Tokyo

24. August 2018

Schon im Jahr 2013 hat man in Tokyo aus der bis dahin oberirdischen Shibuya Station eine U-Bahnstation gemacht. Soweit so gut, aber: der letztendlich Umbau wurde in nur einer Nacht mit 1200 Mitarbeitern gewuppt, was ich mehr als nur beeindruckend finde.

Ich meine, zum Beispiel in unserem Lingen musste ein einziger Abwasserkanal an der Kreuzung Weide-/Wilhelm-/Meppener-Straße saniert werden. Ein Kontrollschacht in der dortigen Abwasserdruckrohrleitung wurde ersetzt diesen durch einen Neuen.

Das dauerte nicht vier Stunden sondern knapp vier Wochen, weil wie üblich nur ein paar Stunden am Tag gebaut wurde. Nicht auszudenken, wenn man es so geplant hätte wie die Japaner. Statt dessen wurde bei uns, als diese Baustelle (fast) beendet war, nur 50m weiter die nächste Kanal-Baustelle…

Aber, so haben mich die lokalen Abwasserfachleute informiert, das war VÖLLIG UNMÖGLICH… selbst die Ampelschaltungen blieben so wie vor der Sperrung. Kurz gefragt: Nennt man das dann eigentlich nachhaltig?

Oder sollte man doch mit Planung und Manpower verhindern können, dass tagtäglich Hunderte von Verkehrsteilnehmern stundenlang im Stau stehen und die RTW-Zufahrt zum Krankenhaus häufig blockiert war…

ps damit wir uns richtig verstehen: Es müssen nicht gleich 1200 Arbeiter auf der Baustelle in Lingen tätig sein. Aber 18 Stunden am Tag und vielleicht ein paar Tiefbauer mehr, das könnte den Stress deutlich minimieren. Geht nicht? Nun, dann hab ich noch ein Tiefbau-Video, das ich für Wilfried Roggendorf vor längerer Zeit schon mal gepostet habe. Guckt mal:

50 Jahre Grundsteinlegung Michaelkirche
Konzert und Festakt

Lingen (Ems) – Kulturforum St. Michael, Langschmidtsweg 60a
Sonntag, 26. August 2ß19  –  16.30 Uhr

Vorverkauf: 18 € (erm. 13 €). Tageskasse: 21 € (erm. 16 €)

Es war im Jahr 1968, als feierlich der Grundstein für die Michaelkirche im Lingener Stadtteil Reuschberge gesetzt  wurde. Über drei Jahrzehnte diente die Kirche als Zivil- und Militärkirche, bis sie schließlich vor mehr als fünfzehn Jahren zu einem Konzert- und Theatersaal wurde, der unter der Leitung des gemeinnützigen Vereins „Kulturforum Sankt Michael“ steht.

An die Grundsteinlegung vor 50 Jahren möchte das Kulturforum mit einem Konzert und einem Festakt erinnern. Die Pianistin Julia Hermanski, im Duo mit Ihrem Partner Karol Strzelecki an der Violine, und das „Mercator“ Streichensemble gestalten die Feier, zu der neben Vertreter naus Kirche, Politik und Bundeswehr viele Besucher au der Lingener Bürgerschaft erwartet  werden.
Eine Gedenktafel wird an das Jahr der Grundsteinlegung erinnern.. Gespendet wurde sie von der emco Group Lingen, die für das Projekt Kulturforum Sankt Michael mit dem Deutschen Kulturförderpreis der Wirtschaft ausgezeichnet wurde,. Unvergessen ist nicht nur an diesem Tag das Engagement des vor drei Jahren gestorbenen emco-Chefs Harald Müller und seiner schwer erkrankten Frau Ulrike Müller, ohne die es diese kulturelle Einrichtung nicht gäbe.

Deutschland in a nutshell

22. August 2018

Christian Conradi schrieb am Sonntag über eine Situation, die er am Samstag erlebt hatte, und die Kontrolleure im ÖPNV auch mal nicht wie Arschlöscher dastehen lässt. Momente, von denen es viel zu wenige gibt, wie jeder überzeugter ÖPNV-Nutzer oft selbst erfährt.

