„eine positive Geschichte“

20. August 2018

Am vergangenen Dienstag hat das NDR Radio Niedersachsen unter dem Sendeformat „Jetzt reicht’s! – Rennen für Ringe und Hakenkreuz“ eine Diskussion über das geplante Rosemeyer-Beinhorn-Museum veranstaltet. Den Zusammenschnitt findet sich hier.

Die Veranstaltung selbst enthielt einige besonders tumb-gestrige, die Geschichte mit Füßen tretende Aussagen. So sagte der ehem. Berufssoldat Hans-Wolfgang Biermann, an den Vorsitzenden des Forum Juden Christen Dr. Heribert Lange gewandt: „Der erzieherische Wert des Bernd-Rosemeyer-Museums ist größer als alle Ihre Stolpersteine zusammen.“

Bernd Rosemeyer junior, eingespielt von außerhalb, meinte: „Die SS war am Anfang ‚eine positive Geschichte'“.

Pro-Rosemeyer-Gedenkstätte hat sich Werner Dietrich bereits in Leserbriefen geäußert. Am vergangenen Dienstag dann dies: „Bernd Rosemeyer starb, bevor die Untaten der SS begannen. Er lehne daher eine „kritische Beleuchtung“  Rosemeyers ab.

Man sollte diese NDR-Veranstaltung nicht zu ernst nehmen. Aber ich sage auch mit allem Nachdruck: Wehret den Anfängen!

Ich frage mich, weshalb man angesichts dessen für einen im besten Fall opportunistischen Sportler in der SS, eine museale Gedenkstätte will. Ich verstehe nicht, weshalb hier so geschichtslos argumentiert wird. Jeder Satz der Herren Biermann, Rosemeyer jun., oder Werner ist ein Schlag ins Gesicht der SS-Opfer.

In einem Bericht über die NDR-Veranstaltung in der Lingene Tagespost lese ich von all dem nichts. Mir liegt eine Information vor, dass der anwesende LT-Redakteur Carsten von Bevern diese Äußerungen nicht gehört habe. Nun, sie sind für jede/n im Radiomitschnitt zu hören. Anders als der bornierte Zuruf Biermanns Richtung Heribert Lange: „S-i-e nehme ich doch überhaupt nicht ernst…“

Der ehem. Lehrer Paul Haverkamp hat jetzt dies zum Thema geschrieben:

  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, und zwar zur Ehrung der Personen, die von den Nazis
  • strafversetzt, zwangspensioniert bzw. ihrer Ämter enthoben wurden
  • gedemütigt und gequält wurden – bis in den Tod
  • abgesetzt und verunglimpft wurden
  • sich nicht haben einschüchtern lassen und die sich schützend vor Jugendliche gestellt haben
  • sich nicht davon haben abbringen lassen, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden vor dem Massaker der SS zu bewahren.
  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, um das Verhalten all derjenigen zu würdigen,
  • die im Stillen, im Geheimen zu den von den Nazis in Lingen gedemütigten und ihrer Menschlichkeit beraubten Juden und allen anderen Verfolgten unter Gefährdung ihres eigenen Lebens gestanden und ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen haben
  • die nicht darauf bedacht waren, sich als Claqueure den Nazis zur Verfügung zu stellen, um sich auf diese Weise kurzfristige persönliche Vorteile zu verschaffen
  • die zuihren christlichen Wurzeln und ihren Wertvorstellungen gestanden haben
  • denen die Bewahrung humaner Werte, Geradlinigkeit und Menschlichkeit wichtiger waren als die auf Menschenverachtung, Freiheitsberaubung, Entzug der Menschenwürde, Gewalt, Rassismus und Völkermord aufbauende Naziideologie
  • Nein, wir benötigen kein Museum für einen SS-Hauptsturmführer,
  • der ohne politischen Zwang es vorzog, sich einem Verbrechersystem anzudienen, sowohl aus Überzeugung als auch mit dem Ziel, seine SS-Mitgliedschaft zu nutzen, mit sportlichen Erfolgen zu reüssieren und seinem unstillbaren Verlangen zur Mehrung seines Narzissmus immer wieder neue „Nahrung“ zu verschaffen
  • dem eine Mitgliedschaft im NSKK nicht reichte und vor der Machtübernahme im   Januar 1933 bereits Ende 1932 eine Mitgliedschaft in die SS anstrebte oder dieselbe bereits vollzog
  • dem seine mit pathologischer Obsession verfolgten Ziele der Erlangung sportlicher Trophäen und internationaler Medienaufmerksamkeit wichtiger waren als sich einen kritischen Blick für die auch bis zu seinem Tode bereits unübersehbaren Gräueltaten des NS-Verbrechersystems – vor allem ausgeübt von „seiner“ SS – zu bewahren

Ein Mensch mit einer solchen Biografie kann niemals ein erinnerungswürdiges Vorbild sein – vor allem nicht  für die heutige junge Generation!

Beispiele für das unter Punkt I aufgeführte Verhalten von Lingener Bürgern, die sich nicht haben verführen lassen und zu Recht eine Würdigung und Ehrung erwarten können; vor allem können sie Vorbilder für die heutige junge Generation sein:

  • Heinrich Brinkmann, Rektor, seit 1933 in ständigem Konflikt mit den Machthabern, 1937 zwangspensioniert
  • Anna Brauer, Hebamme in Brögbern, 1944 Gestapogefängnis Münster
  • Clara Eylert, Schulleiterin, 1937 strafversetzt und zwangsweise pensioniert
  • Pfarrer Georg Geers, widerständiger Pastor, der sich immer wieder mit den Nazis anlegte; letztlich trauten sich diese nicht, ihn zu belangen.
  • Heinrich Schniers, Pastor St. Bonifatius Kirche;  von den Nazis gedemütigt und gequält, starb 1942 im KZ Dachau
  • Hermann Gilles wurde als Zentrumsbürgermeister Lingens von den Nazis 1933 abgesetzt  und verunglimpft
  • Josef Terstiege, Zentrumsbürgermeister bis 1933, von den Nazis abgewählt
  • Julius Landzettel, Gewerkschaftssekretär und bis 1933 Bürgervorsteher; von den Nazis abgesetzt
  • Paul Keseling, Direktor des Georgianums 1945 – 1954; wurde 1935 strafversetzt, weil er sich schützend vor Schüler gestellt hatte, die ihr ND-Heim in Rheitlage abgebrochen hatten, um es vor Übernahm durch die HJ zu schützen
  • Dr. Mathilde Vaerting aus Messingen, 2. weibliche Lehrstuhlinhaberin in Deutschland; 1933 aus dem Amt geworfen
  • Gerhard Schwenne, Priester und Studienrat, Zentrumspolitiker, 1933 strafversetzt
  • Heinrich Löning (Foto), mutiger Lingener Arzt, der stets darum bemüht war, die ukrainischen Juden von Kowel vor dem Massaker der SS-Mordgesellen Hitlers und Himmlers zu bewahren, und dafür sein eigenes Leben aufs Spiel setzte.
  • Zu erwähnen bleiben auch mutige Personen wie Altbürgermeister Robert Koop sen., die Eltern des Altoberbürgermeisters Bernhard Neuhaus und der Lingener Arzt Dr. Ferdinand Beckmann.

Lieber Paul Haverkamp, danke!

68 Antworten to “„eine positive Geschichte“”

  1. Paul Haverkamp said

    „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ – Jüdisches Sprichwort

    I. Nach meiner Wahrnehmung des Beitrages, den das NDR am Donnerstag letzter Woche ausgestrahlt hat, versuchte der Kurator des Museums, Prof. Walter, immer wieder, die Bedeutung der SS herunterzuspielen, sie sozusagen bis zum Ausbruch des Krieges 1939 zu einer ein wenig aus den Fugen geratenen Pfadfinderhaufen zu mutieren, wohl wissend, dass die SS bereits vor 1933 und besonders nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 eine brutal-menschenverachtende Rolle gespielt hat. Ich möchte das an mehreren Beispielen verdeutlichen:

    a) Bereits vor 1933 terrorisierten SS-Leute nazifeindliche Personen, führten Saal-Schlachten durch und waren beseelt von dem Auftrag, alle Gegner Hitlers entweder mundtot zu machen oder sie politisch zu eliminieren. Die SS überwachte mit Hilfe von Spitzeln die Bevölkerung und ging mit Verhaftungen, Folter und Mord gegen politische Gegner vor.

    b) Vor seiner SS-Mitgliedschaft war Rosemeyer bereits SA-Mitglied. Diese SA – in Verbindung mit SS-Leuten – ließ Hitler als „Ordnungsdienst“ einsetzen, als er den Reichstag am 23. März 1933 das Ermächtigungsgesetz in der Krolloper beschließen ließ. Dieser „Ordnungsdienst“, der Spalier bildete beim Einzug in die Krolloper, machte jedem noch verbliebenen Abgeordneten klar ( 81 KPD-Abgeordnete waren bereits vom Reichstag ausgeschlossen worden) , dass ein Nein bei der Abstimmung die sichere Verhaftung bedeutete. Otto Wels (SPD): „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“

    c) Im Zuge der „Röhm-Affäre“ erschoss Rosemeyers SS-Kamerad Theodor Eicke, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, am 1. Juli 1934 Ernst Röhm in Stadelheim

    d) Im Zuge der „Röhm-Affäre wurden von Rollkommandos der SS und des SD neun weitere Personen erschossen und ermordet: Kurt v. Schleicher und seine Ehefrau, Gregor Strasser, Ferdinand von Bredow, Herbert von Bose, Edgar Jung, Erich Klausener, Eugen von Kessel und Othmar Toifl.
    Unmittelbar nach der Errichtung der ersten drei Emslandlager im Sommer 1933 verbreiteten die SS-Bewacher von Juli bis November 1933 einen derart „wilden“ Terror, dass der SS das Kommando wieder entzogen wurde. Im April 1934 wurde der SS die Verfügungsgewalt für das Lager Esterwegen zurückgegeben. Jetzt führte die SS in Esterwegen einen „geregelten“ Terror durch – nach einer „Besonderen Lagerordnung“ sowie einer speziellen „Disziplinar- und Strafordnung“. Das Konzentrationslager bestand das Lager Esterwegen bis 1936.

    e) Hat Rosemeyer auch von all den folgenden Dingen nichts gewusst, obwohl das KZ Esterwegen vor seiner „Haustür“ lag?

    f) Wie hat er sich wohl gefühlt als SS-Hauptsturmführer, dessen Kameraden in Esterwegen für die Inhaftierten die Hölle auf Erden organisierten?

