Weihnachtsfilm

31. Dezember 2018

Der vielleicht überraschendste Weihnachtsfilm des Jahres kommt aus Finnland. Lidl hat ihn produziert. [mehr…] OK, Weihnachten war letzte Woche, aber…

@freiheitsrechte

30. Dezember 2018

HGestern Abend auf dem 35C3-Kongress des Chaos Computer Club in Leipzig. Der Vortrag über die Gesellschaft für Freiheitsrechte (Slogan:“Die Rechtsschutzversicherung für das Grundgesetz“): Freedom needs Fighters!“

„Alles Gute für Monika“

29. Dezember 2018

Über die Feiertage habe ich ein Buch in die Hand genommen, das ich mir sechs Wochen zuvor gekauft hatte. Da hatte ich an einem ruhigen Herbstsonntag mehr als eine gute Stunde lang der Buchautorin in der Sendung Zwischentöne des Deutschlandfunk Kultur zugehört Andrea Scrima.

Sie sprach in der DLF-Radiosendung mit Joachim Scholl, begleitet von den musikalischen Zwischentönen des von ihr geschätzten Bremer Jazzmusikers  Christian von der Goltz. Ich kannte den Namen Andrea Scrimas seit 1996; denn damals wurde die Mitte der 80er mit 24 Jahren nach Berlin gezogene New Yorkerin mit dem Lingener Kunstpreis ausgezeichnet. Das war nicht ihr einziger Erfolg. Damals stellte sie ihre Arbeiten national und weltweit aus. Scrima war gefragt. 1996 war, wie sie selbst sagt, ihr Jahr, in dem sie 11 Ausstellungen hatte und (Achtung!) „einen Riesenkunstpreis“ (Scrima) bekam.

Es war der Lingener Kunstpreis, vom damaligen Geschäftsführer des Kunstvereins Heiner Schepers organisiert und in der „Galerie im Theater“ überreicht; die heutige Kunsthalle in der Halle IV gab es noch nicht. Doch dann, keine zwei Jahre danach, änderte die Künstlerin ihr Leben, malte kaum mehr und begann zu schreiben. Ein „artistic suicide“, um „wieder bei Null anzufangen“ (Scrima). Denn sie wollte schreiben und wusste: „Der Wunsch zu schreiben, war immer da!“ Inzwischen schreibt sie längst Literaturkritiken für Quarterly Conversation, Music & Literature und The Brooklyn Rail.

Mit ihrem 2018 auf Deutsch erschienen Roman „Wie viele Tage“ hat sich Andrea Scrima 2018 als englischsprachige Schriftstellerin im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Die englische Ausgabe war schon acht Jahre zuvor erschienen. Scrimas These: „Eine deutsche Nationalliteratur muss nicht unbedingt auf Deutsch geschrieben sein…. Angesichts der immer fremdenfeindlicher werdenden Atmosphäre, angesichts der Tatsache, dass die AfD die Kultur als Kampffeld für sich entdeckt hat und nun u.a. die Strategie der parlamentarischen Anfragen verfolgt, um sozialkritische Arbeiten zu diffamieren und die Kulturförderung an sich immer wieder in Frage zu stellen, ist eine derartige Behauptung höchst politisch. Scrimas erster Roman auf Deutsch heißt „Wie viele Tage“ ist eine „feinsinnige, unglaublich intensive Momentaufnahmen einer Frau über das Verstreichen der Zeit“, sagt der Kölner Klaus Bittner und Elisabeth Wagner schreibt in der taz, man habe „als Leser tatsächlich den Eindruck, genauer denken, deutlicher sehen zu können.“

Auch in Lingen. Denn sie berichtet über ihre Preisverleihung 1996, wenn auch, ohne Lingen zu nennen.

„Nach der Zeremonie stand ich unbeholfen herum in meinem neuen Kostüm, das ein bisschen tiefer ausgeschnitten war, als ich gedacht hatte, signierte den Katalog für eine Schlange Ausstellungsbesucher, schrieb Meine besten Wünsche für Wolfgang. Alles  Gute für Monika, oder später, erschöpft von der Wiederholung, einfach meinen Namenszug und das Datum, meinen Lippenstift in den Strumpfhosenbund geklemmt und den Scheck über das Preisgeld zusammengerollt in meiner Hand, denn ich wusste nicht, wohin damit, und so wartete ich, bis niemand herschaute und schob ihn in meinen BH, wie eine Prostituierte dachte ich, doch was blieb mir anderes übrig?“

Nicht nur hier greift der Text Momente der eigenen Biografie von Andrea Scrima in ihrem Leben zwischen den USA und Deutschland auf. So ist „eine private Landkarte der Erinnerungen entstanden. Unvergleichlich intensive Momentaufnahmen.“ (Claudia Fuchs, SWR 2). Was Fiktion, was nicht Fiktion ist, bleibt offen. Und die Phantasie setzt sich in Bewegung. Gerade weil das Buch so fragmentarisch ist. Mein Tipp: Kaufen, Leute!