Ich habe gelächelt, als ich dies Sontagmorgen las. „Cooles Ding“, dachte ich mir so. „Bisschen Menschlichkeit steht uns allen ja ganz gut zu Gesicht und macht uns alle gleich ein kleines bisschen sympathischer. Mehr davon.“, dachte ich. „Kann ja keiner was gegen haben.“

Aber dann schlug die deutsche Missgunst zu und fand das alles gar nicht mal so nett. Deutschland in a nutshell:







Cristian Conradi ist inzwischen reichlich angenervt. Und ich denke spontan an die Lingener Facebook-Diskussionsgruppen wie Brennpunkt und Brennpunkt 2.0. Die schaffen es auch- locker. Oder wie Cristian Conradi twitterte: Deutschland in a Nutshell.

mit Material von und danke an Das Kraftfuttermischwerk

This visualization attempts to capture the mood of Claude Debussy’s best-known composition, Clair de Lune (moonlight in French). The piece was published in 1905 as the third of four movements in the composer’s Suite Bergamasque, and unlike the other parts of this work, Clair is quiet, contemplative, and slightly melancholy, evoking the feeling of a solitary walk through a moonlit garden.

The visuals were composed like a nature documentary, with clean cuts and a mostly stationary virtual camera. The viewer follows the Sun throughout a lunar day, seeing sunrises and then sunsets over prominent features on the Moon. The sprawling ray system surrounding Copernicus crater, for example, is revealed beneath receding shadows at sunrise and later slips back into darkness as night encroaches.

The visualization was created to accompany a performance of Clair de Lune by the National Symphony Orchestra Pops, led by conductor Emil de Cou, at the Kennedy Center for the Performing Arts in Washington, DC, on June 1 and 2, 2018, as part of a celebration of NASA’s 60th anniversary.

The visualization uses a digital 3D model of the Moon built from Lunar Reconnaissance Orbiter global elevation maps and image mosaics. The lighting is derived from actual Sun angles during lunar days in 2018.

This video is public domain and along with other supporting visualizations can be downloaded from the Scientific Visualization Studio at: https://svs.gsfc.nasa.gov/cgi-bin/det

[Danke an Das Kraftfutterischwerk für die Idee… ]

21. August 1968

21. August 2018

Heute vor 50 Jahren, am 21. August 1968, unterbricht kurz nach 2 Uhr Radio Prag sein laufendes Programm. Mit erregter Stimme verliest die Sprecherin die Eilmeldung, dass kurz vor Mitternacht Truppen des Warschauer Paktes die Staatsgrenze der Tschechoslowakei überschritten haben. Um 3 Uhr greift der Kölner Deutschlandfunk die Meldung aus Prag auf und teilt mit: „Truppen der Sowjetunion, Polens und der Sowjetzone sind in die Tschechoslowakei eingerückt.“ Gegen 5.30 Uhr bestätigt das die sowjetische Nachrichtenagentur TASS.

Am 21. August 1968 sind Truppen des Warschauer Paktes  in die Tschechoslowakei ein,arschiert. Radio Prag koordiniert den zivilen Widerstand gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings. Eine Dokumentation von DetektorFM.

Als die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei 1968 ein Demokratisierungsprogramm startet, berichtet Radio Prag ausführlich über die Veränderungen. Denn die unter dem Generalsekretär Dubček begonnenen Reformen öffnen nicht nur den Staat gegenüber marktwirtschaftlichen Veränderungen, sondern es fallen auch viele bis dahin geltende Zensurregeln weg. Die Einführung der Medien- und Redefreiheit ermöglicht im Frühjahr 1968 in der Tschechoslowakei eine kritische Öffentlichkeit.

