Inszenierung

18. Juni 2018

Die private Initiative von Heinrich Liesen, ein Rosemeyer-Museum und damit eine Gedenkstätte für ein SS-Mitglied, in Lingen zu eröffnen, gehört in den öffentlichen Diskurs – nicht hinter irgendwelche „Mauschelmauern“. Die aber errichtet gerade das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) aus Motiven, die ich nicht kenne.

Heute findet nämlich ein erstes, ganz vertrauliches Treffen in den aufgeklärt-katholischen Hallen des Holthausener LWH statt. Das soll wohl dazu dienen, den vom Museumspaten Heinrich Liesen beauftragten und vergüteten  Professor Dr. Bernd Walter mit dem LWH-Akademiedirektor Dr. Michael Reitemeyer bekannt zu machen. Ebenfalls, so höre ich, seien dort der Initiator Heinrich Liesen und der Münchener Arzt und Rosemeyer-Sohn Bernd Rosemeyer jr. dabei – sowie -ganz sicher sind sich meine Quellen nicht-  auch der ehemalige Lingener Stadtarchivar Dr. Ludwig Remling, der bei dem nächsten, bereits für den 22. 6. anberaumten Treffen verhindert sei.  Von Anfang an ist auch LT-Mann Carsten von Bevern mit im Boot, wird sich aber zunächst zurückhalten. Das Ziel heute ist offenbar: Gemeinsam soll das Szenario für die größere Veranstaltung festgelegt werden.

Das heutige Treffen bereitet also eine freitägliche Zusammenkunft vor, die dann in knappen zwei Stunden den Rosemeyer-Museumsplan behandeln soll. Das Treffen am kommenden Freitag ist als nicht-öffentliches „Fachgespräch“ deklariert, und es wird anschließend einen großen Bericht in der LT-Lokalzeitung geben. Er soll jetzt bereits zwischen LT-Mann Carsten von Bevern und Museumsinitiator Heinrich Liesen abgestimmt sein. Tenor des Artikels: Liesens Museumskurator Professor Dr. Bernd Walter hat – sehr demokratisch – einen Entwurf für die Konzeption des Museums einem Kreis von ausgewiesenen Fachleuten sowie dem Forum Juden Christen vorgestellt. Mit diesen wurde Walters Entwurf eingehend erörtert. Die Hinweise, die Prof. Walter erhielt, werden sehr ernst genommen und  werden sich auch in der endgültigen Fassung der Konzeption niederschlagen  So ähnlich wird das der Zeitungsmacher mit dem Kürzel CvB schreiben und die LT es bringen.

Klar ist: Die -mit einer Ausnahme männlichen- Teilnehmer des  Fachgesprächs am 22.06. sind längst nicht alle auf Liesens Linie. Ich denke da an den Osnabrücker Prof. Dr. Christoph Rass, an den Lingener Stadtarchivar Dr. Mirco Crabus und Museumschef Dr. Andreas Eiynck. Bei den beiden letzteren stellt sich mir aber schon die Frage, mit welchem Mandat und in wessen Auftrag sie dort auftreten. Unsere Stadt hat doch eine verbindliche Beschlusslage dazu, dass es keine Zusammenarbeit geben wird. Ist die nicht zumindest für Dr. Crabus bindend?

Bei Teilnehmer Professor Dr. Hans-Ulrich Thamer (Münster) kann man sich der Position nicht sicher ein. Er hat sich zwar nicht geringe Verdienste bei der durchgeführten Umbenennung des Münsteraner Hindenburgplatzes in Schlossplatz erworben, ist aber andererseits langjähriger Wissenschaftsfreund von Liesens Aufragnehmer Prof. Walter. Der  Oldenburger Juniorprofessor Dr. Malte Thiessen (Oldenburg) müsste eigentlich auf Seiten der Gegner des Museums stehen; jedenfalls entsteht dieser Eindruck aufgrund einiger seiner Veröffentlichungen. Andererseits ist er der direkte Nachfolger von Prof. Walter beim LWL in Münster, und wer weiß schon, ob er diesem vielleicht wegen dieses schönen und lukrativen Jobs zu Dank verpflichtet ist? Die emsländische Museumschefin Dr. Andrea Kaltofen, einzige Frau in der Männer-Expertenrunde, ist eine Loyale, vor allem gegenüber dem Landkreis Emsland, ihrem Arbeitgeber. Sie wird sich im Zweifel vermutlich zurückhalten. Eingeladen ist auch Dr. Heribert Lange, der Sprecher des Forums Juden Christen im Altkreis Lingen. Das Forum lehnt die Rosemeyer-Gedenkstätte bekanntlich strikt ab.

