der andere Bernd Rosemeyer

6. Januar 2019

Googelt man ihn, erscheint der andere Bernd Rosemeyer unter „ferner liefen…“, was nichts über seine gegenwärtige Bedeutung aussagt; die ist nämlich aktueller als die des längst verblichenen Rennfahrers aus Lingen und Namensgebers für ein umstrittenes Museumsprojekt in der Lingener Burgstraße. Der „andere“ Bernd Rosemeyer stammt aus Löningen und ist ein „Neffe 3. Grades“ des Lingener Rennfahrers und SS-Offiziers.

Der eine befand sich mit 25 Jahren an der Schwelle zu einer Karriere als Autorennfahrer und SS-Führer in Nazi-Deutschland, der andere wanderte im gleichen Alter 1986 nach Brasilien aus, um sein Leben fortan den Straßenkindern in der Umgebung der Metropole Recife zu widmen.

Größte Kinderhilfsorganisation in Brasilien

Er gründete den Verein „O pequeno Nazareno“ (Der kleine Nazareno), der inzwischen zur größten Hilfsorganisation für Straßenkinder in Brasilien geworden ist.  So gibt es zwei Kinderdörfer, in denen die Straßenkinder nach oft mehreren Jahren eines erbärmlichen Lebens auf der Straße eine Schul- und Berufsausbildung erhalten. Rosemeyers Verein hilft den Kindern dabei, den Weg in eine neue Zukunft ohne Not und Elend einzuschlagen.

Der Machtantritt des neu gewählten rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro bereitet Bernardo Rosemeyer und seinem Projekt große Sorgen, denn die neue Regierung wird Gewalt und Korruption im Lande nicht eindämmen – Anlass für Bernd Rosemeyer, einen dramatischen Hilferuf nach Deutschland zu senden, der von der Löninger Lokalzeitung „Münsterländische Tageszeitung“ vor kurzem veröffentlicht wurde. Aus der Heimat erhält Bernd Rosemeyer Hilfe durch den Verein „Der kleine Nazareno“, den sein Bruder Werner Rosemeyer von Löningen aus leitet und dessen erklärtes Ziel es ist, Geld für das brasilianische Hilfsprojekt zu sammeln .

Joseph Wilhelm Rosemeyer, genannt „der Feuerfeste“

Wie sind die beiden Bernd Rosemeyers miteinander verwandt? Beider Ursprünge gehen zurück in das Jahr 1808, als in Löningen Joseph Rosemeyer geboren wurde. Dieser machte eine Lehre als Schlosser und gründete als Schlossermeister ein Unternehmen, das sich auf die „Herstellung von diebstahlsicheren Geldschränken“ spezialisierte und damit reüssierte. Er hatte zwei Söhne, Bernhard und Joseph Wilhelm, die ebenfalls Schlosser wurden. Joseph Wilhelm, im Volksmund „der Feuerfeste“ genannt, blieb in Löningen und war der Urgroßvater des nach Brasilien ausgewanderten Bernd Rosemeyer und dessen Bruder Werner, der eine Druckerei in Löningen betreibt.

Das 1. Automobil von Lingen

Bernhard hingegen trieb es nach Lingen. Er war der Großvater des Rennfahrers. 1876 wurde dessen Vater Wilhelm geboren, der in der früheren Lingener Bahnhofstraße eine Werkstatt mit Autohandel betrieb. Wilhelm war der erste Lingener, der ab 1911 ein eigenes Automobil fuhr,.  In seiner Werkstatt machte der junge Bernd Rosemeyer eine Lehre als KfZ-Mechaniker, hier bastelte er an Motorrädern und Autos und bereitete sich auf seine Rennkarriere vor. Hier erfuhr er allerdings auch seine „primäre Sozialisation“ als Nationalsozialist: Der damals noch junge Architekt Heino Deeken wohnte als möblierter Herr im Hause Rosemeyer. Er war Mitglied der SS und freundete sich schnell mit dem jungen Bernd an.  Aber auch Bernds Onkel Julius Rosemeyer war SS-Mann und dürfte seinen Neffen entsprechend beeinflusst haben.

Olympiateilnehmer Josef Rosemeyer aus Lingen

Wilhelms Bruder Josef (auch Jpseph) Rosemeyer war ein erfolgreicher Radrennfahrer, der für Deutschland bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen startete. Er kam 1919 bei einem Unfall in Köln ums Leben.