Was ich als schlecht empfunden habe, habe ich auch als schlechte Sache gesendet. Die Sachen entsprachen der Wahrheit, nichts habe ich mir ausgedacht, sondern immer genau recherchiert. – Otka Betnesova, damalige Fernsehjournalistin

Radio Prag koordiniert Widerstand

Die sowjetische Führung in Moskau schaut im Frühjahr 1968 mit argwohn nach Prag. Denn die Reformen gefährden aus ihrer Sicht die Einheit des Ostblocks. Nachdem die Aufforderungen zur Kurskorrektur ohne Wirkung bleiben, marschieren Soldaten des Warschauer Pakts am 21. August 1968 in die Tschechoslowakei ein. Die Bürger versuchen, ihre neuen Freiheiten zu verteidigen, und organisieren den passiven Widerstand. Radiosender wie Radio Prag helfen dabei und koordinieren die einzelnen Widerstandsaktionen. Deshalb werden sie selbst zum Ziel des sowjetischen Militärs.

Wir haben die Türen geöffnet und die Techniker begannen die Nationalhymne zu senden, doch dann ist ein Offizier in den Raum gekommen und einige Soldaten. Jeder dieser Soldaten hat auf einen von uns aufgepasst und wir spürten die Bajonette in unseren Rücken. – Otka Betnesova, Zeitzeugin

Radio Prag sendet nach der Besetzung des Funkhauses zuerst aus einem unentdeckten Studio weiter. Bis zum Rückzug der sowjetischen Soldaten überträgt der Sender seine zehnminütigen Radiosendungen dann von unbekannten Orten.

Der Journalist Joachim Dresdner hat die deutschsprachigen Sendungen von Radio Prag dokumentiert und weitere Aussagen 50 Jahre nach dem Ende des Prager Frühlings gesammelt.

Ich erinnere mich noch gut an den Morgen des 21. August 1968. Ich war 16 Jahre alt und es waren noch Sommerferien – also lange schafen.  Da kam Frau Strubbe, die gute Seele im Hause meiner Eltern, in mein Zimmer und sagte, das in der CSSR etwas passiert sei. Passiert  war nicht mehr oder weniger als das brutale Ende des Prager Frühlings…

(Quelle: DetektorFM)

Kult-Schlager am Boni-Turm

21. August 2018

Kult-Schlager am Boni-Turm
Lingen (Ems) – Burgstraße /Bonifatiuskirche
Fr 24. Aug. 18 – ab 18 Uhr
Eintritt: frei

Zeitreise durch die Schlagerwelt: Das Kolpinghaus Lingen und DJ Matze veranstalten erstmals eine Open-Air-Kult-Schlager-Party an der St. Bonifatius-Kirche. Ab 18 Uhr gibt es ein Wiederhören mit den Hits aus jener Ära, als Chris Roberts, Lena Valaitis, Rex Guildo oder Katja Ebstein sich die Klinke in die Hand gaben. Neben der St. Bonifatius-Kirche werden die Veranstalter zudem eine besondere Schlager-Kulisse herrichten. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Das Gelände rund um die St. Bonifatius-Kirche ist an diesem Abend abgesperrt, so dass der Zugang zum Open-Air-Konzert ab 18 Uhr nur über die Burgstraße möglich ist. Ab Mitternacht geht es dann beim Kolpinghaus weiter mit der großen After-Open-Air-Party. Der Eintritt ist für beide Veranstaltungen frei.

Am vergangenen Dienstag hat das NDR Radio Niedersachsen unter dem Sendeformat „Jetzt reicht’s! – Rennen für Ringe und Hakenkreuz“ eine Diskussion über das geplante Rosemeyer-Beinhorn-Museum veranstaltet. Ein  Zusammenschnitt findet sich hier.

Die Veranstaltung selbst enthielt einige besonders tumb-gestrige, die Geschichte mit Füßen tretende Aussagen. So sagte ein ehem. Berufssoldat, an den Vorsitzenden des Forum Juden Christen Dr. Heribert Lange gewandt: „Der erzieherische Wert des Bernd-Rosemeyer-Museums ist größer als alle Ihre Stolpersteine zusammen.“

Bernd Rosemeyer junior, eingespielt von außerhalb, meinte: „Die SS war am Anfang ‚eine positive Geschichte'“.

