Lohne

10. Juli 2019

In (Wietmarschen-)Lohne, wo er ein Jahr unterrichtete, ist Erich Maria Remarque offenbar nie mehr gewesen…

Egotronic

10. Juli 2019

Fragen, die heute halt aufkommen, wenn wir uns die Nachrichten des letzten halben Jahres so ansehen. Und Antworten, die fehlen. Ich bin zu wenig Optimist, um zu glauben, dass sich daran perspektivisch sonderlich was ändern wird.

Nazis ziehen über Jahre mordend durchs Land. Die sogenannte gesellschaftliche Mitte warnt vor Extremismus von links und rechts. Eine Gruppe faschistoider Prepper bestehend aus Cops und Militärs legt Feindlisten an, sammelt Waffen und Munition und ordert Leichensäcke samt Ätzkalk, um sich auf einen sogenannten Tag X vorzubereiten, an dem politische Gegner, heißt, Linke getötet werden sollen. Die sogenannte gesellschaftliche Mitte warnt vor Extremisten von links und rechts.

Faschisten machen sich im Bundestag breit und ihr militanter Arm schickt sich an, Repräsentanten der sogenannten gesellschaftlichen Mitte zu exekutieren. Die sogenannte gesellschaftliche Mitte warnt…

Meanwhile:
„Es steht ständig in der Zeitung, die Nazis horten Waffen. – Umso wichtiger ist, im Blick zu behalten, was die Linken machen“.

So beginnt die erste Strophe von „Linksradikale“, der ersten Single-Auskopplung des kommenden Egotronic-Albums „Ihr seid doch auch nicht besser“ und man könnte, der Hellsichtigkeit des Textes wegen, fast meinen, die Stimmung im Land sei einer groß angelegten Promotion-Aktion für den Vorboten des mittlerweile neunten Longplayers der Band geschuldet. Dem ist leider nicht so.

Die Stimmung im Land ist schlicht wirklich so beschissen und Egotronic tun, was sie seit Jahren tun: Sie liefern eine musikalische Bestandsaufnahme dessen, was allen aktiven Antifaschist*innen lange schon bewusst sein dürfte. Dass das musikalische Gewand dieser Message, im Gegensatz zum Rest der weit punkiger als das Vorgängerwerk gemischten Platte, für Egotronic-Verhältnisse relativ wavig/poppig daherkommt, dürfte in diesem Fall der Hoffnung geschuldet sein, dass die simple Einsicht eine breite Hörer*innenschaft findet: Der Feind der Menschen steht nach wie vor rechts! Das neue Egotronic Album „Ihr seid doch auch nicht besser“ erscheint am 13.09.19.

 

(Quelle: Das Kraftfuttermischwerk, egotronic via Youtube)

Fach Deutsch.

10. Juli 2019

Auch nebenan, in den Niederlanden, fehlen Lehrer – und nicht nur die.

Die Sommerferien fallen in den Niederlanden aus – zumindest für die vielen Schulen, die händeringend nach Personal suchen. So überschreibt der PO-Raad, die Berufsvereinigung der Grundschullehrer, die Pressemitteilung über Lehrermangel. Ungefähr 4.200 Stellen seien unbesetzt, heißt es darin. Nicht nur Lehrkräfte, sondern auch unterstützendes Personal und Schulleiter werden gesucht. Wer vor allem unter dem Lehrermangel leide, seien die Schülerinnen und Schüler, meint Rinda den Besten, Vorsitzende des PO-Raad.

Eine Personallücke gewaltigen Ausmaßes klafft im niederländischen Schulsystem. 3.500 Lehrkräfte fehlen. Das ergab eine Studie, die der PO-Raad in Auftrag gegeben hatte. In die 3.500 offene Stellen werden alle Lehrkräfte eingerechnet, also sowohl Vollzeit als auch Teilzeit arbeitende Lehrer sowie fehlendes Ersatzpersonal für Lehrer in Elternzeit. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Personallücke um 5 Prozent angestiegen. Hinzu kommt, dass rund 320 Rektoren und 400 Unterrichtsassistenten fehlen. Die Folgen des Lehrermangels sind jetzt schon abzusehen: Schulverwaltungen müssen Klassen ab und an nach Hause schicken oder eigentlich unbefugte Lehrkräfte unterrichten lassen. Schon jetzt stehen unter anderen Praktikanten vor den Klassen oder Lehrkräfte in Teilzeit müssen etliche Überstunden ableisten.

„Es ist fatal, die Zukunft der Schüler steht auf dem Spiel“, gibt Rinda den Besten zu bedenken. Die Vorsitzende des PO-Raad greift zu drastischen Worten; sie dramatisiert die Lage aber nicht. Die Schulleistungen selbst rechnen damit, dass die Qualität des Unterrichts unter dem Lehrermangel leiden wird. Wenn Personal fehlt, erhöht sich der Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte. Das bedeutet gleichzeitig, dass nicht genügend Kapazitäten übrig sind, um zum Beispiel Quereinsteiger einzuarbeiten. Die Maßnahmen, die die Schulen ergreifen, um die Personallücke zu stopfen, erscheinen verzweifelt: 55 Prozent lassen Praktikanten unterrichten, ein gutes Viertel sieht sich gezwungen, Unbefugte vor die Klassen zu stellen. 14 Prozent bitten zudem Lehrer im Rentenalter, erst später in den Ruhestand zu gehen.

Besonders auffallend ist zudem, dass der Lehrermangel an den Schulen durchaus unterschiedlich ausfällt. Dabei kommt es nicht nur auf die regionale Lage der Schulen an, sondern auch auf das Schulniveau. Der PO-Raad kritisiert etwa, dass der Lehrermangel vor allem Kinder trifft, die Unterstützung brauchen. Denn Lehrer auf Förderschulen wanderten in reguläre Schulen ab, weil sie dort besser bezahlt würden. Das verschärfe die Chancenungleichheit im niederländischen Bildungswesen. Schon jetzt geben 60 Prozent der Schulen an, keine Zeit für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf zu haben. Für Den Besten steht daher fest: „Der Lehrberuf muss attraktiver werden.“ Ein gerechter Lohn gehöre genauso dazu wie flexible Ausbildungswege und lukrative Karrieremöglichkeiten.

Der PO-Raad, die Berufsvereinigung der Lehrer auf weiterführenden Schulen sowie die Gewerkschaften fordern ein sofortiges Notmaßnahmenpaket. 423,5 Millionen Euro müsse die Regierung in Den Haag in den Bildungssektor investieren. Das Geld sei nötig, um die Arbeitsbedingungen an den Schulen deutlich zu verbessern. Ein höheres Gehalt für Lehrer auf allen Schulformen sei nötig, um eine ausreichende Versorgung zu garantieren. Wer sich beispielsweise keine Wohnung in Amsterdam leisten könne, werde dort auch nicht unterrichten, so die Argumentation der Lehrerverbände und Gewerkschaften.

Bereits im letzten Jahr berichtete NiederlandeNet über den Lehrermangel im Nachbarland Niederlande. 2018 wurde nämlich eine Rekordanzahl an Lehrkräften aus dem Ausland in die Niederlande angeworben. Personalknappheit herrscht vor allem in den MINT-Fächern und im Fach Deutsch.

 


via Niederlande.net