    Von den barbarischen Unrechtstaten vor der Haustür von Rosemeyer hätte derselbe auch wissen können; aber er wollte sie wohl nicht wissen, um die Ehre seiner SS-Kameraden in Esterwegen nicht zu beschädigen.

    g) 1934 erfolgt die Inhaftierung Carl von Ossietzkys, der 1933 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, vom Konzentrationslager Sonnenburg nach Esterwegen. 1935 besuchte der Abgesandte des IRK, Carl J. Burkhardt, den Redakteur der „Weltbühne“. Über die Begegnung schrieb Burghardt u.a.:

    h) „Nach 10 Minuten kamen zwei SS-Leute, die einen kleinen Mann eher schleppten und trugen als ihn heranführten. Ein zitterndes totenblasses Etwas, das gefühllos zu sein schien, ein Auge geschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen. Er schleppte ein gebrochenes, schlecht ausgeheiltes Bein nach sich … Vor mir, gerade noch lebend, stand ein Mensch, der an der äußersten Grenze des Tragbaren angelangt war … Jetzt füllte sich das noch sehende Auge mit Tränen, lispelnd unter Schluchzen sagte er:

    „Danke, sagen Sie den Freunden, ich sei am Ende, es ist bald vorüber, bald aus. Das ist gut.“

    Carl von Ossietzky starb am 4. Mai 1938.

    i) Am 7.8.1935 protestierte der Berliner Domkapitular Lichtenberg in einem Brief an das Preußische Staatsministerium gegen die Misshandlungen der Gefangenen im Konzentrationslager Esterwegen; sein Gewissen lässt ihm keinen Platz mehr, Mund und Ohren zu verschließen; er ist nicht mehr bereit, den „wilden Gerüchten“ keinen Glauben zu schenken. Er beschreibt bis in alle Einzelheiten Methoden der SA-Wachmannschaften im KZ-Esterwegen, wie diese die Gefangenen schlagen, foltern, töten.

    Lichtenberg schreibt u.a.:

    „Die Vollstreckung der Prügelstrafe erfolgt zum Beispiel im Lager Esterwegen bei Papenburg in folgender Weise :

    Die Häftlinge müssen im Karree antreten. Die vierte Seite des Karrees nimmt die Wachtmannschaft ein. Von einem Führer der Wachtmannschaft wird der Strafbefehl verlesen, worin es heißt, dass der Häftling sowieso zur Prügelstrafe verurteilt ist und 25 Stockschläge bekommen soll.
    Die Strafbefehle sind in jedem einzelnen Fall von dem SS-Gruppenführer Eicke Gestapo Berlin gezeichnet, dessen Name auch stets mitverlesen wird. Der zu Bestrafende wird auf einem im Karree aufgestellten Bock mit Lederriemen festgeschnallt. Die Vollstreckung erfolgt mit einem Ochsenziemer, während der Delinquent die Hiebe selbst mitzählen muss.

    Der Schutzhaftgefangene A. aus der Gruppe der Berufsverbrecher hatte am 6.Juni Termin vor dem ordentlichen Gericht wegen Taschendiebstahls. Zu diesem Zweck wurde er am letzten Sonntag im Mai im Lager noch einmal vernommen. Dabei soll sich A. geäußert haben, er würde die Missstände in der Lagerverwaltung , die Unterschlagungen eines Kalfaktors F. und sonstige Vorgänge im Termin zur Sprache bringen. Am Tage darauf wurde A. nach den allgemeinen Regeln der Lagerverwaltung geschliffen. Dabei musste er langhingestreckt auf dem Erdboden rollen; während er sich in der rollenden Haltung auf dem Erdboden fortbewegte, sind auf ihn aus einer Maschinenpistole 30 bis 40 Schuss abgefeuert worden. Von acht Schüssen in der Brust getroffen wurde A. dann tot in die Baracke getragen.
    Der Schutzhäftling Schäfer (oder Käfer) erhielt von einem Wachtmann den Befehl, sich allen Außenposten des Lagers zu melden und jedem Posten einzeln zu sagen, ich habe einen SA-Mann erschossen. Der Befehl wurde ausgeführt. Abends um 5.15 Uhr wurde der Mann durch zwei Gewehrschüsse erledigt.“

    Lichtenberg musste seinen Widerstand mit dem Tode im Strafgefängnis Tegel im November 1943 bezahlen.

    II. Wenn ein Diskutant wie ich mir von einem Teilnehmer der Veranstaltung habe sagen lassen, bei der NDR-Veranstaltung meinte, dass das Rosemeyer-Museum wichtiger sei als alle Stolpersteine zusammen, so weise ich eine solche Äußerung vehement zurück.

    Durch die Stolpersteine werden die Opfer des NS-Terrorregimes mehr und mehr aus der Anonymität herausgeholt. Durch die Aufarbeitung der einzelnen Biografien wird ein Andenken an den einzelnen Menschen ermöglicht, der aus seinem Leben mitten in Deutschland und Europa herausgerissen wurde, um in der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie einen grausamen Tod zu sterben.

    Neben der Erinnerungskultur kann der Blick auf heutige Ausgrenzungen aufgrund von Religion, Herkunft, Behinderungen und Äußerlichkeiten gelenkt werden. Schon ein „falsches“ Outfit oder eine „falsche“ Meinung kann im heutigen Alltag zu Ausgrenzungen führen.
    Es gilt immer wieder eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen. Wer sich dieses Erinnerns versagt, überlässt den Geschichtsvergessenen und den Vertretern der Geschichtsklitterung die Bühne. Ich möchte die Aussage von Herrn Gauland hier nicht wiederholen, die er zu der Zeit von 1933-45 machte – sie ist einfach nur widerwärtig.

    Wer die Bedeutung der Aufarbeitung der Naziverstrickungen eines Herrn Rosemeyer nur mit einer Geringschätzung quittiert, sie gleichsam als quantitè nègligeable wahrzunehmen bereit ist, der arbeitet denjenigen in die Hände, die sich sehnlichst nach einer Zeit zurücksehnen, in der Deutschland meinte, eine geistig-politisch-rassische Überlegenheit in Europa beanspruchen zu können, um damit zugleich die Legitimation für das furchtbarste Verbrechen der Menschheit zu bewirken, den Holocaust.

    Wer all diese Zusammenhänge bei der Zustimmung zu diesem Museum nicht versteht, handelt verantwortungslos und geschichtsvergessen.
    Lingen braucht kein Museum für einen SS-Hauptsturmführer, sondern ein Museum, in dem diejenigen Bürger aus Lingen geehrt und gewürdigt werden, die Opfer der Nazis wurden oder sich mit ihrer jeweiligen Haltung den Nationalsozialisten widersetzten.

    Der OB hat in der letzten Woche bei der Ehrung der belgischen Widerstandskämpfer in Schepsdorf zu Recht darauf hingewiesen, dass wir nötiger denn je einer Erinnerungskultur bedürfen, die junge Leute sensibilisiert für Zustände, wenn Recht sich in Unrecht verwandelt und der frühzeitige Widerstand gegen eine solche Haltung zur obersten Pflicht wird.

    Diese Personen können Vorbilder für die junge Generation sein, damit sie frühzeitig erkennen, welche Gefahren drohen von Personen, die erneut wieder dem Nationalismus, einer Abschottungsmentalität und einer Fremdenfeindlichkeit das Wort reden.

    III. Wenn Herr v. Bevern meint, seinen Artikel mit der Überschrift versehen zu müssen:

    Viel Zustimmung für Rosemeyer-Museum, Kritik am Konzept ,

    so habe ich mir von Teilnehmern der Veranstaltung sagen lassen, dass diese Aussage in dieser Pauschalität nicht den objektiven Tatsachen entspricht. Doch vielleicht entspricht die gewählte Überschrift ja auch nur einem Wunschdenken des Redakteurs.

    Paul Haverkamp, Lingen

  2. Paul Haverkamp said

    Zunächst einige Vorbemerkungen:

    • Die unmissverständlichen Eintragungen von Herrn Koop in seinem Blog machen deutlich, dass er seine ablehnende Haltung zu diesem Museum immer wieder in der Öffentlichkeit darstellt. Ich möchte ihm persönlich dafür herzlich danken.

    • Dieser in der Öffentlichkeit bekundete Mut fehlt nach meinen Wahrnehmungen jedoch einer Vielzahl von Ratsmitgliedern ( um nicht zu sagen allen, Herr Koop ausgenommen).

    • Mein nachfolgender Text möchte als „last call“ an die Ratsmitglieder verstanden werden, endlich auch in der Öffentlichkeit eine deutliche Meinung zu vertreten. Die Angst vor potenziellen Wählerverlusten darf die Priorität einer staatsbürgerlichen Verpflichtung vor einer öffentlichen Warnung eines solchen Museums zugunsten eines „SS-Hauptsturmführers“ nicht beeinträchtigen.

    „Indignez-vous !“

    Wann werden die Lingener Stadtratsmitglieder endlich ihrer Verantwortung gerecht?

    Der Redakteur der LT schreibt in seinem Kommentar, dass kein CDU-Ratsmitglied der Veranstaltung gefolgt ist (ich unterstelle, dass von den anderen Parteien – wenn überhaupt – auch nur Mitglieder in homöopathischen Dosen anwesend waren).

    Als kritisch-interessierter Bürger und Wähler frage ich mich, wie das Verhalten solcher Volksvertreter in dieser Sache zu bewerten ist und ob den Volksvertretern klar ist, was in Sachen „Rosemeyer-Museum“ tatsächlich auf dem Spiel steht:

    • Haben die Volksvertreter tatsächlich verinnerlicht, dass es hier in Sache um die Errichtung eines Museums für einen SS-Hauptsturmführer geht?

    • Haben die Volksvertreter tatsächlich verinnerlicht, dass, sollte das Museum eröffnet werden, die Stadt Lingen dem in Deutschland und Europa (Amerika im Augenblick eingeschlossen) weit verbreiteten Trend einen Bärendienst erweist, indem sie sich nicht eindeutig und unmissverständlich öffentlich (!!!) immer wieder gegen ein solches Museum aussprechen?

    • Warum meldet sich kein Stadtratsmitglied öffentlich – z.B. bei Klaas-Schaper – um seinem Unmut und seinen Widerwillen gegen ein Museum für einen SS-Hauptsturmführer kundzutun?

    • Warum schickt der Lingener OB seinen ersten Stadtrat vor, anstatt als oberster Repräsentant öffentlich (!!!) kundzutun, dass ein solches Museum in Lingen für einen SS-Hauptsturmführer keinen Platz haben darf?