Übrigens hängt im Rathaus Scrimas Arbeit „Want forget eat forget…“, die die Stadt Lingen vor 22 Jahren erwarb.

Mehr über Andrea Scrima findet sich in ihrem Blog.
Oder auch hier.


Andrea Scrima
Wie viele Tage

Roman 2018
Literaturverlag Droschl, gebunden, 13 x 21 cm 192 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Barbara Jung
ISBN: 9783990590133
Hier bestellen

(Foto: Literaturverlag Droschl)

 

Lingen vor 100 Jahren

28. Dezember 2018

Lingen vor 100 Jahren
Silvesterprogramm im Emslandmuseum
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Montag, 31.12.2018 – ab 13.30 Uhr
Eintritt: frei

Zu einem Rückblick auf „Lingen vor 100 Jahren“ lädt der Heimatverein Lingen am Silvesternachmittag (31.12., Einlass ab 13.00 Uhr, Beginn 13.30 Uhr) in das Emslandmuseum ein. Im Mittelpunkt steht bei den Bildervorträgen um 14, 15 und 16 Uhr die Zeit um das Schicksalsjahr 1918 in Lingen. Dabei wird auch ein historisches Filmdokument präsentiert. Das Café im Kutscherhaus ist ab 13.30 Uhr geöffnet und lockt mit Kuchenspezialitäten sowie frisch gebackenen Neujahrshörnchen.

Lingen vor hundert Jahren – das waren bewegte Zeiten. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen auch in Lingen die schwere Bürde des abgewirtschafteten Kaiserreiches. Die Zeit des Massensterbens in den Schützengräben und der Hungersnöte in der Heimat gingen nach vier Kriegsjahren zu Ende, aber von rosigen Zeiten konnte keine Rede sein. Die Kriegsschulden führten zu einer Hyperinflation und zu einer Wirtschaftskrise. Die Lingener Eisenbahner streikten für eine bessere Lebensmittelverteilung und gegen Massenentlassungen, viele Geschäfte und Betriebe standen vor dem Aus.

Erst allmählich besserte sich die Lage. Die neue Republik sorgte nicht nur für neue demokratische Rechte und das Wahlrecht für Frauen, sondern auch für Wohnungsbau und Sozialfürsorge. Im Strootgebiet und an der Schwedenschanze entstanden Wohnsiedlungen für die Eisenbahnerfamilien, neue Schulen und sogar eine Jugendherberge wurden eingerichtet. Die junge Generation sollte es einmal besser haben!
1926 erhielt Lingen Anschluss an das Elektrizitätsnetz der VEW und zum Stadtjubiläum 1928 konnte der Marktplatz mit hunderten von Glühbirnen festlich illuminiert werden. Theateraufführungen im Saal der Wilhelmshöhe und Kinosäle in der Stadt boten neue Möglichkeiten für Freizeit und Kultur. Die „Germanenfestspiele“ in Ahlde und die Heimatschauen der Kivelinge zogen tausende Besucher an. Das Vereinswesen blühte, etwa im Kolpingverband oder im Arbeiterverein, aber auch bei den vielen Sportvereinen. Immer mehr Automobile sausten durch die engen Straßen der Lingener Innenstadt – und natürlich Bernd Rosemeyer auf seinem Motorrad.
Mit der Weltwirtschaftskrise waren auch in Lingen die „goldenen Zwanziger“ vorbei. Die politische Stimmung wurde immer radikaler. Zwar hielten die meisten Lingener damals treu zur katholischen Zentrumspartei, aber der Weg Deutschlands in die Katastrophe war dadurch nicht mehr aufzuhalten.

Die Präsentation „Lingen vor 100 Jahren“ läuft um 13.30 sowie um 15.00 und 16.00 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist empfehlenswert. Das Café im Kutscherhaus ist von 13.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Spendenerlös des Nachmittags geht an die Telefonseelsorge im Emsland.

(Quelle: Stadt Lingen, Fotos von oben: Marktplatz Lingen 1918; VEW Lokomotive 1925, Sonntagsausflug nach Haneken 1918; Fotos Stadt Lingen (Ems))

vergessene Menschen

28. Dezember 2018

Während die Bundesregierung stets betont, dass die Zahl der Asylanträge weiter sinkt und etwa die Kampagne für eine„freiwillige“ Rückkehr ausgebaut werden soll, wird das Leid der Flüchtenden an den Grenzen zur EU immer weniger beachtet. In diesem Bericht wird ein Blick auf die Situation von etwa 100 Flüchtenden gelegt, die in und um die serbische Stadt Subotica leben und auf ein Weiterkommen in die EU hoffen. Dort unterstützen derzeit drei Aktivist*innen aus Niedersachsen als Teil der spanischen Organisation escuela con alma die Menschen. Hier ihr Bericht:

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Momentan gibt es, bis auf eine staatliche Unterbringung für Familien, vor allem zwei Orte in bzw. bei Subotica, in denen die Flüchtenden leben. Da beide Orte sehr unterschiedlich sind, müssen sie separat beschrieben werden.

