesetz und die Ausführungsbestimmungen Münzen nicht mehr als archäologische Funde anerkennen und letztlich zu Raubgrabungen ermutigen. Gerade der Post-Shop macht auf dieses Problem aufmerksam, denn bei einigen Angeboten findet sich die Information:

“Das Produkt ist leider aktuell vergriffen und wird erst ab dem 14.08.2019 wieder lieferbar sein.“ 

Selbst wenn die Post mit einem Fachhändler kooperiert: Wie kann die Lieferbarkeit zum angegebenen Termin sichergestellt werden?  Da es sich bei dem Post-Angebot (die Echtheit der Münzen vorausgesetzt) nicht um „Schrottmünzen“ handelt, die zu Tausenden gefunden werden oder massenhaft auf Dachböden oder in alten Sammlungen liegen, fragt man sich, wie ein legaler Lieferweg auf Bestellung und auf Termin wohl aussieht – zumal ohne Provenienzangabe. Eine unbedenkliche Provenienz zeichnet sich dadurch aus, dass konkrete Angaben gemacht werden können und sie nicht nur auf Vertrauen basiert, das in dieser Branche immer wieder durch nachgewiesene Raubgrabungsfunde in Frage gestellt wird.
Vielleicht ist die Lieferinformation der Post aber auch wie folgt zu ergänzen:

“Der Händler unseres Vertrauens hat die Ware bereits bei den Zwischenhändlern geordert. Leider müssen die Raubgräber für die passenden Münzen noch ein paar archäologiche Fundstellen umgraben und einige Gräber schänden.“

Inzwischen sind die Münzen nämlich erst wieder am 4.9.2019 lieferbar.

Allein auf den guten Namen der Post zu verweisen, reicht nicht aus. Es zeigt einen unverantwortlichen Umgang mit archäologischen Funden und mehr noch: Fundstellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Angebote aus Raubgrabungen und illegalen Exporten stammen, ist sehr, sehr hoch. Das Postangebot ist ein Beitrag zur Kulturgutzerstörung und dazu geeignet, den guten Namen des Unternehmens nachhaltig zu beschädigen.

Archäologische Funde – auch Münzen – ohne ordentliche Provenienznachweise sind, selbst wenn sie ausnahmsweise nicht selbst aus dubiosen Quellen stammen, eine Einladung an Raubgräber und Schatzsucher.

Links:


(Mit Dank an Jutta Zerres / Rainer Schre,  Archaeologik-Blog CC BY NC SA; Foto: Römische Münzen via pixabay)

Moorbrand

28. August 2019

Ein Jahr nach dem Ausbruch des verheerenden Feuers im Naturschutzgebiet Tinner/Staverner Dose hat der NABU Emsland/Grafschaft Bentheim die Bundeswehr gelobt, weil -so der NABU-  „die Aufarbeitung seitens der Bundeswehr konsequent und fachlich fundiert vorgenommen wird“. Der NABU ist in einen Arbeitskreis zur Aufarbeitung des Moorbrandes eingebunden und hatte dort konkrete Vorschläge zur Wiedervernässung unterbreitet. „Wir begrüßen, dass die Bundeswehr inzwischen ein erstes Vernässungsprojekt im Riefmoor, nördlich der Brandfläche, auf den Weg gebracht hat“, sagt NABU-Geschäftsführerin Jutta Over. „Nun hoffen wir, dass auch im Kernbereich schnell Maßnahmen umgesetzt werden, denn angesichts der extremen Trockenheit ist es für das Moor sonst möglicherweise zu spät.“

Vertreter des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr hatten den NABU kürzlich zu einem Fachgespräch und einer Bereisung der Brandflächen eingeladen. Hierbei sei der NABU über die laufende Biotopkartierung und erste Ergebnisse informiert worden.

Entsetzt waren die Naturschützer beim Anblick der Brandflächen am Ostrand des Gebietes. Hier seien „400 ha feuchte Moorheide vom Feuer zerstört“ worden. Der aschebedeckte Boden sei nun übersäht mit Pappel- und Birkenschösslingen. Aufgrund der höheren Lage und der damit verbundenen Trockenheit sowie der Belastung mit Munition im Untergrund erscheine es kaum möglich, die Feuchtheide kurzfristig wieder herzustellen. Die Feuchtheide ist ein europaweit streng geschützter Lebensraumtyp, die Vorkommen in der Tinner/Staverner Dose sind herausragend, was ihre Größe und Pflanzenzusammensetzung betrifft.