LWH-Chef Dr. Michael Reitemeyer ist der „Moderator“ des Fachgesprächs. Er hatte ursprünglich vorgeschlagen, auch den Lingener Kommunikationswissenschaftler und Autor Christoph Frilling einzuladen. Dies haben jedoch die Herren Rosemeyer jr. und Liesen sinngemäß mit den  Worten abgelehnt: „Wenn der kommt, nehmen wir nicht teil.“

Alle genannten Fachleute sind bisher übrigens nur eingeladen. Ob sie tatsächlich am Freitag in’s LWH kommen, weiß ich nicht. Aber falls nicht, hat Museumsmacher Heinrich Liesen ja zumindest seinen guten Willen gezeigt. 😉

Heute stellt sich mir in erster Linie die Frage, ob Gegner des Museums überhaupt gut daran tun, an dieser Inszenierung teilzunehmen. Oder tappen sie da in eine aufgestellte PR-Falle und werden als Alibi eingesetzt. Jedenfalls sollten sie ernsthaft ihre Teilnahme auf den Prüfstand stellen, zumal wenn es im Vorfeld des 22. Juni ein erstes Treffen gibt, zu dem sie gar nicht eingeladen sind. Dasjenige heute zum Beispiel.

Gastgeber Michael Reitemeyer hat in seinem Einladungsschreiben für den 22. geschrieben, das LWH lade ein, weil es sich als „Plattform für die Diskussion aktueller gesellschaftspolitischer Fragestellungen verstehe. In diesem Sinne sei das LWH „neutraler Boden.“ Das ist ein ausgesprochen schräger Terminus, wie ich finde. Wenn es dann noch heißt, dass „gerade dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden (sollte)– weil es ausgesprochen vielschichtig ist“, frage ich mich, was an einem von der NS-Propaganda instrumentalisiserten Sportler vielschichtig ist. Seine freiwillige SS-Mitgliedschaft kann es nicht sein.

Gerade in diesem Semester hält Professor Dr. Klaus Kocks eine Vorlesung zu dem Thema an der Hochschule Osabrück auf dem Campus Lingen. Bezeichnend ist es daher, dass auch dieser Mann als Teilnehmer von Initiator Heinrich Liesen abgelehnt wurde. Daneben stört aber vor allem eins: Es wird kein öffentlicher LWH-Akademieabend, sondern eine interne, eingemauerte Veranstaltung. Auf dieses interne „Experten“-Spektakel kann man daher gern verzichten.

Die aufgeklärte Bürgergesellschaft braucht keine solche Expertenrunde. Sie braucht in „Fliegenschiss“-Zeiten mehr denn je den öffentlichen Diskurs, damit die Initiatoren erkennen, was sie da mit ihrer Gedenkstätte anrichten. 

7 Antworten to “Inszenierung”

  1. H Liesen said

    armer Robert, wo hast Du nur soviel falsche Informationen her???

    • Welche Informationen sind falsch, welche nicht? Da würde mich eine ausführlichere Stellungnahme schon interessieren ..

      • Inhaltlich ist alles richtig, nur wurde fälschlich der 18. Juni für ein Vrtreffen genannt, tatsächlich war es bereits der 18. Mai. Es gab übrigens mehrere Vorgespräche, an denen Prof. Walter und LWH-Chef Reitemeyer – und in mindestens einem Fall auch Heinrich Liesen – teilgenommen haben. LT-Mann von Bevern hat an diesen Gesprächen nicht teilgenommen. Falsch war also die Angabe, es finde am 18. Juni ein Vortreffen statt. Die Vorgespräche waren schon eher, u.a. einen Monat zuvor am 18. Mai, wie ich (leider) jetzt bei zusätzlichen Recherchen herausgefunden habe.