Horgos

Der Ort ist 1,5km von der ungarischen Grenze entfernt und ca. eine Stunde Fußmarsch zur nächsten Einkaufmöglichkeit. Die ca. 40 überwiegend aus Afghanistan stammenden Menschen, darunter einige Minderjährige, wohnen hier in in einer selbstverwalteten Struktur in alten und kaputten Scheunen. Mit der Unterstützung von escuela con alma wurde eine Versorgung mit Strom (Autobatterien), Wasser, Waschdienst und Essen etabliert. Zudem wurden Öfen gebaut, sodass zumindest drei Räume beheizbar sind.

Da es keinen Wasseranschluss gibt ist der Hygienestandart eher schlecht und hängt von der Unterstützung ab. In den letzten Monaten fuhren die Unterstützer*innen regelmäßig mit einer mobilen Dusche zu dem Ort. Jedoch ist diese aktuell kaputt. Zudem können die Räumlichkeiten nicht zufriedenstellend gereinigt werden und eine medizinische Versorgung gibt es nicht. Einige leiden an Verletzungen durch die Strapazen der Flucht oder Polizeigewalt und Folgen der fehlenden Hygiene.

Hier leben die Menschen teilweise schon seit Monaten ohne eine wirkliche Perspektive auf ein Weiterkommen. Es ist beeindruckend wie sie es in einer solchen Umgebung schaffen sich gemeinsam zu organisieren und solidarisch miteinander umzugehen.

Train Station

Bei dem anderen Ort handelt es sich um leerstehende Häuser neben dem Bahnhof im Zentrum der Stadt, die seit einem 3⁄4 Jahr besetzt sind. Es sind offene, fensterlose Ruinen, ohne Heiz- und Kochmöglichkeiten, Strom oder anderer Infrastruktur. Hier ist eine höhere Fluktuation an Menschen, die meisten sind sehr jung und viele minderjährig. Ihre Situation muss insbesondere durch die extremen Temperaturen (bis -10Grad) als lebensbedrohlich beschrieben werden. Zwar werden sie mit Sachspenden (vor allem mit Decken und warmer Kleidung) unterstützt und so die physische Bedrohung minimiert, doch durch ihre Ausweglosigkeit sind sie zusätzlich psychisch extrem belastet. Hier wäre, durch die mangelnde Hygiene sowie die härteren Bedingungen, eine medizinische Versorgung noch dringlicher.

Auch die Polizei geht in der Stadt aggressiver gegen die Flüchtenden vor. So wird von gewalttätigen Übergriffen und 5-7 stündigen Ingewahrsamnahmen durch die serbische Polizei berichtet, welche versuchen die Menschen aus der Innenstadt zu vertreiben. Eine der Unterstützer*innen kommentiert ihre Eindrücke von vor Ort:

„Nach dem ersten Besuch in den alten Scheunen außerhalb waren wir schockiert. Doch als wir dann den Ort in der Stadt besuchten, konnten wir kaum fassen, wie Menschen in solchen prekären Bedingungen leben müssen.“

Keine Perspektive in Serbien und keine Weiterkommen

Serbien ist ein armes Land mit niedrigen Aufnahmequoten. Die Flüchtenden berichten von überfüllten Aufnahmelagern, die ihnen auch keine lebenswürdigen Bedingungen bieten. Der Weg in die EU ist gut gesichert: an der ungarischen Grenze gibt es zwei unter Strom stehende Zäune mit Stacheldraht, Wärmekameras mit 8km Reichweite, Wachhunde, Lautsprecher in vier Sprachen und schon beim Annähern an den Zaun gewalttätige Polizei. Sind solche Versuche dann doch einmal erfolgreich, berichteten Geflüchtete, dass es immer wieder zu illegalen und brutalen Push-Back-Aktionen kommt. Nach dem Dublin
III-Abkommen wäre Ungarn für das Asylverfahren verantwortlich, sobald ein Geflüchteter das Territorium betritt. Werden die Menschen nicht aufgenommen sondern ohne Verfahren zurückgeschickt, widerspricht dies dem geltenden Recht.