Pro-Rosemeyer-Gedenkstätte hatte sich Werner Dietrich bereits in Leserbriefen geäußert. Am vergangenen Dienstag dann dies: „Bernd Rosemeyer starb, bevor die Untaten der SS begannen. Er lehne daher eine „kritische Beleuchtung“  Rosemeyers ab.

Man sollte diese NDR-Veranstaltung nicht zu ernst nehmen. Aber ich sage auch mit allem Nachdruck: Wehret den Anfängen!

Ich frage mich, weshalb man angesichts dessen für einen im besten Fall opportunistischen Sportler in der SS, eine museale Gedenkstätte will. Ich verstehe nicht, weshalb hier so geschichtslos argumentiert wird. Jeder Satz der Herren  Rosemeyer jun., oder Werner ist ein Schlag ins Gesicht der SS-Opfer.

In einem Bericht über die NDR-Veranstaltung in der Lingener Tagespost lese ich von all dem nichts. Mir liegt eine Information vor, dass der anwesende LT-Redakteur Carsten von Bevern diese Äußerungen nicht gehört habe. Nun, sie sind für jede/n im Radiomitschnitt zu hören. Anders als ein bornierter Zuruf Richtung Heribert Lange: „S-i-e nehme ich doch überhaupt nicht ernst…“

Der ehem. Lehrer Paul Haverkamp hat jetzt dies zum Thema geschrieben:

  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, und zwar zur Ehrung der Personen, die von den Nazis
  • strafversetzt, zwangspensioniert bzw. ihrer Ämter enthoben wurden
  • gedemütigt und gequält wurden – bis in den Tod
  • abgesetzt und verunglimpft wurden
  • sich nicht haben einschüchtern lassen und die sich schützend vor Jugendliche gestellt haben
  • sich nicht davon haben abbringen lassen, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden vor dem Massaker der SS zu bewahren.
  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, um das Verhalten all derjenigen zu würdigen,
  • die im Stillen, im Geheimen zu den von den Nazis in Lingen gedemütigten und ihrer Menschlichkeit beraubten Juden und allen anderen Verfolgten unter Gefährdung ihres eigenen Lebens gestanden und ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen haben
  • die nicht darauf bedacht waren, sich als Claqueure den Nazis zur Verfügung zu stellen, um sich auf diese Weise kurzfristige persönliche Vorteile zu verschaffen
  • die zuihren christlichen Wurzeln und ihren Wertvorstellungen gestanden haben
  • denen die Bewahrung humaner Werte, Geradlinigkeit und Menschlichkeit wichtiger waren als die auf Menschenverachtung, Freiheitsberaubung, Entzug der Menschenwürde, Gewalt, Rassismus und Völkermord aufbauende Naziideologie
  • Nein, wir benötigen kein Museum für einen SS-Hauptsturmführer,
  • der ohne politischen Zwang es vorzog, sich einem Verbrechersystem anzudienen, sowohl aus Überzeugung als auch mit dem Ziel, seine SS-Mitgliedschaft zu nutzen, mit sportlichen Erfolgen zu reüssieren und seinem unstillbaren Verlangen zur Mehrung seines Narzissmus immer wieder neue „Nahrung“ zu verschaffen
  • dem eine Mitgliedschaft im NSKK nicht reichte und vor der Machtübernahme im   Januar 1933 bereits Ende 1932 eine Mitgliedschaft in die SS anstrebte oder dieselbe bereits vollzog
  • dem seine mit pathologischer Obsession verfolgten Ziele der Erlangung sportlicher Trophäen und internationaler Medienaufmerksamkeit wichtiger waren als sich einen kritischen Blick für die auch bis zu seinem Tode bereits unübersehbaren Gräueltaten des NS-Verbrechersystems – vor allem ausgeübt von „seiner“ SS – zu bewahren

Ein Mensch mit einer solchen Biografie kann niemals ein erinnerungswürdiges Vorbild sein – vor allem nicht  für die heutige junge Generation!

