je weiter

27. Januar 2019

Heute „ist Holocaust-Gedenktag; er erinnert an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Wer meint, das sei lange her, wer meint, es gebe doch schon genügend Gedenktage, wer meint, so ein ausdrücklicher „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ sei nicht oder nicht mehr notwendig, der lese die Rede, die Anita Lasker-Wallfisch im vergangenen Jahr zu diesem Tag im Deutschen Bundestag gehalten hat.

Anita Lasker-Wallfisch ist eine Überlebende. Sie hat Auschwitz überlebt, als Cellistin im Mädchenorchester des Lagers. Sie hat Bergen-Belsen überlebt. Sie war damals 19 Jahre alt.

In diesem Jahr wird der Historiker Saul Friedländer am 31. Januar die Hauptrede zur Gedenkstunde im Bundestag halten. Friedländer wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Familie in Prag geboren. Als die Deutschen die Stadt besetzten, floh die Familie nach Frankreich. Der Junge überlebte in einem Versteck, seine Eltern wurden verhaftet und in Auschwitz ermordet. Nach dem Ende des Krieges wanderte Friedländer nach Israel aus.

Im vergangenen Jahr hat Bundestagspräsident Schäuble bei der Gedenkstunde gemahnt, nichts als selbstverständlich hinzunehmen – nicht die Demokratie, nicht den Rechtsstaat, nicht die Gewaltenteilung: „An Auschwitz scheitert jede Gewissheit. Und deshalb müssen wir sensibel sein, wachsam, selbstkritisch. Je weiter die Zeit des Nationalsozialismus zurückliegt, desto wichtiger wird die Erinnerung.“
(ein Text von Heribert Prantl)

In dieser Woche hat Götz Aly, einer der großen deutschen Intellektuellen, vor dem Thüringer Landtag eine Rede zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz gehalten. Sie sollten sie lesen Unbedingt. 

(Foto: Einfahrt zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau; Aufnahme von Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0)

2 Antworten to “je weiter”

  1. Paul Haverkamp said

    Gefordert sind Aufklärung und Zivilcourage

    Die gegenwärtigen Ereignisse in Deutschland, in Europa, aber auch in Amerika zeigen überdeutlich, wie höchst notwendig die Erinnerung an den einmaligen Kulturbruch des 20. Jahrhunderts ist; ein Kulturbruch, den heute viele geschichtsvergessene Mitbürger, denen es nur auf Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft ankommt, gern entsorgen möchten auf dem Müllhaufen der Geschichte und nur von einem „Vogelschiss“ sprechen einer ansonsten doch so glorreichen deutschen Geschichte.

    Wer die Demokratie abschaffen und alles Fremde eliminieren möchte, macht mit dieser seiner Grundhaltung deutlich, dass er einer Ideologie anhängt, die von Menschen- und Fremdenfeindlichkeit geprägt ist; mit einem Wort: sich für eine Renaissance des Nationalsozialismus einsetzt.

    Zum Mitschreiben: Die AfD ist in großen Teilen eine Partei, die das System von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie abschaffen möchte zugunsten eines autoritären Systems, die das Völkische, Ethnizistische, Rassistische in den Mittelpunkt ihres politischen Wirkens stellt.

    Viele Gespräche mit Holocaust-Opfern haben mir überdeutlich gemacht, dass das Erinnern nie verstummen darf. Und zwar deshalb, um den Opfern des Holocaust eine Stimme zu geben und zugleich einen Beitrag zu leisten, dass diese bestialischen Ereignisse sich nie wiederholen dürfen.

    Deshalb gilt es an diesem Tage sich nicht nur der Verantwortung gegenüber den Ermordeten Shoa-Opfern bewusst zu sein, sondern sich in mutiger und zugleich aufklärerischer Weise heute jeden rassistischen Tendenzen und Ausgrenzungen gegenüber Minderheiten entgegen zu stellen. Die Antisemitismusabwehr ist nur die Kehrseite der Antirassismus-Medaille.

    Wenn wir Lehren ziehen müssen aus den Ereignissen der Shoa – dann diese:

    • Die Würde des Menschen ist unantastbar!

    • Angehörige von Minderheiten müssen auf den Schutz der
    Zivilgesellschaft vertrauen können.

    • Diskriminierungen von Minderheiten müssen im Keim resolut erstickt werden. Null Toleranz für Intoleranz!

    • Aufklärung bleibt das Gebot der Stunde.

    • Eine Schlussstrich-Debatte zu den Folgen des Holocausts darf es niemals geben – um der verfolgten Menschen willen, die als bedrohte Minderheiten weltweit täglich um ihr Leben fürchten müssen und zur Bekämpfung derjenigen, die als Nationalisten, Chauvinisten, Rassisten und Geschichtsverfälscher herumlaufen und sich nur das Ziel gesetzt haben, die Gesellschaft zu polarisieren und zu spalten. Diese Leute haben kein Recht darauf, Patrioten genannt zu werden. In Wirklichkeit sind sie Menschenverachter übelster Art!

    Bitter notwendig ist die Erinnerung nicht nur um des Erinnerns willen, sondern um des friedlichen Zusammenlebens in der Gegenwart und Zukunft willen. Ein altes jüdisches Sprichwort lautet: Das Vergessen-Wollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.

    Paul Haverkamp, Lingen

  2. Frilling, Christoph said

    Hier ein Lied der Trauer und des Gedenkens von Avitall Gerstetter, die ich sehr bewundere und die ich gern zu einem Konzert nach Lingen einladen würde: https://m.soundcloud.com/avitallgerstetter/12-hatikvah-1-2

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