Die Fluchtgründe

Die Flüchtenden in Subotica stammen vorwiegend aus Afghanistan und einige aus dem Iran und Pakistan. Sie zeigen schreckliche Bilder aus ihre Heimat: Geköpfte Menschen, tote Kinder, blutüberströmte Mädchen und Bilder von Folterungen. Zudem sind einige von Narben gezeichnet, die Folge von Folterungen sind und die sie noch immer schmerzen. In Erzählungen wird berichtet, dass viele vor dem „Bürgerkrieg“ fliehen, in dem 41 weitere Staaten mitmischen. Diesen Einsatz beschreibt einer der Bewohner in Horgos als ein Kampf um Macht im Zusammenhang mit den afghanischen Bodenschätzen und wünscht sich, nicht in einem solchen Ölreichen Staat geboren zu sein. Sie erzählen also nicht nur vor den Taliban, sondern auch von Problemen in Folge des Nato-Einsatzes in Afghanistan. Jetzt müssen sie in daran beteiligte Länder fliehen und wissen, dass es auch dort, wenn sie es schaffen sollten, nicht einfach werden wird.

 

(Quelle)

Jahresrückblick Netzpolitik

27. Dezember 2018

Auch 2018 ist netzpolitisch viel in Bewegung gewesen: Vom Cambridge-Analytica-Skandal und dem Start der Datenschutzgrundverordnung über diverse Upload-Filter-Debatten bis zur Welle der verschärften Polizei- und Überwachungsgesetze überall in Deutschland. In ihrem letzten diesjährigen Podcast des Jahres schauen di Macher von Netzpolitik.org  auf die wichtigsten Entwicklungen.

Constanze Kurz und Ingo Dachwitz Anfangs steigen mit einem ganzen Themenkomplex ein, der die Meinungsfreiheit, die Diskussion um die Bekämpfung von „Hassrede“ im Netz, die geplanten technischen Maßnahmen zur Inhaltsfilterung und auch die Folgen bereits umgesetzter politischer Pläne betrifft. „Wir sprechen über die Entwicklungen des Jahres 2018 bei Upload-Filtern und das vor allem in den ersten Monaten noch immer heißdiskutierte Netzwerkdurchsetzungsgesetz.“

Ebenfalls noch am Anfang des Jahres entfaltete sich der Facebook-Cambridge-Analytica-Skandal, der sich im Laufe des Jahres zu einer Art Facebook-Krise ausweiten sollte. Der Werbekonzern hat zweifelsohne kein gutes Jahr hinter sich.

„Ein gutes Jahr hatten jedoch auch einige Landesinnenminister nicht, da sie aufgrund geplanter Polizeigesetze recht überraschend mit massiven Protesten und heftigen Diskussionen umzugehen hatten. Wir sprechen über das schärfste Polizeigesetz, das in Bayern in Kraft trat, aber auch über die vielen gesetzlichen Maßnahmen in weiteren Bundesländern, die für erhebliche Diskussionen sorgten: beispielsweise Staatstrojaner, Präventivhaft oder Fußfesseln. Es geht uns aber auch um „Gefährder“ und die Vorverlagerung von polizeilichen Eingriffsbefugnissen.“

„Ein weiterer Schwerpunkt des Jahres 2018 war die EU-Datenschutzgrundverordnung („DSGVO“), die wir ebenfalls im Podcast besprechen. Die Abmahnängste und die Defizite der zuständigen Behörden sind uns ein paar Anmerkungen wert, aber auch die aktuelle Lage beim dazugehörigen Europa-Thema ePrivacy.“

„Wir unterhielten uns außerdem kurz über Themen wie das umstrittene Vorhaben von „Hackback“-Operationen, über die Südkreuz-Ergebnisse, über den KI-Hype und über die Urteile aus Straßburg, die menschenrechtliche Fragen der Massenüberwachung betreffen. Unvermeidlich war es auch, ein paar Bemerkungen über Heimatminister Horst Seehofer sowie seinen einstigen Vertrauten Hans-Georg Maaßen zu verlieren. Schließlich haben auch sie das Jahr 2018 geprägt“.

Der gesamte netzpolitische Jahresrückblickspodcast mit Constanze und Ingo zum dauert 60 Minuten.

Hier ist der netzpolitische Jahresrückblickspodcast mit Constanze und Ingo als mp3-Datei zum Download. Alternativ gibt es ihn auch als ogg-Datei zum Download.


Spenden für die Freiheitsrechtler von Netzpolitik geht so:

gegen Menschenhass

26. Dezember 2018

In Papenburg  aufgewachsen, wurde Oliver Polak in der norddeutschen Provinz sozialisiert. Der Komiker hat ein Buch „Gegen Judenhass“ geschrieben. Im taz Interview spricht er darüber, Gespräche am Tisch der Eltern und selbstreferenziellen Humor.

taz: Oliver Polak, Sie sind der erste Jogginghosenträger, der bei Suhrkamp ein Buch veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?

Oliver Polak: Auf jeden Fall interessant, wo immer ich mein Buch präsentiere, fällt die Rede darauf, dass ich Jogginghosenträger bin. Ich bin auch der Erste, der in Adiletten für Suhrkamp präsentiert. Manchmal werde ich deshalb schräg angeguckt.