Auf den etwas tiefer liegenden Flächen am Westrand des Gebietes dominiert derzeit das Pfeifengras (Molinia caerulea; Foto), das nach dem Feuer sehr schnell wieder ausgetrieben ist. „Das Pfeifengras kommt in degenerierten Hochmooren vor, bei denen der Wasserstand stark schwankt. Wenn es gelingt, die Flächen stärker zu vernässen, kann sich hier durchaus wieder eine vielfältige Moorpflanzengesellschaft ansiedeln. In der Umgebung sind noch einige besser ausgestattete Flächen vorhanden, die als Ausbreitungszentren dienen können“ erläutert Biologin Jutta Over. Allerdings müsse man bedenken, dass das Moor nicht nur dem Moorbrand, sondern auch zwei Dürresommern und einem permanenten Nährstoffeintrag aus der Luft ausgesetzt war. Dadurch könne sich die Pflanzenzusammensetzung durchaus verschieben. Typische Moorpflanzen haben es immer schwerer, unter solchen Bedingungen zu wachsen.

Vor diesem Hintergrund fordert der NABU die Schaffung einer extensiv genutzten Pufferzone und das Heraustauschen oder Herauskaufen von privaten Flächen aus dem Gebiet. Nur dann sei ein Naturschutz- und Wassermanagement in dem Umfang möglich, wie es der Bedeutung des Gebietes entspricht.“


(Quelle: PM NABU; Foto: David J. Stand Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

spotify

28. August 2019

Spotify – ‚Let the Song Play‘ (Extended Version). The best thing to happen in cars since the stereo. More at http://spotify.com/drive

nebenan obdachlos

27. August 2019

Neueste Zahlen des Centraalbureau voor de Statistiek (CBS) zeigen, dass sich die Anzahl der Obdachlosen in den Niederlanden seit 2009 – also in rund zehn Jahren – mehr als verdoppelt hat. Das Kabinett, darunter Staatssekretär Paul Blokhuis (ChristenUnie), zeigten sich erschrocken von dieser Entwicklung. Die genauen Ursachen hierfür seien nur schwierig auszumachen.

Rund 18.000 Menschen waren im Jahr 2009 offiziell obdachlos. 2018, also rund zehn Jahre später, ist diese Zahl auf 39.000 Menschen gestiegen. Allerdings dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher ausfallen, da beispielsweise Personen, die sich ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den Niederlanden befinden, in der Statistik des CBS nicht aufgenommen worden sind. Dabei ist vor allem auffallend, dass besonders die Anzahl an Obdachlosen mit einem „nicht-westlichen Hintergrund“ überproportional anwuchs. Seit 2009 hat sich die Zahl dieser Personengruppe auf 18.000 verdreifacht. Die meisten dieser Personen in dieser Gruppe sind darüber hinaus jünger als dreißig Jahre alt.

Staatssekretär Blokhuis (ChristenUnie) habe sich laut eigenen Angaben bei den Zahlen des CBS sehr erschrocken. „Wir wussten, dass die Anzahl Obdachloser eher zu als abnahm, aber dass sie Zunahme so stark ist, das ist ein Rückschlag“.

Warum die Anzahl der Obdachlosen in den Niederlanden so stark anstieg, ist laut eines Sprechers des CBS schwierig zu bestimmen. Viele Obdachlose sind nicht offiziell registriert, weshalb es nur wenig Informationen über die entsprechenden Personen und ihren Hintergrund gibt. Ein möglicher Faktor, der als Grund diskutiert wird, sind die steigenden Preise auf dem Wohnungsmarkt, durch die die Mieten in den großen Städten immer unbezahlbarer werden. Die meisten Obdachlosen halten sich in den Niederlanden tatsächlich in den großen Städten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht auf. Obdachlose sind häufig gezwungen, unter freien Himmel oder in Zelten zu schlafen, da die zuständigen Auffangeinrichtungen überfüllt sind. Dort müssen jeden Abend Personen abgewiesen werden, die einen Schlafplatz suchen.

 


Quelle: Niederlande.net

auch ganz gut

27. August 2019

Ich kann das, glaube ich, eigentlich ganz ordentlich erklären, warum es in Sachsen so ist, wie es ist. Aber manchmal, leider nur manchmal kann es die Polizei Sachsen auch ganz gut:

lokales Aussterben

26. August 2019

Der NABU hat für das EU-Vogelschutzgebiet „Niederungen der Süd- und Mittelradde“, ein Gebiet von ca. 4.400 ha in den Landkreisen Cloppenburg und Emsland, alle zur Verfügung stehenden Gutachten und Dokumente ausgewertet – beispielhaft für viele Gebiete in Niedersachsen.