    • Ist den Stadtratsmitgliedern bewusst, dass sie durch ihr kollektives Schweigen auch in Lingen der Partei immer mehr Fürsprecher generieren, die aus Deutschland – und damit auch aus Lingen – etwas ganz anderes machen wollen, nämlich das, was die Geschichte Deutschlands und Europas im 20. Jahrhundert in so verheerender Weise nachhaltig geprägt hat? Ist das Museum erst einmal eröffnet, lassen die so Denkenden die Sektkorken knallen und sehen sich bestätigt in ihrem Kurs – wie er auf Bundesebene im Bundestag von „ihrer“ Partei vertreten wird, nämlich der Abschottung, der Ab- und Ausgrenzung, der Fremdenfeindlichkeit, eines Nationalisierungskurses, der Ethnisierung, der Beschwörung des ausschließlich zu favorisierenden Germanentums; mit einem Worte: Eines Deutschlands, das sich immer weiter von seinen Grundsätzen der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Beachtung der Menschenwürde entfernt.

    Sehr geehrte Mitglieder und Mitgliederinnen des Stadtrates: Werden Sie endlich Ihrer Verantwortung für die Erhaltung eines demokratischen Lingens (und damit auch Deutschlands) gerecht! Kämpfen Sie öffentlich gegen die Errichtung eines Rosemeyer-Museums!

    • Lesen Sie noch einmal den Roman von S. Lenz „Deutschstunde“. Am 14.8.2018 gab der Erfolgsregisseur Christian Schwochow, der eine Neuverfilmung zur „Deutschstunde“ gedreht hat, in der LT (Der Bericht trug den Titel: „Widerstand lernen“) zu Protokoll:

    „Das ist das, was mich interessiert in einer Zeit, in der Widerstand fehlt in Anbetracht der politischen Situation in Deutschland, in Europa, überall in der Welt“, sagt Schwochow. Er spricht von einer „rechten Revolution, die längst politischer Mainstream ist. Wir sind in einer Art Koma gefangen, es passiert ganz wenig Gegenwehr. Und deswegen hat mich diese Geschichte umso mehr interessiert, eines Jungen, der in den Widerstand geht“, sagt Schwochow.“

    • Oder lesen Sie noch einmal den im Oktober 2010 erschienenen Essay „Empört Euch“ (franz. Originaltitel „Indignez-vous !) des französischen Widerstandskämpfers und UN-Diplomaten Stéphane Hessel

    • Max Frisch lässt in seinem Stück „Andorra“ Barblin den Pater Benedikt fragen: „Wo, Pater Benedikt, bist du gewesen, als sie unsern Bruder geholt haben wie Schlachtvieh, wie Schlachtvieh, wo? Schwarz bist du geworden, Pater Benedikt ….“

    Sehr geehrte Mitglieder und Mitgliederinnen des Stadtrates: Wenn Sie jetzt nicht endlich aktiv werden, muss sich später ein jeder von Ihnen die Frage gefallen lassen, wie er sich einem Trend zur „gelenkten Demokratie“ entgegengestellt hat.

    Paul Haverkamp, Lingen

  3. Hans Brinck said

    300 Priester sollen tausende Kinder missbraucht haben

    Im US-Bundesstaat Pennsylvania haben einer umfassenden Untersuchung zufolge mehr als 300 katholische Priester sexuelle Übergriffe auf Minderjährige begangen.
    Kann man deshalb einen katholischen Kirchgänger dafür verantwortlich machen, dass in USA und auch im eigenen Land nicht nur Priester, sondern auch Bischöfe und sogar Kardinäle ebenfalls Kinder missbraucht haben? Sind alle Katholiken deshalb auch Angehörige einer verbrecherischen Einrichtung?
    Bernd Rosemeyer hat nachweislich keinem Menschen einen Schaden zugefügt. Allein seine Mitgliedschaft in einer Nazi-Organisation kann man ihm meiner Meinung nach genau so wenig anlasten wie einem Katholiken sein Glaube an die katholische Kirche, trotz der verbrecherischen Taten der Priester usw.
    Deshalb: Sehr geehrte Mitglieder und Mitgliederinnen des Stadtrates: Werden Sie endlich aktiv und geben Sie neben der „Bernd-Rosemeyer-Strasse“ auch dem „Bernd-Rosemeyer und Elly Beinhorn-Museum“ Ihre Zustimmung. Das haben diese Sportler verdient, die für mich damals als Kind eine Vorbildfunktion hatten und auf die ich als Lingener Stolz war und auch heute noch bin!

    • Robert Weemeyer said

      Wer die katholische Kirche mit der SS gleichsetzt und einen einfachen Kirchgänger mit einem SS-Hauptmann, der disqualifiziert sich selbst.

    • Mathis said

      Schweigen heisst mitmachen und tolerieren.
      Und von den demokratisch gewählten Vertretern erwarte ich eine klare Aussage&Stellung. Ich kann niemanden wählen, der schweigt.

  4. Peter G. said

    Kann mir jemand sagen, wieviel Menschen Bernd Rosemeyer umgebracht hat? Viel schlimmer finde ich, das wir heute den Stasischergen eine Pension zahlen, und das die andern in politischen Ämter sind.

    • Sollten wir nicht fragen, wieviele Menschen die SS umgebracht hat? Die SS war eine terroristische Organisation, gegen die der IS nichts ist. Darf man eine Gedenkstätte für das Mitglied einer Terrororganisation schaffen?

    • Paul Haverkamp said

      Plumpheit und Dummheit

      Kein Museumskritiker hat jemals Bernd Rosemeyer sen. vorgeworfen, an Tötungsaktionen beteiligt gewesen zu sein. Insofern ist diese Frage einfach obsolet, plump und dumm.

      Die Frage dient lediglich zur Ablenkung der Tatsache, dass Rosemeyer es offensicht gar nicht schnell genug gehen konnte, Mitglied einer Terrororganisation wie der SS zu sein. (Vielleicht schon im Jahre 1932.)

      Dass die SS schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt an der Terrorisierung und Tötung von Menschen beteiligt war, habe ich in meinen obigen Ausführungen ausführlich dargelegt.

      Dass Rosemeyer von all dem hätte wissen können, wenn er es denn gewollt hätte, steht auch außer Zweifel. Denn wenn ein Dompropst Lichtenberg im Jahre 1935 aufs Heftigste gegen die Misshandlung der Gefangenen in Esterwegen protestierte, so hätte es Rosemeyer, der vor der Haustür Esterwegens seine Heimat hatte, ebenfalls wissen können und müssen!

      Doch sein persönlicher Narzissmus und seine gegenüber dem Terrorsystem an den Tag gelegte Ignoranz und Indolenz waren stärker und bestimmender für sein Handeln als Gradlinigkeit, moralischer Anstand, öffentliche Respektanmahnung vor der Würde des Menschen, öffentliche Kritikübung gegenüber seinen SS-Freunden ,den SS-Barbaren, und der Bereitschaft vor dem Hintergrund der Gräueltaten der SS, persönliche Konsequenzen zu ziehen, z.B. durch die Rückgabe des Ausweises einer SS-Mitgliedschaft.

      All diese Zusammenhänge wollen die Rosemeyer-Freunde nicht hören, weil sie dann nämlich erkennen müssten, dass man auch schuldig werden kann, ohne jemanden getötet zu haben.

      Paul Haverkamp, Lingen

  5. Marc Riße said

    Als die Idee zu diesem Museum bekannt wurde, habe ich mir öffentlich eine sachliche Diskussion dazu gewünscht.
    „Von beiden Seiten!“ schrieb ich, weil schon damals erkennbar war, dass dritte Seiten bei dieser Frage untergehen werden.

    „Rosemeyer-Freunde“ oder „Museumsgegner“, liest man heute – ganz wie erwartet. Auf diese beiden Begriffe allein lässt sich die Angelegenheit aber nicht reduzieren.

    Meiner Meinung nach ist in dieser Debatte jede Frage erlaubt! Denn diese Fragen zeigen doch gerade, wieviel Unsicherheit und möglicherweise auch Unwissenheit zu den Vorkommnissen von damals heute vorhanden ist. Auch bei mir.

    Solche Fragen mit „disqualifiziert sich selbst“ oder „Plumpheit und Dummheit“ abzutun, gehört sich nicht! Wer so etwas schreibt, entzieht sich selber der sachlichen Diskussion.

    In der Angelegenheit selber sind ganz viele Fragen offen. Solange ich darauf meine eigene Meinung noch nicht gefunden habe, kann niemand von mir erwarten, dass ich mich als Ratsmitglied dazu äußere.

    Was meinen die anderen Ratsmitglieder, die hier ja fast alle mitlesen?

    Marc Riße, Lingen

    • Ein diesen Kommentar lesendes Ratsmitlied meint, dass mit sog. „sachlichen Fragen“ über das Für und Wider von Gedenkstätten für SS-Offiziere, die gut Autorennen fahren konnten, der Geschichtsrevisionismus fröhliche Urstände feiert. Das brauchen wir nicht, oder, wie es ein führendes Mitglied der Mehrheitsfraktion, sagt, diese Museum ist so überflüssig wie ein Kropf.
      Was wir dringend brauchen, ist eine neuer Name für die Bernd-Rosemeyer-Straße. Drei stehen da mE zur Auswahl: Bahnhofstraße, Helmut-Kohl-Straße oder Josef-Rosemeyer-Straße. JR kennst Du nicht? Dann lies mal nach: https://robertkoop.wordpress.com/tag/josef-rosemeyer/

    • Paul Haverkamp said

      Sehr geehrter Herr Riße!

      Natürlich benötigt jedes Ratsmitglied Zeit, für sich eine eigene Meinung zu bilden, sich zu informieren, sich fachwissenschaftlichen Beistand zu holen. Das wird doch von niemandem in Frage gestellt.

      Ich erlaube mir jedoch den Hinweis, dass die causa „Rosemeyer-Museum“ doch schon seit langer Zeit in Lingen auf dem Tisch der Ratsmitglieder liegt – nicht erst seit drei Monaten!

      Hoffentlich ist für viele Ratsmitglieder das „Zeit-Argument“ nicht nur eine Ausrede, um sich im Vorfeld nicht eindeutig und unmissverständlich positionieren zu müssen.

      Sollte es jedoch Ratsmitglieder geben, die sich – aus Angst vor dem Wählerverhalten – nur ungern in dieser Frage festlegen, so werden diese Volksvertreter aus meiner Sicht ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung nicht gerecht – egal wie die Entscheidung auch immer ausfällt. Die Bürger haben jedoch ein Recht, die Meinung eines jeden Volksvertreters zu erfahren – und zwar nicht erst zu einem Zeitpunkt, wenn alles „gelaufen“ ist.

