Entwicklung

31. Januar 2019

Dass das Internet immer kommerzieller wird, ist eine Binsenweisheit. Das heißt aber auch, dass es nicht durchgetaktete Angebote, die in den ersten Jahrzehnten das Netz prägten, immer schwerer haben. Wir sehen dies gerade auch in unserer Region. Es gibt da diese drei Beispiele:

Im vergangenen Sommer machte bspw. KEIFußball Schluss. Die Plattform war ganz nah dran an Spielern, Trainern und Vereinen im Fußball-Emsland und in der Grafschaft. Deutlich besser als Konkurrent fupa. Aber sie war betriebswirtschaftlich nicht so  aufgestellt wie der bisweilen aufgesetzt wirkende Konkurrent fupa, den NOZ-Medien in unserer Region trägt.

Dann hörte vor einigen Wochen lingen-ems.de auf. Die Seite brachte Gründer Jens Guschmann nämlich trotz aller Programmierkenntnisse viel Arbeit, aber dafür zu wenig Ertrag. Jetzt landet man auf einer Kommerzplattform, die mit Lingen so viel zu tun hat wie Lingens OB mit planvoller Stadtentwicklung. Also nichts.

Und heute nun ist nach knapp acht Jahren der letzte Tag für stadtblatt-lingen.de. Die Webseite (Logo links) hatte zwar mit dem historischen Stadtblatt nichts zu tun, das vor 40 Jahren zum ersten Mal eine, wenn auch nur monatlich erscheinende Gegenöffentlichkeit zur Lokalzeitung bot. Doch die stadtblatt-lingen.de-Internetseite kann den Verdienst in Anspruch nehmen, alle Presseerklärungen im Originaltext veröffentlicht zu haben. „Bei uns wird nicht gekürzt, gestrichen und verändert“, hieß es bislang auf der Stadtblatt-Webseite über das eigene Selbstverständnis. Daher lohnte sich mancher Vergleich mit dem, was dann zB die bereits erwähnte Lokalpresse daraus machte. Und jetzt liest man, dass die Energie der Macher erschöpft ist: „Noch eintreffende Meldungen werden wir bis zum 31.01.2019 einstellen. Am 31.03.2019 geht das Stadtblatt Lingen endgültig vom Netz.“

„Wir bedanken uns besonders bei allen Werbepartnern, Medienpartnern, Absendern von Nachrichten und Berichten für ihre Unterstützung. Unser Dank geht auch an die Leserschaft, die uns so lange die Treue gehalten hat. Ohne sie alle wäre das Stadtblatt nicht so lange lebensfähig gewesen.“

Wir alle nähern uns also nach Jahren der Alternative wieder dem Meinungsmonopol der Lingener Tagespost und ihrer Schwesterblätter. Das, so finde ich, ist keine gute Entwicklung…

7 Antworten to “Entwicklung”

  1. Hans Schmidt said

    Der Analyse stimme ich zu. Ich kann sie noch ergänzen, um das Kabelfernsehen ev1.tv, das mich mit Betulichem immer wieder enttäuscht, und den Radiosender Ems-Vechte-Welle, in dessen Nachrichten man sich ohne jeden Mehrwert täglich völlig bescheuerte Polizeimeldungen über Unfälle mit Blechschäden und Kleinkriminellew anhören kann. Wie ändert man das denn am Besten?

  2. Kib said

    Herr Schmidt, ich befürchte daran lässt sich nicht viel ändern. Der Trend geht leider gen “ nicht viel lesen wollen und möglichst ohne nachzudenken“. Facebook & Co bedienen das- leider.

  3. Matthis said

    Den „Wert“ der NOZ Einheitsmedienkultur hat man gestern erleben dürfen…….Liveticker zur Sprengung nur für Abokunden.

  4. Kib said

    Matthis, genau richtig: der Liveticker der LT war wirklich sehr gut. Daran haben sechs seriöse Redakteure bis in die späte Nacht gearbeitet- nicht ehrenamtlich so wie viele selbsternannte „Facebook- Journalisten“. Davon unberührt hat die Stadt Lingen regelmäßig informiert.

    • Matthis said

      Na das wird man von bezahlten Redakteuren ja erwarten dürfen. Ehrenamtlich waren neben „FB Journalisten“ auch THW Helfer, Johanniter u.v.a. im Einsatz.
      Aber vielleicht braucht man daher ja kostenpflichtige Abos, um soviel “ journalistische Manpower“ zu bezahlen. Und in Zukunft kann die LT noch unbeschwerter den Fokus auf Themen setzen, die der ein oder andere Redakteur für wichtig hält.

      Positiv überrascht war ich von der medialen Präsenz der Polizei. Das war klasse.

  5. MK said

    Einfach traurig!

    Und wieder ist die Medienvielfalt in Gefahr. Den „Großen“ geht es um Gewinnmaximierung/Rentabilität. Die „Kleinen“ stehen da nur im Weg. Irgendwann sollte man zufrieden sein, oder!?

    Mario Korte

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