Beispiele für das unter Punkt I aufgeführte Verhalten von Lingener Bürgern, die sich nicht haben verführen lassen und zu Recht eine Würdigung und Ehrung erwarten können; vor allem können sie Vorbilder für die heutige junge Generation sein:

  • Heinrich Brinkmann, Rektor, seit 1933 in ständigem Konflikt mit den Machthabern, 1937 zwangspensioniert
  • Anna Brauer, Hebamme in Brögbern, 1944 Gestapogefängnis Münster
  • Clara Eylert, Schulleiterin, 1937 strafversetzt und zwangsweise pensioniert
  • Pfarrer Georg Geers, widerständiger Pastor, der sich immer wieder mit den Nazis anlegte; letztlich trauten sich diese nicht, ihn zu belangen.
  • Heinrich Schniers, Pastor St. Bonifatius Kirche;  von den Nazis gedemütigt und gequält, starb 1942 im KZ Dachau
  • Hermann Gilles wurde als Zentrumsbürgermeister Lingens von den Nazis 1933 abgesetzt  und verunglimpft
  • Josef Terstiege, Zentrumsbürgermeister bis 1933, von den Nazis abgewählt
  • Julius Landzettel, Gewerkschaftssekretär und bis 1933 Bürgervorsteher; von den Nazis abgesetzt
  • Paul Keseling, Direktor des Georgianums 1945 – 1954; wurde 1935 strafversetzt, weil er sich schützend vor Schüler gestellt hatte, die ihr ND-Heim in Rheitlage abgebrochen hatten, um es vor Übernahm durch die HJ zu schützen
  • Dr. Mathilde Vaerting aus Messingen, 2. weibliche Lehrstuhlinhaberin in Deutschland; 1933 aus dem Amt geworfen
  • Gerhard Schwenne, Priester und Studienrat, Zentrumspolitiker, 1933 strafversetzt
  • Heinrich Löning (Foto), mutiger Lingener Arzt, der stets darum bemüht war, die ukrainischen Juden von Kowel vor dem Massaker der SS-Mordgesellen Hitlers und Himmlers zu bewahren, und dafür sein eigenes Leben aufs Spiel setzte.
  • Zu erwähnen bleiben auch mutige Personen wie Altbürgermeister Robert Koop sen., die Eltern des Altoberbürgermeisters Bernhard Neuhaus und der Lingener Arzt Dr. Ferdinand Beckmann.

Lieber Paul Haverkamp, danke!

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In einer früheren Version dieses Beitrags ist ein Teilnehmer-Name im Zusammenhang mit zitierten Äußerungen genannt, die dieser nach eigenem Bekunden nicht getätigt haben will. Das Landgericht Osnabrück hat mich durch Urteil vom 28.05.2019 verpflichtet, die entsprechenden Aussagen im Beitrag zu unterlassen. Der Name ist daraufhin entfernt worden.

ganzen Satz

19. August 2018

„‚Oma Olga‘, wie sie kurz genannt wird, ist Witwe. Sie lebte immer schon in unserer Stadt und ist inzwischen hochbetagt. Als vor einigen Jahren ihr Mann Gottlieb starb, wurde es zu schwierig mit der Versorgung allein zuhause. Deshalb zog sie in das neue, glänzende Lingener Alloheim. Dort erlebte sie den Niedergang dieser Anfang 2016 mit großen Vorschusslorbeeren gestarteten „privaten“ Einrichtung. Zunehmend wurde es schlechter. Es gab kaum Pflegefachkräfte, viele Leiharbeitnehmer und unter den wenigen war niemand, der sich wirklich um sie und die alten Herrschaften kümmerte. Sie blieben zu oft sich selbst überlassen.

Oma Olga, müssen Sie wissen, war stets eine sehr zurückhaltende, alte Dame. Mit ihren 88 Jahren war ihr nicht nach Widerstand und Beschweren. Klaglos ertrug sie die schreienden, kranken Mitbewohner mit ihren psychischen Macken. Wenn es zu heftig wurde, so dass selbst die wenigen Fachkräfte es sahen, wurde Oma Olga zum Essen an einen anderen Tisch gesetzt. Unterhaltung und Programm gab es kaum, die Angestellten verwechselten sie auch schon mal mit einer nahen Verwandten und sagten dann, sie sei „so aggressiv“. Dann wurde sie, die ruhige Olga, wieder umgesetzt und en weiteres Mal, bis sie schließlich fast alleine an diesem einzelnen Tisch saß. Von dort konnte sie nicht mehr direkt durchs Fenster sehen; sie blickte auf die Wand.