      Irgendwann muss ein Meinungsbildungsprozess ja auch mal abgeschlossen sein. Wer meint, er könne diese Zeit „aussitzen“, um im Nachhinein (wenn alles entschieden ist) dann auf der „richtigen“ Seite zu stehen, kann von mir keinerlei Zustimmung eines solchen Verhaltens erwarten.

      Paul Haverkamp, Lingen

      • Hans Brinck said

        Die Bundesrepublik Deutschland ist ein republikanischer, demokratischer und sozialer Rechtsstaat. So steht es im Grundgesetz [Art. 28 (1) GG].

        Jeder Bürger kann seine Meinung frei äussern. Artikel 5 Absatz 1 GG garantiert die Meinungsfreiheit. Dieses Grundrecht schützt die Freiheit, Meinungen frei zu äußern und zu verbreiten.

        Das ist der heutige Stand in der BRD. Wir können darüber glücklich sein und machen auch Gebrauch davon.

        Bei der Beurteilung von Bernd Rosemeyers Verhalten in der Nazizeit sollte man auch berücksichtigen, dass es gefährlich war, seine Meinung zu äussern. So wurden wir Schüler von den Lehrern in der Lingener Castellschule (Rektor Lenz) aufgefordert, ihm negative Äusserungen über den Führer und die Partei – auch von den Eltern – zu melden. Es herrschte also überall die Furcht, durch eine unachtsame Äussserung in den Fängen der Gestapo zu landen.
        Unsere Brüder und Schwestern in der ehemaligen DDR können auch heute noch bestätigen, wie es sich in einem Unrechtsstaat ohne Meinungsfreiheit lebt.

        Bernd wurde Mitglied in der SA (SS), als Deutschland noch nicht von den Nazis regiert wurde. Erst nach der Machtübernahme wurden Gräueltaten verübt, die man der SS anlasten kann. Seine Mitgliedschaft bedeutet nicht, dass er daran teilgenommen hat oder dass er davon gewusst hat. Ihm das anzulasten (… er hätte sich informieren können; Esterwegen lag vor seiner Haustür) halte ich daher für unfair. Ich mache doch auch nicht einen Katholiken für die Sexual-Verbrechen der katholischen Priester, Bischöfe und Kardinäle an Kindern mit verantwortlich. Die von ihm heute verlangte Kündigung seiner Mitgliedschaft in der SS hätte das Ende seiner Rennfahrertätigkeit bedeutet, und das konnte man von ihm nicht erwarten.

        Deshalb: Sehr geehrte Mitglieder und Mitgliederinnen des Stadtrates: Vergessen Sie bei Ihrer Meinungsbildung nicht die Zeitumstände und die Drangsal, unter denen die Bevölkerung damals gelitten hat und der auch Bernd Rosemeyer ausgesetzt war.

        Übrigens: es grenzt schon fast an Leichenfledderei, wenn man jetzt auch noch den Vorschlag hört, die „Bernd-Rosemeyer-Strasse“ umzubenennen. Wehret den Anfängen!

        • Paul Haverkamp said

          Einspruch, Herr Brinck!

          • Es wurden von der SS nicht erst nach der Machtübernahme Gräueltaten verübt. Bereits vor der Machtübernahme war die SS an den Schlägereien und Folterungen gegenüber Andersdenkenden intensiv beteiligt. Dafür gibt es unendlich viele Belege!

          • Kein Mensch behauptet, dass Herr Rosemeyer persönlich an Gräueltaten der SS beteiligt gewesen ist.

          • Die Kündigung der Mitgliedschaft hätte keineswegs zwangsweise das Ende der Karriere bedeutet. Andere Rennfahrer haben auch ihre Karriere im NSKK gemacht. Warum hat Rosemeyer nicht diesen Weg gewählt?!

          • Das Argument, dass Rosemeyer zu Esterwegen (vor seiner Haustür liegend) geschwiegen hat, aber Propst Lichtenberg im fernen Berlin sich massiv gegen die SS-Praktiken in Esterwegen zur Wehr gesetzt hat, ist doch berechtigt. Wollen Sie diese Fakten leugnen?

          • Wenn Sie dazu raten, „Zeitumstände und die Drangsal“ der Bevölkerung nicht zu übersehen, so bin ich gern bereit dazu. Rosemeyer hat das doch auch mitbekommen und trotzdem hat er sich den SS-Barbaren an den Hals geworfen! Noch einmal: Barbaren waren diese Leute lange vor Ausbruch des 2. Weltkrieges – aber Rosemeyers Augen wollten das wohl nicht sehen!

          Sehr geehrter Herr Brink, all das können Sie nicht leugnen. Ihre Stellungnahme in allen Ehren, aber Sie werden mit Ihren Worten die historischen Fakten nicht außer Kraft setzen können.

          Paul Haverkamp, Lingen

        • max koop said

          Hat der werte Herr Vorredner hier gerade wirklich

          „Übrigens: es grenzt schon fast an Leichenfledderei, wenn man jetzt auch noch den Vorschlag hört, die ‚Bernd-Rosemeyer-Strasse‘ umzubenennen. Wehret den Anfängen!“

          geschrieben?

          Wie soll manfrau das verstehen, „Wehret den Anfängen“? Wehret mit der echten Aufbereitung der Lingener Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945? Haben Sie davor Angst, Herr Brinck? Meinen Sie etwa, dass man dort noch mehr finden kann, als die von den Nazis umbeannnte Straße mit dem Namen eines SS-Mannes? Oder was meinen Sie sonst bitte damit?

          • Hans Brinck said

            Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Rechtsstaat.
            Unabhängige Richter entscheiden, ob jemand gegen Gesetzte
            verstossen hat und geben dann ihr Urteil.

            Eine Volksmeinung statt eines Gerichtsurteils wie in den Diktaturen
            üblich ist, gibt es hier also nicht.

            Nach Ende des 2. Weltkrieges hat ein Gericht entschieden, dass die „Bernd-Rosemeyer-Strasse“ nicht umbenannt werden muss.
            Bei diesem Entscheid haben seine sportlichen Erfolge dabei gewiss eine grosse Rolle gespielt.
            Die Lingener waren stolz auf ihren „siegreichen blonden Bernd“ und ich erinnere mich heute noch gern an die spannenden Rundfunk-Reportagen. Die Anerkennung seiner sportlichen Erfolge fanden dann auch ihren Niederschlag in der Umbenennung der Bahnhofstrasse in seinen Namen.

            Eine Stimme (die „Volksmeinung“?) fordert nun: Was wir dringend brauchen, ist eine neuer Name für die Bernd-Rosemeyer-Straße. Drei stehen da mE zur Auswahl: Bahnhofstraße, Helmut-Kohl-Straße oder Josef-Rosemeyer-Straße.

            Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, denn ein Gericht hat anders entschieden.
            Und deshalb: Wehret den Anfängen! Volksmeinungen – was auch immer ihr Ziel ist – haben in einem Rechtsstaat keine Verbindlichkeit.

          • Paul Haverkamp said

            Sehr geehrter Herr Brink!

            Die Nazis haben unmittelbar nach dem Tode Rosemeyers die Bahnhofstr. in Lingen in Bernd-Rosemeyer-Str. umbenannt; eine demokratische Legitimation für diese Umbenennung hat es nicht gegeben; es sei denn, man würde den Lingener NS-Ortsgruppen- und Kreisleiter Erich Plesse als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnen. Er verfügte nämlich die Umbenennung der Bahnhofstr. Ein demokratisches Stadtparlament gab es seit langer Zeit nicht mehr.

            Nach dem Krieg hat es in Lingen nie eine Abstimmung über die Beibehaltung die von den Nazis verfügte Namensumbenennung der Bahnhofstr. gegeben.

            Die von mir im weiter oben eingestellten Beitrag genannten Personen, die Opfer der Nazis in Lingen wurden, würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie erfahren hätten, dass die Stadt Lingen ihnen mit der Namensgebung „Bernd-Rosemeyer-Str.“ den gleichen Status einräumt wie einem SS-Hauptsturmführer.

            Paul Haverkamp, Lingen

          • Hans Brinck said

            Sehr geehrter Herr Haverkamp!

            Ich erlaube mir, Ihre Ausführungen zum geplanten Bernd-Rosemeier-Museum zu kritisieren.

            Bei Ihren Argumenten gegen die Pläne des Herrn Liesen
            steht immer an erster Stelle seine Mitgliedschaft zur SA (SS) und seinem Rang (Hauptsturmführer) in dieser Organisation. Seine Erfolge als Rennfahrer werden dagegen kaum gewürdigt. Diese waren aber der Grund für seine Beförderungen in der SS, in der er weder eine Uniform trug und auch nicht an deren Gräueltaten er als Mitwirkender beteiligt war.

            Unter den damaligen Zeitumständen und dem Druck der Partei wäre eine Ablehnung dieser „Ehrungen“ das Ende seiner Sportlerlaufbahn gewesen.

            Um Ihnen ein Beispiel aus der NS-Zeit zu geben, folgt hier ein Auszug aus der Chronik der Castellschule Lingen. Der Chronist (vermutlich Rektor Lenz) schrieb unter anderem über das Schuljahr 1938/39:
            „Als am 9. November 1938 der deutsche Botschaftsrat von Rath von einem Juden in Paris erschossen war, ging in derselben Nacht auch in Lingen die jüdische Synagoge an dem Gertrudenweg in Flammen auf. Das Judentum in Deutschland musste für diese Tat büßen. In der Septemberkrise hatten die politischen Kirchen mit unseren Gegnern gemeinsame Sache gemacht. Jeder anständige Deutsche konnte die geheimen Verbindungen der internationalen Kräfte feststellen.

            Nach Zustimmung des Herrn Kreisschulrats Lührmann referierte ich über diese erlebten Dinge in einer Arbeitsgemeinschaft des N.S.L.B. (Nationalsozialistischer Lehrerbund) und forderte meine Mitarbeiter auf, die Folgerungen aus diesen Tatsachen zu ziehen. Wir stellten fest, dass der Jude die treibende Kraft im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland ist, dass wir daher das jüdische Gedankengut der Bibel unseren Jungen nicht mehr bieten können und wollen. Der Erfolg war, dass alle Lehrer der Castellschule den Religionsunterricht auf Grund ernster Gewissenbedenken mit sofortiger Wirkung niederlegten“.