Das Ergebnis ist verheerend: Seit Meldung des Gebietes an die EU-Kommission im Jahr 2007 hat sich der Kiebitz-Bestand nahezu halbiert. Die Uferschnepfe steht nach Bestandsabnahmen von über 80 Prozent vor dem lokalen Aussterben. Daher hatte der NABU Niedersachsen Ende 2018 Beschwerde bei der EU eingereicht.

Umwelt- und Landwirtschaftsministerium planen jetzt einen Flächentausch von (bescheidenen) 106 Hektar, um den Wiesenvogelschutz in den Raddetälern der beiden Landkreisen zu stärken.

NABU-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann begrüßt den Schritt: „Für den Schutz der Wiesenvögel in den Raddetälern ist der Flächentausch ein erster wichtiger Schritt, damit endlich eine wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung dieser Flächen möglich wird.“ Auch der geplante Kauf weiterer Flächen kann die Niederungen der Süd- und Mittelradde ökologisch stärken.

Doch dabei kann es nicht bleiben. Weitere Anstrengungen sind notwendig. Buschmann dazu: „Die bisher durchgeführten Maßnahmen zum Erhalt der Wiesenvogelbestände an Süd- und Mittelradde waren nachweislich unzureichend. Ein Flächentausch allein wird nicht ausreichen, da dringend auch eine fachliche Begleitung der Landwirte vor Ort für eine wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung benötigt wird.“

Die Pressemitteilung der Landesregierung  zum Flächentausch findet sich hier. Zur weiteren Politik der GroKo in Hannover fiel mir dieser gestrige Tweet von Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer in die digitalen Finger:


(Foto: Kiebitz, Andreas Trepte, derivative work Lämpel, CC  2.5 generisch“)

Torsten Grabow hat heute früh via twitter auf einen Film des Y-Kollektivs über die „Kinder des Bosnienkriegs“ hingewiesen, der mich gleichermaßen  beeindruckt wie ratlos macht. Ich erinnerte mich an einen Kopfschüttel-Beitrag in der New York Times vor einigen Tagen und meine Frage, warum unser Land so sinnfrei, dumm und kurzsichtig mit Flüchtlingen und Migranten umgegangen ist und weiter umgeht:

Dass hunderttausende bosnische Flüchtlinge einst Teil der deutschen Gesellschaft waren scheint oft fast vergessen. In den Neunziger Jahren waren Bosnier die größte Flüchtlingsgruppe in Deutschland. Fast 400.000 Menschen lebten als Kriegsflüchtlinge in Deutschland. Ende der Neunziger, nach dem Bosnienkrieg, mussten Zehntausende der in Deutschland aufgewachsenen bosnischen Kinder mit ihren Familien zurück in das ihr unbekannte, vom Krieg zerstörte Bosnien. Manche von ihnen wurden abgeschoben, andere verließen Deutschland freiwillig und wieder andere verließen Deutschland, weil sie durch immer kürzer werdende Duldungen und Druck von der Ausländerbehörde wussten, sie können sowieso nicht bleiben.

In Bosnien haben die Zurückgekehrten ihr „Deutschsein“, die deutsche Sprache und Kultur über Jahrzehnte bewahrt, schauen noch immer deutsches Fernsehen, hören deutsche Musik und sprechen auf Deutsch – mit Freunden, die das gleiche erlebten. Unsere Reporterin Melina Borčak ist auch eins der Flüchtlingskinder von damals. Sie erzählt euch ihre Geschichte, die vergessene Geschichte der abgeschobenen Kinder.

20 Jahre nach der großen Abschiebewelle fragt sie: Was passierte mit den Kindern, die sich damals als Deutsche fühlten und zurück nach Bosnien mussten? Haben sie sich mit der Trennung von ihrer deutschen Heimat abgefunden? Wie konnten sie ihre Traumata verarbeiten?

 

Mehr zu dem Thema:

ZEIT Online: Bosnien. Der Kriegt, der nicht vergeht.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2…
Süddeutsche Zeitung: 20 Jahre nach dem Bosnienkrieg. Wir Kinder des Krieges. https://www.sueddeutsche.de/politik/j…
Spiegel Online: Urteil gegen Ratko Mladic. Keine Strafe hoch genug: https://www.spiegel.de/politik/auslan…
SPIEGEL Online: Bosnien: Der Tag der weißen Bänder: https://www.spiegel.de/einestages/bos…


Reporter: Melina Borčak; Twitter: @melinaborcak
Schnitt: Eike Bartsch
Kamera: Ilhan Coskun


Das Y-Kollektiv! ist ein Netzwerk von jungen JournalistInnen: „In unseren Web-Reportagen zeigen wir die Welt, wie wir sie erleben. Recherche machen wir transparent.“

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