Oma Olga ging bald auch nicht mehr mit ihrem Rollator, mit dem sie sich sogar in den Emsauenpark getraut hatte. Man setzte sie in einen Rollstuhl, schob sie so an den Tisch, von dem sie gegen die Wand schaute, und ließ sie dort sitzen. Dann hörte Oma Olga auf zu sprechen. Niemand wusste, warum. Sie schwieg einfach und zog sich zurück. Es sei die Demenz, hieß es. Oma Olga lachte auch nicht mehr – anders als früher, wenn sie Besuch vom kleinen, quirligen Carlo bekam, mit dem eine Freundin wöchentlich vorbeikam. Oma Olga war still. Demenzkrank sei sie, erklärten überlastet wirkende Hilfskräfte den Angehörigen.

Eines Tages sagten Pflegekräfte im Alloheim plötzlich, Oma Olga sei so aggressiv, man müsse sie auf eine andere Station legen, sie womöglich fixieren. Dochr Oma Ola war nie aggressiv. Heraus kam: Man hatte sie verwechselt.

Längst waren alle ihre schönen Seidenblusen verschwunden, mit denen die 88-jährige so elegant ausgesehen und die sie so gerne getragen hatte; es waren viele Seidenblusen. Ihre  Pullover aus Schurwolle waren achtlos in die Kochwäsche des Heimes gewandert und deshalb eingelaufen und verfilzt. Oma Olga sah so schrecklich aus, als die Pflegekräfte sie ihr trotzdem anzogen.

Es kam der Sommer ’18 mit all seiner Hitze. Im Alloheim -ohne Sonnenschutz außen vor den Fenstern und Klimaanlage- war es heiß und stickig. Die zu wenigen Pflegekräfte konnten kaum darauf achten, ob die alten Männer und Frauen auch genug tranken. Viele Bewohner dösten nur noch vor sich hin. Auch Oma Olga, schweigend

ihre Schwiegertochter sah, dass es so nicht weitergehen könne. Sie suchte und fand durch ganz viel Glück einen anderen Heimplatz in Lingen. Oma Olga verließ das Alloheims. Ein alter  Mann von ihrer „Station“ sah es, freute sich für Oma Olga und setzte traurig hinzu: „Und ich muss hier bleiben!“

An ihre neue Lingener Pflegeeinrichtung gewöhnte sich die Oma Olga schnell. Ihr Zimmer dort war größer, helle, luftiger und hatte eine Kochnische. Die Enkel und ihr Sohn besuchten sie, ihre Schwiegertochter und der kleine Carlo auch. Oma Olga freute sich über den Besuch, lachte sogar. Schon nach ein paar Tagen nutzte ie nicht mehr denn Rollstuhl. Sie ging wieder mit dem Rollator.

Vor dem Umzug hatte bei Besuchen allein die Schwiegertochter gesprochen und von ihrem „Leben draußen“ erzählt. Oma Olga hatte geschwiegen. Als die Schwiegertochter jetzt erzählte, sprach Oma Olga plötzlich mittendrin. Ihre Besucherin stutzte: „Oma Olga, Du hast ja gesprochen! Du hast einen ganzen Satz gesagt!“

Und Oma Olga begann zu weinen.“


Diese Geschichte ist wahr. Gerichtsfest wahr. Nur die Namen habe ich geändert. Die Entwicklung freut mich so unendlich für „Oma Olga“, die zwei Jahre in dem Alloheim war, das längst schrecklich genannt werden muss. 10 Tage nach ihrem Auszug dort spricht die alte Dame wieder, und sie ist wieder auf den Beinen. Mit dem Rollator (und der Hilfe des Aufzugs) bringt sie ihre Enkel von ihrem Zimmer weit oben bis hinunter zur Tür des Seniorenhauses in Lingen, in dem sie jetzt lebt.  