            Nun frage ich Sie als ehemaliger Lehrer: Wären Sie bei dem Druck des Rektors und Kreispropagandaleiters Lenz standhaft geblieben und hätten als Einziger weiter Religionsunterricht erteilt? Hätten Sie Ihren Lehrerberuf aufs Spiel gesetzt und damit auch Ihre Familie in den sozialen Abstieg geführt? Denken Sie mal darüber nach.

            Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass für die unter den Nazis gelittenen Lingener Bürger (von denen ich nur den Rektor Brinkmann gekannt habe) eine Gedenkstätte eingerichtet werden sollte. Hier würde ich Sie bitten, die Initiative zur ergreifen und mit weiteren Unterstützern (ich denke da an den Kivelingsverein oder an Herrn Robert Koop) Ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Ein passendes Gebäude würde sich sicher finden lassen.

            An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!
            (1. Johannes 2,1-6)
            Dieses Bibelwort gilt für jeden von uns und auch für das Leben von Bernd Rosemeier, der für mich als Sportler ein Vorbild war!

            Mit freundlichen Grüssen in meine Heimatstadt
            Hans Brinck

          • Paul Haverkamp said

            Sehr geehrter Herr Brinck!

            Sie schreiben u.a.:

            „Seine Erfolge als Rennfahrer werden dagegen kaum gewürdigt. Diese waren aber der Grund für seine Beförderungen in der SS, in der er weder eine Uniform trug und auch nicht an deren Gräueltaten er als Mitwirkender beteiligt war.“

            Ihrer Argumentation liegt leider ein fataler Fehler zugrunde.

            Nicht die SS hat Rosemeyer belohnt, indem dieselbe seinen Eintritt 1933 (vielleicht auch schon 1932) akzeptierte, sondern nach Rosemeyers Sicht sollte die SS der Sahnehäubchen – Steigbügelhalter für seine Erfolgskariere darstellen; eine Mitgliedschaft im NSKK reichte dem Narzissten Rosemeyer nicht. So lautet die sachlich richtige Argumentation! – Rosemeyers Erfolge spielten sich weitgehend erst ab der Mitte der 30-iger Jahre ab. 1934 nahm ihn die Auto Union unter Vertrag.

            Als Weiteres bitte ich Sie, es meine Sorge sein zu lassen, wofür ich mich in Lingen im Augenblick einsetze. Als erste demokratische Bürgerpflicht sehe ich es im Augenblick an, mich gegen die Errichtung eines Museums für einen SS-Hauptsturmführer einzusetzen!

            Diese Reihenfolge besitzt im Augenblick für mich allerhöchste Priorität. Doch vermutlich werden Sie meine Argumentation niemals akzeptieren.

            Ich respektiere Ihre Meinung – meine Meinung sieht eben grundlegend anders aus; sie ist ausschließlich faktenorientiert.

            Paul Haverkamp, Lingen

  6. H Liesen said

    was wäre Lingen arm ohne Herrn Haverkamp.

    • Hans Schmidt said

      Was für ein dummer Beitrag, Herr Liesen.

      Danke, Paul Haverkamp, für Ihren Einsatz gegen Pläne, die unsere Stadt so beschämen.

      • Günther Möller said

        Die Stadt wird beschämt durch die unsinnige Diskussion um
        Bernd Rosemeyer als SS-Mann. Mehr braucht man wirklich nicht zu diesem Thema sagen. Ich frage mich, alle Gegner kommen die aus dem Emsland, oder sind das „Zugereiste“, die sich interessant machen wollen?
        Günther Möller

  7. Paul Haverkamp said

    Was wäre Lingen reich an demokratischer Kultur, ohne ein von einem gewissen Herrn Liesen finanziertes Museum zum Gedenken an einen SS-Hauptsturmführer.

  8. Frilling, Christoph said

    Welches Gericht hat denn wann entschieden, dass die „Rosemeyer-Straße“ nicht umbenannt werden muss? Von einem solchen Urteil wusste ich bisher nicht.

    • Bernhard Schulte said

      Dem Herrn Brink scheint da so einiges durcheinander geraten zu sein. Selbst wenn es ein Gerichtsurteil gegeben hat, kann darin nur stehen, dass die B. Rosemeyer – Str. ihren Namen behalten kann – aber nicht muss. Das Brink´sche Verständniss um die damaligen Vorgänge ist wohl auf sein heutiges Alter zurückzuführen. Wenn er schreibt, sich „gut an die spannenden Rundfunkberichte“ zu erinnern oder in der Castellschule von den Lehrern zur Denunziation der Familienmitglieder aufgefordert worden zu sein deutet das heute, nach dem achtzigsten Todestag des Rennfahrers darauf hin, dass der Kommentator Brink inzwischen 90 bis 100 Jahre alt sein muss.
      Im Übrigen sehe ich es als zweitrangig an, ob B.R. von den Nazigräueln gewusst hat oder nicht.
      Die grauenhaften, unfassbaren Verbrechen der National-sozialisten – und allen voran der Eliteeinheit SS, kann man auch 80 Jahre nach dem Tod eines Protagonisten nicht mit seinen sportlichen Leistungen aufwiegen. Die Dimension der unbeschreiblichen Verbrechen, für die auch heute noch jedes ehemalige Mitglied der Nazi – Vereinigungen steht, sind Bestandteil der deutschen Geschichte.

      • Hans Brinck said

        „Im Übrigen sehe ich es als zweitrangig an, ob B.R. von den Nazigräueln gewusst hat oder nicht.“

        Diese Äusserung von Herrn Schulte deutet darauf hin, dass er die nach dem 2. Weltkrieg übliche Verallgemeinerung „Alle Deutschen waren Nazis“ wieder aufleben lassen will. In die heutige Zeit übertragen müsste er auch damit alle Priester und Bischöfe verurteilen, weil einige dieser Personen Verbrecher sind und Kinder sexuell missbraucht haben.

        Bernd Rosemeyer war ein erfolgreicher Rennfahrer. Allein seine Mitgliedschaft und sein Rang in der SS machen ihn deshalb nicht zu einem Täter und damit auch nicht zu einem Verbrecher. Das ist für mich ERSTRANGIG, Herr Schulte, und damit ist er für mich ein Mensch, dem ich gern ein Museum wünsche, das an seine sportlichen Erfolge erinnert.

        Übrigens: Trotz meines Alters (Jahrgang 1924) kann ich noch klar denken. Deshalb verbitte ich mir Ihre Unterstellung und beleidigende Äusserung: „Das Brink´sche Verständniss um die damaligen Vorgänge ist wohl auf sein heutiges Alter zurückzuführen“.

        Wenn im „Roberts Blog“ die geäusserten Meinungen und Kommentare in persönliche Beleidigungen ausarten, werde ich daraus meine Konsequenzen ziehen. Auf so ein niedriges Niveau werde ich mich nicht begeben und künftig keine Kommentare mehr abgeben.

        • Bernhard Schulte said

          Sehr geehrter Herr Brink –
          Es lag mir fern, Sie beleidigen zu wollen.
          Sollte meine Wortwahl Sie betroffen gemacht haben, bitte ich um Entschuldigung.
          Ich wurde im Jahr 1940 geboren und verglich meine eigenen frühen Kindheitserinnerung mit den Ihren. Ich muß gestehen, da denkbar schlecht abzuschneiden. Aus meinen ersten 14 Lebensjahren sind zumeist nur noch ziemlich diffuse Fragmente vorhanden. So etwas wie Autosport – Übertragungen im schwarzen Bakelit – „Volksempfänder“ zählen, im Unterschied zu Ihren Erinnerungen, nicht dazu. Mir ist am prägendsten in Erinnerung eine gedrückte, traurige familiäre Atmosphäre. Erst später erkannte ich den Grund dafür: Meine Mutter verlor drei Brüder und zwei Schwäger an der Front und eine Schwester
          durch einen Bombenangriff. Ihre Eltern verloren neben den Kindern zwei Häuser und ein Textilgeschäft durch Bomben und lebten als „Evakuierte“ auf einem Bauernhof in zwei kleinen Zimmern.
          Ein solches Umfeld ist nicht unbedingt dazu geeignet, einen mit den Verursachern all dieses Leides sympathisierenden SS – Offizier, nur wegen seiner sportlichen Erfolge, nach 80 Jahren mit einem Museum und einer Straßenbenennung zu ehren.

          • Hans Brinck said

            Meinen Vorsatz, nicht mehr im „Roberts Blog“ Kommentare zu schreiben, muss ich brechen. Nachdem ich Ihre schreckliche und auch mir nahe gehende Familientragödie – verursacht durch die Nazi-Zeit – gelesen habe, kann ich Ihre Einstellung gegen das B.-R.-Museum verstehen. Aber eines bitte ich Sie auch zu verstehen und zu bedenken: Man kann das ganze NS-System verdammen, aber jede einzelne Person muss man an ihren Taten messen. Unter den SS-Männern haben nicht alle Untaten begangen. Darunter gab es auch welche, die menschlich handelten und trotz entgegenstehender Befehle Menschen vor dem Tode gerettet haben. Hier sollte man nicht verallgemeinern, sondern immer den Einzelfall betrachten.

            Ihren prägenden Jugenderlebnissen über die SS-Gräuel stelle ich nun meine Erlebnisse mit den sportlichen Erfolgen Bernd Rosemeyers gegenüber. Mein Jugendidol hatte grosse Rennsiege und diente neben Max Schmeling den Nazis als Aushängeschild. Aber beide Sportler waren nachweislich keine Täter und Verbrecher. Selbst Ihre Meinung, er sei ein mit „all dem Leid sympathisierender SS-Offizier“ gewesen, kann ich nicht teilen, da sie nicht bewiesen ist. Hier gilt auch dubio pro reo (lat. „Im Zweifel für den Angeklagten“). Deshalb verstehe und unterstütze ich auch die Absicht von Herrn Liesen, Bernd und seiner Frau Elli Beinhorn ein Museum zu errichten. Er hat es verdient und Lingen kann stolz auf einen ihrer Söhne sein.

            Es hat mich gefreut, dass Sie sich bei mir für die mich verletzende Wortwahl „alter und damit verwirrter Mensch“ entschuldigt haben. Ich nehme Ihre Entschuldigung an und bin gern bereit, mit Ihnen über mein Leben und meine Lebenserfahrungen zu diskutieren. Im Internet können Sie übrigens bei „meet my life“ meine von der Universität Zürich unter dem Titel „Hansi, ich über mich“ veröffentlichte Autobiographie lesen.

  9. Hans Brinck said

    Mein Kommentar von heute , 27.08.2018 um 11.30 Uhr muss erst freigeschaltet werden, lautet ein Hinweis
    Hans Brinck. Bis jetzt 15.50 Uhr ist das noch nicht erfolgt. Was ist der Grund dafür? Wer schaltet den Kommentar frei? Erfolgt hier eine Zensur? Wer gibt mir darauf eine Antwort?