Ist die Jogginghose Ihre Arbeitsuniform?

Jogginghosen trage ich schon, seit ich 20 bin. Sie sind bequem. In Kreuzberg stößt das noch auf Verwunderung, wenn ich in New York unterwegs bin, stört das niemanden. Es gibt übrigens Jogginghosen von Gucci, die kosten 800 Euro.

Was kostet Ihre?

Ich bevorzuge Modelle der Marke Adidas, die kosten zwischen 80 und 150 Euro.

Früher teilte man Westdeutschland in Puma und Adidas. Warum Adidas?

Ich war nie Puma, ich war immer Adidas. Was Hosen angeht und Sweatshirts, immer Adidas. Bei Sneakern schwöre ich auf Nike.

Geha oder Pelikan-Füller?

Geha! Gegenfrage: Was wäre das Pendant zum Steiff-Tier?

Da muss ich passen.

Asoziales Stofftier.

Sie sind im niedersächsischen Papenburg aufgewachsen. Welche Ereignisse sind da für Sie prägend gewesen?

Mein Vater war passionierter Zirkus-Fan, auch für mich war der Zirkus ein wichtiger Ort. Papenburg ist ziemlich trist, aber im Zirkus fühlte ich mich wohl. Ansonsten kann ich schon sagen, dass ich ein Kind der Popkultur bin. Sie war Zufluchtsort. Als Neunjähriger sah ich Udo Jürgens in der Weser-Ems-Halle. Das erste Konzert, das ich selbst ausgewählt habe, war ein Auftritt von Erste Allgemeine Verunsicherung….

weiter


Polaks Buch ist ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn du heute wieder nicht lustig bist, landest du im Aschenbecher!«
»Mein Vater ist auch im KZ gestorben, besoffen vom Wachturm gekippt.«
»Musst du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich.«
»Juden wollen immer Mitleid!«

Das sind nur ein paar der Sätze, die Oliver Polak tagtäglich in Deutschland zu hören bekommt. Andere Menschen werden auf offener Straße angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Jüdische Schüler werden beschimpft. Antisemitische Rapper hingegen bekommen Preise. Einem jüdischen Restaurantbesitzer wird seine bloße Anwesenheit vorgeworfen: »Wir wollen euch hier nicht in Deutschland.« »Euch«, das meint die Juden. All das zeigt: Deutschland hat ein Problem mit ihnen und denen, die mit jüdischen Menschen ein Problem haben. In eindringlichen Worten appelliert Oliver Polak für eine klare Haltung: Wenn wir eine liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir uns endgültig von unseren Ressentiments befreien!

Oliver Polak
Gegen Judenhass
suhrkamp taschenbuch 4984, Taschenbuch, 127 Seiten
ISBN: 978-3-518-46984-2

8,00 Euro


Oliver Polak ist in Papenburg aufgewachsen. Nach seinem Abitur in England lebt der Stand-up-Comedian, Kolumnist und Autor seit 15 Jahren in Berlin . Seit 2015 ist er in der TV-Reihe »Das Lachen der anderen« zu sehen, für die er 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Polaks Late-Night-Show »Applaus und raus« (2016) erhielt den Grimme-Preis. Gemeinsam mit Micky Beisenherz produziert er seit November 2017 den erfolgreichen wöchentlichen Podcast »Juwelen im Morast der Langeweile« bei Audible. 2008 und 2014 erschienen seine beiden Bestseller Ich darf das, ich bin Jude und Der jüdische Patient. Seine neue Show, mit der er ab dem Frühjahr auf Tour geht, heißt »Der Endgegner«.

(Quellen taz, Suhrkamp-Verlag)

Frohe Weihnachten

25. Dezember 2018

Weihnachtsgeschenk!

24. Dezember 2018

Mein Weihnachtsgeschenk für die Leser dieses kleinen Blogs. Piano Pete Budden und Saxofonist Raimund Focks-Müter beim 30. Hauskonzert von Stefanie und Peter Löning. Und unglugged, wie es so heißt…

Die Zwangskonvertiten

23. Dezember 2018

Zu den Wehnachtstagen veröffentliche ich diesen Beitrag von Josef Möddel, der vor 40 Jahren den Arbeitskreis Juden Christen im Altkreis Lingen eV gründete. Nehmen Sie sich einige Mínuten  Zeit, ihn zu lesen, bitte. Josef Mödel hat in seinem Exkurs den Namen des Neonazis verschlüsselt. Ich meine, das sollte nicht sein.