Als ich gestern diese mich sehr berührende Geschichte von Oma Olga erzählte, sprach meine Gesprächspartnerin sofort über schlechte Zustände „auch in anderen Lingener Seniorenheimen“. Tatsächlich mag es sein, dass es auch dort und selbst in Häusern caritativer, sozialer, gemeinnütziger Träger nicht immer gut läuft. Das aber rechtfertigt nichts. Auch wenn einzelne Verantwortliche dies anders sehen.

Wirkliche, ernste Probleme machen die Betreiber, die die Würde unserer Alten nicht achten, weil sie primär Rendite für ihre Aktionäre oder Gesellschafter erzielen wollen. 

Die Geschichte über Oma Olga zeigt mir, dass wir den Betrieb unserer Seniorenheime und -einrichtungen nicht derartigen Firmen überlassen dürfen. Sie gehören ausnahmslos in gemeinnützige Hand. 

Familie Butchinskis
Kleines Straßenfest
Lingen (Ems) – Schlachterstraße („zwischen Koschi und dem Butchers“)
Heute 15 – 22 Uhr
Kein Eintritt

Die Lingener Kultkeipen Butchers & Koschinski laden herzlich zu ihrem ersten Straßenfest ein! „So richtig mit Musik, Lichterketten und Essen, bis die Wampe voll ist.“

„Freut euch auf den Craftbeer-Garten und verdammt gute Drinks an der Wohnzimmer-Bar.“ Es gibt feines BBQ, die „besten Falafel in Town und Käsespätzle. Yum!“

Mit dabei:
– Falaf-EL (Falafel)
– Beatschicht (Beats & BBQ)
– Bottlerocket – Full of Spirits (Drinks und Limonaden aus Berlin)
– One Pint Germany (Craftbeer)
– Alte Posthalterei (Spätzle)
– Butchers (Wohnzimmer-Bar)
– Koschinski (Craftbeer-Garten/Beatschicht BBQ)

Die Veranstalter:
„Also packt alle Eure Freunde ein und auf gehts! Wir freuen uns, wenn ihr mit dabei seid!

Eure Familie Butchinski

PS. Nach dem Sonnenuntergang feiern wir im Butchers und Koschinski gemeinsam mit euch weiter!“

In diesem Sommer zieht die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden im niederländischen Friesland, von Lingen(Ems) kein i90 Minuten Autofahrt entfernt ist, natürlich besonders viele Besucher an. Am kommenden Wochenende steht ein weiterer Höhepunkt auf dem kulturellen Programm: Das weltberühmte, französische Theaterensemble Royal de Luxe wird am Freitag mit drei meterhohen Marionetten die Straßen der Kulturhauptstadt erobern und bis Sonntag in der Stadt gastieren. Für dieses Theaterspektakel werden 400.000 Besucher erwartet.

Leeuwarden konnte 2013 zusammen mit Friesland die europäische Jury überzeugen und holte sich den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2018“. Vor allem das friesische Thema „iepen mienskip“, das auf  Deutsch „offene Gemeinschaft“ bedeutet, konnte überzeugen. Ein zentraler Punkt der „iepen mienskip“ ist das gemeinsame, „von unten ausgehende“ Arbeiten an einer besseren Welt. Außerdem sollen die Veranstaltungen etwas Bleibendes schaffen und den Denk- und Lebensweisen der Menschen einen neuen Impuls geben.

Vorab hatte die Stadt mit ungefähr vier Millionen Besuchen (nicht Besuchern) und 1,4 Millionen Übernachtungen für das Kulturhauptstadtjahr gerechnet. Nach einem halben Jahr zeichnet sich ab, dass die Schätzungen zutreffen könnten. Vor zwei Wochen besuchten mehr als 300.000 Menschen das nautische Event The Tall Ship Races in Harlingen. Im Friesischen Museum knackte die Escher-Ausstellung, die noch bis zum 28. Oktober läuft, bereits die 100.000-Besucher-Marke. Die Mata Hari-Ausstellung wurde schon 90.000 Mal besucht. Durchschnittlich geben die Besucher 47 Euro pro Person aus, was deutlich mehr ist, als die zuvor geschätzten 19,50 Euro.