  2. H.Holthaus said

    Das sind doch wohl noch die Nachwirkungen der klaren Niederlage bei der letzten Wahl. Ein Herr Koop konnte noch nie verlieren. Er wird alles kritisieren was in.der nächsten zeit von anderen Personen kommt!

    • Mathis said

      Naja,
      Nazi Museum bleibt Nazi Museum.
      Da erschließt sich mir der Kontext zur Bürgermeisterwahl nicht.
      Aber da muss wohl ein elitärer einflussreicher Club(erzkonservativer bis brauner Gesinnung) dieses Unternehmen ja wohl irgendwie unterstützen.
      Mich stört, dass das bunte Zusammenleben in dieser tollen Stadt durch den autistischen Trieb eines Industriellen braun gefärbt wird. Und man kann nichts machen. Lingen als neuer Wallfahrtsort für arische völkische Sporthelden. Hausgemacht und völlig unnötig. Ich wünsche mir dass dieses Projekt scheitert und stattdessen die Bernd Rosemeyer Strasse umbenannt wird……..

  3. Paul Haverkamp said

    Lingen benötigt kein Museum für einen SS-Hauptsturmführer!

    Man kann es nicht oft genug wiederholen:

    Die vor allem vom Lingener Unternehmer Liesen betriebene Verharmlosung der politischen Verstrickungen Rosemeyers mit dem NS- bzw. SS-System gilt es immer wieder in den Mittel- bzw. Vordergrund zu rücken.

    Hinzuweisen gilt es immer wieder auf die von Rosemeyer sen. gezeigte Ignoranz gegenüber den schon vor 1938 von der SS begangenen Gräueltaten und seine zugleich von jeder Nachdenklichkeit und jedem kritischem Hinterfragen des SS-Systems ungetrübten Einstellung. Wenn Rosemeyer gewollt hätte, die Gräueltaten der SS vor 1938 zur Kenntnis zu nehmen, so hätten sich zahlreiche Anlässe geboten; doch offensichtlich wollte Rosemeyer von den im Folgenden von mir aufgelisteten Gräueltaten keine Kenntnis nehmen.

    Sein von Narzissmus und Obsession gesteuerter Drang, sich mit Hilfe eines totalitären und Menschen verachtenden Systems zum „Sonnenkönig“ der Rennfahrergeschichte krönen zu lassen, war wohl stärker als seine Bereitschaft zu kritischer Reflexion bezüglich seiner SS-Mitgliedschaft und zur Abwägung von christlichen Grundwerten, in deren Mittelpunkt Menschlichkeit, Menschenwürde und die Gleichheit aller Menschen stehen.
    Herrn Liesens Ansinnen ist darauf gerichtet, Rosemeyer zu entpolitisieren und – wie Tausenden von Nazitätern nach dem 2. Weltkrieg – ihn politisch zu exkulpieren bzw. ihn mit einem „Persilschein“ auszustatten.

    Liesen/Rosemeyer jun. haben mit ihrem Beitrag in der Zeitschrift “Pitwalk” selbst ein Paradebeispiel geliefert; die hier abgedruckten Unwahrheiten zur Entpolitisierung und Historisierung Rosemeyers sind leicht zu durchschauen und sollten wohl als Camouflage – unterlegt mit Exkulpationsabsichten – eines sehr wohl politisch involvierten Mitläufers dienen. Man schaue sich nur die Bilder und Personen seiner Begräbnisfeier an. So hatte Liesen z.B. in „Pitwalk“ folgende Märchen verbreitet:

    • dass Rosemeyer jüdischen Mitbürgern zur Flucht verholfen habe

    • dass Dr. Remling sich von der Mitarbeit im geplanten Museum hätte überzeugen lassen

    • dass im Lingener Stadtarchiv Tagebücher Rosemeyer unter Verschluss gehalten würden

    • dass Lingens Oberbürgermeister Krone positiv einer Museumsgründung gegenüberstehe