Zur Situation der Juden in Spanien/Portugal im 15. Jahrhundert

Im 8. Jh. drangen muslimische Araber in die „Iberischen Halbinsel“ ein. Und, man staune, Juden und Christen, zählten zu den Schutzbefohlenen. Die Situation der Juden unter dem Kalifat war deutlich besser als in den Reichen des  christlichen Europas. Juden aus anderen Teilen Europas wanderten ein. Die Juden, die Sepharden, wie man sie nannte, lebten dort friedlich bis zu ihrer Vertreibung 1492 und 1513 (Inquisitionin Portugal, zweite Verfolgungswelle gegen die Juden auf der iberischen Halbinsel), da hatte das tolerante Kalifat schon ausgedient und das „christliche“ Mittelalter hatte das Sagen: Die katholischen Könige (Ferdinand II.und Isabella I.) stellten  die Juden Spaniens vor die Wahl zwischen Exil/ Flucht, Konversion zum Katholizismus durch die Taufe oder Tod. Viele zogen die Flucht der Taufe vor. Die Zwangskonvertiten blieben, aber sie zahlten einen hohen Preis. Viele dieser Konvertiten, die zwangsweise Getauften, die Marranen, wanderten in der zweiten Verfolgungswelle aus.

Einige flüchteten nach Nord-West-Deutschland, Emden, Esens, von dort auch ins Emsland, viele nach Hamburg. Ein Teil der „Hamburger“ zogen weiter nach Amsterdam. Dort wurde 1675 die Portugiesische Synagoge (s. oben, Kupferstich von Romeijn de Hooghe) eingeweiht.

Fahrt mit Schülern nach Amsterdam

Vor Gründung des  Arbeitskreises Juden-Christen  habe ich mit meinen Schülern 1979 an einem Wettbewerb der Bundeszentrale Politischen Bildung teilgenommen. Wir bekamen für unsere eingereichte Arbeit eine Klassenfahrt nach Amsterdam zum Anne-Frank-Haus und zur Portugiesischen Synagoge. Ehemalige Schüler sprechen heute noch gerne davon: Efterpi Kalligas, Restaurant Santorini in der Rheinerstraße, und Frosa in dem Kurzwarengeschäft in der Burgstraße.

Nach der Gründung des AK Judentum-Christentum  folgte eine weitere Fahrt nach Amsterdam im Jahr 1989. Leo de Vries, der Schwager von Erna de Vries, der Onkel von Michael Grünbergs Frau Ruth, der vom Judenhaus in Lingen 1941 deportiert wurde und überlebte, war unser Reiseführer in Amsterdam. Eine Schülerin, Nicola Büher, die damals noch van Acken hieß, berichtet noch gerne von ihren Eindrücken.

Zusammenleben von Juden und Christen in Lingen

In Lingen lebten Juden und Christen lange friedlich zusammen. Im Dezember bestückten die Christen ihren Adventskranz mit vier dicken Kerzen und freuten sich auf den 24. Dezember, auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu. Dass er Jude war, dass Maria, seine Mutter, Jüdin war, das war schon lange vergessen. Das Schmücken des Weihnachtsbaumes musste bis Heilig Abend geschafft sein – und darunter sollten dann Äpfel und Nüsse liegen.

Die Juden holten in dieser Zeit ihre Menora, ihren achtarmigen Leuchter hervor und zündeten acht Tage lang Kerzen zur Erinnerung an die Befreiung des Tempels durch die Makkabäer an, die übrigens zu den katholischen Heiligen gehören, ohne die das Christentum gar nicht entstanden wäre. Den Deutungsschlüssel, besonders, was das Lichterfest mit uns Christen zutun hat, findet man in den  religiös gedeuteten Geschichten,  in den Büchern der Makkabäer (AT), bes. im Zweiten Buch, das nach 160 v. Chr. entstanden sein dürfte.

Juden sprechen übrigens von der Zeit im Dezember gelegentlich auch von „Weihnukka“.

Das Schicksal von Selma Hanauer

In Lingen gab es ein Mädchen, das freute sich jedes Jahr auf den 22. Dezember, auf ihren Geburtstag. Sie heiß Selma und gehörte zu den Hanauers, die in der Elisabethstraße mit Kohlen und anderen Brennstoffen handelten. Für die handfeste Arbeit im Kohlehandel war sie nicht geeignet. Aber sie machte sich schon früh nützlich durch schriftliche Arbeiten; besonders ihre tadellose Buchführung war von ihren Brüdern gefragt. Das erfuhr der Direktor der Kreissparkasse, auf welchem Wege auch immer, möglicherweise durch besonders sorgfältig erstellte Rechnungen oder Quittungen. Er holte sie in sein Institut. Dort arbeite sie jahrelang zu seiner vollen Zufriedenheit.