Am kommenden Wochenende wird also der nächste Publikumsmagnet erwartet: das Straßenensemble Royal de Luxe. Das Ensemble wurde in den siebziger Jahren gegründet und suchte sich die Straße als Bühne aus, da es einfacher sei, das Publikum auf der Straße zu erreichen, als es in einen dunklen Saal zu bewegen. Für das Ensemble ist es sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen erreicht werden – auch die Menschen der Vororte. Diese Idee passt natürlich gut zum Motto „offene Gemeinschaft“ der Kulturhauptstadt 2018. Um dieses Ideal umsetzen zu können, hat das Ensemble einige Forderungen gestellt. Die Vorführungen dürfen nicht von Sperrzäunen umgeben sein und es sollen möglichst wenig Polizisten zu sehen sein – denn die würden den Zuschauern nur die Sicht auf das Schauspiel nehmen.

Nach Leeuwarden bringt Royal de Luxe drei riesige Marionetten mit. Am Freitag sollen in Bahnhofsnähe das „kleine Riesenmädchen“ und ein Hund namens Xolo erwachen, das Mädchen ist 5,5 und der Hund 3 Meter groß. An der Westerkade soll der 11 Meter große „Taucher“ aus dem Wasser gezogen werden. Das ganze Wochenende über werden die drei Marionetten durch die Stadt bewegt – dafür sind mehrere Fahrzeugkräne und 120 herumspringende und an Seilen ziehende, in rot gekleidete „Liliputaner“ nötig, die von Figuren aus dem Buch Gullivers Reisen inspiriert wurden. Die Riesen werden am Wochenende alles machen, was normale Menschen tagsüber auch machen, sie werden spazieren, sich duschen, essen und schlafen – und dabei kann man ihnen die ganze Zeit über zusehen.

Der Gründer und Regisseur von Royal de Luxe, Jean-Luc Courcoult, entscheidet darüber, welche Städte von seinen Riesen bereist werden. So waren die Marionetten in den letzten Jahren beispielsweise in Liverpool, Antwerpen und Berlin zu bestaunen. Leeuwardenbesuchte Courcoult zum ersten Mal 2015, um sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Stadt zu verschaffen. Für die märchenhaften Aufführungen in den Städten werden oftmals Elemente aus der lokalen Geschichte aufgegriffen. In Leeuwarden beeindruckte Courcoult vor allem der Kampf der Friesen gegen das Wasser, weshalb das Thema vom Theaterensemble für das Programm aufgenommen wurde. Zusätzlich bilden die engen Gassen in Leeuwarden eine echte Herausforderung für das Ensemble, es sind die schmalsten Straßen, die sie je bespielt haben. Der Effekt der riesenhaften Marionetten dürfte hier allerdings besonders gut zur Geltung kommen.

Der Auftritt des Royal de Luxe wird die Stadt ungefähr 3,5 Millionen Euro kosten. Siebzig Prozent des Betrags landen allerdings wieder in der friesischen Ökonomie, so die Organisatoren, da friesische Fahrzeugkräne verwendet werden und natürlich Geld durch Hotelübernachtungen eingenommen wird. Zusätzlich rechnet die Stadt mit weiteren Ausgaben der Besucher innerhalb der Stadt und der Umgebung. Der Belgier Patrick de Grote hat schon viele Auftritte der Riesen in Antwerpen organisiert und analysiert. Die riesigen Marionetten seien nicht nur finanziell eine gute Investition, sondern vor allem im Hinblick auf die vielen Menschen, die mit einem Auftritt erreicht würden. Das Publikum sei von den Riesen stets beeindruckt – und zwar so sehr, dass viele Passanten nachts vor den Riesen stehen würden, um ihnen beim Schlafen zuzusehen.

 

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