    Hans Brinck

    • Tagsüber arbeite ich. Deshalb habe ich bei wordpress für die Kommentarfunktion Schlüsselbegriffe eingegeben, die Beiträge stoppen, bis ich sie (nach der Arbeit) freigeschaltet habe (oder auch nicht). Dazu zählt leider auch der Begriff Judentum.

      Denn es ist tatsächlich in unserem Land wieder so weit, dass wenige Jahrzehnte nach dem Ende der NS-Schreckensherrschaft wieder Menschen alle und jede Untaten der Nazis, ihrer terroristische Organisationen von Esterwegen über Dachau bis nach Auschwitz. Treblinka, Wilna und Sobibor relativieren.

      Dem gilt es, sich entgegen zu stellen.

  10. H Liesen said

    Werde Robert Koop kontaktieren und die Antwort hier veröffentlichen, vorausgesetzt, er schaltet den Kommentar frei…..

  11. H Liesen said

    Robert, das ist keine Antwort, wo ist bitte der Kommentar von Hans Brinck, der ja in sehr gemässigter Form schreibt und auch nichts relativiert.

  12. Frilling, Christoph said

    Ich frage noch einmal nach dem Gerichtsurteil, dass Herr Brinck oben erwähnte:

    „Nach Ende des 2. Weltkrieges hat ein Gericht entschieden, dass die „Bernd-Rosemeyer-Strasse“ nicht umbenannt werden muss.“

    Existiert ein solches Gerichtsurteil nun oder nicht?

  13. Frilling, Christoph said

    … das Herr Brinck erwähnte: …

  14. Sabine Wessling said

    .“…..man musste nicht in die SS eintreten……“
    das waren die Worte meines Vaters( Jahrgang 1921;Emsbürener; Frontsoldat ab 1941 plus achtjähriger russischer Gefangenschaft) zu den Motiven des Herrn Rosemeyer, dieses zu tun.
    Auch mein Vater war keiner, der diesen Erfolgen am Radio usw lauschen konnte , er musste mit 21 Jahren nach Russland! Menschen wie BR haben indirekt ein System möglich gemacht, das für ihn Krieg und Verbrechen bedeutete.
    Diese opportunistische Haltung hat das Regime ua erst möglich gemacht!
    Herr BR hat sich von seinem Eintritt in die SS etwas versprochen und stand nicht, wie angedeutet, unter Druck!
    Die SS galt als elitär und das war genau nach seinem Geschmack!!!
    Diesen niederen und rein egoistischen Beweggründen kann und will ich keinen Ruhm zollen! Ich empfinde es als völlig unmenschlich so jemanden auch noch ein Museum zu widmen und ihm damit Ruhm und Ehre zu erweisen.
    Es ist ,im Hinblick auf die schwere Zeit meines Vaters, die er und seine Familie nie vergessen konnten, eine waschechte Ohrfeige!!!!!
    Ich bin sogar der Meinung, dass man dem Herrn BR die sportlichen Erfolge aberkennen sollte!
    Durch diese unfaire, egoistische Haltung hat er sich mehr als disqualifiziert!
    Es gab auch damals Sportler, die sich nicht so verhalten haben!
    Max Schmeling zB hat jüdische Kinder in seinem Hotelzimmer versteckt und einiges damit riskiert! Er hat sich, vorsichtig distanziert, zu dem Regime verhalten! oder Luz Long……
    BR hat gnadenlos durchgezogen bis zum Schluss und sich feiern lassen!
    Eine sehr privilegierte……… und unfassbar widerwärtige Haltung, DAMALS!!!!
    Zu Ruhm und Ehre gehörte mehr, als nur gut Autofahren zu können, gerade in der damaligen Zeit und die darf man absolut nicht ausklammern, finde ich!
    Es gab wirkliche Helden!!! s.o. von Herrn Haverland aufgelistet
    Ich bin dem Herrn Haverland um jedes Wort dankbar!!!

    Man braucht den Herrn BR zwar nicht verteufeln, aber auch nicht noch auf den Schild heben

  15. Frilling, Christoph said

    Ich habe zweimal nach dem von Herrn Brinck angeführten Gerichtsurteil gefragt. Herr Brinck schrieb:

    „Nach Ende des 2. Weltkrieges hat ein Gericht entschieden, dass die „Bernd-Rosemeyer-Strasse“ nicht umbenannt werden muss.“

    Weshalb beantworten Sie meine Frage nicht, lieber Herr Brinck?
    Gibt es nun direses Urteil oder nicht?
    .

  16. Hans Brinck said

    Nach meiner Erinnerung fand nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Lingen die Entnazifizierung durch die englische Militärregierung statt. Dabei wurden auch die an die Nazis erinnernden Plätze und Strassen umbenannt. Darüber habe ich aber keine Unterlagen und weiss nur, dass als einzige Strasse die Bernd-Rosemeyer-Strasse nicht umbenannt werden musste.

    Auch ich persönlich wurde von dieser Militärbehörde (Military Gouvernement) vernommen und man stellte mir ein Entlastungs-Zeugnis aus. Ich wollte es hier beifügen, aber die Eingabe hat leider nicht geklappt.

    Weil ich über die von den Engländern verfügte Umbenennung mehrerer Lingener Strassen keine Belege habe, bitte ich Sie, sich doch im Stadtarchiv zu erkundigen. Dort wird man Ihnen gewiss die entsprechenden Auskünfte geben können.

    Habe ich Ihre Frage, lieber Herr Frilling, damit beantwortet?
    Leider konnte ich nur meine Erinnerung spielen lassen, aber allein die Tatsache, dass es die Bernd-Rosemeyer-Strasse heute noch gibt, spricht ja für sich.

  17. Paul Haverkamp said

    Gleichgültigkeit und Desinteresse überwinden!

    Die Deutschen müssen sich laut dem Außenminister stärker für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einsetzen. „Meine Generation hat Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie geschenkt bekommen“, sagte Heiko Maas (SPD) der Bild am Sonntag am heutigen Tage.

    „Wir mussten das nicht erkämpfen, nehmen es teilweise als zu selbstverständlich wahr. Es hat sich in unserer Gesellschaft leider eine Bequemlichkeit breitgemacht, die wir überwinden müssen.“

    Mit Blick auf die rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz forderte er: „Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen. Die Jahre des diskursiven Wachkomas müssen ein Ende haben.“

    Ich wünsche mir, dass die Emsländer auch „vom Sofa hochkommen“ und sich aus ihrem „Wachkoma“ und ihrer „Bequemlichkeit“ befreien, um das Entstehen eines Museums für einen SS-Hauptsturmführer in Lingen zu verhindern.

    Paul Haverkamp, Lingen

  18. Hans Brinck said

    Hier muss endlich einmal Klartext gesprochen werden.

    Die Person Bernd Rosemeyer wird immer wieder als Mitwisser und damit Mitschuldiger an SS-Verbrechen beschuldigt. Das ist aber nach dem Grundsatz in Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 nicht zulässig. Dieser sagt eindeutig: „Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“

    Im Rahmen der Europäischen Union wird durch Art. 48 Abs. 1 der Grundrechtecharta garantiert: „Jeder Angeklagte gilt bis zum rechtsförmlich erbrachten Beweis seiner Schuld als unschuldig.“
    In Deutschland folgt dies auch aus dem Rechtsstaatsprinzip in Art. 20 Abs. 3 und Art. 28 Abs. 1 Satz 1 Grundgesetz.
    Die Unschuldsvermutung erfordert, dass der einer Straftat Verdächtigte oder Beschuldigte nicht seine Unschuld, sondern die Strafverfolgungsbehörde seine Schuld beweisen muss.

    In vielen Kommentaren wird also allein die Mitgliedschaft und die Beförderung zu einemOffizier in der SS als Mittäterschaft bezeichnet. Man darf also Bernd Rosemeyer nicht als Täter bei SS-Verbrechen und damit als Verbrecher vorverurteilen. Das ist laut der Unschuldsvermutung strafbar. Zur Durchsetzung der Unschuldsvermutung sind strafrechtliche Verbote (Verfolgung Unschuldiger, falsche Verdächtigung, Verleumdung, üble Nachrede) und je nach Sachlage verschiedene zivilrechtliche Abwehr- und Ausgleichsansprüche (Anspruch auf Gegendarstellung, Widerruf, Richtigstellung, Schadensersatz, Geldentschädigung, Unterlassung) vorgesehen.

    Ich erwarte, dass nun endlich nach dieser Unschuldsvermutung von den Kommentatoren gehandelt wird, um nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden.

    Von den Lingenern wünsche ich mir, dass sie nach dem Johanneswort: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ nun auch der Einrichtung eines Museums für diesen erfolgreichen Lingener Rennfahrer zustimmen werden.

    • Ganike said

      Der Widerspruch zu einem Museum mit dem Patron Rosemeyer fußt doch viel weniger auf der Frage ob Rosemeyer Täter war, sondern vor allem, ob er als Vorbild geeignet ist, ob er Namenspatrons eines Museums geeignet wäre und es erstrebenswert scheint, das Verhalten Rosemeyers Menschen näherzubringen.
      Rosemeyer taugt als moralische Instanz nicht zum Patron eines Museums. Hierfür ist es irrelevant, ob er direkter Täter war oder „nur“ opportunistischer Nutznießer bzw. Mitläufer.

      • Paul Haverkamp said

        Götz Aly schrieb in einem Zeitungsbeitrag mit dem Titel „Wir sind leider vor allem noch immer Mitläufer“ 2015: „Statt historischer Tatsachen haben angenehme Selbstbilder Konjunktur“.

        Auch vor den Ereignissen im gegenwärtigen Sachsen halte ich ebenfalls Bernd Rosemeyer sen. nicht für eine erinnerungwürdige Person, die vor allem jungen Menschen Vor- und Leitbild zum Erhalt bzw. zur Bewahrung von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenwürde in Frage kommt.

        Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob Rosemeyer an Judenmorden beteiligt gewesen ist (er war es nicht, das ist doch auch von niemandem behauptet worden!) , sondern ob wir einen Mitläufer mit obsessiven Narzissmusneigungen für unsere heutige Zeit jungen Leuten als Vor- und Leitbild präsentieren möchten.