Juden waren deutsche Staatbürger mit allen Rechten und Pflichten, bis zum unheilvollen Jahr 1933. In der noch jungen NS-Diktatur passten sich einige schnell an, hatten keine Berührungsängste, machten unterm Hakenkreuz Karriere und ließen sich umjubeln. Andere verloren ihre Jobs, beispielsweise Selma Hanauer, die angesehene Sparkassenangestellte. Sie fiel unter das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums; sie wurde bereits 1933 entlassen. Ihr Chef und Sparkassendirektor stelle ihr noch ein Zeugnis voller Lob aus und bat den NS-Kreisleiter um Rücknahme der Entlassung – leider erfolglos. Wären es doch mehr Stimmen gewesen, die, wie die Propheten des Alten Testaments, z.B.  Jeremia, Jesaja oder Amos, die  laut aussprachen, was alles falsch lief. Ihnen war es nicht egal, wie es mit ihrer Stadt weiterging.

Am Anfang war alles nicht so schlimm, keiner wusste davon, wird argumentiert. Falsch, sagten in den 80-er Jahren Änne Brümmer und Rita de Hoek, die Schwester von Fredy Markreich, die, in Amsterdam untergetaucht, überlebte. Jeder in Lingen (in der Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern) hatte bei der Sparkasse ein Sparbuch – und auf einmal war die freundliche Selma nicht mehr da!

Das Fremdwerden in Deutschland begann und hörte nicht auf. Die Ungewissheit wich, „das wird nicht gut enden“ kam in großen Schritten. Das mussten die Hanauers mit einem realistisch deprimierenden Blick auf ihre neue Situation feststellen.

Reichspogromnacht in Lingen

Selma musste noch die Reichspogromnacht gegen jüdisches Leben und jüdischen Glauben mit ihren Geschwistern Hedwig und Hugo in Lingen durchleiden. Vor ihrem Gotteshaus stand ein Schild „Hier stand einmal eine Synagoge“. Sie stand, nachdem man sie aus dem Bett geholt hatte, am frühen Morgen des 10. November mit 17 weiteren Männern und Frauen jüdischen Glaubens in der Nähe „ihrer Kreissparkasse“ auf dem Marktplatz. Nach Öffnung der Polizeiwache wurden alle dort festgehalten. Sie und Hedwig konnten später nach Hause gehen. Hugo nahm man Uhr, Schlüssel und Geld ab, dann wurde er der SS-übergeben; er „ging“ –  wie die anderen Männer –  nach „Buchenwald“. In Lengerich und Freren war es nicht besser. Wohnungen wurden demoliert und Menschen misshandelt. Bevor man die jüdischen Männer in Freren in das KZ Buchenwald verfrachtete, wurden sie noch vorher stundenlang auf einem Viehwagen durch die Stadt gefahren und verspottet.

Nach der Entlassung aus dem KZ Buchenwald kam Hugo, wie seine Glaubensgenossen, abgemagert, kahlgeschoren und traumatisiert zurück. Immerhin konnte Selma ihren kleinen Bruder, er war elf Jahre jünger als sie, in ihre Arme schließen und ihn wiederaufpäppeln.

Die Perspektivlosigkeit mit dem Kohlenhandel wurde den Hanauers nun endgültig klar. „Man kauft nicht bei Juden“  war ja auch in Lingen angekommen. Und Selma hatte seit über fünf Jahren kein Einkommen mehr aus ihrer Tätigkeit bei der Kreissparkasse. Zudem wurden den Juden eine Milliarde Reichsmark als sog. Sühneumlage in Rechnung gestellt. Perverser ging’s nicht, 1939 noch nicht, später aber wohl.  Hitler hatte bereits 1938 Göring mit der „Gesamtlösung der Judenfrage“ beauftragt. In Heydrichs undHimmlers teuflischen Köpfen wurde sie konkret umgesetzt. Die SS war sowohl treibender Faktor als auch Werkzeug der Shoa.

Selma suchte mit ihren Geschwistern verzweifelt nach Zukunft, nach Sicherheit, nach einem erträglichen Leben. Da sie lt. Gesetz vom 30.04.1939 auch aus ihrem „trauten Heim“ ausziehen und in sog. Judenhäuser einziehen sollten, drängte die Zeit. Ihre Glaubensbrüder, auch aus Lengerich und Freren, wurden in die Häuser in der Wilhelmstraße und in der Marienstraße einquartiert und verbrachten die Zeit vor ihrer Deportation in qualvolle Enge.

Im Frühjahr Jahr 1939 gelangen Selma, Hugo und Hedwig noch die Ausreise nach Spanien, Ibiza, wo schon seit 1936 Alfred, Henriette und Else in Sicherheit lebten. In Sicherheit?

Exkurs:

Der liebe tiefreligiöse Opa von Jens Hessler (Name nicht geändert) in Laxten kannte die Lingener Juden gut und erzählte seinem Enkel ausführlich und gerne von den Juden, die Jesus ans Kreuz schlugen und ihrer gerechten Strafe nicht entgehen können. Aber sie machen sich schlau, mit ergaunertem Geld davon und leben dann gut im Ausland. Einmal, 1993, drang Jens mit seinem Freund aus Magdeburg, in Springerstiefeln und in Bomberjacken, in unsere Veranstaltung im Gemeindehaus St. Josef ein und sie „klärten uns auf“. Gott sei Dank sorgte Gerhard Sels mit seiner ruhigen Stimme für „Deeskalation“.