    Liesen hatte gegenüber der LT formuliert: „Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass Bernd Rosemeyer unpolitisch war, würde ich mich nicht so engagieren“. Deutlicher kann man das Ziel der Entpolitisierung Rosemeyers nicht formulieren.
    Rosemeyer, der sich freiwillig und bewusst als Mitgliedsorganisation zur persönlichen Illumination der SS bediente und dem die Mitgliedschaft im NSKK wohl nicht ausreichte, um das Crescendo der persönlichen Glorienfülle herbeizuführen, darf keine weitere Ehrung (vgl. Straßenname) zuteil werden; zumal er seine Augen vor den Bestialitäten und Brutalitäten eines barbarischen Systems vor seiner eigenen Haustür in Esterwegen fest verschloss.

    Unmittelbar nach der Errichtung der ersten drei Emslandlager im Sommer 1933 verbreiteten die SS-Bewacher von Juli bis November 1933 einen derart „wilden“ Terror, dass der SS das Kommando wieder entzogen wurde. Im April 1934 wurde der SS die Verfügungsgewalt für das Lager Esterwegen zurückgegeben. Jetzt führte die SS in Esterwegen einen „geregelten“ Terror durch – nach einer „Besonderen Lagerordnung“ sowie einer speziellen „Disziplinar- und Strafordnung“. Das Konzentrationslager bestand das Lager Esterwegen bis 1936.

    • Hat Rosemeyer von all den folgenden Dingen nichts gewusst, obwohl das KZ Esterwegen vor seiner „Haustür“ lag?

    • Wie hat er sich wohl gefühlt als SS-Hauptsturmführer, dessen Kameraden in Esterwegen für die Inhaftierten die Hölle auf Erden organisierten?

    • Waren seine moralisch-ethischen und religiösen Antennen in dieser Zeit ausgeschaltet, da er angeblich nur „Benzin im Blut“ gehabt hat?

    Von den barbarischen Unrechtstaten vor der Haustür von Rosemeyer hätte derselbe auch wissen können; aber er wollte sie wohl nicht wissen, um die Ehre seiner SS-Kameraden in Esterwegen nicht zu beschädigen.

    Fazit:

    Mit Nachdruck gilt es auf die Bedeutung der „Mitläufer“ und vor den Gefahren einer Bagatellisierung hinzuweisen; denn genau diese „Mitläufer“ tragen die Hauptverantwortung für die Ermöglichung eines zwölfjährigen Terrorsystems. Obwohl Rosemeyer gewiss nicht zu der Personenkategorie der Shoa-Täter gehört, so wird man dennoch festhalten dürfen, dass Rosemeyer eine mangelnde Bereitschaft gezeigt hat, die Verantwortung für sein eigenes Handeln zu reflektieren. Götz Aly schrieb in einem Zeitungsbeitrag mit dem Titel „Wir sind leider vor allem noch immer Mitläufer“ 2015: „Statt historischer Tatsachen haben angenehme Selbstbilder Konjunktur“.

    Denn genau diese „Mitläufer“ tragen die Hauptverantwortung für die Ermöglichung eines zwölfjährigen Terrorsystems. Urteile deutscher Gerichte aus jüngster Zeit – bezogen auf Mitläufer in Konzentrationslagern – haben dem Schutzargument, man sei doch nur „Mitläufer“ oder „Befehlsempfänger“ gewesen, jeglichen Boden entzogen.

    Das Ansehen Lingens wird nicht dadurch gesteigert, dass es ab 2019 vermutlich über ein Museum zu Ehren eines SS-Hauptsturmführers verfügt. Die LT spricht am 27.2.2017 – an Liesen gerichtet – u.a. von der Gefahr: „dass sein Museum sich zu einer reinen „Heldengedenkstätte“ degradiert und zu einem Anziehungspunkt für Ewiggestrige wird.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

    Paul Haverkamp, Lingen

  4. H Liesen said

    Robert, auch am 18. Juni hat definitiv kein Treffen stattgefunden. Nenne doch bitte einfach Ross und Reiter, woher Du die Informationen bekommen hast und was Dich beflügelt, falsche Informationen in der Art und Weise noch zu publizieren??
    Alles etwas abenteuerlich, wie blind Du vorgehst.

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