        Und hier kann es aus meiner Sicht nur eine Antwort geben:

        Nein,

        denn Rosemeyer hat geglänzt vor allem durch seine Kritiklosigkeit und bewusst angestrebte Mitläufermentalität gegenüber dem Nazi-System (besonders gegenüber der SS), durch seine bewusst an den Tag gelegte Blindheit gegenüber den Ereignissen vor seiner Haustür (Esterwegen!!!!) und durch seine politische Ignoranz bezüglich seiner bewusst angestrebten Instrumentalisierung (die SS-Mitgliedschaft konnte offensichtlich gar nicht schnell genug erfolgen!) durch ein verbrecherisches, barbarisches, menschenverachtendes System.

        Rosemeyer wird nie zu einem Vorbild werden dürfen!!!

        Wer diese Vorbildfunktion vorantreibt, betreibt das Geschäft der “Mitläufer” im 21. Jahrhundert. Denn auch heute müssen wieder Juden – neben Asylanten- herhalten, um dem Mob eine Projektionsfläche zu bieten für ein antidemokratisches, autoritäres und menschenverachtendes System. Die Jagd auf Ausländer in Chemnitz war da nur der Anfang!

        Paul Haverkamp, Lingen

      • Hans Brinck said

        Was ist ein Vorbild?
        Ich zitiere: „Vorbild ist eine Person oder Sache, die als richtungsweisendes und idealisiertes Muster oder Beispiel angesehen wird. Im engeren Sinne ist Vorbild eine Person, mit der ein – meist junger – Mensch sich identifiziert und dessen Verhaltensmuster er nachahmt oder nachzuahmen versucht.“

        In meiner Jugend war Bernd Rosemeyer als siegreicher Rennfahrer für mich und Deutschland ein Vorbild. Durch sein untadeliges sportliches Verhalten und seine Rennerfolge war (und ist er noch heute für mich) ein Idol, das eine Würdigung in einem Museum verdient. Da hat es überhaupt keine Rolle gespielt, in welcher NS-Organisation er Mitglied war. Man hat ihn ja auch nie in einer Uniform abgebildet gesehen.

        Wenn Sie einem „nur“ Mitläufer die moralische Instanz zum Patron eines Museums absprechen, dann frage ich Sie, ob Sie diesen Massstab auch an den ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer anlegen, der als Katholik einer Glaubensgemeinschaft angehörte, in der eine Vielzahl von Priestern und Bischöfen sich an Kindern sexuell vergangen hat und die damit zu Verbrechern geworden sind. Adenauer könnte durch seine Mitgliedschaft in der katholischen Kirche doch auch nicht dafür mitverantwortlich gemacht werden!

        Übrigens: Ich erfahre gerade, dass Herrn Liesen die Genehmigung zur Errichtung des Rosemeyer-Beinhorn-Museums von der Baubehörde erteilt worden ist. Das Thema, ob nun das Museum kommen wird oder nicht, ist damit erledigt. Es wird also eines geben, was mich sehr freut!

        Jetzt geht es noch darum, wie das von Professor Walter erarbeitete Museumskonzept aussehen wird. Dafür können dann von den Kommentatoren sicher noch Wünsche und Erwartungen geäussert werden.

        • Günther Möller said

          Durch Zufall bin ich hier gelandet. Es ist ja furchterregend, was man da von den „Gegnern“ des Museums für den Sportler Rosemeyer lesen muss. Für die Veröffentlichung in der LT hat mein Beitrag nicht „gereicht“, deswegen versuch ich es hier!!
          Hat es der letzte denn immer noch nicht kapiert, das dieses Thema so durchgekaut ist, dass es niemanden mehr schmecken kann?
          Der Herr Biermann hat doch ein gutes Schlusswort dazu abgegeben, denn alles, aber auch alles ist in den letzten Jahren dazu gesagt und geschrieben worden.
          Das Museum kommt, mit oder ohne Segen der Stadt Lingen.
          Diese Tatsachse sollte man doch endlich akzeptieren, respektieren oder tolerieren.

  19. Hans Schmidt said

    Dass die SS sofort nach ihrer Gründung eine terroristische Verbrecherorganisation war, muss doch nicht diskutiert werden. Das konnte jeder in den 1930ern sehen. Fahren Sie in die Gedenkstätte KZ Esterwegen. Da sieht man, zu was diese Terroristen fähig waren. Rosemeyer war – warum auch immer- Mitglied dieser Mörderbande. Er fuhr Autorennen, während die SS in Esterwegen und an vielen anderen Orten Menschen folterte und tötete. Damit ist er niemand, für den man ein Museum errichtet. Es käme auch niemand suf die Idee, für ein IS-Mitglied ein Museum zu errichten, weil der ein guter Autorennfahrer war. Das hat nichts mit Menschenrechten oder mit Unschuldsvermutung zu tun sondern mit klarem Menschenverstand.

  20. Kib said

    @ Herrn Frilling: das ist dann aber eher Ihr Problem. Ich werde das Museum sicherlich auch nicht besuchen. Dennoch ist das Projekt Angelegenheit von Herrn Liesen. Seine sonstigen Motorsport- Veranstaltungen habe ich nicht besucht (interessierte mich nie) Gleichwohl wurden selbige von Motorsport- Begeisterte gut frequentiert. Ich hab keinen Anlass zu glauben, dass Herr Liesen es zulassen würde, dass sein Museum ein „Tempel für Altnarzis“ wird. Im Gegenteil: Ich empfinde die Diskussion als hysterisch.

  21. H Liesen said

    Herr Robert Koop, vielleicht wäre es ja möglich, die Kommentare in chronologischer Reihenfolge erscheinen zu lassen.
    Gibt mehr Sinn, oder ist es so gewollt, dass alle Kommentare, die ihnen evt. nicht passen im nirgendwo erscheinen? – natürlich nach Feierabend-siehe ihren Text oben.

  22. Günther Möller said

    Ich war gestern in Lingen und habe mir den Standort für das demnächst vorhandene Museum angesehen. Es ist ein guter Platz und ich glaube auch im Herzen von Lingen gelegen, genau dort, wo der bekannteste Bürger zusammen mit seiner Frau uns das sportliche Leben von damals näherbringen werden.
    Erstaunt war ich, dass das Gebäude noch nicht besprüht war nach den Hassattacken, die man lesen musste und die auch von nicht beteiligten Personen gelesen werden, die darauf warten, Randale zu machen.
    Ich habe bei den „Gegnern“ den Eindruck, dass denen das schreiben dazu dient, eine Befriedigung zu finden.
    Das habe ich gesehen, natürlich von wem? Dr. Frilling.
    Es ist eine Entscheidung gefallen und ich hatte darum gebeten, akzeptieren, respektieren, tolerieren.
    Antwort Frilling: „keineswegs“. Kurz und knapp (ungewöhnlich), aber aussagekräftig. Wo bleibt da die Fairness? Ich erwähnte nochmals den Namen Biermann im Leserbrief in der LT v. 24.08.2018 und den Vorschlag, das rumeiern zu beenden und jedem! Beteiligten an der inzwischen unsäglichen Diskussion? das Buch – Rennfahrer in der NS-Zeit- von Horst-Heinrich Bechluft zu lesen. Es lohnt sich, auch für erbitterte Gegner. Klarer und neutraler geht es nicht.
    Eine Antwort habe ich bis jetzt noch nicht bekommen, ob alle diejenigen, die gegen das Museum sind, ursprünglich aus dem Kreis Lingen oder der Stadt Lingen stammen.
    Ich denke, ich werde mich jetzt ausklinken, denn es wird nicht „Neues“ dabei herauskommen.
    Man sollte die Zeit sinnvoller nutzen!!

  23. H Liesen said

    Na Robert, wenigstens funktioniert es ja jetzt mit der Chronologie.-

  24. Frilling, Christoph said

    Gern und immer wieder behaupten die Fans des Lingener SS-Hauptsturmführers, dieser habe Mitglied der SS sein müssen, um Autorennen fahren zu dürfen. Dies war mitnichten der Fall. 1936, auf dem Höhepunkt der Nazi-Karriere Rosemeyers, nahmen 16.160 Fahrer an den verschiedenen Rennen teil. 8.080 gehörten dem NSKK an, 4.370 der Wehrmacht, 2.509 dem Deutschen Automobilclub und 612 der SS an, weniger als 4 Prozent der deutschen Fahrer. Viele nahmen auch als Werksfahrer im Auftrag ihrer Arbeitgeber an den Rennen teil. Alternativen hätte Rosemeyer also zu Genüge gehabt. Nun wollte er aber unbedingt bei der SS sein. Diese war von Anfang an Träger und Multiplikator der NS-Ideologie, hatte das Ziel, nationalsozialistisches und soldatisches Denken in alle Bereiche der Kraftfahrt zu tragen. Die obigen Angaben sind nachzulesen bei Dr. Dorothee Hochstetter, wissenschaftliche Mitarbeiterin im „Forschungsbereich Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr“. (Titel: Motorisierung und „Volksgemeinschaft“, München 2005).
    Im Vergleich zum NSKK und zur Motor-SA war die SS zwar zahlenmäßig von geringerer Bedeutung, sie war aber deutlich partei- und systemnäher. Demnach hätten sich „unpolitische“ Rennfahrer am ehesten dem NSKK oder dem DDAC anschließen müssen. Die SS war nur etwas für „Hundertprozentige“ wie Bernd Rosemeyer.

  25. Günther Möller said

    Es ist nicht zu fassen, dass es immer noch nicht der letzte kapiert hat, dass dieses Thema beendet sein müsste. Herr Frielling scheint ja immer wieder eine neue Quelle zu finden, die seine Sichtweise stützt. Ich habe manchmal das Gefühl, als hätte er sich mit Bernd Rosemeyer sen. getroffen, um genau zu wissen, dass Bernd Rosemeyer unbedingt bei der SS sein wollte.
    Er war ein „hundertprozentiger“ Sportler. Ihn als „hundertprozentigen“ SS-Mann zu bezeichnen ist einfach nur schäbig und fanatisch, anders kann man diese Haltung nicht mehr bezeichnen.

    • Paul Haverkamp said

      Stolpersteine wichtiger als Rosemeyer-Museum!

      Es bleibt eine unumstößliche bzw. nicht zu leugnende Tatsache, dass die Entscheidung Rosemeyers, der SS beizutreten, eine ganz persönliche war. Sie wurde primär bzw. vorrangig von seinen Karriereplänen bestimmt. Keiner musste der SS beitreten, um ein Rennen gewinnen zu können. Rosemeyer wurde von niemandem gezwungen, der SS beizutreten; gewiss hätte er sich genauso auch dem NSKK – wie es andere Rennfahrer ja auch zahlreich getan haben (s. Frilling) – anschließen können.

