#wirsindmehr

20. September 2018

Deutlich mehr als 1000 Menschen, die Lingener Tagespost zählte mehr als 1200,  haben gestern Abend an der #wirsindmehr-Kundgebung auf dem Lingener Marktplatz teilgenommen. as waren etwa die Hälfte der Teilnehmer an der #NoPegida-Demonstration Anfang 2015, aber ach viel mehr, als von den Organisatoren erwartet. Lingen konnte so einmal mehr beweisen, dass es eine tolerante, vielfältige Stadt ist. Viele Teilnehmer*innen hatten Kerzen, Lichter und Leuchten mitgebracht; allerdings verzichteten die „Lingen leuchtet“-Organisatoren auf die gesonderte Aufforderung an die Teilnehmer*innen, den Lingener Marktplatz tatsächlich leuchten zu lassen.

 Die beiden Redner des Abends nahmen vor allem die aktuellen Geschehnisse im Osten der Republik in den Blick. OB Dieter Krone kritisierte unter dem Beifall der Demonstranten die Beförderung von BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen, ohne ihn namentlich zu nennen, und verurteilte die „Angriffe auf des friedliche Zusammenleben in Chemnitz und anderen Orten in den neuen Bundesländern“. Dazu „dürfen und wollen wir nicht länger schweigen, sondern gemeinsam unsere Stimme gegen Radikalisierung und Rechtsextremismus jeglicher Art erheben“, so Krone. Man müsse denen entgegentreten, die die erkämpften „Werte der Demokratie mit Füßen treten und untergraben wollten“. Jeder sei gefordert, auch in der Familie und im Bekanntenkreis.

Der katholische Gemeindereferent Dirk Tecklenborg (Laxten) ging auf „Ängste und Sorgen der Menschen“ ein: „Wer durch viel Veränderung in kurzer Zeit und immer schneller werdenden Informationen Sorgen hat, darf sie auch nennen“, erklärte Tecklenborg. Die vielzitierten „besorgten Bürger“ hätten Fragen und auch das Recht, darauf Antworten zu bekommen.

Das empfand ich als Äußerungen, die die Angriffe von Neonazis, Faschisten und Pegida-Anhänger auf Toleranz, Vielfalt und demokratische Werte einerseits und ihre Menschenjagden andererseits nach meinem Eindruck nicht zutreffend in den Blick nahmen und bewerteten, wenngleich Tecklenborg klar stellte: „Wer in sozialen Medien und der realen Welt gegen Demokratie, Toleranz, Mitmenschlichkeit und den Rechtsstaat wettert, der ist kein ‚besorgter Bürger‘, sondern jemand, der auf die sich stellenden Fragen gar keine Antworten haben will.“ Welche „Fragen sich stellen“, blieb dabei allerdings offen. Mir war das Gesagte  jedenfalls mit Blick auf das Verhalten der ostdeutschen Rechten zu relativierend.

Tecklenborg unterstrich schließlich: „Heute wollen wir zeigen, das wir in unserer Stadt offen und tolerant miteinander umgehen wollen.“ Das gelang gestern Abend.

Nach einer Schweigeminute schloss die 30-minütige Kundgebung mit dem gemeinsam gesungenen Song „We are the world“, den Theresa Nguyen (Gitarre) intonierte.Anschließend forderten Antifa-Aktivisten zu einem „Spaziergang durch die Stadt“, wobei unklar wa, welchen Zweck der haben sollte. Ihnen schlossen sich denn auch recht wenige, nach meinem Eindruck zwei, drei Dutzend Teilnehmer*innen der Kundgebung an.

4 Antworten to “#wirsindmehr”

  1. Dieter Krone hat nicht von Angriffen auf das friedliche Zusammenleben in Chemnitz und anderen Orten in den neuen Bundesländern gesprochen, sondern von „anderen deutschen Städten“. Dem OB eine Antihaltung gegen Orte in bestimmten Bundesländern zu unterstellen, finde ich daneben. Krone hat sich sich klar gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hetze positioniert. Und Dirk Tecklenborg hat in meinen Augen genau das Richtige gesagt, nicht zu stark relativiert. Er hat das Problem verdeutlicht, was die AfD und sonstige Rechte so stark macht: Die Menschen haben Fragen, die ihnen von der Bundespolitik nicht beantwortet werden. Wie können wir diese Menschen wieder von den Grundsätzen unseres Rechtsstaates überzeugen? Wie können wir ihnen deutlich machen, dass Migration keine Gefahr darstellt? Jedenfalls nicht damit, dass Du das, was Tecklenborg gesagt hat, als zu relativierend hinstellst. Das ist nämlich auch eine Art radikaler Position, die niemandem hilft. (Im Übrigen, aber das nehme ich Dir nicht übel – bin ja tolerant – hast Du ganz gut bei mir abgeschrieben.)

  2. Ach ja, den Beweis dafür, das der OB nicht von anderen Orten in den neuen Bundesländern gesprochen hat, gibt es hier: https://www.facebook.com/groups/118331675022959/?multi_permalinks=892359070953545&notif_id=1537397044139146&notif_t=group_highlights

  3. Tiger,T said

    @ Herr Roggendorf: Ihre Selbstzufriedenheit ist Teil des Problems!
    @ Herr Koop: Warum so zurückhaltend? Ist man gar nicht gewöhnt von Ihnen!
    Die Rede von „Dieter Krone“ (so nennt ihn der Journalist) war ganz schwach! Beim nächsten Mal kommen nur noch 500 Bürger, um Lingen zum Leuchten zu bringen. Er hat sich mindestens drei Mal bedankt, dass man gekommen sei, und sich dann in der causa „Maaßen“ aber ganz weit, aber so was von weit aus dem Fenster gehängt. Dafür kann man ganz billigen Applaus einheimsen! Peinlich, weil nichts Konkretes auf Lingen bezogen kam:

    -Was tut die Stadt für die Integration?
    -Welche Initiativen, Vereine, Integrationshelfer sind aktiv?
    -Was packen wir als Stadt und Bürgerschaft als nächstes an: so etwas wie ein Programm oder eine Vision: nullo!

    … und auch folgender Satz hat gefehlt:

    „Lingen braucht kein Bernd-Rosemeyer-Museum“ !

    Und zu dem zweiten Redner fällt mir gar nichts mehr ein: Er sprach ja auch als Christ. Damit hat er ja alle „Demo“-Teilnehmer mitgenommen, …,, fragt sich nur wohin?

    • Kib said

      Herr Tiger, Ihnen muss die Roggendorf‘ sche Meinung nicht gefallen. Meinetwegen, können Sie ihm auch – wenn sonst nichts greift- Selbstgefälligkeit unterstellen. Ihn aber (warum auch immer- nach gusto?) zum Teil “ des Problems“ zu machen, ist in diesem Kontext unangebracht. Dieser Ball fällt Ihnen vielmehr vor die Füsse: Denn ein Problem (hier Ihres) unserer Gesellschaft ist vielmehr scharz/weiss Denken oder, wer nicht dafür ist, dagegen bzw. Freund oder Feind….. Polarisierung DELUXE, die niemandem hilft. Besten Gruß

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