In einem Gespräch von Christoph Frilling mit Werner Rosemeyer, dem Löninger Bruder des anderen Bernd Rosemeyer, stellte sich heraus, dass die Löninger Rosemeyers nur wenig über die Pläne des Lingener Bauunternehmers Heinrich Liesen informiert sind, ein Museum zu Ehren des SS-Rennfahrers Bernd Rosemeyer zu errichten.

Werner Rosemeyer: „Wenn mein Bruder in Brasilien über diese Gelder verfügen könnte, die in Lingen für das Museum ausgegeben werden, könnte er damit hunderten weiterer Straßenkinder eine bessere Zukunft bieten“.

Das Spendenkonto für die Organisation „Der Kleine Nazareno“ ist: Volksbank Löningen, DE91 280650610008070500 (Spendenquittungen werden ausgestellt)


Autor dieser kleinen Geschichte ist der Lingener Christoph Frilling. Er bot vor den Feiertagen den Beitrag der „Lingener Tagespost“ an, die aber ablehnte.  

6 Antworten to “der andere Bernd Rosemeyer”

  1. Frilling, Christoph said

    Na ja – ausdrücklich „abgelehnt“ hat die LT den Beitrag nicht – zumindest mir gegenüber nicht. Der zuständige Redakteur sei krank, wurde mir beschieden, und er werde sich mit mir in Verbindung setzen, sobald er wieder fit sei. Nun hat Robert Koop dem vorgegriffen – sei’s drum. Ist auch ok.

  2. Matthis said

    Das Museum nervt…. vor allem lenkt es viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt zahlrreiche wichtige Themen für Lingen…..
    20000€ Förderung für Lastenfahrräder ist auch ein genialer Schildbürgerstreich. Bei durchschnittlichen 1800€ Listenpreis (günstigstes Modell) profitieren einkommensschwache Familien kaum. Aber die sozial bessergestellte Haushalte (meiste 2PKWs) werden jetzt öffentlich subventioniert.
    Das ist echt mal Sozialpolitik at it’s best.
    40 subventionierte Lastenfahrräder sollen die Antwort auf den Verkehrsinfarkt sein?
    Die 20000€ hatte der lokale Katastrophenschutz besser gebrauchen können (für den nächsten Fall eines Brandes in einer Risikoindustrie).
    Für Kitas,Schulen oder Anschaffungen im Bereich Kultur.

  3. Hans Brinck said

    Hier soll wohl mit der Einführung eines anderen (2. und guten) Bernd die Diskussion über den 1. (bösen) Bernd Rosemeyer wieder angefacht werden.
    Da hat die Redaktion der „Lingener Tagespost“ richtig reagiert und diesen Versuch verhindert. Dafür verdient sie mein uneingeschränktes Lob.

  4. Günther Möller said

    Zunächst, für uns gibt es nur den „einen“ Bernd.
    Ich weiß nicht, was man mit solchen Beiträgen bezwecken will. Natürlich kann und soll jeder das schreiben, was er will.
    Mir kommen aber bei einigen doch ernsthafte Zweifel: warum?
    Der „Geschichtsunterricht“ ist doch sicher mit Hilfe von Dr. Frilling zustande gekommen.
    Gleichzeitig beklagt er sich, dass „sein“ Leserbrief“ nicht veröffentlicht wird. Man wird Gründe haben!
    Zum Schluss noch eine Bemerkung: Herr Liesen, wieso können Sie ein Museum bauen, ohne die ganze Verwandtschaft der Familie Rosemeyer zu informieren?
    Sonst alles in Ordnung bei den Kommentatoren?

    • Hans Schmidt said

      Wer ist „uns“, Herr Möller? Lassen Sie mich raten: Diejenigen Geschichtslosen, denen die SS-Mitgliedschaft des Herrn Rosemeyer egal ist, weil er manchmal einen Tirolerhut trug…

  5. Günther Möller said

    Ich hatte zwar geschrieben, dass jeder das schreiben kann? was er will, aber was da von Herrn Schmidt gekommen ist, habe ich wirklich nicht gemeint (leere Hülse).
    Natürlich habe ich alle gemeint, die noch an den Weihnachtsmann und den Tirolerhut glauben. Deswegen sind wir auch
    „geschichtslos“……………..

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