immaterielles Kulturerbe: Kivelinge

11. Dezember 2018

Heute hat die Deutsche Unesco Kommission die Aufnahme der Kivelinge in das nationale Verzeichnis immaterieller Kulturgüter veröffentlicht.Wir erkennen, was lange währt, wird endlich gut. Wir lesen:

„Alle drei Jahre finden in Lingen ein historisches Marktgeschehen und ein großer Festumzug zu Ehren der Bürgersöhne statt. Hunderte von Ehrenamtlichen bereiten das dreitägige Fest auf historischer Grundlage von 1372 vor. Diese weit zurückreichende Tradition zeigt sich als äußerst wandlungsfähig und inklusiv. Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund wie auch mit eingeschränkter Mobilität werden zur Beteiligung eingeladen.

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Lingen (Ems)
  • Zentraler Termin: alle drei Jahre
  • Bereiche: Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Kontakt Monika Schwegmann
m.schwegmann@lingen.de

1372, so lautet die Überlieferung, belagerten Angreifer die Stadt Lingen. Als die erwachsenen Männer unter dem Ansturm der Belagerer bereits ermattet waren, wurden als letztes Aufgebot die jungen, unverheirateten Männer der Stadt auf die Wälle gerufen. Die Bürgersöhne hielten den Angriffen nicht nur stand, sondern schlugen die Angreifer bald in die Flucht. Zur Belohnung versprach ihnen der Stadtrat auf ewige Zeiten eine Tonne Bier zu einem jährlichen Erinnerungsfest. Die Bürgersöhne aber nannten sich fortan die „Kivelinge“, was so viel wie „kleine Streiter“ bedeutet, und feiern fortan für die Bewohner der Stadt ein Fest, den „Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen ‚Die Kivelinge‘ von 1372“.

Heute wird der Aufzug im dreijahres-Rhythmus zelebriert und das Ereignis ist zu einem identitätsstiftenden Volksfest für die gesamte Bevölkerung von Stadt und Umland geworden. Die dem Gemeinsinn verpflichteten Kivelinge sind heute das Markenzeichen von „Lingen – Stadt der Kivelinge“. Den Auftakt der Feierlichkeiten bildet die Übergabe eines Geschenks an die Bürgerschaft, finanziert aus dem Ertrag des vorherigen Kivelingsfestes. Diese Geste kennzeichnet den gemeinnützigen Charakter des Bürgersöhne-Aufzuges, dessen Festgeschehen und Erlös der gesamten Bürgerschaft zu Gute kommen sollen.“

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Während der festlichen Vorbereitungen entstehen immer neue Ideen zur Weiterentwicklung des „Bürgersöhne-Aufzuges“. Sie sorgen dafür, dass die Feste mit ihren überlieferten Abläufen nicht erstarren, sondern als lebendige Tradition im Wandel aktuell bleibt. Insbesondere der Kivelings-Spielplatz am Rande der Innenstadt – eines der Geschenke an die Bürgerschaft – sowie die Stadtführung der Kivelinge für Kinder ermöglichen, dass auch die Jüngsten der Stadt für gesellige und gemeinnützige Traditionen begeistert werden.

Aktuelle Anliegen der Kivelinge beziehen sich vor allem auf das Thema Inklusion. Neben Partnerschaften mit Einrichtungen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigung, sorgte ein neues Sicherheitskonzept zum Fest von 2017 nicht nur für die allgemeine Sicherheit der Gäste und Besucher, sondern erleichterte auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine weitgehend barrierefreie Teilnahme am Festgeschehen.

Viele soziale und kulturelle Initiativen in Lingen sind aus den Reihen der Kivelinge und ihrem Umfeld hervorgegangen, die die Besonderheit dieser ehrenamtlich getragenen Tradition markieren. Keine kommerziellen Schaustellergruppen, sondern hunderte von Engagierten bereiten auf historischer Grundlage in mehrjähriger Vorarbeit ein Fest vor, an dem alle Bewohner und Gäste der Stadt teilnehmen können. Der langjährigen Tradition der Kivelinge gelang es bereits vor Jahrhunderten mit ihrem Bürgersöhne-Aufzug eine Gemeinschaft in der Stadt zu bilden, die Mitgliedern aller Konfessionen gleichberechtigt offen stand. Sie trugen entscheidend dazu bei, konfessionelle Spannungen zu überwinden und ein Miteinander zu pflegen, an dem alle Menschen, unabhängig von ihren jeweiligen Hintergründen teilnehmen konnten.“

So steht es auf der deutschen UNESCO-Kulturerbe Seite. Die Initiative der BürgerNahen liegt vier Jahre zurück, die Kivelinge und das Kivelimgsfest in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Jetzt war sie erfolgreich. Ich freue mich insbesondere, dass die Kulturdezernentin Monika Schwegmann als Ansprechpartnerin für den Junge-Männer-Verein genannt wird.

(Quelle: Deutsche UNESCO Kommission; Fotos @Monika Schwegmann)

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