Jens erbte später das Häuschen von seinem Opa, die NS-Ideologie hatte er ja schon vorher geerbt. Davon lebt er heute noch gut…“
Mehr über Jens H.von  Dirk Fisser in seinem LT-Bericht vom 13.08.2018.

Jens Hessler hat inzwischen dieser Darstellung widersprochen und über einen Anwalt mitgeteilt: „Tatsächlich erbte mein Mandant kein Haus und kann demzufolge von einem nicht existenten Erbe auch nicht gut leben.“

Ein Leben – weit weg von Sicherheit

Die Flucht der Familie Hanauer war 1936 und dann 1939 mit Selma „geglückt“, sie konnten sorgenfrei am Strand liegen. Falsch Sie lebten als emigrierte deutsche Juden auf „Spanischem Boden“ extrem gefährlich, weil ab 1936 Herr Franco, ein Freund und Gehilfe (Guernikca) von Adolf Hitler, diktatorisch und gnadenlos regierte. Hier erlebten die Hanauers neue Machtstrukturen.

Der lange Arm der Deutschen Botschaft, die nach San Sebastian verzogen war, machte sich immer wieder bemerkbar und bereitete der Familie Hanauer mehr als Sorgen. Sie lebte in Angst und Schrecken vor einer Auslieferung nach Deutschland. Was das bedeuten würde, war ihnen bewusst. Mit den Namen Dachau, Esterwegen, Börgermoor, Buchenwald, später dann Auschwitz, verbanden sie Deportationen in Orte unbeschränkter Gewaltherrschaft, Folter, die willkürliche Entscheidung über Leben und Tod; SS-Wachmänner behandelten gerade jüdische KZ-Insassen besonders brutal, das musste ihnen niemand erklären.

Hugo, den kleinen Bruder von Selma, plagten wieder Alpträume, die er aus „Buchenwald“ mitgebracht hatte.

Gab es einen Ausweg? Hoffnung durch eine Taufe keimte auf, die in NS-Deutschland inzwischen undenkbar war (Edith Stein). Aber in Francos Spanien herrschte ein steingewordener Nationalkatholizismus, der gewissen Schutz bot, wenn man einmal dazugehörte. In großer Not ließen sie sich taufen. Was macht Hoffnungslosigkeit mit den Menschen?

Selma wurde auf den Namen Maria getauft, eine zusätzliche Firmung kam hinzu. Die Hanauer zahlten mit ihrem „Überkreuzlaufen“ einen hohen Preis. Sie gehörten zu einem Volk, das ständig auf Wanderschaft war. Es hatte wenig Gelegenheit, sich an Orte zu klammern, um heimisch zu werden. War ihr Auf und Ab mit der Himmelsleiter vergleichbar, von der einst der biblische Jakob träumte? Stand am anderen Ende der Leiter jemand, ein Engel? Bot ihnen ihr alter Glaube „Heimat“? Konnten sie im Dezember, wenn auch nicht öffentlich, aber in ihren eigenen vier Wänden ihre Chanukkakerzen anzünden – ihren inneren Tempel wieder einweihen?

Ganz sicher ist, dass sie jeweils am 22. Dezember Selmas Geburtstag feierten. Vielleicht dachten sie dann auch an gute Zeiten in Lingen, an „Weihnukka“.

Wie oft die  Lingener Zwangskonvertiten im spanischen Herrschaftsbereich ihr „Sch´ma Israel“ in äußerster Bedrängnis gesprochen, geflüstert haben, wie oft es als Stoßseufzer über die Lippen kam, das weiß nur Haschem.

Die Zwangskonvertitin Selma/Maria Hanauer verstarb 1969. Wer kann schon tief in die Welt von Selma Hanauer eintauchen? Hier ist die Grenze des Beschreibbaren erreicht.

Epilog

Wer setzt sich heute in einem Erinnerungskult für Umjubelte ein? Wer pflegt das Gedenken an die Opfer in angemessener Erinnerungskultur?

G´tt hat keinen anderen Wirkungsraum als unseren Lebensraum. Daher müssen wir hellhörig sein für das, was in ihm heute geschieht – und auch mal, wie die Propheten damals, kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn etwas falsch, wenn was aus dem Ruder zu laufen droht.

Nach vielen relativierenden Erklärungen ohne eindeutige Haltung, nach schwer erträglichen Diskussionen, muss auch mal ein unbedingtes „NEIN – nicht mit uns“ gesprochen werden – „neutral“, „gleichgültig“, „unbestimmt“, „unentschieden“, oder „mal sehen, wie sich alles entwickelt“ – geht nicht.