„…besonders unser Oberbürgermeister…“

25. Februar 2019

Bettina und Michael Schaper hatten im vergangenen Sommer die zündende Idee, am Neuen Hafen in Lingen (Ems) eine „Hafenbar“ einzurichten. Sie sollte auf einer Grünfläche entstehen, die zwischen Dortmund-Ems-Kanal und  Pestalozzistraße liegt und in den letzten Jahren einen Spielplatz aufweist. In den sozialen Medien wurde kräftig diskutiert. Die üblichen Verdächtigen lobte das Projekt und freuten sich

Dem Vorhaben mag man manches abgewinnen in einer Zeit, in der die lokale Gastroszene eher schwächelt und ein amtierender OB unerreichbaren, ihm als Prestigeprojekte erscheinende Ketten wie Vapiano oder Hans-im-Glück hinterherläuft. Ich war vor einem Jahr eher skeptisch, weil schon sechsstellige Beträge in eine „Hafenbar“ investiert werden müssten und sier dann vom Wetter abhängt. Aber vor allem war ich nicht nicht Feuer und Flamme, was den Standort betrifft. Der, war nicht nur meine Meinung, sollte besser Spielplatz bleiben und mehr als Kneipe vor dem Fenster hätten auch die alten Leute verdient, die nur in paar Schritte entfernt in rund zwei Dutzend  Altenwohnungen leben. Außerdem gibt es seit dem vergangenen Frühjahr das Kunst-Projekt „Pfad der Tugenden“ in Lingen, das ausgerechnet auf derselben Fläche eine anspruchsvolle Skulptur verwirklichen will.

Doch sicherlich gab und gibt es Alternativen: Beispielsweise auf der Reuschberger Seite des Kanals unterhalb der „Meckerbrücke“ oder am ESV-Bootshaus an der Jahnstraße, wo allerdings auch Ruhe suchende Anlieger wohnen. Kurzum: Es gab genügend Gesprächsbedarf, um das Hafenbar-Lingen-Vorhaben zu diskutieren und zu verwirklichen.

Jetzt aber scheint das Projekt gestorben. Die Projektentwickler  haben resigniert. Auf der im vergangenen Jahr eigenes eingerichteten Internetseite Hafenbar-Lingen.de hieß es an diesem Wochenende: „Es hätte so schön werden können…“ und in einem umfangreichen Beitrag wird „Das Ende“ des Vorhabens beschrieben. „Nicht gut dabei weg“ (emsländisch) kommen die CDU mit ihrem, sich wohl nur aufgeschlossen gebenden  Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Lingen-Mitte vTobias Dankert und ihren, das Projekt blockierenden Granden (Schaper: „entscheidende Personen aus Politik“)  in den städtischen Gremien. Die CDU-Leute, so der heutige eindruck, haben sich wohl eher um des öffentlichen Effekts willen geäußert, doch in der Sache nur halbherzig. Diesen eindruck bekommt man bei der Lektüre des wütend-resignierenden „Ende der Hafenbar“ .

Gar nicht positiv äußern sich die beiden Schapers außerdem über Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. Aber auch diese Kritik scheint mir nicht alles wiederzugeben , was zu sagen ist, streiten die Initiatoren doch gerade mit Schreinemacher über ein sehr (und nach einhelliger Ansicht der Ratsgremien auch zu)  groß dimensioniertes Bauvorhaben (ich bin mir nicht sicher, aber glaube, dieses) an der Meppener Straße.

Dann lese ich das Resümee:

„Es macht uns nachdenklich, wenn es in Lingen als „Kampagne gegen den Rat“ gewertet wird, wenn Bürger mit Ideen zur möglichen Verbesserung unserer Stadt an die Öffentlichkeit treten und die Meinung und Beteiligung der Mitbürger suchen, anstatt sich erst in Sitzungen, Gremien und Ausschüssen zu rechtfertigen. Wir hoffen, dass sich in Zukunft auch die Verantwortlichen der Stadt und des Rates und besonders unser Oberbürgermeister den neuen Medien öffnen und neue Wege der Bürgerbeteiligung in Lingen unterstützen.“

es stimmt! Eigentlich müsste jetzt ein starker Oberbürgermeister die Situation aufgreifen und lösen – auch wenn es nicht sofort ein strahlendes Foto in dem einzigen täglichen Printmedium der Stadt gibt und auch trotz des Risikos zu scheitern.