      Doch Rosemeyer suchte eben den Glanz der Elitetruppe, um auf diese Weise der Spitze dieses barbarischen Systems ganz nahe zu sein, um sich noch leuchtender im Strahlenkranz einer auch schon 1933 aktiven Schläger-, Peiniger- und Menschenfolter-Elitetruppe präsentieren zu können. (vgl. Konzentrationslager Esterwegen!!!)

      Wer bewusst und freiwillig die Nähe zu einem Verbrecher-System sucht, kann nie ein erinnerungswürdiges Vorbild sein für die heutige junge Generation, der es gilt, Vorbilder zu präsentieren, die sich eingesetzt haben und auch heute einsetzen zum Erhalt eines demokratischen Rechtsstaates, der nicht getragen ist vom Geiste eines Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Antisemitismus.

      Die gerade am morgigen Tag geplante Stolpersteinverlegung in Lingen ist somit in jeder Weise wichtiger als ein Rosemeyer-Museum zum Gedenken an einen SS-Hauptsturmführer !!!

      Die vom Forum Juden-Christen im Mai 2017 verabschiedete Resolution zum Rosemeyer-Museum unterstreicht meine – auch in diesem Blog – immer wieder vorgetragenen Zusammenhänge. In der Resolution heißt es u.a.:

      „Bernd Rosemeyer hat seinen Sport in engster Verbindung mit dem NS-Gewaltregime ausgeübt. Er stellte schon 1932 einen Antrag auf Aufnahme in die SS, nachdem er zuvor bereits Mitglied der SA gewesen war. In der SS brachte er es in kurzer Zeit zum Hauptsturmführer. In der Öffentlichkeit trug er mit Stolz die Embleme der SA. Er wurde von der Nazi-dominierten
      Presse zusammen mit seiner Ehefrau als Held und Sieger glorifiziert, der deutschen Jugend
      als Vorbild präsentiert, und er ließ sich damit ohne Not für die abgründigsten Ziele des NS-Staates, unter denen damals schon Hunderttausende und später dann Millionen Menschen
      auf der ganzen Welt gelitten haben, vereinnahmen.

      Bernd Rosemeyer wollte von Seiten des NS gefördert werden. Er ließ sich auf den NS ein und
      wurde vom NS in herausragender Weise für dessen Ideologie instrumentalisiert. Besonders
      deutlich wurde das auf der Trauerfeier für den am 28. Januar 1938 verunglückten Rennfahrers, die am 1. Februar 1938 in Berlin stattfand. An dieser Trauerfeier in der Dahlemer Friedhofshalle nahmen neben den Angehörigen nicht nur die Teamkollegen der Auto-Union und der Chef des NS-Kraftfahrtkorps teil. Es waren auch etliche hochrangige Militärs anwesend. Der Chef der SS, Heinrich Himmler, schickte einen Vertreter aus der obersten Führungsebene, SS-Gruppenführer August Heißmeyer, und sogar die Reichsregierung war durch Verkehrsminister Julius Dorpmüller vertreten. Eine unpolitische Trauerfeier war das nicht.

      Adolf Hitler meinte in einem persönlichen Kondolenzschreiben an die Witwe, sie möge sich
      mit dem Gedanken trösten, dass ihr Mann „für deutsche Geltung fiel“.

      Für unsere demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft gibt es in keinem Bereich Anknüpfungspunkte in den ideologischen Setzungen des NS-Regimes. Auch nicht im Bereich des Sports. Denn dieser wurde vom NS dazu missbraucht, ein Volk letztlich zu Kriegszwecken zu ertüchtigen und ihm ein Überlegenheitsdenken und eine Härte gegen andere einzuimpfen. Auch ging es darum, die jüdischen Sportler auszugrenzen. Hiervon war unter vielen auch Rosemeyers Rennfahrerkollege Hans Levy betroffen, der in die USA fliehen musste.“

      Paul Haverkamp, Lingen

  26. Günther Möller said

    Leider habe ich den Namen des Doktoren nicht richtig geschrieben, das tut mir leid.
    Beim vorbereiten des Textes habe ich wahrscheinlich nur das Wort
    Frieden im Kopf gehabt und dann ist das Frielling, statt Frilling dabei herausgekommen. Sagen Sie mal beide Namen, dann hört sich tatsächlich Frielling weicher….. an.

  27. blackymeckie said

    👍👍👍

  28. Frilling, Christoph said

    Ich fürchte, ich finde gerade weitere Details aus Rosemeyers SS-Karriere. Ich werde sie hier bekanntgeben.

  29. Günther Möller said

    Das habe ich ja noch nie gehört,“ich fürchte, ich finde weitere Details“……
    So weit sind wir in dieser Sache schon.
    Kann mir mal einer von den Beteiligten erklären, welche Zwecke hier noch verfolgt werden.
    Am Tag vorher noch jemand, der seine Geschichte zum xten Male los werden will, diese Berichte lesen wir (müssen wir) seit ca, 3 Jahren. Meinen Sie tatsächlich, sie können damit noch jemanden überzeugen und eine Veränderung herbeiführen?
    Herr Haverkamp scheint auch einer zu sein, der sich mit Bernd Rosemeyer sen. getroffen hat, um haargenau zu wissen, was sich damals zugetragen hat. Es sind doch alles nur Vermutungen und Spekulationen, oder gibt es Original-Dokumente, die das belegen?
    Diese Engstirnigkeit und Mutmaßungen müssen allmählich ein Ende haben!!!

  30. Bernhard Schulte said

    @ Günther Möller – Kommentar v. 16.09. 2018
    „Es ist nicht zu fassen, dass immer noch nicht auch der Letzte kapiert hat“, dass dieses Thema nach jetzigem Stand nicht beendet werden darf. So lange es eine Bernd – Rosemeyer – Strasse gibt und so lange die Pläne eines Museums nicht vom Tisch sind, wird hoffendlich weiter diskutiert und argumentiert.
    Für meinen Geschmack drehen sich die Argumente der Gegner einer B.R. Ehrung allerdings zu sehr um seine kaum noch beweisbaren Charaktereigenschaften und zu wenig um die realen Gegebenheiten.
    Im Jahr 1933 wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eingerichtet und Josef Göbbels wurde Reichsminister. Zu dem Zeitpunkt wurden dann alle Medien gleichgeschaltet. Die wichtigsten meinungsbildenden Instanzen wurden in den Apparat der NSDAP eingegliedert und von Berlin aus zentral geleitet. Die individuelle Meinungsbildung war damit weitgehend ausgeschaltet und wurde durch die Göbbelsche Reichspropaganda ersetzt. Mit dieser perfiden Propaganda wurde auch systematisch die Popularität Rosemeyers bis hin zur Glorifizierung aufgebaut. Diese Glorifizierung war so erfolgreich, dass sie auch 80 Jahre nach dem Tod des Rennfahrers bis zum heutigen Tag nachhallt. Als nützliches Propagandasubjekt gehörte der SS-Mann Rosemeyer somit – ob gewollt oder ungewollt – zum verbrecherischen Naziregime. Man kann seine politische Gesinnung nicht gegen sportliche Erfolge aufrechnen, zumal seine sportlichen Erfolge erst durch das politische Verhalten möglich wurden.
    Rosemeyer ist und bleibt ein Repräsentant des Naziregimes.

  31. Günther Möller said

    Ich muss meine Meinung nochmal ergänzen, da ist ja noch Herr Schulte dazugekommen…….

  32. Kib said

    Lieber Herr Möller, hier im Blog wird kein Konsens gefunden. Aber hoffentlich vielzählig morgen um 20:15 Uhr auf dem Rathausplatz (Laterne, Kerze oder Taschenlampe nicht vergessen). ✌✌

  33. Hliesen said

    Herr Frilling, ich fürchte, mir wurde eine mail von ihnen an Herrn Dr. lange, Robert Koop und Herrn Haverkamp zugespielt. Einfach nur peinlich. Heinrich Liesen

    • Frilling, Christoph said

      Oh Gott wie schrecklich! Da hatte bestimmt Herr Maaßen seine Finger im Spiel!

      • Günther Möller said

        Das Niveau sinkt offenbar unaufhaltsam. Man will jetzt auch noch aktuell sein und bringt den Namen Maassen ins Spiel.
        Ärmer gehts nimmer!
        Wenn die Mail nicht so wichtig war, machen Sie die doch für alle Beteiligten sichtbar……

        • Bernhard Schulte said

          @ Herrn Günther Möller –
          Wo legen Sie den Niveau – Maßstab an?
          Sind alle Museumsgegner niveaulos?
          Bei all den vielen Kommentaren zum Thema hat nach meiner Beobachtung bislang noch niemand „unter die Gürtellinie gezielt.“

  34. Ich hätte dann noch die Bitte, die inzwischen reichlich flache Diskussion auf Facebook weiterzuführen.

  35. Paul Haverkamp said

    Danke, Herr Koop, für Ihre Einlassung.

    Wenn die Argumente versagen und neue Informationen nicht zur Verfügung stehen, sollte man schweigen.

    Äußerungen aus dem Bauchgefühl können niemanden überzeugen; sie begünstigen nur Emotionen – und auf die würde ich in diesem Blog gern verzichten!

    Paul Haverkamp, Lingen

  36. Günther Möller said

    Dem Herrn Haverkamp gebe ich völlig recht, wenn die Argumente versagen und neue Informationen nicht zur Verfügung stehen, sollte man schweigen.
    Dieses ist gut gesagt und gilt dann auch für Alle.

  37. Günther Möller said

    , Die Diskussion. die ja lt. Herrn Koop „recht flach“ ist, kann jetzt über Facebook weitergeführt werden, dann sind die „Experten“ ja unter sich.
    Zur Niveaufrage von Herrn Schulte noch eine Bemerkung.
    Wenn Sie als „Gegner“ schon so dünnhäutig sind und meine Meinung als unter die Gürtellinie gezielt sehen, dann erinnere ich an eine Aussage zu einem älteren Herrn Brink von einem gewissen Herrn Schulte am 30.8.18 „das Brink`sche Verständnis…… ist wohl auf sein heutiges Alter zurückzuführen.
    Meinten Sie das mit Niveau und Gürtellinie?

  38. H Liesen said

    Niveau hat Herr Schulte sicherlich nicht, oder nur sehr wenig, sondern würde er in der Wortwahl sicherlich einen anderen Massstab anlegen.

    Zur Info: Der NDR plant eine Fernsehsendung zum BR-Museum.

    Weiterhin wird, wie besprochen, eine öffentliche Diskussionsrunde stattfinden.

    Allen einen schönen Abend.
    Heinrich Liesen

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