Gärten des Grauens

8. April 2019

Niedersachsens Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte vor ein paar Tagen Selbstverständliches: „Insekten und andere kleine Tiere brauchen Nahrung. Zubetonierte und zugeschotterte Gärten des Grauens lassen unsere Natur jedoch verarmen. Dies ist nach der Bauordnung nicht zulässig. Freiflächen müssen begrünt sein. “ Meyer informierte konkret: „Nach § 9 Abs. 2 der Niedersächsischen Bauordnung  ‚müssen nicht überbaute Flächen der Baugrundstücke Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind.“ Von Schotteraufschüttungen, die nach unten mit Folie abgesperrt sind, lese ich im Landesbaugesetz nichts.

Diese, meist nur vor den Häusern entstandene Gestaltungsform heißt euphemistisch „Steingarten„, und wird in ganz Deutschland immer zahlreicher. Tatsächlich sind sie bloß „Gärten des Grauens. Gärten des Grauens enthalten wenig oder gar keine Pflanzen. Häufig werden zudem Neophyten -also importierte Pflanzen, die hier zuvor nicht heimisch waren, gepflanzt, die sich dann außerhalb ausbreiten und die heimischen Pflanzen verdrängen.

Die modischen Kiesschüttungen sind folglich schädlich, weil gerade Vorgärten und kleine Grünflächen besondere Bedeutung für die Artenvielfalt haben, und sie beeinflussen negativ das Klima in der Stadt. „Sie bilden“, informiert der NABU, „ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern. Grünflächen liefern saubere, frische Luft. Kies- und Steinflächen heizen sich dagegen stärker auf, speichern Wärme und strahlen sie wieder ab. Für das Stadtklima wird die Zunahme an Kies- und Steingärten zum Problem, vor allem, wenn zusätzlich notwendige Kaltluftschneisen durch neue Bebauungen wegfallen. Zudem stammen die Steine meist nicht aus dem heimischen Steinbruch, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit aus China oder Indien.“ Die Arbeitsbedingungen dort sind bekanntlich katastrophal.

Bauherren müssen aber nicht nur die Vorschriften der Bauordnung beachten. Sie müssen sich außerdem auch an das örtliche Baurecht halten, das in den Bebauungsplänen steht. Hier können, sagt der NABU,  auch Städte und Gemeinde die Gestaltung von Freiflächen festlegen, beispielsweise die Menge an Laubbäumen. Da ist in unserer Stadt noch nichts geschehen, auch wenn das Thema vor sechs Wochen selbst die „Ortsbürgermeisterdienstversammlung“ erreichte.

Es wird Zeit, dass sich das ändert. Warum, zeigt eindrucksvoll dieser SWR-Beitrag aus dem vergangenen Sommer:

Die Gärten des Grauens sind übrigens nicht einmal sonderlich pflegeleicht, wie ihre Eigentümer meinen, weiß der NABU: „Wer seinen Garten mit Steinen abdeckt und ein Vlies unter die Steinschicht legt, erwartet wenig Arbeit, da Rasenmähen, Gießen und Unkraut jäten wegfallen sollen. Doch auch im Steingarten gibt es immer etwas zu tun. Blätter fallen auf die steinernen Flächen und müssen abgesammelt werden, denn sonst siedeln sich in den Steinfugen Gräser und Pflanzen an. Ebenso bildet sich Moos auf den Steinen, wenn diese nicht regelmäßig gereinigt werden. Ein naturnaher Garten würde genauso viel oder wenig Arbeit machen „Heimische Pflanzen brauchen, im Gegensatz zu standortfremden Pflanzen, weniger Pflege. Außerdem locken sie Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten. Wer seinen Garten standortgerecht plant, schafft ein Stück Natur und trägt zur Artenvielfalt bei“, sagt NABU-Gartenexpertin Marja Rottleb.“

(Quelle: SWR, NABU, PM Meyer, Foto: NABU)

Bürgerreise

8. April 2019

Lingens britische Partnerstadt Burton-upon-Trent und damit ein Stück Großbritannien können die Lingenerinnen und Lingener bei einer Bürgerreise vom 4. bis zum 9. August kennenlernen. Während der sechstägigen Fahrt (in den niedersächsischen Sommerferien) finden Ausflüge nach London, Birmingham und in den Peak-District-Nationalpark statt.

Burton-upon-Trent – Remembrance Sunday 2007

Die Reise startet in Lingen und führt über die Niederlande nach England. Einen Zwischenstopp legt die Reisegruppe im niederländischen Den Haag ein. Neben Stadtrundfahrten und Sightseeing ist auch immer Zeit zur freien Verfügung eingeplant.

Die Überfahrt nach England und zurück erfolgt mit Nachtfähren in innenliegenden Doppelkabinen. Alle anderen Wege werden mit dem Bus zurückgelegt. In East Staffordshire  erfolgt der Aufenthalt ebenfalls in Doppelzimmern in einem Hotel in der Gemeinde Burton-upon-Trent inklusive Halbpension.  Die Kosten für die Reise belaufen sich auf nicht ganz preiswerte 625 Euro pro Person. Wer lieber in einer Einzelkabine und in einem Einzelzimmer übernachten möchte, zahlt dafür einen Zuschlag von 190 Euro. Für eine Außenkabine werden zusätzlich 25 Euro erhoben.

Interessierte melden sich bitte bei Petra Bayer, Stadt Lingen (Ems), p.bayer(at)lingen.de oder Tel. 0591 9144 116.

Lingens Partnerstadt liegt etwa 780 Kilometer entfernt in der englischen Grafschaft East Staffordshire. Die Stadt an dem Fluss Trent ist für ihre zahlreichen Brauereien bekannt, die sich einst aufgrund der guten Wasserqualität in der Stadt ansiedelten. Die Burton Albions spielen in der drittklassigen englischen Football League One (Video). Burton selbst hat heute etwa 72.000 Einwohner und ist der Verwaltungssitz des East Staffordshire Distrikts. Die Partnerschaft zwischen Lingen und Burton besteht seit 37 Jahren und ist somit die älteste europäische Städtepartnerschaft, die Lingen pflegt.
Das hat aber nichts daran zu ändern vermocht, dass bei der Brexit-Absimmung vor drei Jahren auch fast zwei Drittel der Abstimmenden in East Staffordshire für den Austritt Großbritanniens stimmten. Die Idee unserer BürgerNahen, sich auf diesem Hintergrund Gedanken über eine völlig andere Städtepartnerschaft zu machen und diese neu zu konzipieren, fand im zuständigen Ausschuss unserer Stadt noch keine Mehrheit.