Hätten wir übrigens in unserer Stadt eine gewachsene Diskussionskultur oder auch nur eine „Kultur der Kritik“ müsste man Schaper, Schreinemacher & Co. jetzt und sofort an einen Tisch holen und öffentlich diskutieren lassen. So etwas haben wir aber nicht. Leider. Also wird es wohl keine solche Hafenbar-Diskussion geben – es sei denn unsere BürgerNahen entschließen sich morgen dazu. Was bleibt? Allenfalls am Dienstag, nachdem dieser Blogbeitrag und anderes in den sozialen Medien zum Thema gelesen wurde, erschnt ein kleiner Beitrag in der Lokalzeitung, und dann folgt unter Verschiedenes eine Anfrage in einem Ratsausschuss, wo dann aber wieder nicht Halbes und nichts Ganzes geantwortet wird.

Sehr schade eigentlich, dass das Projekt Hafenbar Lingen so zu Ende geht.

 


Korrektur:
In einer früheren Version dieses Beitrags habe ich Tobias Dankert als CDU-Stadtverbandsvorsitzenden bezeichnet. Das ist er aber nicht,; Tobias Dankert ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Lingen-Mitte.

 

3 Antworten to “„…besonders unser Oberbürgermeister…“”

  1. Mathis said

    Naja, ich würd mich auch nicht erpressen lassen. Welchen relevanten Nutzen hat eine Feierabend Cocktail Bar für die Lingener Bürger und was spricht gegen eine alternative Platzierung des Konzepts?
    Mag sein,dass der Stadt nicht immer alles perfekt gelingt…..der Idee eines runden Tisches als Diskussionsforum für zukünftige Projekte ist dagegen ein konstruktiveres Mittel (im Gegensatz zu Facebook). Der direkte Kontakt sollte das prägende Element sein, was unsere Stadt ausmacht. Egal wer grad Vorsteher der städtischen Verwaltung ist.

    • Erpressung:
      (1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, […]

      Das Internet ist für viele Neuland. Andere betrachten es als legitime, zukunftsfähige Debattier-Plattform, die für die meisten Bürgen leichter erreichbar ist, als runde Tische oder Ratssitzungen. Auch wir betrachten das Internet und die sozialen Medien als gute Basis für eine bürgernähere Demokratie.

  2. Ein paar inhaltliche Korrekturen zum Beitrag:

    Es hätte ein niedriger fünfstelliger Betrag investiert werden müssen, kein sechsstelliger. Die Bar wäre im April aufgebaut und im Oktober abgebaut worden.

    Der Spielplatz wäre unangetastet geblieben. Im Gegenteil, Spielplatz und Café hätten sich hervorragend ergänzt.

    Wir glauben nicht, dass ältere Menschen am Lebensabend grundsätzlich bereits Grabesruhe suchen. Allerdings wäre die Hafenbar tagsüber geöffnet gewesen, da sie eine reine Freiluft-Gastronomie gewesen wäre.

    Das Vorhaben an der Meppener Straße ist kein Projekt der Hafenbar-Initiatoren. Richtig ist aber, dass wir mit dem Bauamt lange und teuer über unsere Vorhaben „streiten“ müssen. An der Stelle des Studihauses z.B. wollte man uns zunächst kaum mehr als ein Einfamilienhaus genehmigen. Erst ein teurer Anwalt und über ein Jahr Verfahrenszeit haben uns zu unserem Recht verholfen. Auch aktuell liegt wieder ein Bauvorhaben beim Bauamt, das zu großen Problemen und Anwaltskosten führt.
    In diesem Zusammenhang kritisieren wir die ungleiche Behandlung von verschiedenen Investoren und Projektentwicklern in unserer Stadt und die Entscheidungsfindung beim Stadtbaurat nach „Gefühl“ (Zitat Stadtbaurat: „Das ist mir gefühlt 20% zu groß.).

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